04 Mrz, 2012 M 18.Jh.
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ab 1900
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 Wir sind hier: Bürger-Rezeption bis 1799

bis 1799   1800-1815   1816-1825   1826-1831   1832-1840   1841-1850   1851-1858   1859-1865   1866-1899   1900-1949   1950-heute
 

1771

Boie, Heinrich Christian. Brief an Knebel (Göttingen, den 1. März 1771). In: K.L. von Knebel´s literarischer Nachlaß und Briefwechsel. Zweiter Band. 1835.  Digitalisiert von Google.

“[S. 92] Der Sänger des Bacchus heißt Bürger und hält sich hier auf. Ein junger Mann von Genie, Laune und Gelehrsamkeit. Von ihm sollen Sie auch bald eine gedruckte komische Romanze haben, die Ihnen nicht mißfallen wird.”

 

1772

Herder, Johann Gottfried. Brief an J.H. Merk (Bückeburg, 1772). In: In: Briefe an Johann Heinrich Merck von Göthe, Herder, Wieland. 1835.  Digitalisiert von Google.

“[S. 42] Recensiren Sie doch den Musenalmanach bald. Es sind doch allerliebste Stücke darin. Von Bürger , der eben auch so ein Minneantlitz hat und Silberstimme, als er singt, und der Engel Schmidt bei Gleim: ich glaube da kann man für solche Sachen recht laut reden: und der Musenaccoucheur Boie verdient doch für seine Mühe auch Dank.”

 

1773

Goethe, Johann Wolfgang von. Rezension Musen-Almanach. Göttingen 1773. In: Goethe´s Werke. Vollständige Ausgabe letzter Hand. Dreyunddreyßigster Band. 1830. Digitalisiert von Google.

“[S. 57] Es erscheinen dieses Jahr einige Namen von Dichtern, die nächstens allgemeiner bekannt zu werden verdienen; dahin gehören Herr (Clamer Eberhard Karl) Schmid zu Halberstadt, dessen Petrarchische Versuche unsre Leser schon kennen, Herr Bürger in Göttingen und Herr Hölty, der unter den neueren Klopstockischen Nachahmern vielleicht am meisten Sprache und Rhythmus in seiner Gewalt hat.
 Das Gedicht auf Selmars Tod in dieser Sammlung, von Herrn Schmid, ist ein Meisterstück in Tonfall, Sprache, Harmonie und wahrer Empfindung. Das Minnelied von Herrn Bürger ist besserer Zeiten werth, und wenn er mehr solche glückliche Stunden hat, sich dahin zurück zu zaubern, so sehen wir diese Bemühungen als eins der kräftigsten Fermente an, unsre empfindsamen Dichterlinge mit ihren goldpapiernen Amors und Grazien, und ihrem Elysium der Wohlthätigkeit und Menschenliebe vergessen zu machen. Nur wünschten wir, als Freunde des wahren Gefühls, daß diese Minnesprache nicht für uns werde, was das Bardenwesen war, bloße Decoration und Mythologie, sondern daß sich der Dichter wieder in jene Zeiten versetze, wo das Auge, und nicht die Seele des Liebhabers auf dem Mädchen haftete, und wenn er die Gesänge Kaiser Heinrichs und Markgraf Heinrichs von Meißen nachempfunden hat, so bildet er sich durch die Liebe einer Miranda, einer Julie u.s.w. bei Shakespear.”

 

1774

Anonym. Rezension Musenalmanach MDCCLXXI Göttingen In: Allgemeine deutsche Bibliothek, Des zwey und zwanzigsten Bandes erstes Stück.  Digitalisiert von Google.

“[S. 228] - Das Dörfchen, hat viel Anmuth, und außer seinem innern Werth, auch das Verdienst eines sehr geglückten Mechanismus in der viersylbigen Versart - [...] An die Hoffnung, von Bürger, sanft und empfindungsvoll. [...] Die Minne von Bürger, und die Idylle, Philaide von Blum, haben geichfalls ihre Schönheiten. [...] Ein schönes Danklied von Bürger, [...]”

 

1774

Anonym. Rezension Musenalmanach 1774 [Göttingen]. In: Göttingische Anzeigen von gelehrten Sachen. 1. Stück. 1774.  Digitalisiert von Google.

