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ab 1900
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Wir sind hier: Bürger-Rezeption 1800-1815

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1800

Anonym. Life of Godfred-Augustus Bürger. In:The Annual NECROLOGY for 1797-8; VOL. I.  Digitalisiert von Google.

“[p. 122] Here it was that Bürger first met with Herder's dissertation on the songs of rude nations, which drew his attention to the ballads of England, and with Percy's Reliques, which immediately became his manual. These books decided for ever the character of his excellence. From a free translation of "The Friar of Orders Gray" (Bruder Graurock), and "The Child of Elle" (Die Entführung), and from an imitation of Dryden's Guiscardo and Sigismunda (Lenardo and Blandine), he rapidly passed on to the production of "The Wild Huntsman," (The Parson's Daughter,) and "Lenore." The two latter are probably the finest ballads extant. No other minstrel communicates to the reader an equal degree of interest and agitation; it is difficult to peruse them in the closet without breaking loose into pantomime. Nor is he less master of the more difficultly arousable, rapid, and impetuous movements of the soul, than of the tenderer feelings of the heart. His extraordinary powers of language are founded on a rejection of the conventional phraseology of regular poetry, in favour of popular forms of expression, caught by the listening artist from the voice of agitated nature. Imitative harmony he pursues almost to excess: the onomatopœia is his prevailing figure; the interjection his favourite part of speech: arrangement, rhyme, sound, time, are always with him an echo to the sense. The hurrying vigour of his diction is unrivalled; yet is so natural, even in its sublimity, that his poetry is singularly fitted to become a national and popular song.”

Der vollständige Beitrag in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1800

Mercy,J.A. Auch ein Wort zur Ehrenrettung des weiblichen Geschlechts, in Bezug auf die Berliner weibliche Welt. In: Berlinisches Archiv der Zeit und ihres Geschmacks. Berlin.  Digitalisiert von Google

“[S. 219] An Schriften, die nicht nur die Bildung, sondern vorzüglich auch die Würdigung des so lange verkannten und zurückgesetzten weiblichen Geschlechts zum Gegenstand haben, ist kein Zeitalter fruchtbarer gewesen, als das letzte Viertel des laufenden Jahrhunderts. Brandes, Madam Bürger, Ewald, Hippel, Lafontaine, Mauvillion, Meiners, Pockels, Frau von la Roche, Salzmann, Sprengel, Fr. Schulz u.a. m., selbst Catharina II, Kaiserinn von Rußland, in ihrem Versuche über die Weiber, haben den letzten und schönsten Triumph erfochten, über den ehemaligen Unsinn des
weiblichen Materialism, so wie über alle daraus entstandenen unedlen Meinungen.
  Und dennoch erhob sich vor kurzem in Berlin, mitten in der schönsten Aussaat der theoretischen und praktischen Vervollkommnung dieses Geschlechts, ein Schriftsteller des Tages, der ihm geraden Weges alle Vernunft absprach, und aus bloßem Gefühle zu handeln gleichsam nur erlaubte.“

 

1800

Vetterlein, Christian Friedrich Rudolf. Handbuch der poetischen Litteratur der Deutschen, d.i. Kurze Nachrichten von dem Leben und den Schriften deutscher Dichter.

“[S.547] An den Angelegenheiten seiner Freunde nahm er herzlichen Anteil: und zum Besten seiner Familie war er unablässig beschäftigt; bei dem allen aber trieb er eigentlich nur die Arbeiten mit Lust, die sich auf seine Kunst bezogen; ihr war er mit ganzer Sele zugethan; in ihr fand er Vergnügen; von ihr erwartete er Ehre, und in ihr zu einer Stufe von Vollkommenheit zu gelangen, war sein heißester Wunsch und sein eifrigstes Bestreben. Dabei erkannte er das Verdienst anderer Dichter eben so bereitwillig an, als es ihn freuete, wenn seine eignen Gedichte von gebildeten Leuten gelobt wurden; aber gegen den Beifall des großen Haufens  ward er mit den Jahren immer gleichgültiger; diesen hielt er (nicht ohne Grund) für unfähig, über Dichterwerke zu urteilen, und es war ihm gar nicht recht, daß gerade seine Lenore, die er selbst nicht zu seinen bessern Gedichten zählte, das meiste Aufsehen gemacht hatte. - Bürger besaß übrigens viel Kentnisse in manchem Teile der Gelehrsamkeit; er hatte die besten Schriftsteller der Alten und Neuen in ihren Sprachen gelesen; er verstand diese gelehrten Sprachen sehr gut; noch im Alter lernte er die schwedische; und wie groß seine Stärke in der deutschen war, das beweisen seine Gedichte.

[S. 549] Ein Mann von der lebhaften Imaginazion, der Wärm des Gefühls, dem guten, menschenfreundlichen Herzen, dem reichen Humor, den ausgebreiteten Kentnissen, und dem Fleiß, dem Studium und der brennenden Liebe zur Kunst, wie Bürger, musste wohl ein vortrefflicher Dichter werden; seine Gedichte tragen unverkennbare Spuren von jenen Gaben und Eigenschaften und verdienen den allgemeinen Beifall, den sie fast in allen Ständen gefunden haben. Ihr Inhalt ist immer wahr, lehrreich und originell, die Darstellung warm, oft anschaulich und malerisch, der Ausdruck, wo nicht stäts erlesen, doch stark, klar und populär; und die Verse harmonisch, lieblich, fließend und gefeilt. - Ein Fehler manches Gedichts und mancher einzelnen Stelle ist das Derbe, Ueberstarke und Uebermäßige im Ausdruck der Empfindung und in der bildlichen Vorstellung der Gedanken; ein andrer, der noch häufiger vorkommt, war eine Folge seines sonst löblichen Bestrebens nach Popularität. Als er die erste Sammlung herausgab, hatte sein Geschmack die einseitige Richtung genommen, daß er, um dem großen Haufen recht verständlich zu werden, und den Ton zu treffen, der ihm das Herz rührt, aus dem Deutlichen oft ins Gemeine, Platt und sogar ins Ekelhafte fiel.

[S. 550] Trotz allem, was die Kritiker mit Recht und Unrecht gegen diese Lieder eingewandt haben, hat sie doch das lesende und singende Publikum seit ihrer Erscheinung in Schutz genommen; der wahre Volkston, die treffenden Selengemälde, die sie aufstellen, das warme Lob der Tugend und Unschuld, das sie enthalten, erwarben ihnen diesen Beifall, und manches wird vielleicht noch lange Volkslied, in edlerm Sinne des Wortes, bleiben.”

Vetterleins Handbuch in der ONLINE-Bibliothek.

 

1800

Bürklin, Johann. Auf Bürgers Manen. In: Bürklins auserlesene Gedichte, Zum Besten der verunglückten Schweizer.

„Du hast im Leben dir den Lorbeerkranz errungen;
Bewundert wirst du seyn im Tod, nicht bloß beweint,
Unsterblich hast du dich durch manches Lied gesungen,
Wer hat Geschmak, Gefühl, und ist nicht Bürgers Freund?
   [...]
Zwar sangest du nicht für die feine Welt,
Die ihres Beyfalls nur die Franken würdig hält;
Jedoch bist du Matronen, Greisen, Jungen,
Durch Lieder, wie sie nie der Franke, Britte sang,
Durch deiner Leyer malerischen Klang,
Durch Aug und Ohr ins Herz gedrungen.
   [...]
Du sangst für's Volk; doch für den Pöbel nicht;
Dem großen Haufen mag ein Bänkelsänger spielen!
Doch, wie dem Volk, gefällt dem Weisen dein Gedicht.
Wer wird dich nicht verstehn, wer deinen Werth nicht fühlen?
Denn niemals sangest du ein mittelmäßig Lied,
Und ohn´ Erröthen kann dich selbst die Unschuld lesen.”

Das vollständige Gedicht in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1800

Schnurr,Baldrian. Abenteuer des Junkers aus der Haide.  Digitalisiert von Google.

“[S. 91] Junker Bernhard - - - doch wahrhaftig, die liebliche Stimme des Wächters ertönt, der allen getreuen Bürgern befiehlt, auf ihr Feuer wol Achtung zu geben, damit kein Schade geschehe; die Gespenster kommen aus den Gräbern hervor, und rasseln mit klirrenden Ketten durch das erschrockne Haus - kurz, es ist zwölf Uhr. Länger kann ich nicht aufbleiben, wahrhaftig nicht. Ich fürchte mich vor Gespenstern, wie Bürgers Leonore. Gute Nacht!

[S. 196] Nur eine Bedenklichkeit äußerte sie noch, auf die auch Trudchen in Bürgers Entführung hindeutet; aber unser Ritter sagte sein
   O Kind! auf meine Rittertreu
   Kannst du die Erde bauen,
mit eben so aufrichtiger Miene, als dort Karl von Eichenhorst, und Miekchen ergab sich. - ”

 

1800

Grétry, André Ernest Modeste. Gretry´s Versuche über die Musik. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 188] Ein musterhaftes Beispiel dieser Art, wo Gesang und stille Lektüre mit einander abwechseln, je nachdem bloß erzählt wird oder Empfindungssprache eintritt, während im erstern Falle passende Instrumentalsätze fortgehen, ist Bürgers Leonore vom Kapellmeister Kunzen in Koppenhagen. “

 

1800

Anonym. Zum Schottischen Dichter Robert Burns. In: Englische Miscellen, Erster Band. Tübingen. Digitalisiert von Google

“ [S. 69] Die aber, welche noch nicht mit Burns bekannt sind, und doch seine Gedichte leicht erhalten können, würden sich bald von seiner Vortreflichkeit überzeugen, wenn sie folgende vorzüglich bewunderte Stüke lesen wollten: The twa dogs (wo sich zwey Hunde erzählen, wie die Menschen in der Stadt und auf dem Lande leben - ein hinreissendes Gedicht); Haloween (man findet da unsern Bürger wieder); to a Mountain daisey; On seeing a wounded hare, a fellow had shot at (ein Gedicht, das den guten Burns in seiner ganzen Liebenswürdigkeit zeigt, und das man unmöglich ohne Rührung lesen kann); on Capt. Grose´s peregrinations (in der Manier unsrer Göcking und Bürger, ein Meisterstük von gutmüthiger, trokner Laun!) “

 

1800

Batsányi, Gabriele. Ein Jugendtraum. In: Sämmtliche Gedichte Gabrielens von Baumberg. Wien. Digitalisiert von Google

“[S. 4] Diess wollt´ ihm gar nicht ein, - - Die leichte Reiterinn,
     Gab sich indess den Schwung erhöhter Phantasien,
        Und sah mit wonnigen Entziicken,
        Mit schwärmerischen Liebesblicken
     Schon ins Gebieth der fernen Zukunft hin; -
     Sie schmiegte sich wie Bürgers Leonore,
     In jenem Schreckenstraum am schwarzen Gitterthore,
     lm Geste fest an ihren Trauten an,
     Und hielt statt Willhelm des ersehnten Gatten,
     Nur sein Skelet und seinen bleichen Schatten
     In ihren Arm - o, grauenvoller Wahn! -
     So ging es mit verhängtem Zügel,
     Unaufgehalten über Thal und Hügel,
     Im sausenden Galopp durch Dorn und Distel fort;
     Auch luftige Gestalten, so wie dort,
     Umflattern ihren Weg, hier fletscht der Neid die Zähne,
     (Ich hielt mich an des Flügelpferdes Mähne) “

Der vollständige Beitrag in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1800

Kotzebue, August von. Prolog zur Lenore, welche in Weimar im Jahr 1800 als Schattenspiel vorgestellt wurde*). In: Abendzeitung, 9. December. Dresden 1820. Digitalisiert von Google

“ Hoch Gepriesene Damen und Herrn,
  Die Schale, wie Sie wissen, ist nicht der Kern.
  Es möchte scheinen ein Schattenspiel
  Solle bedeuten für Kinder und Weise nicht viel.
  Aber, mit Gunst, es sind nur Schalen,
  Welche gar treffliche Moralen,
  Gleich den Verschen in den Devisen,
  Als einen gewürzigen Kern verschließen.
  Für Alt und Jung, für Groß und Klein,
  Soll es ein kräftiges Momento seyn,
  Daß dieee Welt mit aller Glorie,
  So wohl die künftige, als die vorige,
  Mit allem, was uns schön und häßlich deucht,
  Doch oft nur einem Schattenspiele gleicht.
  Vom fernen Ganges bis zur Tibet,
  Wandeln wir Alle wie Schatten vorüber,
  Der eine steht ein wenig länger,
  Der andere breiter, der dritte enger,
  Doch werden wir alle des Dinges müde.
  Ein Schatten ist immer das End vom Liede.
  An Größ´ und an Bevölkerung gleich,
  Wird nie ein Staat dem Schattenreich,
  Dito in der moralischen Welt
  Der Schatten ein großes Ansehn behält.
  Denn überall - unter großen Debatten,
  Schnappen die Menschen nur nach dem Schatten.
  Auch steht, seit manchem tausend Jahr,
  Im Schatten das Verdienst sogar.
  Vom kühlen Schatten singen die Dichter.
  Des Esels Schatten verwirret die Richter,
  Im Schatten der Nacht man Liebende trifft,
  Nachtschatten ist auch ein gefährliches Gift.
  Kurz überall im menschlichen Leben,
  Sind wir ringsum mit Schatten umgeben.
  Sie sind es, die uns die Ehre vorgaukeln
  Und in der Wiege der Hoffnung uns schaukeln;
  Sie sind es, denen wir fröhlich nachhüpfen,
  Obgleich sie uns stets aus den Armen entschlüpfen.
  Drum sey mir auch heute großgünstig vergönnt,
  Ein Ding, das man ein Schattenspiel nennt,
  Der hohen Versammlung zu präsentieren,
  Und sie, wo möglich, zu amüsiren.
  Den Stoff hat ein Dichter abgehandelt,
  Der auch schon unter den Schatten wandelt,
  Getroffen vom großen Menschenwürger:
  Er heißt Gottfried August Bürger.
  Konnte Balladen und Lieder singen,
  War auch Professor in Göttingen.
  Das arme Mädchen, Lenore genannt,
  Ist jedermänniglich wohl bekannt.
  Drum bitt´ ich nunmehr die Ohren zu spitzen,
  Und zugleich die Aeuglein aufzuschlitzen.
  Soll es aber recht ordentlich nutzen,
  So muß man vorher die Lichter ausputzen.
  Nur schade daß so manche Schönheit
  Dadurch unsichtbar wird auf kurze Zeit;
  Doch da wir sie alle im Herzen tragen,
  So hat das so viel auch nicht zu sagen,
  Und wem der Stern der Liebe thut funkeln,
  Der sieht die Schöne auch im Dunkeln.

*) für einen kleinen Privatzirkel, im Augenblicke, als sich die darstellenden Personen in der Garderobe zur Vorstellung ankleiden.“

 

1800

Bilderbeck, Ludwig Franz Freiherr von. Die Urne im einsamen Thale. Zweiter Theil Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 120] Stämminger. Sonderbar! - sage mir, armes Weib, wer hat dich hieher gebracht?

       Das Weib. (indem es die Gemählde an der Wand der Reihe nach beleuchtet - singt mit leiser Stimme)
               Durch Nacht und Dunkel komm ich her, zur Stunde der Gespenster usw. - plözlich bleibt es vor einem Gemählde
               stehn, welches ein junges Mädchen vorstellt, das mit einem Hunde spielt) “

 

1801

Anonym. Sommerschauspiel in Dresden. In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[Sp. 796] Ueber die J. Sekondasche Gesellschaft sind Ihnen vielleicht hier und da Urtheile aufgestoßen. Mir scheint sie besser als manche berühmtere, weil sie natürlicher und anspruchloser spielt. Der Direkteur ist auch für ihre Ergänzung und Verbesserung durch neue Mitglieder nicht unbesorgt. Wohl glückt ihm diese nicht immer. An Herrn Zeibig und Mamsell Bürger hat er indessen erst vor kurzem keine üble Akquisizion gemacht. Darin stimme ich übrigens mit mehrern zusammen, daß die Gesellschaft die Operette und das Komische überhaupt für ihre Sphäre halten, und sich - das setze ich vielleicht allein hinzu - durch keinen Tadel der sogenannten Geschmacksrichter aus ihr sollte heraus drängen lassen. “

 

1801

F. Theater in Altona. In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[Sp. 638] In Altona fand ich eine - alte Bekannte, Madame Elise Bürger, mit der ich, wie Sie wissen, in Göttingen studirte, wenn Sie so wollen. Sie war vom Hannövrischen Theater nach Altona hinüber, verschrieben glaub´ ich, um hier einige Gastrollen zu spielen. Ihre Damen von Stande, z. B. die Milford in ´Kabale und Liebe,´ zeichnen sich noch immer nicht unvortheilhaft aus. Aber sie warf sich in das Fach der muntern Mädchen, sie spielte die lustige Schwester in Kotzebue's Frau im Walde. Etwas Mittelmäßigeres, (um nicht schlecht zu sagen) als dies Stück, ist mir kürzlich nicht vorgekommen “

 

1801

Kl. Rezension Althofs "Einige Nachrichten [...]". In: Neue allgemeine deutsche Bibliothek. Des LVIII. Bandes Erstes Stück.  Digitalisiert von Google.

“[S. 460] So viel indeß auch von seiner üblen Stimmung, gekränktem Stolze und getäuschten Hoffnungen in seine Gedichte übergegangen seyn und an ihnen haften mag, - sie werden ihrer mannichfaltigen Flecken und der scharfen Rügen, die über sie ergangen sind, ungeachtet, sich noch lange unter uns erhalten, und der Name ihres Verf. wird nicht untergehen. Die Natur gab ihm ein reges Gefühl für das Schöne, eine leicht sich entzündende Phantasie und eine Sprache, die das Empfundene kunstlos und Allen verständlich darstellte. Wenn er sich zuweilen zu wenig über die bloß sinnliche Nachahmung erhebt, und zuweilen aus den Gränzen des Natürlichen und Wahren in die des Platten und Gemeinen verirrt; wenn öfters, wo er dle Sprache der Einfalt reden will, ins Tändelnde und Spielende fällt, und, wenn er auf kühnern Fittigen höhern Regionen zueilt, sich versteigt; wenn er endlich, von Unmuth fortgerissen, sogar Gegenstände ergreift, die unter der Würde der Musen sind: so wollen wir auf der andern Seite nicht vergessen, daß uns derselbe Dichter auch kräftige, edle, wahrhaft rührende und fleckenlose Stücke geliefert hat; daß die dem vierten Theile seiner Schriften angehängten Verbesserungen unwidersprechlich beweisen, wie sehr er nach dem Vollendeten rang, und daß vielleicht nur eine günstigere Lage und die Aufforderung und Anregung einiger kritischen Freunde erforderlich waren, um seine Talenten eine glücklichere Richtung und seinen Versuchen eine höhere Vollkommenheit zu ertheilen.”

 

1801

Baggesen, Jens. Baggesens humoristische Reisen durch Dänemark, Deutschland und die Schweiz. Fünfter Band . Übersetzt von Carl Friedrich Cramer.

“[S. 131] Friedberg ist von allen den Orten, die ich gesehen, der, der am Mächtigsten den Geist und alle Sinne zurück in die alte romantische deutsche Ritterzeit versetzt. Man sieht hier nichts als Berge, Haine, Ruinen, hört nicht als Betglocken, denkt nichts als Andacht, und träumet nichts als Balladen. Im Mondscheine ist alle Dieß doppelt alt, schauderregend, feyerlich und abentheuerlich. Man gebe mir zwölf der kühnsten, gefühllosesten, freydenkendsten Amazonen aus dem ganzen schönen Geschlecht - erlaube mir, sie lm Mondschein hier herauf zu führen - ich verlange nicht einmal, daß es um Mitternacht seyn soll - nur blos Abends um Neun, Zehn oder höchstens Elf Uhr, - hieher, auf den Platz, den wir kürzlich verliessen, und - verstatte mir sie im Kreise um mich zu lagern, Bürgers Lenore vorlesen zu hören - ich wette Alles, wa ich besitze, und Alles, zu dessen Besitz ich jemals gelangen kann, gegen einen einzigen Kuß von jeder, daß sie, ehe wir zu der Stanze kommen:
     "Ach! wolltest hundert Meilen noch
     Mich heut ins Brautbett tragen ?
     Und horch ! es brummt die Glocke noch,
     Die elf schon angeschlagen." -
     "Sieh hi, sieh her ! der Mond scheint hell,
     Wir und die Todten reiten schnell.
     Ich bringe Dich zur Wette,
     Noch heut ins Hochzeitsbette."
alle zwölf in Ohnmacht gesunken sind. Thun sies nicht, so sind es sicherlich keine Frauenzimmer, und ich verliere alsdann meine Küsse mit Vergnügen; denn - "Nur Männer zu küssen, ist wässricht:
                       und überdem von Tode verboten."
Jedes einigermaßen kußliche Liebchen fiele gewiß in Ohnmacht, und würde die Ballade von meines Freundes Kunzen ächter Mondscheinsmusik begleitet, wachte es vielleicht niemals wieder daraus auf.”

 

1801

Schlegel, Friedrich Wilhelm von. Charakteristiken und Kritiken. Zweiter Band. Digitalisiert von Google.

“[S. 40] Frau Schnips ist nach The wanton wife of Bath, der Kaiser und der Abt nach King John and the Abbot of Canterbury. Beide Originale sind nicht alt, wie Sprache und Sylbenmaaß ausweisen, das letzte nach Percy's Zeugniß schon Umarbeitung eines älteren. Sie sind das, was man im Altdeutschen einen Schwank nannte: ein Stoff, der bei der gehörigen Behandlung wohl nicht vom Gebiet der Romanze auszuschließen ist, so wie jeder, der es versteht, zugeben wird, Lazarillo de Tormes sei ein romantisches Buch, wiewohl es lauter lustige Bettlergeschichten enthält. In dem Weibe von Bath ist jedoch eine zwar genialisch eingekleidete Belehrung zu sichtbar das Ziel, wodurch es mehr eine religiöse Fabel wird, in den Geist wie Petet mit der Geis, der betrügerische Schneider im Himmelreich, und andre bei unserm Hans Sachs. Der Gedanke ist äußerst keck, und schonende Behandlung war daher anzurathen: eine Weisheit, die der englische Dichter unstreitig bewiesen hat. Bürger, dem der Gedanke nicht gehörte, hat von dem seinigen bloß eine verwegene Ausführung hinzugethan.
   Daß es auf einen gewissen Grad drollig herauskommen muß, wenn einer die Patriarchen und Apostel niedrige Redensarten führen und wie Kärner fluchen läßt, begreift sich: aber dem Zwecke ist es hier ganz fremd, und wäre Bürger diesem treuer geblieben, so hätte er nicht nöthig gehabt, das zuvor schlimm gemachte durch eine angehängte Apologie wieder gut machen zu wollen. Es könnte jemand der komischen Begeisterung das äußerste für erlaubt halten, und doch manche von den Verstärkungen und Erweiterungen, womit das Original hier ausgestattet ist, platt und ekelhaft finden. Der burleske Gebrauch lateinischer Wörter, moderne Titulaturen, Anreden der Personen mit Er und Sie, und andre Züge erinnern an den Ton der Prinzessin Europa, die weder eine Romanze noch volksmäßig, sondern bloß gemein ist, und wo die fingirte Bänkelsängerei in allzuwahre übergeht.”

 

1801

Wagner, Johann Jakob. Lorenzo Chiaramonti. Nürnberg. Digitalisiert von Google

“[S. 104] Ich fühl´ es, und noch mehr, ich weiß es, dies Fluthen und Wanken hin und her, wie die Wogen des Oceans, oder die Aehren eines Kornfeldes, wenn der Wind darüber hinfährt, ist nicht mein Ziel und mein Element. Aber
      es hungert den Hunger, es dürstet den Durst
      sie sterben von Nahrung entfernt;
und mein Herz will lieber leiden, als leer seyn. “

 

1802

Anonym. Mitteilungen aus dem Theater. In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[Sp. 619] Aus Weimar.
 Auf unserm Theater trat die Schauspielerin Elise Bürger in einer Gastrolle als Ariadne auf. Der Ruf, der vor ihr hergieng, schien das Publicum zu großen Erwartungen zu berechtigen, und - täuschte. Es herrscht nur Eine Stimme und diese ist: daß man so etwas kümmerlich Mittelmäßiges hier noch nicht gesehen habe, als diese Ariadne. Es blieb bei der ersten Probe, und Mad. B. reiste weiter. 

[Sp. 764] Theatersachen.
 Leipziger Theater. Am 1 August debütirte hier die bekannte Madame Elise Bürger als Lady Milfort in Kabale und Liebe. Sie gefiel, nach dem höchst enthusiastischen Beifall zn schließen, ganz außerordentlich und ward darauf engagirt. Am 6ten übernahm es das Parterre Kabale und Liebe noch ein Mal für sich aufzuführen, während Rolla's Tod auf der Bühne gegeben wurde, in welchem Stück Madame B. die ihr sehr günstige Rolle der Elmire spielte. Das Militair, von diesen doppelten Rollen, die sich einander zerstören, unterrichtet, versetzte einige der Hauptakteure vom Parterre, ohne sich sonderlich bei Komplimenten aufzuhalten, aus dem Dunkel ins Klare, und das rechtmäßige Stück gieng nun ruhig seinen Gang fort.“

 

1802

Anonym. Theater. In: Neue allgemeine deutsche Bibliothek. Des LXIX. Bandes Erstes Stück. Berlin und Stettin. Digitalisiert von Google

“ [S. 374] 4. Macbeth, ein Trauerspiel von Shakespear, zur Vorstellung auf dem Hoftheater in Weimar eingerichtet von Schiller. Tübingen, bey Cotta. 1801. 10 Bogen. 8. [...]Nr. 4. ´Meine Auslassungen,´ sagt Bürger in dem Vorberichte zu seiner Übersetzung des Macbeth, ´werden hoffentlich kein Kirchenraub seyn. Dieser Tempel ist so voll, daß Vieles fehlen kann, ohne daß man es vermißt. Zudem habe ich ja nichts vernichtet; sondern nur Einiges im Schatzkasten zurückgelassen, woraus Jeder, welchem an diesem nicht genügt, nach Belieben nachholen kann.´ Von der vor uns liegenden neuen Bearbeitung des eben genannten Trauerspiels gilt dasselbe. Die, welche Shakespear unbedingt bewundern, und jeden, einem großen Dichter entwendeten Vers, für einen unverzeihlichen Raub erklären, mögen sich an das Original halten. Das Publikum kann H. Schiller nicht anders als danken, daß er durch zweckmäßige Abkürzungen und Veränderungen mancher Art, dem Stücke das genommen hat, was bey der Darstellung theils aufhält, theils stört, theils beleidigt, ohne ihm im Geringsten etwas von dem zu entwenden, wodurch es rührt und erschüttert. . ' “

 

1802

Frhr. v. S-a. Etwas über Adelstolz und Adelsfeinde. In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig.  Digitalisiert von Google.

“[Sp. 275] Ohne eigene Wegwerfung giebt es keine Verachtung, ohne Schmeichelei keinen stolzen Uebermuth und ohne Schwäche keinen Mißbrauch der Kraft. Wenn den Edelleuten Huldigungen gezollt werden, die nur Wesen höherer Art gebühren, so ist es kein Wunder, daß sie sich viel zu hoch anschlagen und manche darunter sich am Ende wirklich für Halbgötter halten. Was Bürger sagt, ist daher ganz wahr und richtig:
  ´Gleich wird des Adels Stolz sich geben,
  Wenn eure Kriecherei sich giebt.´ “

 

1802

Morzfeld, Johann Christoph. Fragmente aus Kants Leben: ein biographischer Versuch. Digitalisiert von Google.

”[S. 103] Sein [Kants] unermüdeter Fleiss, sein ehemaliger raisonnabler Verleger Hartknoch (damals in Riga), seine genügsame Lebensweise, häuften unmerklich sein Vermögen an, so dass er im späteren Alter die Früchte seines Fleisses geniessen konnte, und jener so oft bestätigt gefundenen Undankbarkeit eines Zeitalters entzogen wurde, welches bei Lebzeiten so manchen verhungern liess, während man nach ihrem Tode bemüht war ihr Andenken durch kostbare Monumente zu ehren. Die Engländer ihren Buttler, die Deutschen unsern Volksdichter Bürger.

 

1802

Schelle, Karl Gottlob. Karl Heinrich Heydenreichs [...] Charakteristik als Menschen und Schriftstellers. Leipzig.  Digitalisiert von Google

“[S. 120] Ueberhaupt war es eine Eigenheit Heydenreichs, daß er in seiner ästhetischen Bildung, worin er bey seinem für das Schöne jeder Art so sehr empfänglichen Geiste schnelle Fortschritte machen zu müssen hatte scheinen sollen, nur erst spät zu einer gewissen Reife gedieh. Sein Geschmack blieb während seiner Universitätsjahre meist roh. Schillers erste Gedichte waren ihm unübertrefflich. Wieland wollte ihm nicht behagen; aber er fand auch in gereiftern Jahren an ihm wenig Geschmack. Bürger gefiel ihm desto mehr. “

 

1802

Anonym. Rezension im Dramatischen Journal für Deutschland (Nürnberg 1802, 21. März) [sowohl Bürger als auch Schiller haben Shakespeares Macbeth übersetzt, hier ein Vergleich. Ein weiterer Vergleich s.u. Zitiert nach E. Ebstein: Schiller und Bürger in Zeitschrift für Bücherfreunde, 1905/1906 S.94-102]

“Schillers Verdienst in der Bearbeitung an Macbeth ist sehr unbedeutend, denn außer der Weglassung einiger Episoden - verdient die Bürgerische Übersetzung, der Sprachstärke sowohl als der theatralischen Wirkung wegen, bei weitem den Vorzug. Die Charakteristik der Hexen-Szenen hat durch die Versifikation und die gänzliche Veränderung der Ausdrücke bei Schiller so viel verloren, da´sie sich mit denen in der Bürgerischen Übersetzung gar nicht vergleichen läßt.”

 

1802

Salzmann, Christian Gotthilf. Gottfried August Bürger. In: Denkwürdigkeiten aus dem Leben ausgezeichneter Teutschen des achtzehnten Jahrhunderts.

“[S. 585] Bekanntlich hielt Bürger, nicht ohne Einseitigkeit, nur Volkspoesie für ächte Dichtkunst und er strebte darnach,seinen Gedichten Klarheit, leichte Verständlichkeit und Interesse für jedermann zu geben; daher sie auch von jedem Stande und Geschlechte gelesen, auswendig gelernt und gesungen werden, und er wahrscheinlich noch lange der Liebling jeder Volksklasse bleiben wird. Sein Verdienst um die Wiederherstellung der ächten Romanze ist unermäßlich groß; sehr viel verdankte er zwar den Englischen Balladensängern, die er häufig nachahmt; aber weit größer und reiner erscheint der Gehalt und die Kraft seines Geistes in denjenigen Romanzen, die ihm ganz gehören. Ihre Reihe eröffnet auf das glänzendste Lenore, die ihm, wenn er sonst nichts gedichtet hätte, allein die Unsterblichkeit zusicherte; nach ihr folgte der wilde Jäger, der Raubgraf, die Weiber von Weinsberg und andre. Ihnen sind eine Anzahl kleinere Stücke beyzuzählen, die zum Theil romanzenartig, zum Theil Lieder im Volkstone sind, und die eigenthümlich, ohne Bizarrerie, und frey und leicht, wie aus voller Brust gesungen sind. Mehrere seiner zarten und süßen Lieder auf Molly spielen Lust und Schmerz in das Herz, aber beydes oft zu stürmisch und zu laut; eben dieser wilde Sturm, dieses Uebermaß von Leidenschaft und diese Ueberladung von Bildern machen sein hohes Lied auf Molly, welches er eine Zeitlang partheyisch genug allen seinen Gesängen, selbst der Lenore, vorzog, zu einem bloßen rhetorischen Prachtstück. Die Gattung des ernsten und religiösen Liedes verdankt ihm einige sehr schätzbare Beyträge in der Männerkeuschheit, an Agathe, und beym Grabe seines Großvaters. Sein frühestes lyrisches Erzeugnis war die freye Bearbeitung der Nachtfeyer der Venus, an dem er, wie an allen seinen Gedichten, nie aufhörte zu bessern, wiewohl seine spätern Verbesserungen oft der ursprünglichen Lesart nachstehen.”

Der vollständige Beitrag in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1802

Jünger, Johann Friedrich. Was seyn soll, schickt sich wohl. Ein Originallustspiel in drey Aufzügen. Regensburg. Digitalisiert von Google

“[S. 17] Meinh. V. Guten Merzen, meine Tochter (indem er sich sezt). Fritz ist ausgeritten, wie ich höre?

      Rosalie. Ja! (komisch deklamirend) ´Knapp, sattle mir mein Dännenroß, daß ich mir Ruh' erreite, es wird mir hier zu eng im Schloß, ich
            muß, ich muß ins Weite. ´Ha, ha, ha! wer weiß, wo der arme Narr in Sümpfen und Wäldern herumreitet, und die verlorne Ruhe                seines Herzens— ach!— ver, geben« sucht!
      Meinh. V. Die verlorne Ruhe seines Herzens? “

 

1802

Anonym. Ehstland und die Ehsten, oder historisch-geographisch-statistisches Gemählde von Ehstland von Johann Christoph Petri. In: Oberdeutsche allgemeine Litteraturzeitung, 7. December. Digitalisiert von Google

“[Sp. 1098] Wir stimmen dem Verfasser ganz bey, wenn er S. 335 sagt: Man klagt so häufig über den Stolz des Adels und apostrophirt bey jeder
Gelegenheit an ihn. Man sollte aber nicht sowohl die Adelichen, als vielmehr die Bürgerlichen apostrophiren, dass sie ihre Kriecherey, Speichelleckerey und krummen Tücken gegen jenen Stand doch endlich einmahl ablegten und der Komplimente und Schmeicheleyen über den Reichthum, Rang und Glanz desselben, die ihre Eigenliebe so sehr kitzeln, ein Ende machten; so würde der alberne Stolz sich von selbst geben müssen. Werdet Männer, ruft ihnen der Zeitgeist zu und habt Ehrfurcht für eure Würde, Verdienste und für euer Jahrhundert! Beherziget den Spruch des weisen Dichters:
   Viel Klagen hör ich oft erheben
   Vom Hochmuth, den der Adel übt:
   Des Adels Hochmuth wird sich geben
   Wenn eure Kriecherey sich gibt. “

 

1802

Zenker, Johann Christoph. Auf die Schmid- und Zenkerische Eheverbindung. In: Zerstreute Gedichte. Zweite Lieferung. Weissenburg. Digitalisiert von Google

“[S. 72] 
   Ein kleiner Bänkelgesang.

   Die Hochzeit ist post Christum natum,
   Doch ist sehr ungewiß das Datum.

   [...]

   Herbey, wer gerne mit mir trinkt,
   Und nach dem Tanz sich sehnet!
   Die Cremoneser Geige klingt,
   Das krumme Hörn ertönet.

   Und darum schließ´ ich mein Gedicht,
   Sprech´, - festgelehn´t an's Ruder, - 
   Wie dort Neptun im Bürger spricht:
   Prosit mein lieber Bruder. “

 

1802

Schlez, Johann Ferdinand. 12. Kap. welches von Richards musterhafter Schulzucht Nachricht giebt. In: Gregorius Schlaghart und Lorenz Richard oder die Dorfschulen zu Langenhausen. Nürnberg. Digitalisiert von Google

“[S. 145] Das frohe Gesicht, mit dem er fast allemahl unter sie trat; die väterliche Zärtlichkeit, mit der er sie behandelte; die mitleidsvolle Mine, mit der er sie strafte; die feine Schonung, mit der er bey jugendlichen Schwachheiten und in ungewissen Fällen gegen sie verfuhr; sein unermüdetes Bestreben, ihnen durch den Unterricht Freude zu machen, und das eigne Seelenvergnügen, das aus seinen Augen blickte, wenn seine Schüler ihre Pflicht thaten, waren ihnen allen die untrüglichsten Beweise seiner Liebe, seiner väterlichsten Zuneigung - und
     Gegengunst, erhöhet Gunst,
     Liebe nähret Gegenliebe
     Und entflammt zur Feuersbrunst,
     Was ein Aschenfünkchen bliebe. “

 

1803

Anonym. Mein Taschenbuch [...] von Elisa Bürger. In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig.  Digitalisiert von Google

“[Sp. 894] Mein Taschenbuch, den Freundlichen meines Geschlechts geweiht von Elisa Bürger, geb. Hahn.
 Was mit freundlichem Sinne und dem Bestreben zn unterhalten freundlichen Schönen gewidmet ist (die es nehmlich von Herzem, und nicht der Grübchen wegen sind, die sich dadurch um den süßeu Mund her bilden und wobei man immer inwendig ein wenig beissig, zumal auf Vorzüge des Geistes seyn kann), das darf ja wohl auch ein Mann nicht anders als freundlich aufnehmen und beurtheilen, wenn er dazu Gelegenheit erhält. Also legt man hier das Zeugnis nieder, daß sich in diesen zwei recht elegant sich präsentirenden Bändchen, für die Lektüre der Damen manches Unterhaltende und Herz und Geist beschäftigende findet, und daß Mad. Bürger, von welcher das Mehreste darin ist, in einem recht angenehmen, natürlichen und meist reinen Styl zu erzählen versteht und unter die leichten, niedlichen Sachen manches Ernste und Lehrreiche aus dem weiblichen Leben zu mischen gewußt hat. Mit einer Dame übrigens wegen der Wahl ihrer Blätter und Blüthen zum Potpourri zu rechten, deren Duft obendrein nicht einmal für männliche Nasen berechnet ist, würde die größte Impolitesse verrathen.“


 

1803

Bürger, Elise. Impromtú. In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig.  Digitalisiert von Google

“[Sp. 542] Impromtú.
Die Schauspielerin, Mad. Elise Bürger, hat auf Mad. Pár in Dresden, die vor einiger Zeit in der Schöpfung von Haydn unvergleichlich gesungen hatte, folgendes Impromtú gemacht, das wohl einer Mittheilung nicht unwerth ist:
 
C´est la voix des anges sortant de ta bouche,
 Qui enchante nos coeurs, les enchaine et les touche;
 Chanteuse divine! si tu chantes les Dieux,
 Montre moi l´ínhumain qui refuse d´étre pieux!

 

1803

Bredetzky, Samuel. Beyträge zur Topographie des Königreichs Ungarn. Digitalisiert von Google.

“[S. 81] So wie der Hügel von beyden Seiten die Aussicht beschränkt, und das üppige Laub der Bäume ein heiliges Dunkel verbreitet, entfaltet sich von Begeisterung ergriffen, die Seele des Denkers. Hier hörte ich oft den hohen Gesang der geheiligten Muse, die den Meßias sang, und weinte die Thräne der Rührung; hier umschwebten mich oft deine schönen Traumgestalten, schwärmender Hölty; dein wildes Harfengetön, unsterblicher Bürger, rauschte mir oft schreckend durch die Wipfel der Bäume, deiner Lenore Klagen zerrissen mein Herz, und zitternde Ahndung durchglühte dasselbe, hörte ich den Hufenschlag deiner schnaubenden Rosse!”

 

1803

Arnold, Theodor Ferdinand Kajetan. Elisas Schicksaale. Die schöne Pachterin, Band 1.

“[S. 297] Die Magd hatte das Paquet mit den Noten das heute gekommen war, herauf in meine Stube getragen. Ich öffnete. Bürgers Ballade: des Pfarrers Tochter von Taubenheim nach Zumsteegs Meisterkomposition war das erste, was mir entgegen fiel. Ich kannte damals dieses Produkt der tragischen Muse Bürgers noch nicht. Der Titel fiel mir auf. Ich las den Text - er ergriff mich allmächtig. Ich spielte die Musik, versuchte zu singen, aber die Erschütterung meiner Seele versagte mir jeden Ton. Ich warf mich aufs Bette, weinte der armen Rosette, deren schauderhaftes Beispiel mich mächtig ergriffen hatte. Ach ich wußte nicht, daß ich meine eigne Zukunft beweinte.
 

1803

Anonym. Rezension Sechs Lieder mit Klavierbegleitung von Joh. Theob. Held. In: Allgemeine Musikalische Zeitung. vom 1. Oct. 1802 bis 21. Sept. Digitalisiert von Google.

“[S. 319] No. 3. ist dem Text angemessen, aber No. 4. weit bedeutender. Bürgers Liebeszauber (das bekannte: Mädel schau mir ins Gesicht!) ist von vielen Komponisten in Musik gesezt: aber keiner von denen, die mir bekannt worden, hat den Sinn des Liedes im Ganzen so gut als Hr. Held aufgefasst. Alle haben es nur als ein rasches, flinkes Liebeslied genommen, aber das tiefere Leidenschaftliche, das gewaltsam Drängende, das unter dem Scheine kecker Lustigkeit desto heftiger glüht, nicht gefühlt oder nicht wiederzugeben gewusst. Der Verf. hat seiner Musik diesen Charakter gegeben, und besonders sind die scharfen Modulationen Takt 2 und 3., 23 und 24., 27 und 28., sehr gut zu diesem Zweck, wenn sie nur weniger grell gestellt wären. Im Nachspiel, wo sie natürlicher verlegt sind, thun sie ganz die beabsichtigte Würkung.”

 

1803

Falk, Johann Daniel. Kleine Abhandlungen die Poesie und Kunst betreffend. Digitalisiert von Google.

“[S. 24] Kann die fromme Bedachtsamkeit des Alters mit dem sich seiner Verzweiflung ganz dahin gebenden Ungestüm der Jugend, naiver ausgedrückt, feuriger contrastirt werden, als in der Leonore von Bürger? Fürwahr erhübe der Schluß dieses Gedicht's, das mit einer echt Homerischen Lebendigkeit in der Darstellung, ein brennendes Shakspearsches Colorit vereint, uns, statt in die trüb hinziehenden Nebel einer gothischen Fabelwelt, lieber, wie etwa die Braut von Korinth, in die heitern Regionen der Dichtkunst: was ständ´ entgegen, ihm, ungeachtet seines kleineren Umfangs, einen Platz neben den besten charakteristischen Meisterwerken anzuweisen? Doch wie es ist, fehlt auch ihm, was den meisten übrigen Stücken dieses Dichters abgeht, die Reinigung der Leidenschaft.”

 

1803

Anonym. Gedanken und Wünsche. In: Allgemeine Musikalische Zeitung. No. 44  Digitalisiert von Google.

.“[Sp. 725] Von Mozarts grössern Werken hat wohl nur die Zauberflöte, wegen ihrer durch die meisten Parthieen verstreuten Anmuth, die die höchste Kraft gleichsam schonend verschweigt, allgemein gefallen; den Don Juan ganz zu geniessen, ist schon mehr vonnöthen, aber man geniesst ihn, wie man den Hamlet, Makbeth und Romeo genossen, man ahndet dunkel die lebendige Grösse, die göttliche Kraft, mit der hier die Geisterwelt in die irrdische tritt, um sie zu zerstören. Eben dies Schicksal hat auch Bürgers Lenore gehabt, ein Gedicht, das freilich mehr werth ist, als die schreyende Bewunderung, die man - einigen kleinen unbedeutenden Auswüchsen hat zu Theil werden lassen.”

 

1803

K. Postscripte. In: Eunomia. Zweiter Band. Julius bis December. Digitalisiert von Google.

“[S. 250] Die Andern.
 In einem Verzeichnisse von ein und neunzig deutschen Schriftstellern heißt es eben daselbst unter andern von dem seel. Bürger: Seine vorzüglichsten Gedichte sind: a) des Pfarrers Tochter von Taubenheim, b) das hohe Lied, c) Leonore und Andere. Ja, ja! das will ich glauben! - Warum hat der Verfasser sichs nicht auch so commode gemacht, und, statt ein und neunzig Autoren aufzuführen, nicht so gesprochen: Die geistreichsten Schriftsteller der Deutschen sind: Weikard, Brandes, Claudius, Nikolai, Jenisch, ( welche er wirklich anführt) und andre.”

 

1803

Anonym. Recensionen. Fünfzehn deutsche Lieder mit Begleitung des Fortepiano, in Musik gesezt von J.J. Hurka. In: Allgemeine Musikalische Zeitung.

“[S. 538] Bürgers "Bauer, an seinen durchlauchtigen Tyrannen" macht von S. 26. an den Beschluss der Sammlung. Die Musik zu diesem Stück stehet offenbar höher, als die Musik zu den andern in dieser Sammlung; höher auch, als fast alle Kompositionen H.s, die mir bekannt worden sind. Soll dies Gedicht nun einmal komponirt werden, so kann die Musik kaum zweckmässiger angelegt und kräftiger ausgeführt werden, als hier geschehen ist.”

 

1803

Baur, Samuel. Gottfried August Bürger. In: Interessante Lebensgemälde der denkwürdigsten Personen des achtzehnten Jahrhunderts.

“[S. 323] Da das Publikum, wie Rousseau sagt, auch ohne gehörig unterrichtet zu seyn, dennoch gerne urtheilt: so hat ein großer Theil desselben auch über Bürgers sittlichen Werth sehr einseitig geurtheilt. Er war kein Heiliger, besaß aber dennoch mehrere vortreffliche Eigenschaften. Ein hoher Grad von Herzensgüte und Wohlwollen zeichnete ihn ganz vorzüglich aus; obgleich selbst in schlechten Umständen, war er doch immer wohlthätig, selbst gegen Beleidiger und Feinde; gute und edle Handlungen, von welchen er hörte oder las, rissen ihn zu lebhafter Freude und lauter Bewunderung hin; aber schlechte und unedle Thaten empörten und reizten ihn, seinen Unwillen oft in gar kräftigen Worten zu äußern. [...] An den Angelegenheiten seiner Freunde nahm er herzlichen Antheil, und zum besten seiner Familie war er unabläßig beschäftigt; dei dem allen aber trieb er eigentlich nur die Arbeiten mit Lust, die sich auf seine Kunst bezogen; ihr war er mit ganzer Seele zugethan; in ihr fand er Vergnügen; von ihr erwartete er Ehre; und in ihr zu einer hohen Stufe der Vollkommenheit zu gelangen, war sein heißester Wunsch und sein eifrigstes Bestreben.”

Bauers G.A. Bürger in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1803

Bornschein, Ernst. Conrad belag. u. erob. Weinsberg. In: Geschichte unsers Teutschen Vaterlandes. Zweyter Theil. Lobenstein. Digitalisiert von Google

“[S. 100] Pastor: [...] Conrad hatte den Einwohnern unversöhnliche Rache und den Tod geschworen, nur ein glücklicher Einfall rettete der Besatzung das Leben. Der verstorbene Dichter Bürger hat diesen seltenen Zug teutscher Frauenliebe in einem Gedichte besungen.... ,

Säuberlich: Ach! so eben besinn' ich mich. Es ist ja wohl die Romanze: Wer sagt mir an, wo Weinsberg liegt?

Pastor: Ganz Recht. “

 

1803

Scheffner, Johann George. An die Generalin von F. In: Spaetlinge. Königsberg. Digitalisiert von Google

“[S. 3] 
   Zur Tugend und zum Reitz der Römerinnen,
   Zur attischen Gesprächigkeit,
   Wodurch die Damen aller Zeit
   Die Augen auf sich ziehn, oft auch das Herz gewinnen,
   Zu allen weiblichen Verdiensten, klein und gross,
   Erhieltest du den Keim schon in der Mutter Schooss:
   Durch Geisteskraft und eignen Fleiss gewartet
   Blüht er, und seine Frucht ist nicht vom Stamm entartet,
   Denn jeder sieht an Dir, was einst der alten Welt
   Gefiel, und auch der neuen wohlgefällt.
   Empfang drum heut zur Opfergabe,
   Bis für Dein Jahresfest ich reichre Opfer habe
   Im deutschen Bürger und im römischen Virgil
   Was Deutschen wohlgefällt und Römern einst gefiel,
   Und was, so lang als sich des Guten zu erfreuen
   Man nicht im Labyrinth verschmizter Künsteleyen
   Nach Schönheit sucht und sich verirrt,
   Der Welt stets, so wie Du, gefallen wird. “

 

1803

Falk, Johann Daniel.Ueber das Characteristische in der Poesie und Kunst. In: Kleine Abhandlungen die Poesie und Kunst betreffend. Weimar. Digitalisiert von Google

“[S. 24] Kann die fromme Bedachtsamkeit des Alters mit dem sich seiner Verzweiflung ganz dahin gebenden Ungestüm der Jugend, naiver ausgedrückt, feuriger contrastirt werden, als in der Leonore von Bürger? Fürwahr erhübe der Schluß dieses Gedicht's, das mit einer echt Homerischen Lebendigkeit in der Darstellung, ein brennendes Shakspearsches Colorit vereint, uns, statt in die trüb hinziehenden Nebel einer gothischen Fabelwelt, lieber, wie etwa die Braut von Korinth, in die heitern Regionen der Dichtkunst: was ständ´ entgegen, ihm, ungeachtet seines kleineren Umfangs, einen Platz neben den besten charakteristischen Meisterwerken anzuweisen? Doch wie es ist, fehlt auch ihm, was den meisten übrigen Stücken dieses Dichters abgeht, die Reinigung der Leidenschaft.“

 

1803

Musäus, Johann Carl. In: Nachgelassene Schriften. Mannheim. Digitalisiert von Google

Nach einer schweren Krankheit.
[S. 182] Nachdem ich nun seit der Zeit meinen Grimm an den Consorten aus der Romanisten-Gilde ausgelassen, und 30 solcher Philister in der allgemeinen Bibliothek mit dem kritischen Eselskinnbacken in die Pfanne gehauen, so bin ich nun aus eine neue Idee gekommen. Die Feereyen scheinen wieder recht in Schwung zu kommen; Rektor Voß und Amtmann Bürger vermodernisiren die tausend und eine Nacht um die Wette, selbst die Feenmährchen sind in Jena das Jahr wieder im Nürnbergischen Verlag von neuem gedruckt worden. Ich will mich an die Rotte anhängen, und lasse von meiner Drehscheibe jetzt ein Machwerk dieser Art ablaufen, das Titel führen wird: Volksmährchen,ein Lesebuch für große und kleine Kinder

Lästige Polizeyanstalten für Spatziergänger
[S. 72] Ich dachte in fünf Minuten vor dem Stadtthore zu seyn, und nach langem Zeitverlaufe dünkte mich die Entfernung noch die nehmliche, wie vor einer Stunde, obgleich der Postkutscher so wenig säumte, daß, mit Freund Bürger zu reden, Kieß und Funken stoben. “

 

1803

Weber, F. A. Ueber Volkslieder und ihre Veredlung. In: Schwäbisch-rheinisch-helvetisches Journal.
Drittes Heft. Heilbronn. Digitalisiert von Google

“[S. 11] Ein Volksliederdichter, welcher meint, Volkssprache und Pöbelssprache sey einerlei, irrt sich aber so sehr, als ein Erziehungsschriftsteller, der da glaubt, Kinderschriften müßten kindisch geschrieben seyn. Daß Bürger nicht selten die Pöbelsprache redete, wo er die Volkssprache reden wollte, kann Dichterlingen zu keiner Entschuldigung gereichen.
    Einen Dichter wie Bürger, kann man nemlich zur Noth mit dem Horazischen ubi plura nitent In carmine absolviren, wenn er über die Schnur haut, aber keinen Reimschmiedt. 

[S. 21] Der Pursche den ich meyne.
    Gegenstück von: Das Mädel daß ich meyne.
                von Bürger.
    In gleicher Melodie mit Bürgers Volksliede.
      1.
   Schau her! in was für Liebespracht
   Der Pursche, den ich meyne, lacht.
   Beginn, o Sang, und sage an:
   Wer hats Mirakel aufgethan,
   Daß so in tausend Liebespracht,
   Der Pursche Aug und Herzen lacht?
      2.
   Wer traf ohn Zirkel und Compaß
   Der Pursche Nase rechtes Maas?
   Mama Natur - die hats gethan,
   Die Höh und Tiefe formen kann:
   Die traf ohn Zirkel und Compaß
   Der Purschen Nase rechtes Maas.
      [...]
      12.
   Doch ach! für wen auf Erden lacht
   Der Pursche so in Liebespracht?
   Mir tönts in meines Herzens Schrein!
   Kein Mädel möcht ich warhlich seyn,
   Wenn nicht in seiner Liebespracht
   So einer mir auf Erden lacht.“

Der vollständige Beitrag in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1804

[zu Elise Bürger]. In: Zeitung für die elegante Welt.  Digitalisiert von Google

“Intelligenzblatt 6. März 1804 
  Bei C.A. Friese in Pirna ist von dem in mehreren kritischen Blättern mit vielen Beifall aufgenommenen Taschenbuche: den Freundlichen meines 
  Geschlechts geweiht von Elisa Bürger, so eben das zweite Bändchen erschienen; und auch in diesem Bändchen wehet der Geist des
  unvergeßlichen Bürgers, dessen Gattin sie war.

[Sp. 323] Einige Worte über die Gemähldeausstellung im Brühlschen Garten in Dresden. [...]
  Dies Meisterwerk der poetischen Mahlerei veranlaßte folgendes Sonnett an Grassi, für dessen Verfasserin man Mad, Elise Bürger hält:
  Ja, himmelwärts hat sich dei Bild erhoben
    In solchem Lichte leben Fantasien,
    Sie glücken Glücklichen ohn´ ängstlich Mühen,
    Denn die verklärte Sendung kommt von oben.
  Nicht Sterblichen geziemt dies Werk zu loben,
    Für Göttliche nur durft´ es kühn erblühen,
    Vollendet deiner Schöpferhand entfliehen,
    Des Meisters höh´re Weihe laut erproben.
  Nur zwischen Sternen muß sie ewig prangen,
    Entrückt dem ird´schen Raum, dem ängstlich Bangen
    Die Geistgeflügelt singend aufwärts schwebt;
  In hoher Einfalt Anmuth Kraft und Streben,
    Der Kinderheimath sich entgegen heben,
    Wo Grassi´s Name unter Musen lebt!

[Sp. 528] Neuigkeiten des Wiener Hoftheaters.
  Mitgefühl, ein Liederspiel von Treitschke, gefiel nicht. Der Plan und die Ausführung sind ohne Verdienst, und die Wranitzkysche Musik ohne Wirkung. Es fehlt ihr an Melodie und dem wahren einfachen Ausdruck, der bei Liedern von Bürger u.s.w. karakteristisch gewesen wäre.

[Sp. 436] **m.  Bemerkungen über die Darstellung des ´Spielers´auf dem Leipziger Theater. [...] Es ward ´der Spieler´ von Iffland gegeben. Ein Stück, das seine langweiligen Stellen hat, die nur große Kunst der Schauspieler auszufüllen vermag, welches ich überdem unter der Direkzion des Verfassers und durch sein unnachahmliches Spiel belebt gesehen hatte.Dies lies mich um so weniger erwarten.
     Bei der ersten Unterredung der Frau von Waldenfeld (Mad. Bürger) nit ihrem Vetter, sah sie anfänglich, wie mich dünkte, ins Leere hinein, aber ihr Spiel belebte sich und sie führte ihre Rolle in der Folge in der That vortreflich aus; besonders war sie unnachahmlich beim Empfang ihres unverhoft ankommenden Vaters (Hrn. Haase), der ihr durch sein braves Spiel einen neuen Schwung gab. Wahrhaft habe ich sie bewundert in den immer neuen Gruppirungen der in diesem Stück etwas gehäuften Umarmungen. -

 

1804

Anonym. [Rez] Die geheime Brieftasche. Erstes und zweites Bändchen. Berlin und Leipzig, 1805. In: Der Freimüthige und Ernst und Scherz. Berlin.  Digitalisiert von Google

“[S. 345] Elisa Bürger, die so traurige Erinnerung an Bürgers theuerm Leben, liefert mit dieser so genannten geheimen Brieftasche ein neues sehr ungeheimes Produkt ihrer sein-sollenden Poesie, das seine Mattheit und Gehaltlosigkeit nur, in der duft- und kraftlosen Reihe pariernen Meßgutes mit fortschwemmen kann. Die geheime Brieftasche, in der mancher Wunder was! zu finden wähnen mag, enthält nichts anders, als einige flache Frauenzimmer-Brieflein, einige Declamationen und Reise-Ansichten und Gedichte von und an Elisa, und die letzten (an Elisa) sind so panegyrisch und dabei so gehaltlos, daß nur weibliche Eitelkeit vermochte, sie nicht - geheim zu halten. Besser wär´ es immer gewesen, das Ganze wär´ ein ewiges Geheimniß geblieben! - “

 

1804

Voss, Johann Heinrich. Vorwort. In: Gedichte von Ludewig Heinrich Christoph Hölty. Digitalisiert von Google.

“[S. XXIX] Im Sommer 1773 ward Cramer durch die Stolberge eingeführt, und im Frühling 1774 Leisewiz durch Hölty. Bürger war Freund, nicht Bundesgenoss; er besuchte zuweilen die Gesellschaft, und sandte seine Gedichte, die Lenore strofenweise, zur Beurtheilung. In seiner komischen Laune erliess er einmal ein stolzes Schreiben, als Adler des Gesanges an das kleinere Gevögel; worauf ein Beschluss des Hainbundes erkannte, dass der Hühneraar, der Adler zu sein sich anmasste, an einen Wipfel geschnürt, flattern sollte, bis der Mond aufginge. Zuweilen besuchten ihn auch die Freunde, mehrere zugleich und einzelne; am häufigsten Cramer, den damals der Klang des Bürgerschen Verses anzog. Gegen die jambische Umdeutschung erklärte sich der Bund; und Voss, der Bürgern bei einem Besuch an der Beschreibung des Priamischen Palastes half, machte ihn auf die Unfügsamkeit der Jamben, und wie leicht sie im Hexameter zu besiegen sein, umsonst aufmerksam.”

 

1804

Richter, Gottfried Lebrecht. Allgemeines Biographisches Lexikon alter und neuer geistlicher Liederdichter.  Digitalisiert von Google.

“[S. 31] Sein Lied: Wer nie in schnöder Wollust Schooß usw. ist mit einigen Veränderungen in das Glauchaische, Oldenburgische, und Niemeyersche Gesangb. aufgenommen worden.”

 

1804

Ideler, Ludwig. Handbuch der französichen Sprache und Literatur, oder Auswahl interessanter, chronologisch geordneter Stücke aus den klassischen französischen Prosaisten u: Dichtern: nebst Nachrichten von den Verfassern und ihren Werken.  Digitalisiert von Google.

“[S. 573] BOUFLERS: [...] Auch ist die vortreffliche Erzählung Aline, Reine de Golconde, welche Bürger (s. den 2ten Theil seiner Werke S. 273) so meisterhaft nachgebildet hat, zwar in Prosa geschrieben, oder, richtiger gesagt, es fehlt derselben an äusserer Poesie; aber in jedem andern Betracht ist sie ein eigentllches poetisches Produkt, voll Anmuth und lebendiger Phantasie. “

 

1804

Anonym. Ueber Barometerstand des Tons in kleinern und mittlern Städten. Erste Szene. In: Zeitung für die elegante Welt. 22. Mai. Digitalisiert von Google

“[Sp. 484] K. Räthin. Junge! schweig mir von deinen verfluchten Fledermäusen! Du sollst mir dergleichen Unholde nicht angreifen! Steck dafür die Nase in die Bibel oder in die Grammatik! Geh hin zum Kornschreiber und frag: ob er den Regenschirm geleimt hat. Man kann nicht wissen, wenn man Morgen aus dem Wagen steigt, wie die Witterung ist, und vom Ried bis ins Theater ist doch noch eine garstige Strecke.
  Heinrich. Gut, ich eile! Heissa! da tret ich Morgen hinten auf. (singt.) Knapp, sattle mir mein Dänen-Roß usw. (ab.) “

 

1804

Anonym. Randglossen. In: Der Freimüthige, 2. April. Berlin. Digitalisiert von Google

“[S. 264]
   Laß ruhn, laß ruhn die Todten! -
Dieser Vers aus Bürgers Leonore wäre kein übles Motto für manche Compilation poetischer Sterilität, die, nach Art des Jakals, modernde Leichname längst in Gott ruhender Dichter, gierig aus der Erde herauswühlt, um sich - damit zu nähren.“

 

1804

Etwas über die Unterhaltung in gebildeten Zirkeln. In: Der Freimüthige, 12. Juni. Berlin. Digitalisiert von Google

“[S. 468] Das beste Gesellschaftsspiel ist immer - Musik. Ein Klavier, eine Guitarre - ist leicht herbei zu schaffen, und es findet sich leicht in jedem Zirkel einer oder der andere, der ein solches Instrument spielt. Die übrigen begleiten ihn mit Gesang oder - hören zu. Wir Deutsche, haben zwar wenig Volkslieder, (ich rede von den Volksliedern in dem Sinne wie Bürger sie nahm) aber wir besitzen doch einige, und wie viel kleine treffliche herzerhebende Gesänge gaben uns Reichardt, Himmel, Mozart, Zumsteeg und andere? “

 

1804

hn. Musik. In: Der Freimüthige, 28. Februar. Berlin. Digitalisiert von Google

“[S. 165] Lied von der Treue, von Bürger und Zumsteeg.
Der talentvolle Komponist starb, als er ungefähr die Hälfte dieses Bürgerschen Gedichts in Musik gesetzt hatte; das Uebrige ist aber von einem andern Tonsetzer - ich rathe auf Herrn Christmann, - so vortrefflich und so in Zumsteegs Geist ergänzt worden, daß man fast glauben könnte, die zweite Hälfte rühre ebenfalls vom Verfasser der ersten her. Der Schluß ist vorzüglich gut gerathen.“

 

1805

Bouterwek, Friedrich. Ueber Schiller´s Genie und Schriften. Neue Leipziger Literaturzeitung. 19. Julius

“Am wenigsten war Schiller als Aesthetiker zum Recensenten fremder Kunstwerke berufen. Nicht einmal über sich selbst konnte er, wie seine Briefe über seinen eigenen Don Carlos beweisen, ohne täuschende Spitzfiudigkeit räsonniren. Denn seine kritische Argumentation ging fast immer nur von einem interessanten Einfalle aus, den er an einem Gegenstande erprobte, indem er den Gegenstand zwang, sich nach dem Einfalle zu bequemen. Fremde Kunstwerke mass er noch dazu mit dem Maasstabe seiner eigenen Poesie. In der auffallenden Einseitigkeit, mit der er Bürgers Gedichte recensirt hat, erkennt man, bey aller Würde und philosophischer Vorbereitung, mit der diese Recension auftritt, nicht den liberalen Geist, der alles Verdienst, sey es auch dem seinigen noch so unähnlich, mit Wärme umfasst, und der vollends nie ungerecht wird zu Gunsten eines Einfalls. Schiller w ollte Bürger's poetisches Verdienst ganz unbefangen würdigen. Aber es misslang ihm, weil er seine Idealpoesie der Bürgerischen Naturpoesie zum stätigen Muster vorhielt. Er entdeckte auf diese Art die Schattenseite der Bürgerischen Poesie sehr bestimmt. Alle Fehler und Mängel derselben können nicht stärker und richtiger bezeichnet werden, als in Schiller's Recension, die den armen Bürger so tief verwundete, wie kaum einer der harten Schläge des Schicksals, die um dieselbe Zeit ihn trafen. Die schreyende Ungerechtigkeit dieser Recension beruht auch nicht so wohl auf dem Tadel, in welchem sie wenigstens immer zur Hälfte Recht hat, als auf der Kälte des einseitigen Lobes im Gegensatze mit der Wärme des Tadels. Das war es, was Bürger nicht verschmerzen konnte. Und wie würde Schiller selbst vor einer solchen Kritik bestanden seyn, wenn ein Recensent von seiner Beredsamkeit das Blatt umgekehrt hätte? Wie es auch gekommen seyn mag, dass Schiller den neueren Aufforderungen als Recensent in Literaturzeitungen zu glänzen, nicht Gehör gab; er konnte auf alle Fälle seine Zeit besser anwenden, als zum Recensiren.“

 

1805

Anonym. [zu Elise Bürger] In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig. Digitalisiert von Google.

“Vermischte Nachrichten.
[Sp. 272] Am 6ten März gab Madame Elise Bürger in Dresden ein Deklamatorium, welches, wie uns zwei darüber eingelaufene Berichte melden, sehr gefallen haben soll.

[Sp. 352] Aus Berlin. Madame Elise Bürger ist den 3sten April in Lessings Emilie Galotti als Gräfin Orsina mit großem Beifall aufgetreten, das Haus war sehr voll. Morgen gibt sie Ariadne und Emilie Falk, nachher die Königin Elisabeth, Johanna von Montfaucon usw. Herr Spohr, der im Verein mit Demoiselle Alberghi hier ein Konzert gab, kam nicht auf seine Kosten, der Saal war sehr leer.

[Sp. 391] Leipzig, den 20ten April 1805.
Madame Elisa Bürger ist bekannt, sie spielt besonders Anstands-Rollen, z.B. Milfort und Elisabeth und dergl. mehr.

[Sp. 403] Elise Bürger in Berlin. (19te April 1805) Madame Elise Bürger gab hier am Mittwoch, den 17ten dieses Monats Abends um 6 Uhr, im Saale des Nazionaltheaters, ein großes Deklamatorium. Ihr Anstand war ungemein edel, ihre Akzentuazion vollkommen rein, ihr mimischer Ausdruck richtig, ihre Sprache klar, voll und verständlich. Sie schien, als sie auftrat, etwas ängstlich, doch legte sich dieß bald. Den Anfang machte eine Ouvertüre von d'Alaprac. Dann deklamirte Mad. Bürger zwei Monologe aus dem vierten Akt der Iphigenie von Göthe, welche jedoch die Zuhörer kalt ließen, eben so wie die Ossiansche Klage Colma's um Salgar mit der Ritterschen Musik. Hingegen das Lied vom braven Manne, von Bürger, die Kraniche des Ibicus von Schiller, und vorzüglich der Taucher von Schiller, erhielten und verdienten allgemeinen Beifall. Von den selbst gedichteten Erinnerungen an Klopstock, Bürger und Gleim, war nur die an Gleim vortrefiich. In der an Klopstock, erregten der unpoetisch-herbe Name des Schöpfers der Messiade und der Beisatz: daß er jetzt an der Brust des Heilandes erwarme, eine widerliche Empfindung. Zum Beschlusse folgte das Blümchen Wunderhold von Bürger. Alles dieses wurde durch Zwischenmusiken von einander getrennt. Was in dergleichen
einzelnen, im Grunde freilich nie sehr anziehenden Darstellungen geleistet werden kann, das leistete Madame Bürger.
   Wahrhaft ärgerlich waren die mannichfachen äußerlichen Störungen, die bei diesem Deklamatorium sich ereigneten, und es wäre kein Wunder gewesen, wenn Madame B. die Kontenance verloren hätte. Ihr Unmuth wurde wenigstens einige Male sehr sichtbar. Alle Augenblicke fiel im Orchester etwas, Pulte, Fidelbogen, Noten etc. Ab- und Zugehende knarrten mit den Thüren; ja, ein ungeschlachter H - - , begleitet von einigen, wahrscheinlich gleich ihm betrunkenen Leuten, drängte sich von hinten durch das einige Fuß erhabene Orchester, trat, von oben bis unten aller Welt sichtbar, mit der empörendsten Unverschämtheit, geradezu nur zwei Schritte neben Mad. B., da sie eben die Stelle von den Eumeniden in den Kranichen deklamirte, pflanzte sich endlich vorn an das Geländer und machte Männerchen hinab nach einer in der vordersten Reihe sitzenden Weibsperson, die, beiläufig gesagt, besser gethan hätte, ihren Platz weiter hinten zu nehmen. — Die Nachsicht des hiesigen Publikums bei solchen tollen Beleidigungen ist fürwahr unbegreiflich. — In London dürfte keiner sich das unterstehen.

[Sp. 919] Aus Leipzig, vom 23ten Septbr. 
 Hr. Blumauer, der als Rhapsode Schillers Macht des Gesanges mit Instrumentalbegleitung deklamirte, Opitz, der als Priester, und Mad. Bürger, die als Göttin einige Verse vortrefflich sprachen, Demois. C hrist, die das himmlische Lied Schillers: Thekla eine Geisterstimme, mit hinreißendem Zauber deklamirte, und Mad. Hartwig, welche den Monolog aus der Jungfrau von Orleans ´Lebt wohl ihr Berge, ihr geliebten Triften´, treflich exekutirte, verdienen die ehrenvollste Erwähnung.“

 

1805

Michaelis. Christian Friedrich. Geist aus Friedrich Schillers Werken. Leipzig

“[S. 218] Bürger, als Dichter.

 Diese Fülle poetischer Malerei, diese glühende energische Herzenssprache, dieser bald prächtig wogende, bald lieblich flötende Poesiestrom, der Hrn. B.s Produkte so hervorragend unterscheidet, endlich dieses biedre Herz, das, man möchte sagen, aus jeder Zeile spricht, wäre es werth, sich mit immer gleicher ästhetischer und sittlicher Grazie, mit männlicher Würde, mit Gedankengehalt, mit hoher und stiller Größe zu gatten, und so die höchste Krone der Klassizität zu erringen. “

 

1805

F.-M. Musikalische Vergnügungen auf dem Lande. In: Allgemeine Musikalische Zeitung. No. 46  Digitalisiert von Google.

“[Sp. 739] Der Vorhang liess sich sanft herab. - Es herrschte einige Minuten lang eine Stille in unsrer kleinen Versammlung, die endlich das liebende Paar selbst unterbrach, mit Aeusserungen der Freude, dass jene traurige Zeit vorüber, und wenigstens diese Feyer durch keine Kriegesschrecken getrübt sey. - Da erinnerte uns auch bald die Musik, dass wir nun freudigere Scenen würden zu erwarten haben.
     Es ertönte, anfänglich in der Ferne, dann immer näher Zumsteegs Friedensmarsch aus der Lenore:
          Der König und die Kaiserin ...
 Er ging aber nicht, wie in der Ballade selbst, in die Molltonart über, sondern schloss in Dur. ”

 

1805

Musäus, Johann August. Der Schatzgräber.  In: Die deutschen Volksmährchen von Johann August Musäus. Herausgegeben von C.M. Wieland. Fünfter Theil. Digitalisiert von Google.

“[S. 208] Wer ihr in Wurf kam, Freund oder Feind, das kümmerte sie nicht, dem wußte sie in einem Athem neunerlei Schande nachzusagen. Sie verschonte selbst die Heiligen im Himmel nicht, und war mit ihrer Lästerchronik so gut bekannt, als Frau Schnips kurzweiligen Andenkens; nur glückte es ihr nicht wie dieser, von Freund Bürgers fruchtbarer Laune beschwängert, die Lacher auf ihrer Seite zu haben.”

 

1805

Haug, Johann Christoph Friedrich. Epigramme und vermischte Gedichte. Zweiter Band. Digitalisiert von Google.

“[S. 466]   
     An Louisen.
Amarant und Bürger priesen
Ihre Liebchen im Gesang.
Meine Leier tönt Louisen,
Ihr, nur Ihr mein Lebenlang.
Dichterischer sind erhoben
Nantchens Reize, Mollys Werth;
Aber - dich gerecht zu loben,
Ward mir Glücklichen bescheert.
Deines Herzens Engelgüte
Müssten Feindinnen gestehn,
Hättest du. - Wohl nirgends blühte
Blümchen Wunderhold so schön.
Weibchen! sang ich Schmeicheleien?
Log getäuschte Phantasie? -
Tugenden der Tugend leihen,
Kann's die Muse? - Sympathie,
Gegenhuld erschöpfend mahlen.
Mahlen. wie den Himmel wir
Liebend uns herunterstahlen,
Mahlen unsre Glutbegier.”

 

1805

Baur, Samuel. Der achte Junius. Gest. Gottfried August Bürger. Professor der Philosophie in Göttingen. In: Gallerie historischer Gemählde aus dem achtzehnten Jahrhundert. Zweiter Theil. April bis Junius.

"[S. 416] Giebt es irgend eine Dichtart, die noch jetzt ähnliche Wirkungen auf das Gefühl und die Gesinnungen der Menschen hervorbringen kann, wie sie die ursprüngliche Poesie, als sie noch keine Schriftstellerei, sondern lauter lebendiger Vortrag war, so mächtig und sichtbar hervorbrachte; so ist es die populäre Liedergattung. Und besaß irgend einer von unsern Dichtern das Talent, so zu wirken, in seinem ganzen Umfange, so war es Bürger, der Sohn des Pfarrers zu Wolmerswende [...].

[S. 421] Bekanntlich hielt Bürger, nicht ohne Einseitigkeit, nur Volkspoesie für ächte Dichtkunst, und er strebte darnanch, seinen Gedichten Klarheit, leichte Verständlichkeit und Interesse für jedermann zu geben; daher sie auch von jedem Stande und Geschlechte gelesen, auswendig gelernt und gesungen werden. Ihr Inhalt ist immer wahr, lehrreich und originell, die Darstellung warm, oft anschaulich und mahlerisch, der Ausdruck, wo nicht stets erlesen, doch stark, klar und populär; und die Verse harmonisch, lieblich, fließend und gefeilt. So viel auch von seiner üblen Stimmung, gekränkten Stolze und getäuschten Hoffnungen in seine Gedichte übergegangen seyn und an ihnen haften mag, -- sie werden ihrer mannigfaltigen Flecken und der scharfen Rügen, die über sie ergangen sind, ungeachtet, sich noch lange unter uns erhalten, und der Name ihres Verfassers wird nicht untergehen. Die Natur gab ihm ein reges Gefühl für das Schöne, eine leicht sich entzündende Phantasie und eine Sprache, die das Empfundene kunstlos und Allen verständlich darstellte. Wenn er sich zuweilen zu wenig über die blos sinnliche Nachahmung erhebt, und zuweilen aus den Grenzen des Natürlichen und Wahren in die des Platten und Gemeinen verirrt; wenn er öfters, wo er die Sprache der Einfalt reden will, ins Tändelnde und Spielende fällt, und, wenn er auf kühnern Fittigen höhern Regionen zueilt, sich versteigt; wenn er endlich, von Unmuth hingerisse, sogar Gegenstände ergreift, die unter der Würde der Musen sind: so wollen wir auf der andern Seite nicht vergessen, daß uns derselbe Dichter auch kräftige, edle, wahrhaft rührende und fleckenlose Stücke geliefert hat."

Baurs Gedenkartikel in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1805

Anonym. Über Friedrich von Schiller. In: Allgemeine Literatur-Zeitung 1805. Intelligenzblatt Nr. 98 vom 19. Juni Sp. 785-806. Hier nach Norbert Oellers: Schiller - Zeitgenosse aller Epochen, Frankfurt/Main 1970

“[S. 189] Wenige haben über Kant so geschrieben, wie er. Das macht, weil er mit eignem Reichtum über die Schriften dieses tiefen Denkers kam. Überhaupt schreibt der immer am besten, der mit Fülle der Kenntnisse leichte Beweglichkeit der Phantasie und Geschmack im Ausdruck verbindet, durch welche Eigenschaften Schiller nicht wenig zur Verbreitung der Kantischen Ideen über Asthetik beitrug. Seine eignen Ansichten veränderten sich dadurch so gänzlich, daß es Bürgern freilich fast unmöglich fallen mußte, auf ihn als den Rezensenten seiner Gedichte in der A. L. Z. zu raten. Zwar in seinem Gedicht ´Die Künstler´, diesem, in der didaktischen Gattung, nächst der ´Musarion´, vielleicht einzigem Werke, worin er seinen Gegenstand nicht nach historischen Tatsachen oder philosophischem Räsonnement darstellte, sondern nach dem Einflusse, den derselbe auf sein Leben geäußert hatte, und analog notwendig auf die Bildung jedes Menschenlebens äußern mußte, hatte er schon höhere Kunstansicht gezeigt; allein zur reinen Idealität der Kunst erhob er sich erst durch Kant. Mit diesen Ansichten, die seinen eignen früheren Gedichten den Stab brachen, ging er auch an die Beurteilung Bürgers. ´Die Leidenschaft der Parteien´ - sagt er - ´hat sich in diesen Streit gemischt, aber wenn alles persönliche Interesse schweigt, wird man der Intention des Rezensenten Gerechtigkeit widerfahren lassen.´ Wohl! hätte nur der Beurteiler den Dichter von dem Menschen getrennt! Wenn er aber sagte, der Geist, der sich in jenen Gedichten darstelle, sei nur darum kein gereifter, kein vollendeter Geist, seinen Produkten fehle nur darum die letzte Hand, weil sie ihm selbst fehle; so überschritt er damit weit die Grenzen seines Urteils, und mußte notwendig den hintangesetzten, vernachlässigten, an Gesundheit, Hoffnung und Glück verarmten Mann empfindlich kränken. Dies zu tun, war aber freilich auch seine Absicht nicht gewesen, sondem unbedacht übte er eine Strenge gegen den Fremden aus, zu einer Zeit, da er unerbittlich streng gegen sich selbst zu werden, und auch an seine Werke den höchsten Maßstab der Kunst zu legen anfing.“

 

1805

Hahn, Elise. Andenken an Teutsche Dichter. In: Der neue Teutsche Merkur.
 
            Bürger

Lieblich und hold hast Du, o Bürger ! im Liede
Die Höhen all´, und tiefe Rührung ersungen
Und wie Du griffst in die Saiten, sie klungen
Und lispelten, und nimmer wird man es müde!

Deiner Töne Leidenschaft und Lust und Friede
Sind tief ins Inn´re des Herzens gedrungen,
Faßlich für Alle, nichts ist da erzwungen,
Alles, es wehet, wie Feuergeist im Gemüthe !

Und der Liebe Thaten und Thränen und Freuden,
Minnig hast Du sie belobt und beschrieben,
Sinnig und kosend Märchen erdacht und erzählt;
Nambar bist Du, der Volkssänger , geblieben,
Unvergessen lebst Du im Buche der Zeiten,
Freundlich ist er, der Nachruhm, den Du dir erwählt!

     Elise Bürger   

Andenken an Teutsche Dichter in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1805

Anonym. Annalen der Hamburgischen Litteratur. In: Hamburg und Altona. Hamburg. Digitalisiert von Google

“[S. 166] ´Am Wege nahe dem Eingang in das Wäldchen steht in Gukkastenmann und lokt durch die heischeren Töne seiner Stimme, und durch die noch ungenießbarern seiner Drehorgel die Neugierde an, und dort hat ein Mimiker sein luftiges Marionetten-Theater am Wege aufgeschlagen und unterhält hinter seinem schmalen löcherigen Vorhang die Zuschauer mit Schwänken und Zoten, vor welchen Sittlichkeit erröthend entflieht. Dort hat ein Bänkelsänger seinen Tisch erhöht und preiset entstellte Lieder von Claudius, Gleim und Bürger an, welchen der Kenner nur mit Mühe ihre eigenthümliche bessere Gestalt ablauert. Neben Bürgers Leonore liegt der Pinneberger Correspondent (Bothe), liederliche Blätter eines erbärmlichen Sudlers, nach welchen das gemeine Volk eifrig greift und die viel zn spät ein Gegenstand obrigkeitlicher Ahndung werden.´ Der Pinneberger Bothe eristirt freilich lange nicht mehr; aber nie sind schamlose, irreligiöse, zotenvolle und schmutzige Blätter in der Menge erschienen, als man sie jetzt allenthalben ausgestekt und zu verkaufen hat. Dieser in der That höchst wichtige Gegenstand sollte von der Polizei mehr beachtet werden.“

 

1806

Pilger, Georg. Ueber Assekuranzen überhaupt und Rindviehassekuranzen insbesondere. In: Ueber Rindviehassekuranzen ein leicht ausführbarer Vorschlag. Frankfurt am Main. Digitalisiert von Google

“[S. 10] Und - wie, wenn ein ehrlicher, aber in sehr dürftigen Umständen lebender Hausvater, für die Summe, um welche jezt ein Stück Rindvieh verkauft wird, keinen Kredit findet, wenn er gar kein Mittel in Händen hat, sich an die Stelle der Gefallenen wieder einen Ochsen oder Kuh anzukauffen? Er hat mitdenselben für sich und seine Familie Nahrung und Unterhalt verlohren. Wie tief empfindet den Verlust einer Kuh eine Wittwe — die von derselben sich — oft noch ihre Waisen - ernährte ? Wie wahr drückt ihre Empfindung das: ´Frau Magdalis weint' auf ihr leztes Stück Brod: usw. — im Mildheimischen Liederbuch aus?´
   ´Wie tief ich auf immer geschlagen nun bin!
    Was hab' ich, bist du erst verzehret!´
    Denn, Jammer! ihr Eins und ihr Alles war hin,
    Die Kuh, die bisher sie ernähret.

    — — sie klagte Abend und Nacht den Verlust,
    Und löschte ihr Lämpchen mit Thränen.

   Sie sank auf ihr ärmliches Lager dahin,
   In hofnungslosem verzagen,
   Verwirrt und zerrütter an jeglichem Sinn,
   An jeglichem Gliede zerschlagen.

   Früh that ihr des Hirtenhornes Getön
   Ihr Elend von neuem zu wissen.
   O wehe! nun hab ich nichts aufzustehn!
   So schluchzte sie nieder ins Kissen.

   Sonst weckte des Hornes Geschmetter ihr Herz,
   Den Vater der Güte zu preisen.
   Izt zürnet und hadert entgegen ihr Schmerz
   Dem Pfleger der Wittwen und Waisen - .´
Betrachtungen dieser Art machen bei jedem Menschenfreund den Wunsch rege, daß für diese Klasse von Menschen, die nicht selten unverschuldet ein so empfindlicher Verlust trift H ülfsanstalten vorhanden seyn möchten. Sie sind bis jezt selten — und doch sehr leicht zu errichten, wenn nur Beamte und Ortsvorsteher dazu guten Willen genug haben.“

 

1806

Anonym. Aus Leipzig. In: Zeitung für die elegante Welt, Leipzig. Digitalisiert von Google

“[Sp. 984] Bürgers Lenore, dieses vortrefliche Gedicht, das uns Andre' und Zumsteeg blos als Ballade beim Klavier zu singen in Musik gesetzt haben, ist vom Hrn. Kapellmeister Ant. Reicha aus Wien, welcher sich gegenwärtig in Leipzig befindet, als ein großes musikalisches Gemälde mir Arien, Rezitativen und Chören, mithin in dramatischer Form eines Oratoriums bearbeitet worden.
  Welcher wahre Freund der Künste würde nicht so neugierig seyn, dieses berühmte Gedicht auf diese Art mit der Musik verschwistert hören zu wollen. “

 

1806

Anonym. Berlin, d. 9ten Sept. In: Allgemeine Musikalische Zeitung, Leipzig.   Digitalisiert von Google

“[Sp. 828] Das Wiedererscheinen der Mad. Meyer auf unsrer Bühne giebt uns manches alte, lang vermisste Stück zurück So spielte sie am 5ten dieses die Lady Macbeth mit grausenvoller Wahrheit, uud ward von Hrn. Mattausch, als Macbeth, trefflich unterstützt. Die wilde Ouvertüre und die ganz originellen Hexenchöre von Reichardt (Bürgers Text wurde hier beybehalten) interessirten ungemein. Hr. Weizmann gab die Hexenaltfrau, und wusste diese wunderliche, schwierige Aufgabe sehr gut zu lösen.“

 

1806

Jördens, Karl Heinrich. Lexikon deutscher Dichter und Prosaisten.

“[S.258] Wenn Bürger auch das Ideal des Dichters, welches Schiller, der Recensent seiner Gedichte in der Allgemeinen Literaturzeitung, vielleicht selbst idealisch entwarf, nicht erreicht hat, so ist er demohngeachtet durch Wärme, Imagination, Laune, Feinheit, Deutschheit, Versifikation einer der schätzenswerthesten neueren Dichter. Die Natur in seinen Balladen, in denen er unstreitig den ersten Rang unter Deutschlands Dichtern behauptet, die Wahrheit in seinen Gedichten der Liebe, das Neue in seinen scherzhaften Gesängen, die Vereinigung des Dichterischen und Volksmäßigen haben ihn bei allen Ständen beliebt gemacht. Ein Fehler manches Gedichtes und mancher einzelnen Stellen ist das Derbe, Ueberstarke und Uebermäßige im Ausdruck der Empfindungen und in der bildlichen Darstellung der Gedanken; ein anderer, der noch häufiger vorkommt, war eine Folge seines, sonst löblichen, Bestrebens nach Popularität, das aber zuweilen ins Gemeine, Platte, oder wohl gar Ekelhafte ausartete. Nicht ohne Einseitigkeit hielt er nur Volkspoesie für wahre, ächte Dichtkunst, und sein einziges Bestreben gieng dahin, sich den Nahmen eines Volksdichters zu erwerben. Dieß Bestreben ist ihm auch, im Ganzen genommen, nicht mislungen. Verdient irgend jemand unter unsern Dichtern so zu heißen, so verdient es Bürger.”

 

1806

Anonym. Nachrichten. In: Allgemeine Musikalische Zeitung. No. 52. Digitalisiert von Google

“[Sp. 829] Das Wiedererscheineu der Mad. Meyer auf unsrer Bühne giebt uns manches alte, lang vermisste Stück zurück. So spielte sie am 5ten [Sept.] dieses die Lady Macbeth mit grauenvoller Wahrheit, und ward von Hrn. Mattausch, als Macbeth, trefflich unterstützt. Die wilde Ouvertüre und die ganz originellen Hexenchöre von Reichardt (Bürgers Text wurde hier beibehalten) interessirten ungemein. Hr. Weizmann gab die Hexenaltfrau, und wusste diese wunderliche, schwierige Aufgabe sehr gut zu lösen.“

 

1806

Fuhrmann, Wilhelm David. Bürger (Gottfr. Aug.). In: Die denkwürdigsten und verdienstvollsten Personen der alten und neuen Zeit. Zweiter Band. Als Anhang und Nachtrag zu J.G. Grohmanns historisch biographischem Handwörterbuch. Digitalisiert von Google.

“[S. 88] Dieser gepriesene Dichter Deutschlands und Volkssänger ward 1748 den 1 sten Jan. zu Wolmerswende im Fürstenthum Halberstadt geboren.

[S. 89] Schon als Dichter wurde er Deutschlands Stolz.

[S. 90] Als Dichter betrachtet, hat er unter den deutschen Balladendichtern den ersten Rang; denn an lebendiger Darstellungsgabe, an Wahrheit und Natur der Gemälde, an Stärke und Eindringlichkeit aller, auch noch so kleiner Züge, und an Schicklichkeit und Popularität des Ausdrucks übertrift er alle andere Dichter. Seine poetische Mahlerey hat Fülle, und sein Herzenssprache ist glühend - energisch. In seinen Gedichten trift man einen bald prächtig wogenden, bald lieblich flötenden Poesiestrom an, der sie so hervorragend unterscheidet; und aus jeder jeder Zeile fast spricht das biedere Herz. Er ist ein Dichter von mehr eigenthümlicher, als umfassender Phantasie; von mehr biederer und treuherziger, als zarter Empfindungsweise; von mehr Gründlichkeit im Ausführen, besonders in der grammatischen Technik, als tiefen Verstand im Entwerfen; mehr in der Romanze und im leichten Liede, als in der höheren lyrischen Gattung einheimisch; in einem Theile seiner Hervorbringung ächter Volkslieder, deren Kunststyl, wo ihn nicht Maximen und Gewöhnungen hindern, um sich ganz zu denselben zu erheben, Klarheit, rege Kraft, und zuweilen Zierlichkeit und eine seltene Größe hat. Volkspoesie hielt er (wie einseitig!) nur für ächte Dichtkunst; daher suchte er seinen Gedichten Klarheit, leichte Verständlichkeit und Interesse für einen Jeden zu geben. Er ward und ist der Liebling des Volks. Groß ist sein Verdienst um die Wiederherstellung der ächten Romanze; zwar ahmte er häufig die englischen Balladensänger nach, aber aus den ihm ganz angehörenden Romanzen sieht man die hohe Kraft seines Geistes.Die glänzendste, die Lenore sicherte ihm, wenn er auch sonst nichts gedichtet hätte, allein schon die Unsterblichkeit zu; der wilde Jäger, der Raubgraf, die Weiber von Weinsberg usw. sind auch vortrefflich. Die Fabel von der Europa in den neuen welt. hochdeutschen Reimen usw. ist von ihm ächt komisch u. musterhaft travestirt. Einige kleinere Stücke, die zum Theil romanzenartig, zum Theil Lieder im Volkstone sind, hat er frei und leicht, wie aus voller Brust gesungen. Mehrere seiner zarten und süßen Lieder auf Molly spielen Lust und Schmerz ins Herz, aber oft stürmisch. Dieses Uebermaaß von Leidenschaft und von Bildern machen sein hohes - von ihm selbst zu partheiisch allen übrigen - selbst der Lenore vorgezogenes Lied auf Molly, blos zu einem rhetorischen Prachtstück.

[S. 91] Das vernachlässigte und verachtete Sonnet brachte er wieder zu Ehren, und stimmte A. W. Schlegeln zur weitern Ausbildung desselben. - An Herrschaft über dieSprache, an kräftiger, durchaus lichtvollen Darstellung, an einem dem Sinn und der Empfindung angemeßnen Ausdruck, an Wohlklang, und an einer im hohen Grade vortrefflichen Versification übertrifft er Schillern. Nur war sein Geschmack nicht ganz gereinigt; einzelne Gedichte und einzelne Stellen verdienen auch Tadel. In seinen späteren Poesien herrschte eine ärgerliche Laune und in bitterer übermüthiger Ton. Zuweilen verirrt er sich aus den Gränzen des Natürlichen und Wahren in die des Platten und Gemeinen. Hie und da fällt er, statt die Sprache der Einfalt zu reden, in Tändelnde und Spielende. Dann versteigt er sich, wenn er auf kühnern Fittigen in höhere Regionen sich hebt. Von Unmuth fortgerissen, ergreift er oft Gegenstände, die unter der Würde der Musen sind. Dagegen hat B. auch kräftige, edle, wahrhaft rührende und fleckenlose Stücke geliefert.”

Der vollständige Beitrag in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1806

Anonym. Uebersicht der Geschichte der deutschen Poesie seit Bodmers und Breitingers kritischen Bemühungen. Dritter Abschnitt. In: Nachträge zu Sulzers allgemeiner Theorie der schönen Künste. Achten Bandes erstes Stück.  Digitalisiert von Google.

“[S. 205] Am meisten von sich reden machten jedoch unter allen Lyrikern dieser Periode die Volksdichter. Wohl war bereits hie und da ein Wörtchen von Natur- und Volks-Dichtung gefallen und die Aufmerksamkeit der Deutschen auf sie gelenkt worden. Die Sammlung alt-englischer Balladen, diePercy besorgte, hatten auch in Deutschland Freunde gefunden; die fliegenden Blätter von deutscher Art und Kunst redeten ausdrücklich zu Gunsten der Volks-Poesie; und ein und das andere Lied im Volkston war in der That schon erklungen. Mit Ernst jedoch und bald mit unmäßiger oft lächerlicher Hitze fing diese Dichtungsart erst dann an, aufgenommen und bearbeitet zu werden, als Bürger im Winter 1778 [1773] mit seiner Lenore hervortrat. Diese so lebendige und doch so allgemein faßliche, so poetische und doch Jedermann ansprechende Ballade begeisterte, man darf es ohne Uebertreibung sagen, halb Deutschland und ergriff Alt und Jung, Gebildete und Ungebildete, Vornehme und Gemeine mit gleicher Gewalt. Der Ruhm des Dichters war auf einmahl gegründet und das Glück der Gattung durch Lenoren gemacht. Er, fortfahrend seine Leyer in den Volkston zu stimmen, und theils im May des deutschen Museums von 1776, theils in der Vorrede zur ersten Ausgabe seiner Gedichte Gemeinfaßlichkeit für das Siegel aller poetischen Vollkommenheit erklärend, fand mit jedem Tag neue Anhänger und sah Wirkungen, die ihn, wie er in der Folge bekannte, selbst überraschten.”

 

1806

Conz, Carl Philipp. Nachruf an Bürger. In: Gedichte. Digitalisiert von Google.

“[S. 170]Nachruf an Bürger.
   Lieblicher Sänger! Du schläfst so früh den heiligen Schlummer;
   Ach! Es weinen dich viel´ , unter den Vielen auch ich.
   Und ich weine nicht nur den Dichter, ich weine den bidern,
   Vielen verkannten, den Freund wein´ ich, o Guter! in dir.
   Wenn oft über dir schwer das Schicksal lastete, decke
   Leicht der kühlende Schoos heiliger Erde dich nun!
   Sänger! Dich liebten die Götter; sie gaben dir Böses und Gutes,
   Gaben zu mancherley Noth süßen Gesang dir ins Herz.
   Du bist nicht gestorben: Dein Lied lebt ewig, im Liede
   Lebst du, und nimmer verwelkt unter den Enkeln dein Preis.

[S. 324] Antwort uf des Schäfers Liebeswerbung
 (S. Bürgers Gedichte I.Thl. S. 235. Ausg. v. K. Reinhard.)
Nach dem Engländischen

Laß Lenz und Liebe nicht vergehn,
Und jeden Schäferschwur bestehn;
Dann locket mich dein Zeitvertreib,
Dann zieh´ich mit, und bin dein Weib.

Doch ach! mit Schneegestöber braust
Der Winter bald heran, es saust
Der kalte Strom, im Birkenhain
Verklingt das Lied der Vögelein.

Es haucht auf der beeisten Flur
Kein Balsam üppiger Natur;
Die Wollenheerde scherzt nicht mehr
Jetzt um die nackten Berge her.

Wohl Manches Lippe Honig trägt,
Der Galle doch im Herzen hegt;
Was froh begann mit Süßigkeit,
Zerrinnt am End´ in bittres Leid.

Dein Myrtenhut, dein Festgewand,
Dein Epheukranz, dein Blumenband
Sind herrlich in der Täuschung heut
Und morgen - nichts in Wirklichkeit.

Dein Wamms, verbrämt mit Schwanenfell
Mit Knöpfen von Krystallen hell,
Dein Bett auf Ros´ und Thymian
Lockt neu und nimmermehr mich an.

Wann Mai und Liebe nicht verblühn,
Und Lust und Jugend ewig glühn,
Dann locket mich dein Zeitvertreib,
Dann sag´ ich Ja, und bin dein Weib.”

 

1806

-b-u. Eulen nach Athen. In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[Sp. 281] Wie der berüchtigte Nachtvogel, mit dem dicken Katzenkopf und dem kurzen Hakenschnabel, der durch seine kreischende Stimme, durch sein schauderhaftes Blasen und Schnauben den Kindermuhmen schon zu tausend und aber tausend abenteuerlichen Gespenstermärchen Stoff gegeben hat, unter dem Prädikat eines Weisheitsvogels, als Liebling der Heroen Jungfrau Pallas Athene in die Menagerie der Götter gekommen sei, dürfte manchem mit Recht etwas sonderbar vorkommen. Der Kautz hat doch so gar nichts empfehlendes; denn was Bürger an ihm lobt,
  Minerva kommt durch ihre Gunst
  Noch dem Olymp zu Statten;
  Denn ihre Eule fängt mir Kunst
  Die Himmelsmäus und Ratten.
 ist doch in der That sehr unbedeutend, und erklärt nicht im geringsten, wie der Vogel, der das Licht scheuet und der Albernheit die Zunge löset, der Göttin der Weisheit, deren Licht leuchten soll vor den Leuten, zum Begleiter gegeben werden konnte. “

 

1806

Anonym. Ueber Gegensätze in poetischen Naturen. In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[Sp. 429] Interessant ist es nun, zu sehen, welche Dichtungsarten sich am liebsten bei einem Dichter vereinigen, und dadurch zugleich seine Gemüthsbeschaffenheit zu erkennen geben. — So wie sich oft von einer Dichtungsart auf das Daseyn einer andern schließen läßt, so kann man auch oft bei der einen voraussagen, daß die andere nicht vorhanden seyn werde. Wenn der Romanzendichter gern das Zufällige belebt, das Natürliche beseelt, und aus der Dunkelheit hervor eine geheimnißvolle Handlung webt, so läßt sich voraussehn, daß er auch in der Betrachtung der Liebe als des größten Geheimnisses sich gern verlieren, und ihre Macht, ihr Glück und ihre Launen gern besingen werde. Bürger kann hier zum Beispiele dienen. — Ein Anderer, dessen überströmende Geisteskraft sich gern über die Dinge erhebt, und das Einzelne beständig auf das Ganze, auf das Höchste, ja auf die Gottheit selbst bezieht, der Odendichter, der gleichsam auf einem Felsengebirge steht und mit seinen Blicken auf die Gegend hinschweift, wird nicht leicht ein Komiker werden, d. h. ein solcher, der ruhig und heiter in sich selbst das Spiel der rscheinungen, die im leichten Kampfe mit einander immer Triumphe feiern ohne Sieg, vor seinem harmonisch geschlossenen Gemüthe vorübergeben läßt. Man denke an Klopstock oder an Schiller.“

 

1806

Anonym. [zu Elise Bürger]. In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig. Digitalisiert von Google

“Aus Leipzig
[Sp. 535] Mad. Bürger gab mir Gelegenheit, sie als Gräfin Terzky zu bewundern. Sie weiß zu sprechen und dringt in den Geist des Dichters ein.

Aus Leipzig vom 16ten Juny.
[Sp. 592] Mad. Bürger schien gar nicht gelaunt zu seyn; der 4ten, 5ten und 6ten Scene des 2ten Aktes fehlte Geist und Leben.

Aus Halle.
[Sp. 599] Am 7ten Juny gab Madame Bürger auf dem hiesigen Rathskellersaale ein Deklamatorium, welches sich von ähnlichen Versuchen, die wir hier von Zeit zu Zeit erlebten, sehr ehrenvoll unterschied. Von einem angenehmen, geschmeidigen Organ unterstützt, sprach sie mit so angemeßnem Ausdruck, mit so edlem Anstande, hier und da mit so vieler Empfindung und Lebhaftigkeit, und dabei doch überall mit einer so weisen Mäßigung, daß durchgehends ein sehr verständiges, künstlerisches Studium zwar nicht sichtbar, aber doch zu ahnen war, wodurch sie auch den, für einen Deklamator gewiß nicht leichten, Triumph erreichte, die Aufmerksamkeit und das Interesse gebildeter Zuhörer, auch bei den bekanntesten Stücken von Schiller und Bürger, fortdauernd zu fesseln. Wenn die Kritelei, als nachkommender, hinkender Bote, auch hier durchaus ihr Recht zum Mitsprechen behaupten wollte, so könnte sie vielleicht die talentvolle Künstlerin auf die, für ein Deklamatorium etwas zu stark markirte Mimik beim Sprechen tragischer Stellen aufmerksam machen. Ein mehreres dieser Art hinzuzufügen, wäre aber wohl ungerecht und undankbar.

Aus Leipzig vom 25sten Juny 1806
[Sp. 615]  Auch Mad. Bürger als Jolanda verdiente einen ausgezeichneten Beifall, und doch ward er ihr nicht. Warum? weil man sagt: sie deklamire zu viel. Wenn das auch oft der Fall ist, so muß man doch zu unterscheiden wissen, denn in dieser Rolle gibt es so viele Reden, welche sich nicht konversiren lassen, wo der Affekt steigen muß und Deklamazion nothwendig wird. Ihre schönste Szene ward durch Unruhe im Parterre gestört.

Aus Leipzig.
[Sp. 679]  Das trefliche Spiel der Mad. Hartwig und die richtige Deklamazion der Mad. Bürger verdiente in diesem Stücke eine dankbare Anerkennung.“

 

1806

Lüders. Kunst. In: Georgia, 14. May, Leipzig.  Digitalisiert von Google

“[Sp. 457] Nach noch einigen Stücken, unter denen auch die Klage am Sarge Don Manuels aus der Braut von Messina war, vollendete unser Künstler [Karl Blumauers Deklamation in Altenburg am 14. April 1806] mit dem Blümchen Wunderhold von Bürger. Unschuldig, zart und doch bedeutungsvoll flossen von seinem Munde die lieblichen Bilder, und endlich sprach seine eigene Bescheidenheit - dieser höchste Schmuck bei solcher Kunst - in den letzten drei Worten sich aus. “

 

1806

S. Aus Prag. In: Abend-Zeitung. Dresden, Leipzig.  Digitalisiert von Google

“[S. 45] Eine liebliche Frucht aus dem Hesperidengärten der Kunst, ist bei uns eine zu seltene Erscheinung, als daß ich länger mit einer Nachricht von Tomascheks Musik zu Bürgers Lenore zögern könnte.
   Die Wahl des Künstlers ist nicht ganz glücklich, denn das Gedicht hat eine zu vorherrschende epische Tendenz, als daß eine so einzig auf Subjektivität beschränkte Kunst, als die Musik ist, dem Dichter nachzubilden vermöchte. Doch darf man dieses Musikstück nur von der himmlischen Stimme unsrer Duschek hören, um diesen Fehler größtentheils zu vergessen, und einzugestehen, er habe alles gethan, was der Tonkünstler hier zu leisten vermochte. Hätte der Inhalt des Textes ihm erlaubt, durchaus, wie er es Anfangs that, das Epische der Ballade ins Recitativ zu werfen, so würde dadurch das Lyrische mehr vorgehoben, und das Ganze sich kräftiger ausgenommen haben.
   Ich glaube behaupten zu können, daß noch keiner der zahllosen Compositeurs dieses Gedichts eine so glänzende Musik dazu geliefert hat; sie ist voll Großheit und nähert sich dem Charakter des Cimarosa. Mit Bedauern erkennt man, daß, wenn der Künstler diesen Aufwand von Kunst und musikalischer Kenntniß an ein mehr belohnendes poetisches Werk gewandt hätte, es hinreichend wäre, seinen Ruhm zu gründen.“

 

1806

Anonym. Bürgers Leonore. (Nach Jördens.) In: Elysium und Tartarus, 17. August. Weimar. Digitalisiert von Google

“[S. 250] Dieß Stück hat und wird immerfort für den Hörer und Leser viel Anziehendes behalten. Welcher furchtbare, rauhe Hexen- und Mitternachtston, den man nicht stärker empfinden kann, als wenn man unmittelbar vorher die Nachtfeier gelesen hat. Kaum sollte man es glauben, daß eine Leier so verschieden tönen könne.
   Nur findet sich vielleicht der Kritizismus eines und des andern Lesers durch einige entlehnte Züge beleidigt. ´Den Hagedorn durchsaust der Wind´ sind Worte Edgars in König Lear. ´Hat's Raum für mich?´ ist aus Hannchens Geist entlehnt. ´Der Ruf des Hahns und das Wittern der Morgenluft´ versetzt, man wolle der nicht, in den Hamlet, die Lilienhande sind ebenfalls Hannchens. ´Ausstreckt sie ihre Lilienhand.´ - Solche entlehnte Züge können immerhin sehr schicklich ins Kanze gepaßt seyn, können vielleicht von Hunderten nicht bemerkt werden, aber für den Einen (Auserwählten) der sie bemerkt, sind sie ein wahre Plage, u.s.w. - Welch eine kleingeistige, süffisante Krittelei, welche Kritik unter aller Kritik! Zugleich ist dieses ein Pröbchen von Rezensentenstil, wie er noch heutiges Tages in vielen unserer öffentlichen Blätter üblich ist. Mit dem gänzlichen Mangel an Sinn für Auffassung von Charakter, Idee, Genie, Originalität, als den höhern und poetischen Gesichtspunkt eines Werks, verbinden diese Herrn eine ängstlich grammatische Federnleserei, oder kramen so wie hier, die profunde Weisheit ihrer Lektüre aus. Uns ekelt noch ein Wort weiter über diese Abgeschmacktheiten, die man bei den Deutschen Geschmack und Kritik heißt, weiter zu verlieren, sonst wäre es uns ein leichtes, selbst diese Reminiszenzenjagd auf einen so hohen Grad zu treiben, daß Raphael am Ende ein Nachahmer des Perugino, Göthe ein Nachahmer von Voß, und Schiller, wegen einiger leicht aufgefundener Stellen, aus der Iphigenia, ein Nachahmer von Göthen genannt würde. Denn daß allem echten Stil, wie man bei den Griechen sieht, in allgemein ein Verwandtes zum Grunde liegen soll, da scheint den Augen dieser Herren, die selbst Maniristen sind, bis jetzt völlig verborgen zu seyn, und sie würden das griechische Profit des Phidias, wenn sie es beim
Praxiteles wieder fänden, ohne weitere Umstände, für ein entsetzliches Plagiat erklären. So originell sind jetzt unsere Kritiker! “

 

1806

Anonym. Uebersicht der poetischen Litteratur. Sechzehnter Brief. In: Bibliothek der redenden und bildenden Künste. Ersten Bandes Erstes Stück. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 120] Sie kennen nun das Größte und Kleinste, das Sinnvollste und Sinnärmste, das Gehaltreichsts und Gehaltleerste, das Höchste und Gemeinste, das Ernsteste und Spielendste, wodurch wahres und vermeintes Genie, Verstand und Unverstand, Geschmack und Ungeschmack die lyrische Poesie der Deutschen erhoben und erniedrigt, geadelt und entadelt, geehrt und beschimpft hat. Aber zwischen diese beyden äußersten Endpunkte drängen sich noch eine Menge lyrischer Versuche, die zum Theil gerechte Ansprüche machen, zum Theil sie machen zu dürfen glauben. Ich werde auch hier bescheiden im Mittheilen seyn.
     Die Dichter, deren Ansprüche jeder unbefangene Deutsche willfährig unterschreiben wird, sind, wenn ich nicht irre, für Sie lauter alte bekannte Namen. Des poetischen oder vielmehr des gesammten litterarischen Nachlasses des trefflichen Bürgers hat sich sein Freund Karl Reinhard angenommen und ihn in vier Bänden (Göttingen 1796) herausgegeben. Sie wissen, was Schiller alles im Jahr 1791 an dem guten Bürger zu kritteln und zu meistern fand, und wie viele der Meinung waren, es sey um den Angegriffenen geschehen. Dieß ist glücklicher Weise nicht der Fall gewesen. Der Schlag hat mehr gestreift, als getroffen, mehr betäubt, als niedergeworfen, und der Poet sich wieder erhohlt. Es ist Bürgern gegangen, wie mehrern Naturkindern. Sie sehen sich zuweilen durch die Finger, in der Hoffnung, daß man ihnen den kleinen Verstoß gegen das Herkömmliche, ihrer übrigen guten Eigenschaften wegen, verzeihen werde, oder ahnden woht gar im Gefühl ihrer Gutmütigkeit nicht, daß sie einen
Verstoß begehen. Da ärgert sich dann der abgerundete vollendete Weltmann, daß die Leutchen so wenig auf sich Acht haben, legt seinen Maaßstab an ihr Benehmen und ruft: Nun seht mir einmal den Abstand von der Linie des Feinen und Schicklichen! So verfuhr Schiller mit Bürgern. Schillers reinem Geschmack und unablässigem Streben nach dem Höchsten konnte freylich Bürgers nicht vollkommen ausgebildete dichterische Individualität unmöglich durchgängig gefallen. Aber es war Ungerechtigkeit, den ganzen Dichter auf das schnödeste zu behandeln, weil er nicht genau das war, was er hätte seyn können und, (warum sollte man es nicht einräumen?) seyn sollen, und arge Sophisterey, die harte Rüge hinter drein mit dem Vorwande zu entschuldigen, ´man dürfe und müsse ein solches Individuum unter den höchsten Maaßstab der Kunst stellen, weil es Kraft in sich habe, demselben, sobald es ernstlich wolle, genug zu thun.´
   So wenig es Schillern gelungen ist, Bürgern tiefer zu stellen, als dieser sich selbst gestellt hatte, so wenig hat er vermocht, seinen Freund Matthisson durch das mehr kunstreiche als künstlerische Urtheit in der A. L. Z. von 1794 höher zu heben, als dieser verdiente.“

 

1807

Orientalis, Isidorus. Dichtkunst, Künste, Poesie. In: Georgia, Bamberg.  Digitalisiert von Google

“[Sp. 276] Christlich im hohen, göttlichen Sinne ist Göthe nicht; und doch — wenn wir den herrlichen Mann in seinem ganzen magischen Thun, in all' seiner Kraft, Sehnsucht und Lebensfülle betrachten — ist es uns unbegreiflich, warum er nicht bis dahin gelangt ist.
   In Bürger find' ich den wahren Balladengeist nicht. Das Romantische fehlt. Seine Balladen schließen das schöne Wunderreich nicht auf. Er versetzt nur auf den Bloxberg, und in den unheimlichen Kirchhof.
   Bürgers Gedichte werden lange leben. Es thut wohl, bey dem hellen, gemüthlichen, von aller Verzärtelung und Affektation freien Geiste zu verweilen. Seine Poesien sind das Bild physischer und moralischer Gesundheit. Es ist alles so kernigt, so frisch, so jugendlich. Bürger verhält sich zu der neuen Periode, wie Johannes der Täufer zu der Zukunft des Christenthums.“

 

1807

Anonym. Miszellen aus Dänemark. In: Morgenblatt für gebildete Stände. 21. Mai. Tübingen, Digitalisiert von Google

“[S.484] Agnete ist eine Modernisirung eines wahrhaft alten Volksliedes mit einer äußerst melancholischen Melodie. Wenn ich diese Agnete von unserm Baggesen singen höre, so macht sie auf mich denselben Eindruck, wie wenn mir vor 30 Jahren unser Abrahamson Bürgers Leonore sang. “

 

1807

[zu Elise Bürger]. In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig.  Digitalisiert von Google

“[Sp. 848] Aus Prag, den 26sten Juny.
 Gestern gab man Maria Stuart nach langer Zeit hier wieder, wo Schillersche Stück meistens leider verboten sind. Gewöhnlich hat es das Publikum fremden Künstlern zu verdanken, wenn es ein solches Kunstwerk hier sieht, und so war es auch diesmal. Mad. Bürger, welche hier Gastrollen spielt, gab die Königin Elisabeth und ward, obgleich sie im 3en Akt nicht mehr erschienen war, weil das Stück mit der Szene schließt, wo Leffre den Monolog spricht, aus welchem der Tod der Maria bekannt wird, hervorgerufen. Sie erschien, obwohl ganz spät und umgekleidet, weil sie eben im Begriff war wegzufahren: und nach ihr ward auch Madame Liebich, welche die Maria gab, herausgerufen. Madame Bürger gibt hier 4 Vorstellungen und setzt ihre Reise nach Wien dann fort.

[Sp. 1176] Aus Wien
 Madame Bürger hat hier einige Deklamatorien mit vielem Beifall gegeben.

[Sp. 1520] Ungemein lehrreich und wie man es von Männern erwarten kann, die bei dem unsterblichen Verfasser der Hamburgischen Dramaturgie und der Mimik in die Schule gingen, sind die meisten hier ausgesprochnen Urtheile über dramatische Komposizionen und Darstellungen. Wie treffend ist für jeden, der aus Anschauung miturtheilen kann, die hier im 27sten Stück angedeutete Ursache, warum große Künstler nur leichthin skizzirte Rollen lieber spielen und vollendeter ausführen, als solche, wo sie nur dem vollendenden Dichter dienstbar seyn müssen? und wie fein ist die Vergleichung des Spiels der Unzelmann und Bürger in der so gemißhandelten Rolle der Orsina. ´Man hat an Mad. Unzelmann einige Minanderien, an Mad. Bürger überhaupt die Affektazion getadelt. Die ersten werden leicht, die andere wird sehr schwer verziehen. Die Unzelmann macht uns die Schulen und die Meister vergessen und wir haben nicht Zeit, an sonst etwas, als an sie selbst zu denken. Aber dafür ist sie Schauspielerin - die Bürger nur Dilettantin. Bei alle dem hat mich diese mehr gerührt, als jene; und sei es Natur, Takt oder Zufall, in der Rolle der Orsina stellt die Anfängerin nach meinem Gefühl, eine mehr tragische Person dar, als die geübte Aktrize.´ Mag dieß ketzerische Urtheil auch noch so viel Aergerniß geben, es ist doch wahr, und wer Lessings Intenzion bei dieser Rolle gefaßt und dann die beiden hier genannten Schauspielerinnen aus ihrem Jetzt und Vordem zu konstruiren gelernt hat, kann sich keinen Augenblick besinnen, ihnen vollen Beifall zu geben.“

 

1807

Eichhorn, Johann Gottfried. Geschichte der schönen Redekünste in den neuern Landessprachen. Erste Abtheilung.   Digitalisiert von Google.

“[S. 881] Wieland versuchte sie [die Heroide] blos als Jugendübung und Schiebler als Anfänger in der Poesie. Das vorzüglichste Stück in dieser Gattungung, das aber Pope, doch mit Selbstständigkeit und Freyheit, nachgebildet, ist bleibt Heloise´ns Brief an Abälard von Bürger: eine feurige, Gedankenreiche und innige Poesie, in welcher Fülle des Ausdrucks, Wohlklang der Versification
und rascher Gang der mannichfaltigsten Empfindungen verbunden sind.

[S. 916] Bürger war ein wahrer Meister in der leichten Liedergattung, durch seinen deutschen Sinn und Geist und den lauten, lebendigen Ton seines Gesangs ein wahrer Volksdichter. Möchte man auch einigen seiner Lieder etwas mehr Adel wünschen, so hält er dagegen in den meisten durch den edelsten Ausdruck und seltene Geschmeidigkeit, durch Grazie und Lieblichkeit, zuweilen so gar durch Süßigkeit dafür schadlos.

[S. 922] Bürger folgte mehr der Weise der altenglischen Balladen, und wußte geringfügigen Geschichten, Volksglauben in Sagen gekleidet, und unbedeutenden Handlungen durch die Darstellung, durch die Anordnung der Handlung, die Wahrheit der Leidenschaft, den Adel der Gesinnungen, Bedeutung und Interesse zu geben: und sein Romanzen würden in ihrer Art Muster heißen können, wären nicht hie und da niedrige Züge eingemischt, die auch der Volkspoesie nicht anstehen.

[S. 926] Bürger´s hinterlassene einzige Cantate auf die Jubelfeyer der Universität Göttingen ist so melodisch, so voll edler Darstellung und hinreißender inniger Gefühle, daß man mehrere ähnliche Stücke von ihm zu besitzen wünschen möchte; [...]”

 

1807

Anonym. Neue Musikalien von verschiedenen Verlegern, welche bey Breitkopf u. Härtel zu haben sind. In: Intelligenz-Blatt zur Allgemeinen Musikalischen Zeitung. December No. IV Digitalisiert von Google.

“[Sp. 14] Schinn, G. Abschiedslied v. Bürger f. eine Singstimme mit Begltg. d. Guitarre. 5 gr.”

 

1807

Pölitz, Karl Heinrich Ludwig. Die Aesthetik für gebildete Leser. 1-er Theil. Digitalisiert von Google.

“[S. 119] Der Ton der Romanze nähert sich am meisten dem Volksliede, und muß so gehalten seyn, daß die Romanze selbst den gemeinen Mann interessieren kann und ihm verständlich ist, ob sie gleich nicht selbst gemein werden darf, so nahe sie auch, besonders in der komischen Romanze, an der Sphäre des gewöhnlichen Lebens hinstreift. Deshalb ist auch Bürger, der erste Volksdichter unserer Nation, in der Romanze noch unübertroffen, und alle Romanzen, in denen die Sprache zu künstlich und gewählt ist, verfehlen den ursprünglichen Charakter dieser Dichtungsart.”

 

1807

Anonym. Rez. Miscellaneous Poetry. W. Herbert. In: The Edinburgh Review or Critical Journal for Oct. 1806-Jan. 1807

“[P. 221] Mr. Herbert, from the formation of his style, seems to succeed best in those which he takes from the German. There is a very good translation of the Blandine and Lenardo of Bürger, which is impressive, although strongly marked with the taste for outrageous sensibility, which disgraces most German poetry. The story is that of Tancred and Sigismunda; but Bürger, though he borrowed liberally, and without acknowledgment, from the English authors,* was unable to reach the manly vigour of Dryden, and therefore balladized the old tale as he found it in Boccacio. We are surprised to find, that some of our brother reviewers, upon the slight foundation of a verse or two in this translation, have taxed Mr Herbert with favouring revolutionary and levelling opinions. We should think it difficult to read far in his book, without seeing traces of very opposite politics, and would be more apt to number this ingenious poet with a party who must be allowed to possess a large share of literary merit, and of whom a professed dislike to innovation has been the leading and distinguishing principle.

*Witness his generously adopting Bishop Percy's beautiful ballad of the Child of Elle; and having bestowed upon fair Ellen and her lover, the sounding names of Ritter Karl von Eichenhorst, and Fraulein Gertrude von Hochburg, his very gravely calling it an ancient German Tale.“

 

1807

Orphal, Wilhelm Christian. Die deutsche Sprache. In: Die Jägerschule. Zweyter Band. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 261] Ich selbst habe einen Oberforstmeister, der erst vor einigen Jahren gestorben ist, gekannt, der nur mit Mühe Geschriebenes lesen, und außer seinen Namen gar nichts schreiben konnte. Ja, selbst seine Namens-Unterschrift wurde ihm sauer. Ihm ging es in der That, wie dem Herrn von Gänsewitz in Bürgers Gedichten, der, wenn er nothgedrungen seinen Namen schreiben mußte, zu seinem Bedienten sagte:
  ´befehlt doch draußen still zu bleiben;
   ich muß jetzt meinen Namen schreiben.´
  Zur Ehre unserer jetzigen Jäger und vorzüglich zur Ehre aller derjenigen, die bisher zur Bildung des Jägerstandes nach Kräften beytrugen, sey es aber gesagt, daß jetzt solche Beyspiele nicht allzuoft mehr vorkommen, und in der Zukunft noch seltener seyn werden. “

 

1807

Anonym. Miszellen aus Dänemark. In: Morgenblatt für gebildete Stände, 21. Mai. Tübingen. Digitalisiert von Google

“[S. 484] Sie, liebster Freund, grüßt er [Baggesen] recht herzlich, und sendet Ihnen zum Beweise seiner Hochachtung drey noch ungedruckte Gedichte von ihm, 1) den ersten Gesang seines Nordischen Göttergedichtes: Odin betitelt 2) die Erschaffung des Riesen Ymer, 3) seine Agnete. Nach meinem Urtheil sind Nro 1 und 3 wahre Meisterstücke. Agnete ist eine Modernisirung eines wahrhaft alten Volksliedes mit einer äußerst melancholischen Melodie. Wenn ich diese Agnete von unserm Baggesen singen höre, so macht sie auf mich denselben Eindruck, wenn mir vor 30 Jahren unser Abrahamson Bürgers Leonore sang.“

 

1808

Fernow, Carl Ludwig. Römische Studien. Dritter Theil, Zürich

“[S. 227] Der Verfasser ist weit entfernt zu wünschen, dass man allen Kehricht und Schmuz der Mundarten, den der Pöbel im Munde führt, beachte und aufsamle; aber er ist der Meinung, dass die dem Urstamme wirklich entsprossenen, im Geist der Sprache gebildeten, originellen ausdruksvollen Wörter und Redensarten, welche sich in den Mundarten in Menge finden, und deren oft die Gesamtsprache darbend entbehrt, die Geringschäzung und Vernachlässigung keineswegs verdienen, womit ein französisch verfeinertes Publikum und die Schaar der demselben sich bequemenden schöngeistelnden Modeskribenten mit ihren konvenzionellen Begriffen von alt und neu, von edel und unedel, von vornehm und gemein im Kopfe, und ihrem A delung auf dem Pulte, naserümpfend und achselzuckend auf sie herabblicken. Auch suchten die grösten Dichter unserer Nazion, ein Klopstock, Wieland, Göthe, Bürger, Schiller Voss immer, allen Gotscheden und Adelungen zum Troz, die Sprache von den Fesseln falscher
Delikatesse und geistloser Pedanterei, welche ihr von der französelnden feinen Welt und von geschmaklosen Grammatikern angelegt worden, wieder zu befreien.“

 

1808

[zu Elise Bürger]. In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig.  Digitalisiert von Google

“ [Sp. 880] Anzeige.
Die Unterzeichnete, durch ihre Gönner und Freunde bestimmt, kündigt zur Neujahrsmesse 1809 eine Sammlung poetischer und prosaischer Aufsätze an. Das Exemplar auf Schreibpapier, mit einem Titelkupfer versehen, kostet für die Subscribenten 1 thlr. 8 ggr. sächs. Die Namen der Subscribeuten werden vorgedruckt, und sie werden gebeten in der Vossischen Buchhandlung in Leipzig solche aufzuzeichnen bis Ende Juny dieses Jahrs.
 Elise Bürger, geb. Hahn.

[Sp. 680] Frankfurt am Main, den 15ten May.
Frau Elise Bürger hat in verwichener Messe hier einige deklamatorische Akademien mit vielem Beifalle gegeben, und vom Fürsten ein ansehnliches Geschenk erhalten. Ihre Sonette auf verstorbene Dichter haben den Wunsch nach einer Sammlung ihrer Werke erregt, welche sie nun herausgehen will.“

 

1808

Voß, Johann Heinrich. G.A. Bürgers Sonnette, in den letzten Ausgaben der Bürgerschen Gedichte.
In: Jenaische Allgemeine Literatur-Zeitung.

 „[S. 410] Nicht Bürger eigentlich, sondern sein hinschwebender Schatten, war Hersteller des verschollenen Klinggedichts, welches unsere Alten und er selbst mit den Franzosen und Engländern Sonnet, in der Mehrheit Sonnette (vordem Sonnete), die Neueren hingegen nach dem Italienischen Sonetto, als dem angenommenen Ursprunge, Sonett nennen.

 [S. 415] Unserem Bürger scheint das Sonnet, wie es jetzo ist, eine sehr bequeme Form, um allerley poetischen Stoff von kleinerem Umfange, womit man sonst nichts anzufangen wisse, auf eine sehr gefällige Art an den Mann zu bringen: ein gleich passendes Kleid für Lyrisches und Didaktisches, ein schicklicher Rahm um kleine Gemälde, eine artige Einfassung zu allerley Bescherungen für Freunde und Freundinnen. [...] In der That, den gesammten Stoff der Bürgerschen Sonnette, etwa die komisch ernsthafte Schnurre an den jungen Aar ausgenommen, hätte früher der kraftvolle Lenorendichter schwerlich für poetisch angesehen. [...] Offenbar ward von Bürger nicht für seinen poetischen Stoff eine angemessene Form gewählt, sondern für die herkömmliche Form ein Stoff, wie er sich fand, zugeschnitten.

 [S. 440] So weit blieb Bürger von den Erfordernissen eines richtigen Sonnettes zurück. Und wenn er alles gethan hätte, was die Sonnetregel befiehlt; so musste sein besserer Geist ihm sagen: Du unnützer Knecht, warum hast du unter ein so willkührliches Gesetz dich geschmiegt, und die freye Kunst des Gesanges entwürdiget?“

Voß vierteilige Arbeit in der ONLINE-BIBLIOTHEK.

 

1808

Sonnenberg, Franz von. Minna´s Kanarienvogel. In: Gedichte. Rudolstadt. Digitalisiert von Google

“[S. 126] [...]
   Wo wohnt sie, ihr Vögelchen, singt, wo sie wohnt!
   Die Vögelchen schwiegen, und wußten es nicht;
   Da rief ich mit einmal: ´Ihr Vögelchen, sagt,
   Wo weilt denn Blümchen Wunderhold?´
   Da flogen die Vögelchen alle voran,
   Da flog ich den Vögelchen allen voran,
   Und bin bei Minchen Wunderhold.“

 

1808

Müller, Johann Valentin. Der Arzt für venerisch-verlarvte Krankheiten. Frankfurt am Main. Digitalisiert von Google

“[S. 277] Allein gesetzt, diese Erscheinung habe sich zugetragen, haben wir dadurch nur die geringste Aufklärung, die geringste Beruhigung erhalten? Was ist denn wahr? Eine Fortdauer nach dem Tode? Wie ist dieselbe beschaffen? Wird die ehemalige gehabte Form beybehalten, oder verwandelt? Welchen Umgang genießet der Verstorbene? Wo, und von welcher Beschaffenheit ist der Ort seines Aufenthalts? Giebt es ein Fegfeuer - ein Elysium, ein Tartarus? Von allem diesem keine Nachricht - was ist, was war denn wohl der Zweck dieser Erscheinung? Das weiße Pferd des Marsilius ist halt, doch wohl eine solche Fiktion, wie der schwarze Rappe in Bürgers Leonore. “

 

1809

Fuhrmann, Wilhelm David. Handbuch der classischen Literatur, oder Anleitung zur Kenntniss der Griechischen und Römischen Classischen Schriftsteller, ihrer Schriften und der besten Ausgaben und Uebersetzungen derselben. Dritter Band. Digitalisiert von Google.

“[S. 223] Die Nachtfeier der Venus hat G. A. Bürger zwar nicht wörtlich genau, sondern mehr frei und eigen, aber so nachgebildet, dass der Geist des Gedichts völlig aufgefasst worden ist. Die Zartheit der Empfindungen, die Anmut der Bilder und der Diction, der entzückende Rhytmus des Originals ist wunderschön in der Copie wiedergegeben. Man findet sie im teutschen Merkur 2ter B. 1773. in Ramler's lyr. Blumenlese. Leipzig. 1774. 8.,so wie in der 2ten vermehrten und verbesserten Auflage. 1789. 8.”

 

1809

[Zu Elise Bürger]. In: Morgenblatt für gebildete Stände.  Digitalisiert von Google

[S. 536] Bamberg.
 Am 9ten May gab Madame Elise Bürger auf ihrer Kunstreise auf dem Bamberger Theater zu ihrem Benefiz: Klara von Montalban, ein Drama in fünf Aufzügen, von ihr selbst nach dem bekannten Romane der Frau von Genlis: Le Siége de la Rochelle, bearbeitet.
  Das Sujet bietet allerdings Stoff zu einigen theatralische Situationen. Uebrigens ist aber nichts hinlänglich tragisch motivirt, am allerwenigsten die Begebenheit, die doch den Knoten des ganzen Stückes schürzt, wie nämlich Klara Mitwisserinn von dem Morde ihres Vaters an seinem Sohne Julius wird.
  Ueber die Bearbeitung gebietet die Achtung für die verdiente Künstlerinn Schweigen - sie hat den Roman dialogisirt; von Kunsttalent ist weiter dabey nicht die Rede.
  Unbegreiflich war mir, daß Mad. B. in ihrem eigenen Werke sich selbst so wenig getreu blieb. Ihre Deklamation, gerade der Theil der Kunst, in welchem sie unstreitig das meiste Talent besitzt, war hier größtentheils gezwungen, eintönig, ja sie accentuirte sogar oft ganz falsch. Allerdings gehört auch diese Rolle nicht mehr in ihr Fach.
   Hr. Witz gab den alten Montalban recht brav; dies ist alles, was man von den Umgebungen der Mad. B. sagen kann. Wie man hört, wird sie ihre Reise von hier über Würzburg und Frankfurt fortsetzen.“ “

 

1809

Heinsius, Theodor. Der Bardenhain für Deutschlands edle Söhne und Töchter, Band 2, Digitalisiert von Google.

“[S. 97] Ein unglücklicher Mann, dessen leidenreiches Leben auch so manches Lehrreiche für Jünglinge enthält!

[S. 98] Bürger war ein Mann von lebhafter Imagination, warmen Gefühl und menschenfreundlichem Sinn, der mit ausgezeichnetem Talent auch Studium und brennende Liebe zur Kunst verband. Seine Gedichte machten in ganz Deutschland Glück; besonders wurden die B alladen, unter denen vorzüglich Lenore das größte Aufsehen erregte, mit Begierde gelesen. Freilich lag dies zum Theil in dem Geschmack damaliger Zeit, aber auch die Wahrheit und Originalität seiner Dichtungen selbst, und die Harmonie und Lieblichkeit des Versbaues, verbunden mit Klarheit und Popularität der Vorstellungen, haben zu diesem allgemeinen Beifall nicht wenig beigetragen. Noch lange wird sein dichterischer Ruhm unter den Deutschen leben, wenn gleich die Kritik die Fehler einer gewissen Derbheit in der Empfindung und Plattheit im Ausdruck nicht übersehen darf, die theils in einzelnen Stellen, theils in manchen Gedichten dem gebildetern Geschmack widerstehen, und manche seiner Arbeiten ungenießbar machen. “

 

1809

Conversations-Lexikon oder kurzgefaßtes Handwörterbuch, Amsterdam.

Wenige Dichter haben das Glück, so allgemein gelesen zu werden, als dieser Lieblingsdichter unsrer Nation. Auch ist nicht nur der Stoff seiner Gedichte der allgemeinen Empfindungsart so angemessen, sondern auch der Ton derselben der lebendigen Mundsprache so entnommen, da es ihm unmöglich fehlen konnte, unter allen Classen von Lesern Freunde zu gewinnen. Und wiewohl man mit Grund befürchten muß, daß man, indem man ihm den Namen eines Volksdichters beigelegt, vorzüglich an diejenigen Eigenschaften seiner Werke gedacht habe, welche denselben sogleich auch bei den weniger gebildeten Ständen Eingang verschaffen, so würde man doch sehr irren, wenn man glauben wollte, da er das feinere Gefühl beleidige und für die gebildeten Stände weniger genießbar wäre, wenn er auch das Ideal des Dichters, welches der Recensent seiner Gedichte in der Jenaischen A. L. Z. vielleicht selbst idealisch, entwirft, nicht erreicht haben sollte.”

 

1809

[zu Elise Bürger]. In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig.  Digitalisiert von Google

“[S. 223] Aus Wien, den 25ten Januar.
Mad. Bürger hat vorige Woche ein Deklamatorium vor einem zahlreichen vornehmen Publikum gegeben. Sie rezitirte über zehn Stücke und ward am Ende eines jeden sehr beklatscht. Indeß wollen doch viele Kenner ihre Deklamazion nicht so ganz vorzüglich finden, als sie in vielen literarischen Blättern ausposaunt wird, und, unbeschadet, übrigens den Verdiensten dieser Frau, auch ich bin nicht sehr davon erbaut gewesen.“

 

1809

Campe, Joachim Heinrich. Das Lied. In: Wörterbuch der Deutschen Sprache. Dritter Theil. Braunschweig. Digitalisiert von Google

“[S. 127] Das Lied, -es, Mz. -er; Vw. das Liedchen, O.D. -lein, (zusammengezogen Liedel), -s, Mz. gl. auch die Liederchen. 1) Alles was gesungen, durch die Kehle in abwechselnden und meist angenehmen Tönen hervorgebracht wird; es mögen Worte oder auch nur Töne sein; der Gesang. Die Lieder der Nachtigallen. Das frohe Lied der Lerche.
        Ihr Lied war zu vergleiche
        Dem Unkenruf in Teichen.  Bürger.
In engerer Bedeutung, ein Gedicht, welches bestimmt ist gesungen zu werden, oder welches doch gesungen werden kann; dann, in der höhern Schreibart, auch überhaupt ein Gedicht. Das hohe Lied. Das Lied vom braven Manne. “

 

1809

Klein, R. von. Des Dichters Fegefeuer. In: Jason. Dritter Band. Gotha. Digitalisiert von Google

“[S. 85] ´Nicht blos die Jugend unserer dramatischen Dichter,´ sagt Hottinger in seiner treflichen Preisschrift, ´nicht blos die ökonomische Lage des deutschen schönen Geistes, auch ihre übrigen Verhältnisse sind an der Unvollkommenheit unserer Schaubühne Schuld. Nur dem Britten öffnet ein Meisterstück Aussicht zu Glück und Ehre. Nur dem französischen Belletristen verschaffen Witz und Talente sorgenfreye Nahrung und offnen Zutritt in die beste Gesellschaft. In Deutschland versteht man es besser, wie man es mit den Gelehrten zu halten hat. Da ist zwischen der feinen Welt und ihm, wenn er anders nicht ein Edelmann ist, eine Scheidewand aufgestellt, welche nur selten eine Spalte hat, durch die sie umschlichen werden werden kann. Und Er? — wahrlich er ist der Demüthigung meistens so würdig, weil er sie sich so gerne gefallen läßt.
   Warum hält er's für eine so große Seligkeit, sich dieser Atmosphäre nähern zu dürfen! — Warum verschwendet er seinen Weihrauch an Große, die keine Nasen haben! warum wagt er es so selten, den Mann von Ansehen und Einfluß mit Freymüthigkeit und Wahrheitsliebe zu beurtheilen! warum fährt, der mit Männern von Talenten und Verdiensten so dreiste sprechen darf, so säuberlich mit dem Hochadelichen "Schriftsteller! usw.´
  ´Viel Klagen hör' ich oft erheben,
   Vom Hochmuth, den der Große übt:
   Der Großen Hochmuth wird sich geben,
   Wenn unsre Kriecherey sich giebt."
                       Bürger.
Nichts ist ekelhafter als gelehrter Stolz, aber auch nichts verächtlicher als ein Talent das kriecht, wie nichts liebenswürdiger ist, als ein Hofmann, der Vorzug in Höflichkeit und Verdienst sucht.“

 

1809

Schreiber, Aloys. Lehrbuch der Aesthetik. Heidelberg. Digitalisiert von Google

“[S. 319] Bürger ist unter allen Neuern der erste Balladendichter, und seine Leonore kann als das erste Muster in dieser Gattung gelten. Schiller, Göthe, Stolberg und A. W. Schlegel schließen sich zunächst an ihn an. “

 

1810

Pauli, Andreas Alois de. Vermischte Nachrichten. In: Königlich-privilegirte Baierische National-Zeitung. Digitalisiert von Google

“[S. 355] Dadurch vollkommen beruhigt, hatte ich beschlossen, von derlei Klatschereien keine weitere Notiz zu nehmen, und nach Bürgers goldener Regel, dem bellenden Hunde bloß auszuweichen. Aber da die Unverschämtheit nun so weit gegangen ist, daß man mich in einer gedruckten, sorgfältigst verbreiteten Brochüre vor dem ganzen Publikum angriff [...].“

 

1810

Arnold, Ignaz Theodor Ferdinand Cajetan. Rudolf Zumsteeg. In: Gallerie der berühmtesten Tonkünstler des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts. Erster Theil. Digitalisiert von Google.

“[S. 145] Am bekanntesten unter allen hat sich gewiß Des Pfarrers Tochter von Taubenhayn gemacht. Das Gedicht von Bürger - ein wahres Volksgedicht - ein veredeltes Bänkelsängerlied, bei dem nur das Wachstuchbild fehlt, mußte dieser vortrefflichen, mit Recht allgemein geschäzten Musik die allgemein günstige Aufnahme verschaffen, in der sie sich von ihrem Bekanntwerden, das noch in Zumsteegs frühere Periode gehört, bis jezt erhalten hat, und gewiß erhalten wird, so lange sich der Geschmak an schönen Balladen erhält.
[S. 148] Daß die Romanze eben so schließt, wie sie begann, ist der Natur der Sache sehr angemessen, denn dte Spukerei ist in den lezten Versen wiederholt. Der Dichter hat dem Komponisten gute Gelegenheit gegeben seine Komposizion zu konzentriren, und immer wieder auf den herrschenden Hauptgedanken zurükzuführen. Was nach Erzählung der Spukerei folgt vom zweiten Verse bis zum vorlezten ist ja doch nur Erzählung ihrer Veranlassung, und die beiden leztern erklären den Spuk, der in beiden ersten erzählt wurde.

[S. 149] Ritter Karl von Eichenhorst oder die Entführung.
 Ballade von Bürger. Der Inhalt ist heroisch, und folglich von den vorhergehenden verschieden. Es fehlt ihr so wenig als andern an Ausdruk und origineller Wendung, doch läßt der Gang der Dichtung, indem die Erzählung rascher vorschreitet, weniger Ausführung
in der Musik zu, als in andern. Dafür gewährt sie mit der vorigen den Vortheil eines leichtern Vortrags und gewissen Gelingens.

[S. 149] Lenore.
 Ballade von Bürger, und schon früher von André in Musik gesezt. Sie ist von bedeutender Länge, und es gereicht Z um st eeg unstreitig zu großem Verdienst, daß er seine untergelegte Klavirbegleitung so schön einzurichten verstand, daß weder der Vortrag
der Singparthie für den Sänger zu mühsam, noch durch jene eine Ausdehnung erhielt, die den Zuhörer ermüden könnte. Man findet
darin nicht eine einzige überflüssige Wiederholung oder ein Ritornell, das ohne Bedeutung wär. Die Schreibart ist bei ihrer Korrektheit durchaus rein dramatisch, die Klavierbegleitung ungekünstelt, sprechend und an einigen Stellen äußerst frappant. Der ganze Plan ist meisterhaft angelegt, und mit genialer Einsicht und vielem Fleiße vom Anfange bis zum Schlusse ausgeführt.”

Ausschnitt aus “Rudolf Zumsteeg” in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1810

Reichardt, Johann Friedrich. Vertraute Briefe geschrieben auf einer Reise nach Wien [...]. Zweiter Band, Amsterdam.  Digitalisiert von Google

“[S. 82, Wien, den 31. März 1809] Madame Bürger hab´ ich aber in einem frühern Deklamatorium, welches sie im kleinen Redoutensaal gab, Gedichte von Bürger, vorzüglich gut, mit Kunst und Wahrheit deklamiren hören. In andern aber leuchtete das Bestreben nach partiellem Wortausdruck, bei großer Einförmigkeit des Tons, zu sehr hervor.“

 

1810

Heeren. Über die Mittel zur Erhaltung der Nationalität besiegter Völker. In: Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst. Wien.  Digitalisiert von Google

“[S. 634] Sollte nicht auf diese Anerkennung der ursprünglichen Verschiedenheit der National-Poesie, in so fern sie aus der Verschiedenheit der National-Anlagen und Charaktere hervor geht, die Billigkeit der Völker in der wechselseitigen Schätzung ihrer Literatur gegründet werden müssen? Nicht darnach wird der Werth einer Literatur gemessen, wenigstens nicht unbedingt gemessen werden können, wie sie der andern Nation gefällt; sondern vielmehr darnach, wie sie für ihre eigene Natur paßt. Als Bürger's Lenore erschien, wußte man sie auch auswendig von der Elbe bis zur Donau. Darum war sie vortrefflich, und hätten alle Kritiker der Welt das Gegentheil demonstrirt.“

 

1810

Brandes, Ernst. Ueber den Einfluß und die Wirkungen des Zeitgeistes auf die höheren Stände Deutschlands. Erste Abtheilung. Digitalisiert von Google.

“[S. 165] So gut wie vergebens suchte man in Büchern viele Sagen der Vorzeit aufzubewahren. Von hieraus konnten sie nicht in gleicher Stärke, wie in frühen mündlichen Ueberlieferungen, wirken. Rübezahl und Hinzelmann in Büchern, in ästhetischen Messewaaren, sind nicht die kräftigen, der Einbildungskraft sich recht bemächtigenden Rübezahl und Hinzelmann mehr. Schwerlich hätte Bürger das Meisterstück aller deutschen Balladen - die Lenore - als Meisterstück gedichtet, wäre ihm das alte Volkslied nur durch den Druck, gewiß hier sehr unvortheilhaft, nicht durch mündliche Überlieferungen, bekannt geworden. Mit dem Verhallen der den Territorialpatriotismus früh weckenden Sagen war es um seine erste tief Gründung geschehen. Es war die Zeit des Aussterbens einer zwar nicht dichterisch-schönen, aber in ihren Folgen sehr wichtigen historischen Bardenpoesie.”

 

1810

Anonym. Peter Winter. In: Gallerie der berühmtesten Tonkünstler des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts. Zweiter Theil.  Digitalisiert von Google.

“[S. 41] Zu seinen [Winters] frühern Werken, die er zu München schrieb, gehört:
 1) Leonardo und Blandine. Ein Melodram; nach der bekannten Bürgerschen Ballade gleiches Namens. Die Anlagen sind glänzend, und alles spricht darin schon das Gründliche aus, wodurch sich Winter vor seinen Zeitgenossen hervor that. Das Melodram ist in zwei Aufzüge abgetheilt. Der Dichter hat für prächtige Dekorazionen, für Abwechslungen und, wie es die Ballade mit sich bringt, für Mannigfaltigkeit der Situazionen gesorgt, wodurch der junge Komponist denn freilich ein weites und glänzendstes Feld bekam. Es ist nicht sowohl, wie bei den eigentlichen Melodramen, eine einzige Situazion aufgegriffen, sondern vielmehr die ganze Fabel ist dramatisirt; und das Interesse unter mehrere Personen gleich vertheilt, nur daß Blandine hervorgehoben, das Stük schließt.”

 

1810

Bouterwek, Friedrich. Neue Vesta. Eilfter Band.  Digitalisiert von Google.

“[S. 105] Mehr als Eine fromme Seele hat Bürger's Gedicht Fortunens Pranger nicht nur ohne Aergerniß, sondern mit wahrer Andacht gelesen. Solche Komödien spielt das menschliche Herz mit sich selbst, wenn die Vernunft aus Gefälligkeit ein Auge zudrückt.”

 

1810

Eichhorns Geschichte der Literatur von ihrem Anfange bis auf die neuesten Zeiten, Bd. 4. Abth.2
(
zitiert in Lexikon deutscher Dichter und Prosaisten, von Karl Heinrich Jördens 1810, S.800)

“[S.800] Die Heroide erwartet bei uns noch ihren Meister in der Darstellung des leidenschaftlichen Schmerzes und der leidenschaftlichen Sehnsucht. Das vorzüglichste Stück in dieser Gattung, das aber Pope´n, doch mit Selbstständigkeit und Freiheit, nachgebildet ist, bleibt Heloisens Brief an Abälard von Bürger; eine feurige, gedankenreiche und innige Poesie, in welcher Fülle des Ausdrucks, Wohlklang der Versifikation und rascher Gang der mannigfaltigsten Empfindungen verbunden sind.
Bürger war ein wahrer Meister in der leichten Liedergattung, durch seinen deutschen Sinn und Geist, und den lauten, lebendigen Ton seines Gesangs ein wahrer Volksdichter. Möchte man auch einigen seiner Lieder etwas mehr Adel wünschen, so hält er dagegen in den meisten durch den edelsten Ausdruck und eine seltene Geschmeidigkeit, durch Grazie und Lieblichkeit, zuweilen sogar durch Süßigkeit dafür schadlos.”

 

1810

Ayrenhoff, Cornelius Hermann von. Schreiben der Mamsell la Regle an den Herrn Gottfried August Bürger. In: Kleine Gedichte. Digitalisiert von Google

“[S. 35] Warum verhöhnst du mich, Mich gutes Weib,
Leichtsinn'ger Knabe?
Mich, die doch dein berneskisches Geschreib
Verhöhnet nie, nur nicht gebilligt habe? -
Alt bin ich wohl - doch keine alte Strunsel,
Wie dir's beliebte mich zu nennen;
Das Auge deren, die mich besser kennen,
Entdeckt an mir noch keine Runsel.
Mit Ehren leb' ich seit Jahrtausenden auf Erden,
Der Kunst und ihren Meistern nie verhaßt,
Den Meisterleinen nur zur Last; -
So alt wirst du wohl schwerlich werden!

    Nicht nur die Griechen und Franzosen,
Die besten Deutschen, so wie sie
Bekränzt mit Lorbeern oder Rosen,
Verdanken insgesammt mir meiner Wartung Müh.

    Mein Ansehn und Verdienst zu schwächen,
Nennst du mich Zaum des Geistes! Junger Mann!
Wiß, daß ich diesen Spott ertragen kann.
Ich Zaum - Du Wildfang — könnt' ich sprechen --
Doch nein! statt über dich mich zu beklagen,
Will ich dir ohne Groll, als Freundinn sagen:
Der Andaluser schönstes Pferd
Hat, unzähmbar, kaum höhern Werth,
Als Leonorens Rappe, hop, hop, hop,
Mit seinem höllischen Galop;
Der Zaum erst bildet es zum brauchbarn Pferd.-
Auch - konnte gleich dein Leichtsinn mich verachten -
Will ich dir doch durch Rath zu frommen trachten: 
Streich weg dein Juchsa, Juchsasa!
Dein Kling, kling, kling! dein Trallala!
Dein Trap trap trap! Hura hura!
Dein Husch husch husch, et caetera!
Die Knittelverse hier und dort!
Den niedern Pöbelscherz an jedem Ort!
And dann erst sieh, ob Madam Barbarey,
Ob Mamsell Regle dir die beßre Räthinn sey! -
Vor Hunderten bist Du der Mann,
Der, was ich fodre, leisten kann.
Doch folgst du meinem Rathe nicht,
Beleidiget dein Lied fortan Geschmack und Ohr,
So sing - wie euer Haller spricht -
Sing auf den Bänken Bauern vor! “

 

1810

Oldenburg, Peter Friedrich Georg von. An G. A. Bürger, den Verehrern desselben gewidmet gegen seine Verächter. In: Poetische Versuche. Moskau 1810. Hier nach: Magazin für die Literatur des Auslandes. 30. Juli. Leipzig 1859. Digitalisiert von Google

“[S. 367] An G. A. Bürger, den Verehrern desselben gewidmet gegen seine Verächter.

   Gekrönt führt dich mein Sieg´striumph zurück.
   Dich grüßen hehr im Sternenlicht
   Urania, Apoll im Sonnenblick,
   Jahrhundert, grüßest du ihn nicht?

   Du schmück´st den Lorbeerkranz, der dir geraubt,
   Und stehst im Sturm ein Biedermann,
   Dem Eichstamm gleich, den zwar der Herbst entlaubt,
   Doch kein Orkan entwurzeln kann.

   Dein hohes Lied hebt stolz das Haupt empor
   Und es erbebt der Dichterling;
   Der Schönen gleich, die Einen nur erkor,
   Reicht hold die Muse dir den Ring.

   Fleug weg, fleug weg, du leerer Hummelschwarm,
   Der du nur summest und nicht fühlst;
   Mit Terpsichorens leichtem Schwanenarm
   Wie mit der Buhlerin nur spielst.

   Schwach glimmt des Irrwisch's sterbend Flämmchen nur,
   Es prangt die sternenhelle Nacht:
   Die Erde bebt, es zittert die Natur,
   Den Todten weckt des Liedes Macht. “

 

1811

Anonym. Neue Musikalien von verschiedenen Verlegern. In: Intelligenz-Blatt May zur Allgemeinen Musikalischen Zeitung.  Digitalisiert von Google

“[Sp. 199] Himmel, F.H. 3 Lieder von Tiedge, Müchler u. Elisa Bürger, mit Begl. d. Pianof.  8 Gr. “

 

1811

Anonym. Concerte. In: Allgemeine Musikalische Zeitung.  Digitalisiert von Google

“[Sp. 360] Am 8. gab im Theater nächst dem Kärnthnerthore Hr. Reil, k. k. Hof-Schauspieler, zu seinem Vortheile eine declamatorische und musikalische Abend-Unterhaltung. Die vorkommenden Stücke waren: Erste Abtheilung 1) Symphonie (C dur) von Mozart, aber nur das erste Stück. 2) Bürgers Lied vom braven Mann, vorgetragen von Hrn. Reil. Seine Stimme hat zu wenig Modulation und Biegsamkeit. 3) Die Kuh, von Bürger, vorgetragen von Mad. Koberwein: sie verwendete zu viel Anstrengung; weniger wäre besser gewesen. “

 

1811

Kotzebue, August von. August von Kotzebue´s Selbstbiographie. Digitalisiert von Google.

“[S. 37] Es kam nähmlich ein Seiltänzer nach Weimar, der seine schöne, herkulische Gestalt durch die mannigfaltigsten Biegungen seines Körpers, in das vortheithafteste Licht zu setzen wußte. Die Verleumdung streuete aus, er habe - um dem Chevalier Boufflers einen Ausdruck abzuborgen - das Herz mancher Dame gewonnen, und mir kam dabey die lustige Idee in den Sinn, Bürgers Lied: die Weiber von Weinsberg zu parodiren. Ich muß bekennen, daß ich noch heute, nach sechzehn Jahren, diese Parodie für eines meiner witzigsten Produkte halte; aber um so mehr zog es mir den gerechten Haß der Damen zu.”

 

1811

Anonym. Die deutsche Litteratur. In: Rheinisches Archiv für Geschichte und Litteratur. Vierter Band. Erstes bis viertes Heft.  Digitalisiert von Google.

“[S. 385] Daß nichts daran ist, an der deutschen Litteratur nämlich, darüber sind die französischen Journalisten, die kein Deutsch
verstehen, vollkommen einig. Das JournaI de l´Empire hat die Sache auch so evident dargethan, daß der geringste Zweifel nicht mehr übrig bleiben könnte, wenn es einem Menschen noch einfallen sollte, daran zu zweifeln. Die schöne humane Würdigung des deutschen Verdienstes, voll tiefer Sachkenntniß und feiner Urbanität, die ich hier zum Nuzen und Frommen der gutmüthigen Deutschen ins Deutsche überseze, ist nur ein mäsiger Auszug aus einer weitläufigen Kritik über B ürgers Leonore. Der Verfasser braucht kein Deutsch zu verstehen, weil er, nach seiner naiven Erklärung am Schlusse der Rezension, bei Beurtheilung der deutschen Werke gefunden hat, es lohne sich der Mühe nicht, die deutsche Sprache zu lernen. Fiel es einem linkischen Deutschen ein, die französische Litteratur beurtheilen zu wollen, dann fienge er wahrscheinlich damit an, Französisch zu lernen. Er bedenkt nicht, daß, wenn am Ende an der französischen Litteratur nichts seyn sollte, er alle die kostbare Zeit, die er auf die Erlernung der Sprache gewendet, verlohren hätte. Aber, wird ein Deutscher fragen, wie fieng es der Kritiker dann an, um die deutsche Leonore zu lesen, die er doch lesen mußte, wenn er sie beurtheilen wollte? Eine deutsche Frage! Gesezt man müsse erst lesen, was man rezensiren will, wogegen manche Kritiker noch manches einwenden dürften, konnte der Rezensent nicht eine französische Uibersezung der L eonore nehmen, die selbst aus dem Englischen übersezt ist? und das that er auch; und nach diesem authentischen Aktenstüke hat der Richter den Prozeß instruirt und sein Urtheil gefällt. Das heiße ich doch an der Quelle schöpfen, und den nächsten Weg von Paris nach Göttingen nehmen, der, wie jeder gute Geograph weiß, über London führt.

[S. 388] Nach diesem erbaulichen Eingang geht der gelehrte Rezensent auf die Untersuchung der Romanze selbst über, deren Verfasser bei ihm Hr. Bergher und etwas tiefer Hr. Burgher heißt. -
   Am Schlusse sagt er: " Werden nun die Liebhaber der deutschen Litteratur noch die Behauptung wagen, es seye nöthig die Originalsprache zu kennen, um solche Monstruositäten gehörig würdigen zu lernen? Und wenn man eine ganze Nation sieht, welche die guten, alten und neuen Schriften kennt, und sich mit Wohllust au diesen burlesken Narrheiten weidet, diese Träume eines Kranken für erhaben, diese vagen Karrikaturen einer verwirrten Einbildungskraft für Genie hält, kann man dann nicht voraussehen, daß die Litteratur ohne ein Wunder unmöglich sich je aus dieser ekelhaften Verderbtheit erheben kann!"

[S. 390] Soll in unsern ungläubigen Zeiten noch ein Wunder gewirkt werden, dann scheint es wirklich dem Manne vorbehalten zu seyn, dem schon ein gewisses Wunder gelungen ist, die deutsche Litteratur nämlich nach der französischen aus dem Englischen gemachten Uibersezung einer deutschen Ballade so gründlich zu beurtheilen, wie er es that. Er darf auf Dankbarkeit zählen.”

Die vollständige Rezension in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1811

Anonym. Ankündigung [Elise Bürger] In: Baierische National-Zeitung. 20. Mai 1811. Digitalisiert von Google

“[S. 480] Von Mad. Elise Bürger wird nächstens ein Buch unter dem Titel erscheinen: Gedichte, Reiseblätter, Kunst- und Lebens-Ansichten. Man pränumerirt mit 1 Species-Thaler. “

 

1811

Anonym. Intelligenzblatt 1811. Nro. XXI. In: Heidelbergische Jahrbücher der Literatur. July. Heidelberg. Digitalisiert von Google

“[S. 162] Antikritik.
  Den Recensenten von Jördens Wörterbuche in den Heidelb. Jahrb. fordere ich auf, die Quelle anzuzeigen, welche ihm bewiesen, daß das, im Wunderhorn unter dem Namen Lenore abgedruckte Lied der bekannten Bürgerschen Ballade nachgebildet sey. Es ist den Herausgebern eingesendet, und da sich alle innere Gründe vereinigten, es sey das, in Bürgers Leben bezeichnete Lied, mit jener Notiz begleitet worden. Da mir noch kein Fall vorgekommen, daß ein weiter fortgebildetes Gedicht, wie Bürgers Lenore, das übrigens bey den frühern Dänischen und Englischen Gedichten gleichen Inhalts auf Originalität der Geschichte keinen Anspruch machen kann, wieder zu einer fast ursprünglichen Einfachheit wie in jenem Liebe des Wunderhorns zurückgeführt worden sey, so würde ich diese Entdeckung des Rec. als einen merkwürdigen Beytrag zur Geschichte der Poesie betrachten.
            Ludwig Achim von Arnim.

Antwort des Recensenten.
  Was schon einige Bedenklichkeit gegen die Echtheit des, unter der Aufschrift: Lenore, im Wunderhorn abgedruckten Gedichtchens in mir erweckte, das waren die der Aufschrift beygefügten Worte: ´Bürger hörte dieses Lied Nachts in einem Nebenzimmer.´ Nicht dieses Lied hörte Bürger in einem Nebenzimmer, sondern ( der Versicherung seines Biographen und seiner eigenen Versicherung nach) hörte der Dichter einst ein Bauermädchen bloß folgende Worte singen:
     ´Der Mond der scheint so helle,
     Die Todten reiten schnelle;
     Feins Liebchen, graut dir nicht ´?
Diese tief in seinem Innern widertönenden Worte wirkten so stark auf ihn, daß er schnell einige Strophen von der einige Monate nachher vollendeten Lenore entwarf. Sodann hat Bürger, seiner öftern Versicherung nach, sich überall recht angelegentlich nach dem alten Liede, von dem jene Laute ein Theil zu seyn schienen, wiewohl vergeblich, erkundigt. In diese Aussage des offenherzigen Mannes fand ich keine Ursache, Zweifel zu setzen. Wäre das im Wunderhorn eingerückte Lied damals schon vorhanden gewesen, so ist es doch kaum glaublich, daß nicht einer von Bürgers Freunden in den verschiedensten Gegenden Deutschlands es hätte auffinden sollen. Angenommen aber, daß Bürger dieß Lied nicht kannte, so wird der Bürger'sche Ton in einzelnen Stellen desselben um so auffallender, und läßt sich kaum durch bloßen Zufall erklären, z. B.:
   Es stehn die Stern am Himmel,
   Es scheint der Mond so hell,
   Die Todten reiten schnell.
       -----------------
   Der Hahn der thät schon krähen,
   Er singt uns an den Tag,
   Nicht mehr lang bleiben mag.

   Weit bin ich hergeritten,
   Zweyhundert Meilen weit,
   Muß ich noch reiten heut.
     -------------------
   Dort drin im Ungerlande
   Hab ich ein kleines Haus
   Da geht mein Weg hinaus.

In andern Stellen finden sich wieder Anklänge aus andern alten Volksliedern. Dieß alles erweckte die Vermuthung in mir, das im Wunderhorn abgedruckte Lied sey der Lenore von Bürger nachgebildet. Wer aber seit 1774, wo Bürger's herrliche Ballade zuerst erschien, diese Nachbildung versucht habe, kann ich freylich nicht sagen, und ich erwarte vielmehr den Beweis der Echtheit von dem Einsender des Liedes. Uebrigens setze ich keinen Augenblick Mißtrauen in die Angabe des Hrn. v. Arnim, daß dem Herausgeber des Wunderhorns das erwähnte Lied als echt zugeschickt worden sey.“

 

1811

r. Auch ein Urtheil über Reyers schriftliche Ansichten der neuesten französischen und sächs. Handelsverhältnisse. In: Der Verkündiger. 25. Juny. Nürnberg. Digitalisiert von Google

“[S. 503] Herr Reyer hat über diese ein Büchelchen geschrieben, das ihn nothwendig von der besten Seite zeigt. Man sieht es dem Manne an, daß er viel gelesen, viel gesehen, über alles gedacht, und fürs Vaterland einen Enthusiasmus hat, der ihn über tausend Schwierigkeiten triumphiren lassen würde, wenn er die Mittel hätte. So aber läuft das Meiste auf Bürgers Sprüchelchen hinaus:
   Ja, wer das ´Wenn und das Aber erdacht,
   Hat sicher aus Häckerling Gold auch gemacht.´ “

 

1811

Westphalen, Christine geb. von Axen. Bürgers Gruft. In: Gedichte: Kleinere Gedichte, Denkmäler, Elegien u.Idyllen. Dritter Band. Hamburg. Digitalisiert von Google

“[S. 204] Bürgers Gruft.

Hat hier Indiens Flur die Gerüche gespendet? Wie duftet
   Aromatisch der Hain! Aber die Sonne sinkt ihm,
Es umdunkelt die Gruft sich! Der Nacht balsamische Botin
   Kündet den Blumen den Schlaf, Hauche versendend
                        umher.
Bürger! so sank dir die Sonne; so schlossen Blumen die
                        Kelche;
   Und so dunkelt dein Mal; aber noch duftet der Hain:
Aus der Gottesstimme des Volkes predigst du Wahrheit:
   Denn von Munde zu Mund hallen uns Lieder von dir. “

 

1811

Höck, J. K. Beyträge zur Literatur der Bürger´schen Gedichte. In: Morgenblatt für gebildete Stände, 14. December. Tübingen. Digitalisiert von Google

“ [S. 1195] I. Die Frage: welchem Urstoffe Bürger's Lenore nachgebildet sey? hat kürzlich wieder einige Federn in Bewegung gesetzt. In Dänemark machte Rahbek auf die Aehnlichkeit der von ihm nach Sandvig's Recension herausgegebenen alt-dänischen Ballade Aage og Else mit der Bürger´schen Lenore aufmerksam*), und bemerkte dabey, daß dem deutschen Dichter einzelne Laute eines deutschen Volkslieds vorgeschwebt, auch daß die Engländer ähnliche Volkslieder hätten, wovon eines in Percy's Sammlung alt-englischer Balladen III, 126 stehe, eines andern im Monthly Magazine, Sept. 1796 gedacht werde: in Deutschland aber wird dermal, ohne daß noch zur Zeit die Sache für beschlossen angenommen werden könnte, über die Frage controvertirt, ob das Lied im Wunderhorn ll, 19 jünger oder älter, als Bürgers Lenore sey? Bürger selbst hat bekanntlich, in der Vorrede zu seiner 1778 erschienenen Gedichtesammlung, wo er sagt, daß er, um die Literatoren der undankbaren Mühe des Nachspürens zu überheben, alles, was nicht ganz sein eigen sey, getreulich anzeigen wolle, und sodann mehrere fremden Originalen nachgebildete Stücke seiner Sammlung anführt, die Lenore nicht genannt.
*)Mit Unrecht. Man sehe die Nachbildung jener Ballade in Nro. 293 des Mbl.

II.
Der Schwank, welchen der kräftige Dichter des achtzehnten Jahrhunderts in seiner Erzählung: ´Der Kaiser und der Abt´ so originell und lebendig darstellt, ist auch von einem zu seiner Zeit nicht unbeliebten Prosaisten des siebenzehnten Jahrhunderts erzählt.“

 

1811

Anonym. Das Weib; von demselben. In: Rheinisches Archiv für Geschichte und Litteratur. Mainz. Digitalisiert von Google

“[S. 362] Das ist aber keine Gelehrsamkeit, sondern Pedanterie; und ist ein pedantischer Mann lästig, dann ist ein pedantisches Weib unerträglich. Was sagt ihr von dem Schöngeiste, der ohne Kleist´s versifizirten Frühling den wirklichen sehr prosaisch und ohne besondre Reize findet; von jenem großen Pandektisten, der sich unter Bürgers Leonore nur einen tractatum de Leonora denken konnte, und von jenem philosophischen Rechtslehrer, dem die Ehe nichts als der usus membrorum et facultatum sexualium alterius ad omne vitae tempus ist?? “

 

1811

Schreiber, Aloys. Baden im Großherzogthum mit seinen Heilquellen und Umgebungen. Heidelberg. Digitalisiert von Google

“[S. 220] Wie im Schlosse alles heitres Leben andeutet, so herrscht in der Einsiedelei im Park melancholische Stille. Hier brachte die Markgräfin die Fastenzeit in strengen Bußübungen hin. Eine Strohdecke war ihr Lager, ein Stachelgürtel und ein härnes Gewand umschlossen den zarten Leib. - Wer möchte sie darob höhnen, und ein tiefes Gemüth an der flachen Zeit messen? Man hat eine Menge Märchen von den Kasteiungen dieser Fürstin erzählt, und unter andern auch, daß sie während ihres Aufenthalts in der Einsiedelei einige wächserne Heiligenbilder an ihren Tisch gestellt, und sie mit Wein und Speisen bedient habe! -
       Ach, laß sie ruh´n die Todten,
sagt Bürgers Leonore, und wir wollen ernst und dankbar das
       Sit tibi terra levis!
über das Grab der guten Sibylle Auguste sprechen.“

 

1812

Anonym. Almanachsliteratur. [Rez.] Heidelberger Taschenbuch auf das Jahr 1812. In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[Sp. 1081] So erhalten wir auch diesmal wieder einige treffliche Gedichte von Herder, die ihres Verfassers würdig sind; - einige von Bürger, dem edlen Volksdichter in der wahren Bedeutung - einige von J.M.R. Lenz, Göthens Jugendgenossen, [...]. Von Bürger erhalten wir drei ungemein liebliche Gedichte, die jeder Freund des Schönen gern der vollständigen Ausgabe dessen Werke hinzufügen wird.“

 

1812

Anonym. Korrespondenz und Notizen [zu Elise Bürger]. Aus Braunschweig. In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig.  Digitalisiert von Google.

“[Sp. 927]
 Nachdem Herr Unzelmann aus Berlin seine Gastdarstellungen auf der hiesigen Bühne beendet hatte, besuchte uns bald darauf Frau Professorin Elise Bürger, und trat zum ersten Male am 13ten Mai als Fürstin in Elise von Vahlberg auf. Sie empfahl sich in dieser Rolle durch Reinheit und Präcision des Vortrages, durch eine edle und würdige Haltung des Spiels, und beurkundete die denkende, gebildete Künstlerin, die ihre Gegenstandes Meister ist und ilm mit Sicherheit zu beherrschen weiß. Ihr zweite Rolle war die der Lady Milford in Kabale und Liebe, welche ebenfalls in einzelnen Theilen musterhaft war; [...]

[Sp. 928] Die von Madam Bürger selbst angeordnete Darstellung war, vorzüglich in plastischer Hinsicht, sehr lobenswerth, und die Künstlerin hatte besonderen Fleiß auf richtige und schöne Gestaltung und Gruppirung verwendet; [...].
  Außer diesen theatralischen Darstellungen, gab Madam Bürger noch ein Deklamatorium im Redoutensaale, welches insofern nicht übergangen werden darf, als sie die erste Frau war, welche zuerst öffentlich in Deutschland als Deklamatrice auftrat, und wirklich in dieser so häufig durch unberufene Nachfolger entwürdigten Kunst, Beweise von echtem Berufe ablegte. Sie traf nicht allein den Ton der verschiedenen Dichtungsarten, vom Didaktischen bis zum Lyrischen hinauf, im Allgemeinen sehr richtig, sondern Ihre Ausbildung der einzelne Partien selbst, und namentlich die
Recitative der Bürgerschen Balladen, war so gelungen, daß niemand unter den Zuhörern ihr seinen Beifall versagem konnt. - Noch wird Madam Bürger, wie es heißt, vor ihrer Abreise von hier ein Reihe von mimischen Darstellungen geben. “

 

1812

Peschel, M. E. A. Petrarcha und Laura. In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig.  Digitalisiert von Google

“[Sp. 404] Madonna Laura war also nicht, wie der Herr Professor glaubt, ´ein himmlisches Mädchen´ - sondern eine herrliche geistreiche Frau. Nicht ´verlebten sie der seligen Stunden gar viele,´ sondern selten ward dem Petrarcha das Glück zu Theil, sie zu sehen. Dem zu Folge, was er in seinen erotischen Gedichten (die er, um seiner Göttin verständlich zu seyn, italienisch schrieb) und in seinen lateinischen Schriften (die freilich wie schon Erasmus bedauerte, in wenigen Händen sind) von ihr sagt, muß sie freilich eine idealische Grazie gewesen seyn, schön an Körper und Geist. Ihre himmlisch lieblichen Augen, ihren sanften Blick, in dem Amor seine süße Gewalt offenbarte, ihren Mund voll Perlen und Rosen und süßer Worte, ihr Engelslächeln, ihre süße Rede, ihre blonden Locken, ihre schönen Thränen und zarten Seufzer, ihre unbeschreibliche Anmuth, ihre majestätische Haltung, ihr fast übermenschliches Wesen, lobt er überall, voll entzückter Begeisterung, als einzig; besonders auch in dem Sonette In qual parte del ciel, das unser Bürger so schön nachgesungen hat:
   Welch Ideal aus Engelsphantasie
   Hat der Natur als Muster vorgeschwebet,
   Als sie die Hüll´ um einen Geist gewebet,
   Den sie herab vom dritten Himmel lieh? -
   Der, welchem noch der Adel ihrer Mienen,
   Der Himmel nie in ihrem Aug´ erschienen,
   Entweiht vielleicht mein hohes Lied durch Scherz.
   Der kannte nie der Liebe Lust und Schmerz,
   Der nie erfuhr, wie süß ihr Athem fächelt,
   Wie wundersüß die Lippe spricht und lächelt.“

 

1812

Clodius, C.A.H. Ueber einige literarische Jugendurtheile des Herrn von Goethe im zweiten Bande von: Wahrheit und Dichtung aus meinem Leben. In: Zeitung für die elegante Welt. Leipzig.  Digitalisiert von Google

“[Sp. 2075] Nichtsdestoweniger kann man nicht in Abrede seyn, daß diese Göthesche Tendenz keineswegs als Maßstab aller Geist erhebenden Poesie aufgestellt werden darf. Ja sie ist uns in den unsittlichen Karikaturen der Götheschen Nachahmer, in deren Tornister, mit Bürger zu reden, der Kobold Genie spukt, und denen gerade nur die Ungebundenheit gefällt, mit der ein oberflächlicher Witz über alle Fundamente der Menschheit hinwegspottet, sogar widerlich geworden.“

 

1812

Horn, Franz. Die schöne Litteratur Deutschlands, während des achtzehnten Jahrhunderts.

“[S.217] Hiezu kam noch ein Umstand, der dem kühleren Leser fast seltsam komisch erscheinen muß, der aber Bürgern, der nichts hatte als den reichblühenden Lorbeerkranz, auf das tiefste ergriff und verwundete. Ich meine die bekannte Recension der Bürgerschen Gedichte (vom Jahr 1791) welche Schiller elf Jahre darauf dem vierten Bande seiner prosaischen Schriften wieder einverleiben ließ....In der That enthält sie nicht viel mehr als einige abgerissene Gedanken über Objektivität und Idealität der Poesie, mit denen Bürger geschlagen werden sollte.

[S.218] Als Romanzendichter ist er, besonders in Hinsicht der mimischen Lebendigkeit, und der Fülle in der Klarheit, unübertroffen. In der Pracht der Sprache und dem goldenen Strom der Worte kommt ihm kein Dichter des achtzehnten Jahrhunderts völlig gleich,[...]

[S. 219] Von den Gedichten an Molly, besonders aber von dem: “Als Molly sich losreißen wollte,” mögen wir nichts weiter sagen, als daß wir uns von ihnen beinah dieselben Wirkungen versprechen dürfen, als von Tamino´s Zauberflöte. Vielleicht noch größere, da bekanntlich die meisten Thiere, die sonst nützlichen Hunde abgerechnet, sich ohnehin ziemlich musikalisch erweisen.
      Der größe Fehler, den Bürger jemals beging, war, daß er auch scherzen wollte, welches ihm, wenigstens in gedruckten Schriften, niemals geglückt ist.
      Daß übrigens einige rohe Schriftsteller und Nicht-Schriftsteller ihn im Allgemeinen für ein wenig roh erklärt haben, muß der Literaturhistoriker leider mit anführen; sonst ist es freilich am besten, sich an dergleichen Unziemlichkeiten nicht zu erinnern.”

Schöne Litteratur von Horn in der ONLINE-Bibliothek. 

 

1812

Heidelbergische Jahrbücher der Litteratur, Band 5.

“[S. 26] Münchhausens wunderbare Reisen zu Wasser und zu Lande, herausg. von G.A. Bürger. 8. mit Kupf. Hamb., Vollm[er] 150 S. 1 fl.“

 

1812

Engel, Johann Jacob. Die Entführung. In: J.J. Engels sämmtliche Werke. Zehnter Band. Poetik. Zweyter Theil. Digitalisiert von Google.

“[S. 67] Eine aufmerksame Lesung dieses Stücks muß den Begriff, den wir von der Handlung gegeben haben, nicht bloß erläutern; sie muß ihn auch bestätigt haben. In dem Klopstockischen Gemählde des Selbstmörders, S 44 f. war es bloß der einzelne Seelenzustand, die einzelne That des Unglücklichen, die uns rührte, erschütterte: unsere ganze Empfindung war ein schreckenvolles Anschauen der Gegenwart; in der Bürgerischen Erzählung ist es weit weniger Anschauen der Gegenwart, als Erwartung der Zukunft, was uns beschäftigt: wir wünschen, hoffen, fürchten; wir haben von Anfang bis zu Ende eine unruhige Ahnung des Ausganges; kurz: wir werden, im genauesten Verstande des Worts, interessirt.

[S. 68] Da diese Art der Wirkung, dieses Hineintreiben der Seele in eine ungewisse, nur halb erhellte Zukunft, der pragmatischen Gattung so wesentlich ist, und durch keine andere Art von Wirkung ersetzt werden kann; so muß der Dichter, um das zu seyn, wofür er sich ausgibt, alles anwenden, was zur Erreichung oder Verstärkung derselben beyträgt. In der Bürgerischen Erzählung fanden wir sie in einem hohen Grade erreicht; aber auf welchen Wegen? durch was für Mittel?

[S. 89] Wer sich auf das sittliche Ideal des Menschen versteht, welches hier auszuführen nicht der Ort ist, der wird einsehen, daß in der That alle diese Fragen treffen, und die Antwort darauf wird wohl niemand erst fordern. Der Dichter gebe immer seinem Helden ein wenig mehr Reitzbarkeit, Leidenschaft, Hitze, als die wahre immer gleich gestimmte Weisheit erlaubt; er schränke seine Vollkommenheit durch Fehler und Schwachheiten ein, damit sie zur Schönheit werde, und wir sie fassen, anschauen, lieben können. Jene zu geistige, zu gränzenlose Vollkommenheit ist über unsere Sinne erhaben; sie ist das Werk einer tiefen Vernunft, und nur eine tiefe Vernunft kann sie fassen.

[S. 90] Kurz: die höchste dichterische Wirkung wird nie durch das Höchste in den Charakteren erreicht; beydes, zu viel Vollkommenheit und zu viel Unvollkommenheit, hebt die Lebhaftigkeit der Vorstellungen auf: jene, weil die Kraft, sie in einen lebhaften Gedanken zu fassen, fehlt; diese, weil noch außerdem der Wille, sie zu fassen, mangelt, wenn sie auch wirklich zu fassen wäre.

[S. 106] Es braucht wohl nicht erst Beweises: daß jeder pragmatische Dichter, in diesem Stücke, völlig wie der unserige verfahren; daß er die Charaktere nicht nur im Ganzen wahr und sich selber ähnlich erhalten, sondern auch bey dem vielseitigsten jede ihrer einzelnen Aeußerungen und Thätigkeiten dem Inbegriffe aller constituirenden Merkmahle gemäß machen; sie überall, er zeichne sie, von welcher Seite er wolle, so nüanciren, durch richtig angebrachte Schatten und Lichter ihnen die Ründung, die Solidität, das Körperliche geben muß, daß wir sie jedes Mahl ganz, nur freylich aus verschiedenen Gesichtspuncten, zu sehen glauben.

[S. 110] Allein die Rauhigkeit der Zeiten, in welche uns der Dichter hinein führt, erlaubt diese Stärke, diese Wildheit des Ausdrucks.

[S. 117] Ein besonderes Verdienst an der ganzen Dichtung unserer Romanze ist noch dieß: daß der Entwurf des Ritters, bey aller seiner Zweckmäßigkeit und Nothwendigkeit - denn es blieb ihm kein anderer zu machen übrig - noch um eine so gute Strecke vom Ziele entfernt ist. Dadurch wird eine Reihe von Situationen möglich, in welchen sich die Leidenschaften der Personen, unter sehr verschiedenen Verhältnissen und Umständen, mannigfaltig entwickeln. Einige dieser Umstände sind für die Leidenschaften vortheilhaft: sie geben ihnen freyen Spielraum, und führen sie an das Ziel, das sie wünschen. 

[S. 121] Die Auflösung in unserer Romanze ist abermahls in jeder der angegebenen Hinsichten untadelhaft, und besonders ist die Vorbereitung dazu vortrefflich.”

Die vollständige Analyse von Bürgers Entführung in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1812

Cullmann, J.A. Subscriptions-Anzeige. In: Heidelbergische Jahrbücher der Litteratur. Siebentes Heft. July.  Digitalisiert von Google.

“[S. 62] Subscriptions-Anzeige.
 Der Unterzeichnete hat Bürgers Ballade: Die Entführung, oder Ritter Karl von Eichenhorst, für Gesang und Pianoforte gesetzt. Kenner und Freunde der Tonkunst, welche Gelegenheit fanden, diese seine Lieblingsarbeit zu prüfen; fordern ihn auf, dieselbe dem größeren musikalischen Publikum vorzulegen. Er genügt dieser Aufforderung, indem er mit Bescheidenheit einer freundlichen Würdigung seines künstlerischen Bestrebens entgegen sieht. Das Werkchen wird 8 Bogen stark, in dem Simrokischen Musikverlag erscheinen. Der Subskriptionspreis beträgt 1 fl. 20 kr. und der Ladenpreis wird hernach beträchtlich erhöht werden.
 Frankfurt a.M. im Mai 1812.  J.A. Cullmann.
 Mohr und Zimmer nehmen Subskription an.”

 

1812

Conversations-Lexicon oder Hand-Wörterbuch für die gebildeten Stände [...].

“[S. 409] Denkt man sich nun den unglücklichen Dichter so im lebenslänglichen Kampf mit seinem widerwärtigen Schicksal, so muß man erstaunen über das, was er dessen ungeachtet als Dichter geworden ist. Er hat uns Lieder, Oden, Elegien, Balladen, erzählende Gedichte und Epigramme hinterlassen; in keiner dieser Arten behauptet er einen niedern Rang, in einigen hat ihn die Einstimmung der Nation seine Stelle unter den Ersten angewiesen. [...] Früher hatte man an ihm gepriesen, daß er allen Volksklassen genießbar sey, daß alles, mit dem sichersten Griff aus dem Mittelpunkt gehoben, alles, nicht blos gut, sondern 
einzig gedacht, empfunden und gesagt, der Ausdruck den Gedanken nicht angepaßt, sondern angeschaffen sey. Ganz im Gegentheil fand Schiller [...].

[S. 410] Wirklich war Bürger nie von dieser Schillerschen Idealität ausgegangen; seine leitenden Prinzipien waren ganz anderer Art, sie waren Popularität und Correktheit. [...] Von seinen Liedern im Volkstone gibt es einige, die nicht leicht zu sehr können gelobt werden. Sie sind eigenthümlich, ohne Bizarrerie und frei und leicht wie aus voller Brust gesungen. Bürger hat auch das Verdienst, das bei uns gänzlich vergessene und nach lächerlichen Vorurtheilen verachtete Sonett zuerst wieder zu Ehren gebracht zu haben.”

Der vollständige Lexicon-Eintrag in der ONLINE-BIBLIOTHEK.

 

1812

P-. Bürger und Walther v. d. Vogelweide. In: Idunna und Hermode,, 5. December. Breslau. Digitalisiert von Google

“[S. 192] Wer kennt nicht Bürgers begeisterten Liebesgesang: ´O was in tausend Liebespracht die Holde, die ich meine, lacht!´
   Wem aber sollte es nicht interessant seyn, einen deutschen Liebesgesang, der fast 6oo Jahre älter ist, damit zu vergleichen? Mit ähnlicher Begeisterung singt Walther v. d. Vogelweide:
     Si wunder wol gemachet wib!
     Das mir noch werde ein Habedank!
     Ich setze ir minneklichen lib
     Vil hohe in minem werden sanc.
     Gerne ich allen dienen sol,
     Doch han ich mir dise us erkorn.
Wenn Bürger singt:
     Wer tuschte so mit Kunst und Fleiß
     Der holden Wange Roth und Weiß? -
     Er, der die sanfte Lieblichkeit
     Der jungen Mondelblüthe leiht -
sagt W. v.d. Vogelweide:
     Got hat ir wengel hohen Flis,
     Er streich so ture varwe dar,
     So reine rot, so reine wis,
     Da roeselroth, da lilien var;
     Ob ichs getar von sunden sagen,
     Ich sehe si iemer gerner an,
     Danne alle himmel. “

 

1813

Rezension Lenore, Ballade von G.A. Bürger, in Musik gestzt [... ] von W. Tomaschek. In: Allgemeine Musikalische Zeitung. Digitalisiert von Google.

“[S. 674] Bürgers Lenore ist, wie alle Romanzen und Balladen, die nicht nur von solcher Länge, sondern auch (was allerdings noch mehr sagen will) so im Einzelnen ausgesponnen sind, und so vielerley in sich fassen - jeder musikalischen Behandlung sehr ungünstig, wo nicht ganz widerstrebend. Gleichwol hat sie, die Lenore, seit ihrer Entstehung, gar manche brave Componisten beschäftigt; und es ist nicht uninteressant, an ihren Arbeiten, theils die Wendungen, wie sie des (für sie) herben Stoffs haben Meister werden wollen, theils die Einflüsse des Zeitgeschmacks - besonders das immer weiter um sich Greifen der Musik gegen die Ansprüche des Gedichts, u. dergl. m. zu beobachten.”

Die vollständige Rezension in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1813

Hadermann, Karl. Das Universitäts-Leben. In: Rheinisches Archiv für Geschichte und Litteratur. Zwölfter Band. Wiesbaden. Digitalisiert von Google

“ [S. 19] Diesen Vater - von dem ich gerne recht viel erzählen möchte - verlor ich in meinem 15ten Jahre; aber doch habe ich keinem Lehrer so viel als ihm zu danken. Ich könnte mit Bürger von ihm sagen:
 ´Was ich bin und was ich habe,
  Gab der Mann in diesem Grabe,
  Alles dank ich dir, du guter Mann!´“

 

1813

Ashe, Thomas.  Prinzessin Caroline. In Briefen an ihre Tochter, die Prinzessin Charlotte. Aus dem Englischen. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 9] Bei der Bildnerei aus Thon schlug sie einen ganz eigenen Weg ein. Statt, wie gewöhnlich erst lange nach Mustern zu arbeiten, ließ sie sich bloß den Gebrauch der Werkzeuge und die nöthigen Handgriffe zeigen; dann faßte ihre Einbildungskraft aus einzelnen Zügen eines Gedichts das Bild einer erdichteten Person auf, und sie fing gleich damit an, dieses, ohne Vorbild, aus ihrem Kopfe darzustellen. Der erste Versuch war Leonore aus Bürgers Ballade; ihr zweiter ein ehrwürdiger Kopf eines alten Lords, und der dritte der Kopf ihrer Tochter, der Kronprinzessin von England. “

 

1814

Briefe des neu angekommenen Eipeldauers an seinen Herrn Vettern in Kakran. Jahrgang 1814. Erstes Heft.  Digitalisiert von Google.

“[S. 53] In Danzig steht ein Rapp der ziemlich rappelköpfisch war, und lang g´nug g´bissen und g´schlagen hat. - Jetzt aber haben's ihm den Futtersack höher g´hängt, so ist er ganz rasig worden, und da passen ganz die Vers auf ihm, die mir der junge noble Herr gestern aus ein´ n der berühmtesten deutschen Dichter vorglesen hat.
"Rapp Rapp mich deucht der Hahn schon ruft,
 Bald wird der Sand verrinnen;
 Rapp Rapp ich witt´re Morgenluft,
 Rapp tumle dich von hinnen.   (Aha das ist aus´n Bürger seiner Lenore)
 Denn richtig hat sich der Rapp aus Danzig forttummelt.”

 

1814

Der Sprach-Gerichtshof; oder, Die französische und deutsche Sprache in Deutschland vor dem Richterstuhl der Denker und Gelehrten.

“[S. 54] G.A. Bürger. (Anweisung zur deutschen Sprache uud Schreibart.)
 In der ganzen Literaturgeschichte ist kein aufgeklärtes schreibendes Volk bekannt, welches im Ganzen so schlecht mit seiner Sprache umgegangen, so nachläßig, so unbekümmert um Richtigkeit, Reinheit und Schönheit, ja welches so liederlich geschrieben hälte, als bisher unser deutsches Volk.“
 

1814

Stigler, J. E. A. Empfindung bey Lesung des Briefwechsels zwischen Bürger und Boie, über die Lenore. In: Morgenblatt für gebildete Stände, 16. July. Tübingen.  Digitalisiert von Google

“  (Burscheid, bey Aachen, 1812.)
O wie beneid´ ich deine Schöne,
Du Zeit, voll Dichterruhm und Glauz;
 Und euer selig Loos, ihr Söhne
Der Musen und des Vaterlands!
Euch flocht, vereinigt, die Kamöne,
Den neidenswerthsten Lorberkranz,
Von Blut und Thränen nicht begossen,
Und keinem Leicheufeld entsprossen.

Da hielt vereinte Kraft den Zügel
Und bändigte den Pegasus;
Da hob er willig seine Flügel
Für treuer Freundschaft Genius,
Uud trug euch über Sonnenhügel
Zu aller Schönheit Vollgenuß,
Auf neuentdeckte Sonnenbahneu,
Die keine Himmelsspäher ahnen.

Und auf der wundervollen Reise
Ward Viel vernommen und erschaut,
Was selten die Natur und leise
Nur ihren Lieblingen vertraut:
Des Herzens tief verborg´ne Gleise,
Und der geheimsten Seufzer Laut,
Uud der Verzweiflung grauses Wüthen,
Wenn wilde Leidenschaften glühten .

Da sahet ihr, wie einst Lenore
Der Liebe Sehnsucht unterlag;
Wie in des Wahnsinns dichtem Flore
Kein Lichtstrahl sie erreichen mag;
Und hörtet an dem Kirchhof-Thore
Den grausenvolleu Geisterschlag;
Uud wie aus Höhen und aus Tiefen
Des Jammers Klagestimmen riefen.

Dann horchte ob der Schauermähre
Der Jüugling' uud der Mädchen Schaar;
Dann rollte manche milde Zähre
Herab, aus schöner Augen Paar;
Sie war des Sängers Lohn und Ehre
Wie sie der Menschheit heilig war.
Doch nun erpressen andre Thränen
Des wahren Elends Trauer-Scenen.

Verschwunden ist die Zeit der Rosen,
Der Musen und der Menschheit Glück,
Wir hören nur des Krieges Tosen;
Verarmter Völker Mißgeschick,
Das Machtgebot der mitleidlosen
Und unheilvollen Politik,
Und das Geleier von Karfunkeln,
Die, statt zu leuchten, nur verdunkeln.

Und weilen traurend bey Zypressen,
Ach! ungeliebt und unbekannt;
Von unsern Brüdern selbst vergessen,
Getrennt vom deutschen Vaterland.
Wer lehrt die steile Bahn uns messen?
Wer reicht zum Steigen uns die Hand,
Wo keine Theilnahm' uns begeistert,
Nur hier und da ein Krittler meistert.

Doch lieben wir der holden Musen
Gesetzrtn Ernst und heitern Scherz,
Und wahren sorgsam in dem Busen
Das Mitgefühl für Lust uud Schmerz;
Der Zeit zum Trotz die, gleich Medusen,
Erstarren macht der Meuschen Herz;
Des Mitleids milde Regung höhnet,
Und nur der armen Ichheit fröhnet.

O, wie beneid ich deine Schöne,
Du Zeit voll Dichterruhm und Glanz,
Und euer selig Loos, ihr Söhne
Der Musen und des Vaterlands!
Euch flocht, vereinigt, die Kamone
Den neidenswerthsten Lorberkranz,
Der, ohne Jenseits euch zu drücken.
Auf ewig euer Haupt wird schmücken.
           J. E. A. Stigler “

 

1814

Collin, Heinrich Joseph von. Erstes Buch. In: Sämmtliche Werke, Sechster Band. Wien. Digitalisiert von Google

“[S. 274] Bürgern aber schätzte er über alle, und konnte ihn nicht oft genug lesen und wieder lesen. Seine Leonore ins besondere hatte auf ihn einen so tiefen Eindruck gemacht, daß er dieß Gedicht vom Anfange bis zum Ende auswendig konnte. Einst führte er seinen Bruder in der Abenddämmerung plötzlich die Stiege hinauf in ein kleines Vorgemach, und hieß ihn, der nicht wußte, was mit ihm vorgehen sollte, sich in einen Winkel stellen. Er fing an, Leonoren zu declamiren; sein Bruder, der von Gedichten wenig wußte, anfangs befremdet, dann unwiderstehlich zum Erzähler hingezogen, endlich von bangem Schauder erfüllt, getraute sich am Ende des Gedichts in der Dunkelheit nicht mehr um sich zu schauen, und hatte die Macht der Poesie und eines begeisterten Vortrags hier zuerst, und zu seiner unauslöschlichen Erinnerung mächtig genug, gefühlt und erfahren. Was die Declamation der Leonore in Collins Munde besonders furchtbar machte, war gerade die Einfachheit, das Pomplose, Ungezwungene des Vortrags, während welchem die Schrecken der Erzählung den Erzähler gleichsam unwillkürlich überwältigten, und von ihm auf die Zuhörer ausströmten. Daß er sich hierbey nicht etwa seinem natürlichen Instincte blindlings hingegeben, sondern mit wahrhaft philosophischer
Gründlichkeit sein Verfahren bestimmte, und sich darüber in jeder Hinsicht Rechenschaft zu geben wußte, beweiset die im fünften Bande seiner Werke befindliche Abhandlung über Declamation und die Declamation der Leonore, eine mit solcher Sachkenntniß tief eindringende Zergliederung des Gedichts, daß sie nicht allein dessen Verständniß selbst befördert, sondern dadurch über die Declamation überhaupt viele bis dahin mangelnde Aufschlüsse gibt.“

 

1814

Voß, Julius von. Gideons und Raphielens Künstler-Leben und Schicksale. In: Kleine Romane. Achter Band. Zweiter Theil. Berlin. Digitalisiert von Google

“[S. 247] Ferner hatte er einem Deklamatorium der Madam Elise Bürger, Wittib des Poeten, beigewohnt. Sie sprach das Gedicht ihres seligen Mannes, von dem schon einmal in diesem Büchlein geredet wurde, vom Kaiser und Abt. Aber, statt zu sagen:
   So laß ich Euch führen zu Esel durchs Land,
   Verkehrt, statt des Zaumes den Schwanz in der Hand,
verbesserte Madame Bürger aus ästhetischem Feinsinn das Original so:
   Verkehrt, statt des Zaumes den Schweif in der Hand.
Da konnte also Gideon entnehmen, wie man angemessen handelt, die in einer oder der anderen Poesie gefundenen Härten auszumärzen.

[S. 263] Nun kam Bürgers Leonore an die Reihe. Gideon hatte eine begleitende Musik dazu gesetzt, die im Anfang schwieg, aber bei den Worten:
   Lenore fuhr ums Morgenroth
   Empor aus schweren Träumen,
mit einem heftigen Paukenschlag und Akkord einfiel. Das ganze Auditorium fuhr zusammen, Strickstrümpfe und Tabackspfeifen sanken zur Erde. Ein Triumph für den Komponisten.
   Nach den Worten:
     Der König und die Kaiserin,
     Des langen Haders müde,
     Erweichten ihren harten Sinn,
     Und machten endlich Friede.
brach Vater Nikolas laut seufzend aus: Wollte Gott, es wäre sieben Jahre früher geschehn. Stille, mein Freund, rief der Bürgermeister.
   Auf das
      und jedes Heer mit Sing und Sang,
      Mit Pauken und mit Trommelklang,
      Geschmückt mit grünen Reisern,
      Zog heim nach seinen Häusern.
hatte Gideon nicht allein die bezeichneten Instrumente angewendet, sondern auch die Trommel den preußischen Marsch schlagen, und eine Pfeife die österreichische Grenadiermelodie tönen lassen. Das that Effekt, und man sieht hieraus, wie er als Tondichter, so gut wie ein Reichard oder Weber, die Gemüther am Kragen packen konnte.
   Vater Nikolas blieb wieder nicht ruhig. Ach Gott, sagte er, ich weiß es noch, als wenns heute wäre. Zu den betenden Zeilen der Lenore gab es kirchenmelodische Sätze. Alle Frauen falteten andächtig die Hände.
    Als es späterhin Gideon rührend machte, flogen die Schnupftücher der jungen Mädchen im Nu heraus, und es rollten Thränen, wie nur je in den Hussiten vor Naumburg. Ein Triumph für Dichter und Deklamator.
   Wie die Rede auf Galgen und Rad kam, zitterte alles. Viele wären hinausgelaufen, wenn sie vor dem Gedränge es.vermocht hätten.
   Endlich da Wilhelms Koller abfällt, und ein Gerippe da ist, ließ Gideon seine Haarsträubemaschine wirken. Unvermerkt zog er den Faden, und, nach Schakespear, standen sie wie die Stacheln des ergrimmten Igels empor. Jesus, Joseph Maria! kreischten die Damen auf. Die Bürgermeisterin und die älteste Kaufmannstochter lagen richtig in Ohnmacht.
   Ueber das ihnen Beispringen und Wasserschaffen, unterblieb aller Applaus, indessen mußte das Gideon um so mehr schmeicheln, weil man auch hier den Künstler recht lobte, da man über sein Werk sein Lob vergaß.
    Im Hintergrunde schnaubte man sich, zog kleine Flaschen aus den Röcken, trank einmal, bot auch den Bürgerfrauen davon, die es annahmen, und urtheilte dann über die Lenore. Eine Tuchmacherin meinte: es sey doch ein Luder gewesen, weil sie sich an einen Soldaten gehängt hätte. Was, rief ein ehmaliger Kanonier, sind denn Soldaten keine ehrliche Leute? Ein Glaser trat berichtigend ein. Einen Soldaten möchte sie zum Liebsten gehabt haben, sagte er, aber es war ja ein gottloses Stück Fleisch, ergab sich dem Teufel. Schade, fiel die Glaserin ein, war doch sonst fleißig beim Spinnrad, und der Spindel. Das hat Sie nicht verstanden, liebe Frau Meisterin, unterrichtete sie der Consul dirigens, sich nach hinten wendend, es ist das Rad am Galgen gemeint.
    Pfui Teufel, hu hu, Gott sey bei uns, murmelte es im Hintergrund.“

 

1814

Gerber, Ernst Ludwig. Wenzel Johann Tomaschek . In: Neues historisch-biographisches Lexikon der Tonkünstler.
Vierter Theil. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[Sp. 366] Im J. 1799 vollendete er das Studium der Rechte auf der Universität zu Prag, und wollte, nach dem Wunsche seines ältern Bruders, sich ganz der Rechtsgelehrsamkeit widmen, als ihn ein glücklicher Zufall davon abzog und ihn ganz der Tonkunst erhielt. Seine eben um diese Zeit erschienene Komposition zu Bürgers Leonore hatte seinen Schüler im Klavierspielen, Hrn. Grafen Georg Bouquoy, so ergriffen, daß er ihn als Kompositeur in sein Haus nahm, und durch einen anständigen Lebensunterhalt in den Stand setzte, von nun an seiner Kunst ungestört zu leben. “

 

1814

Fn. Rez. Heinrich E. v. Collins sämtliche Werke. In: Heidelbergische Jahrbücher der Litteratur, No. 55. Digitalisiert von Google

“[S. 878] Läßt sich das Gottesgeschenk erzwingen? Gibt es nicht Tage, in denen wir uns ganz Gotterfüllt fühlen, und andere, wo uns nur ein schwächerer Strahl erleuchtet? und andere, wo wir vielleicht in gänzlicher Dämmerung wandeln? Möge sich immerhin unser Hochmuth sträuben, diese Wahrheit anzuerkennen, es ist dennoch so, und die ganze Geschichte, so wie die einzelne der Dichter, die immer eine wahre Menschengeschichte ist, lehrt es uns also. Schrieb nicht Göthe den Götz und den Clavigo? Schiller den Ritter Toggenburg und die gelehrte Frau? Bürger ´Als Molly sich losreißen wollte´ und Frau Schnipps? und kann denn nicht auch Collin einen ´Max auf der Martinswand´ schreiben und das Verfehlte, was wir bezeichnet haben? “

 

1815

Campe, Joachim Heinrich. Ein Ungenannter. In: Kleine Kinderbibliothek, Band 2  Digitalisiert von Google.

“[S. 101] "Für Geld," sprach er, "habe ich mein Leben nicht gewagt; hier ist eine unglückliche Familie, die jetzt Habe und Gut verloren hat: ihr geben Sie, was Sie für mich bestimmt hatten." Mit diesen Worten kehrte er sich um, und verlor sich unter der Menge.
     Sein Name ist nicht bekannt geworden, aber im Himmel steht er angeschrieben. - Der Volksdichter Bürger hat diesen merkwürdigen Vorgang im folgenden schönen Liede kräftig besungen:Das Lied vom braven Manne.[...]”

 

1815

Germaine de Staël-Holstein, Anne Louise. Von der deutschen Poesie. In: Deutschland Erster Band. Erste Abtheilung.   Digitalisiert von Google

“[S. 260] Bürger ist unter allen Deutschen derjenige, der diese Ader des Aberglaubens, welche so tief in das menschliche Herz hinabreicht, am besten zu benutzen gewußt hat. Daher sind auch seine Romanzen in Deutschland von jedermann gekannt. Die berühmteste unter allen, Lenore, ist, soviel ich weiß, noch nicht ins Französische übersetzt, wenigstens würde es sehr schwer seyn, alle ihre Einzelnheiten durch unsere Prosa oder unsere Verse wiederzugeben.

[S. 262] Ich schmeichle mir gewiß nicht, durch diesen Auszug das außerordentliche Verdienst dieser Romanze dargestellt zu haben: alle Bilder, alle Eindrücke der Schreckenstöne, sind in Bezug auf die Gemüthslage auf eine wunderbare Weise durch die Poesie ausgedrückt: Sylben, Reime, die ganze Kunst mit Worten und mit ihrem Schall zu malen, sind aufgewandt um Schauder zu erregen. Die Schnelligkeit der Hufschläge erscheint feierlicher und dumpfer, als selbst die Langsamkeit eines Trauermarsches. Die Gewalt, womit der Reiter seinen Lauf beschleuniget, dieser Uebermuth des Todes, verursachen eine nicht auszudrückende Angst, und man glaubt sich selbst von dem Phantom ergriffen, wie die Bejammernswürdige, die er mit sich in den Abgrund zieht.

[S. 264] Das wahrhaft Schöne in diesem Bürgerschen Gedichte [Der wilde Jäger] ist das Gemälde des heftigen Willens des Jägers, der erst unschuldig war, wie alle Gemüthskräfte, aber immer tiefer sinkt, so oft er seinem Gewissen Widerstand leistet und seinen Leidenschaften folgt. Zuerst treibt ihn nur der Rausch der Kraft; von da geht er zum Verbrechen über, und nun kann die Erde ihn nicht ferner tragen. Die guten und bösen Triebe im Menschen sind durch die weißen und schwarzen Ritter sehr gut characterisirt, und die immer in gleichen Ausdrücken wiederkehrende Abmahnung des weißen Ritters vortrefflich gefaßt. Die Alten und die Dichter des Mittelalters verstanden sich vollkommen auf das Furchtbare, das, unter gewissen Umständen, die Wiederholung der nämlichen Worte mit sich führt; es ist, als ob dadurch das Gefühl der unbeugsamen Nothwendigkeit erweckt würde. Schatten, Orakel, alle übernatürliche Mächte, müssen eintönig reden; was unwandelbar ist, ist einförmig, und bei gewissen Dichtungen liegt eine große Kunst darin, durch Worte die feierliche Stetigkeit nachzuahmen, wie sie die Einbildungskraft sich in dem Reich der Finsternisse und des Todes mahlt.
    Noch läßt sich von Bürger eine gewisse Vertraulichkeit im Ausdruck bemerken, die der Würde der Poesie keinen Eintrag thut und ihre Wirkung ausgezeichnet vermehrt. Wenn man uns den Schrekken oder die Bewunderung näher bringt, ohne eine oder die andere zu schwächen, so werden diese Gefühle nothwendigerweise viel stärker; in der Malerei vermischt man auf diese Weise das, was wir täglich sehen, mit dem, was wir nie erblicken, und das, was wir kennen, flößt uns Glauben ein an das, was wir anstaunen. ”

Der vollständige Beitrag in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1815

Anonym. Recension Drey Lieder von Göthe mit Begl. d. Pianof. [...] componirt von C. Moltke. In: Allgemeine Musikalische Zeitung. No. 20  Digitalisiert von Google.

“[Sp. 344] Dies zusammengenommen würde beyden Werkchen schon ziemlich zahlreiche Freunde, und noch mehr Freundinnen werben, wenn sie auch nicht durch einen besondern Vorzug sich auszeichneten, der jedoch sehr hervorzuheben ist, und ihnen wieder mehr Freunde, als Freundinnen, verschaffen wird - durch den nämlich, dass man verschiedene, und ganz allerliebste Lieder und Liederchen von Göthe hier findet, die sonst noch nicht öffentlich erschienen sind; wie in No. 1. der freiwillige Krieger, und die noch anziehendere Antwort Molly´s auf Bürgers bekanntes: Ach könnt´ ich Molly kaufen; [...].”

 

1815

Rudolphi, Caroline. Drei und dreißigster Brief. In: Gemälde weiblicher Erziehung. Erster Theil. Heidelberg. Digitalisiert von Google

“[S. 287] Zur nächsten Stunde hat Mathilde den Perlenkranz von Pfeffel zur Aufgabe. Clärchen hat Hölty's Elegie auf ein Landmädchen gewählt, Ida Bürger´s Blümchen Wunderhold. Erklärt wird ihnen von den gewählten oder aufgegebenen Stücken nie alles unverstanden. Mehrere dunkele Stellen werden ihnen zum eigenen Nachsinnen so dunkel überlassen. “

 

1815

Cramer, Carl Gottlob. Der Minister und der Leib-Schneider. Zweiter Theil. Hamburg. Digitalisiert von Google

“[S. 45] Ja wenn immer alles so wär, wie man sich´s denkt, oder wie es seyn sollte, o dann wär das Leben eine wahre Lust - ein wahres Spiel! wenigstens ein Schatten-Spiel, und das ein recht schönes, amüsantes Schatten-Spiel an der Wand! aber da nun das einmal nicht immer so, sondern fast gewöhnlich ganz anders ist - je nun, so muß man laviren, pliiren usw. kurz, sich darauf einzurichten suchen, so gut es gehn will; und wer das am besten kann, sey er König oder Bettler, Minister oder Schreiber - der ist Meister! ist Herr über viel und vieles; ja fast möcht´ ich sagen: Herr seines Schicksals! Auch möcht´ es wohl nicht eben gar so weit von der Wahrheit abwärts, das heißt, auf deutsch: gelogen seyn; und der selige Bürger hat sehr wahr gesungen:
 Der Mann, der das Wenn und das Aber erdacht,
 Hat sicher aus Heckerling Gold schon gemacht. “

 

1815

Durst, Benedikt A. Romanze oder Ballade. In: Kurzer Leitfaden zur teutschen Sprachkunde. Nürnberg. Digitalisiert von Google

“[S. 174] Sie ist eine Epopöe nach verjüngtem Maasstabe, in welchem sich in dem treuherzigen Tone der alten Vorzeit die Kraft des Ritterthums, der Religion, der Zauberei und Liebe in bunten Mischungen ausspricht. Am gelungensten bewährt sich Bürgers Eichenhorst und Leonore, und in den neuern Zeiten gaben Göthe, Schiller und Schlegel unter dem Hauche der griechischen Kunst und Mythologie der Ballade einen ganz neuen Character. “

 

1815

Anonym. Ein Wort an meine nordisch-deutschen Mitbürger. In: Johannes Falk´s Kriegsbüchlein. Weimar. Digitalisiert von Google

“[S. 226] Denn was ihr auch dafür und dawider sagen möget, so ist und bleibt es doch ein höchst unnatürlicher Zustand, daß eine große und kräftig gebildete Nation, sich ihre Vertheidiger vom Don und den Uralischen Gebirgen kommen läßt, während die eignen Männer, aus ihrer Mitte, ruhig da sitzen, die Hände in den Schooß legen, oder höchstens Anstalt machen, die Thaten aufzuzeichnen, die Bürger andrer und entfernter Himmelsstriche für sie ausüben sollen.
    ´Wer nicht für Freiheit sterben kann,
    Der ist der Peitsche werth;
    Ihn peitsche Pfaff´ und Edelmann
    An seinem eignen Heerd.´
                    Bürger 


[S. 138] Es ging wie in Spanien dem Weltpriester, der für Padilla geschwärmt hatte; die Leute des Padilla quartirten sich bei ihm ein, und sogleich den nächsten Sonntag betete er wieder für Karl V. Die ganze politische Schwärmerei endete jetzt in der politischen Alltagswelt mit Bürgers zwei Versen:
          Du hast uns lang genug geknufft,
          Man wird dich wieder knuffen, Schuft! “

 

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24022012-148

 

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