“[S. 4] Auf der 111 S. [Minnelied] singt Hr. Bürger: Heiliger und schöner war kaum die Hochgebenedeyte die den Heyland uns gebahr. Die Jungfrau Maria für ausserordentlich schön zu halten, hat ein Protestant keine Ursache, aber Verbindlichkeit ihr mehr Achtung zu erzeigen, als daß er sie zum Gegenbilde seines Mägdchens wählt. Ihre Heiligkeit besteht in etwas darinnen keine Sterbliche mit ihr verglichen werden kann, in dem, was Hr. B. in der letzten Zeile nicht würde geschrieben haben, wenn er ernstlich bedacht hätte was er schrieb. War ihm eine biblische Schöne nöthig, so giebt es ja dergleichen in Menge im alten Testamente, und Hr. B. kann zufrieden seyn, wenn er ein Mägdchen bekömmt, das so reich und so hübsch ist als Kerenhapuch. Von eben dem Hrn. B. steht 214 S. [Lenore] nicht ein Minnelied sondern ein Ammenmährchen Leonore. Ein Mägdchen verzweifelt, weil ihr Liebhaber, ein Kriegsmann, ihr nicht geschrieben hat; die Mutter stellt ihr aufs feyerlichste, den erhabensten Trost der Religion vor, den verschmäht sie, und entsagt allem was die Religion hoffen läßt, in Ausdrückungen die Schauern erregen. Indem, kömmts: trap, trap; an die Thüre, ihr Liebhaber ist da, nimmt sie mit sich aufs Pferd, sie thun eine grauenvolle Reise, und endlich wird der Reiter zum Gerippe mit Stundenglas und Hippe; man kann denken wie es Lenoren geht. Diesen Ausgang hatte der Recensent in der That nicht erwartet, denn, noch ehe von Lessingen ist der Todesengel empfohlen worden, fand er den Knochenmann wenn er nicht der Base Pest Gesundheit trinkt, sonst nirgends erträglich als im Holzschnitte hinter einem Leichencarmen; Und obgleich der Todesengel ins Ammenmährchen nicht paßt, so war es doch der Ammenpnevmatologie vollkommen gemäß, daß des Officiers Geist seine Braut abholte, die Hochzeit auf dem Schlachtfelde, und die Gäste, die mit ihm gefallene Helden wären, und dem jungen Paare früh das Glück wiederführe, das Philemon und Baucis spät erlebten; so hätte vielleicht das Mährchen bey empfindenden Lesern, denn diesen schreibt doch Hr. B. und nicht den Ammen, einen Eindruck hinterlassen, da sie jetzo bey der Mischung von Schrecklichen und Spielenden, damit es sich endigt, nicht wissen, ob Hr. B. sie zum besten haben will. Vielleicht wollte Hr. B. aber auch weiter nichts, als seine Kunst in Schilderung grauenvoller Scenen zeigen, in welcher Absicht das Lied allerdings ein Meisterstück ist; daß Lenore den Leser für sich intereßiren sollte, verlangt er wohl nicht. Der Character selbst ist nicht sehr wahrscheinlich. Verunglückte Liebe, geht bey dem sanften Geschlechte, leicht in Andacht über, (man s. diesen Musenalm. 53 S, [Liebe und Andacht, von Götz]) am allermeisten war das bey der Tochter einer so vernünftig frommen Mutter zu vermuthen.So hätte Lenore des Lesers Mitleid gewonnen, und über ihr Grab wären Thränen geflossen, wie über Heloisens Grab fliessen: jetzo wendet der fühlende Leser das Gesicht von einer Rasenden die sich wider Gott empört, und der Seligkeit entsaget. Was für einen Contrast mit diesem verunglückten Mährchen, macht nicht auf der 192 S. [An Agathe] eben des Verfassers vortrefliches Lied soll sanfter und frommer Empfindungen! - Aber in den alten Minneliedern und Ammenmärchen sind Religion, Tändeleyen und Possen durch einander gemengt. - Muß denn alles von den Alten nachgeahmt seyn was sich für unsere Zeiten nicht schickt?”

Die vollständige Rezension in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1774

Mo. Rezension Musenalmanach MDCCLXXI und 1773. Göttingen. In: Allgemeine deutsche Bibliothek. Des zwey und zwanzigsten Bandes erstes Stück. 1774. Digitalisiert von Google.

“Musenalmanach MDCCLXXI:
[S. 228] Das Dörfchen, hat viel Anmuth, und außer seinem innern Werth, auch das Verdienst eines sehr geglückten Mechanismus in der viersylbigen Versart.

Musenalmanach für 1773:
[S. 228] An die Hoffnung, von Bürger, sanft und empfindungsvoll. [...] Die Minne von Bürger, und die Idylle, Philaide von Blum, haben gleichfalls ihre Schönheiten.[...] Ein schönes Danklied von Bürger, und manche andre kleinere Stücke, zärtlichen oder scherzhaften Inhalts, die der Gesellschaft der übrigen, und der besten unter ihnen, nicht unwerth sind.”

 

1774

Jacobi, Johann Georg. Rez. Poetische Blumenlese auf das Jahr 1774. In: Der Teutsche Merkur. Des Sechsten Bandes Erstes Stück. Weimar.  Digitalisiert von Google

“[S. 44] Ein Hymnus nach dem Lateinischen. Wenn ich gegen irgend einen Dichter mit gutem Gewissen strenge seyn kann, so ist es gegen den Verfasser der Nachtfeyer, weil ich ihn vorzüglich hochschätze und liebe. Mit Freuden erkenn´ ich auch in diesem Hymnus den blühenden Geist und die anmuthige Melodie seiner Muse, und verdank ihm die nicht geringe Mühe, die er auf ein solches Werk gewendet hat; aber zugleich fühl ich mich berechtigt, Forderungen an ihn zu thun, welche bey den wenigen unsrer jungen Sänger mir einfallen würden.

[S. 50] Nichts weiter mehr von den gegenwärtigen, als ein Glückwunsch an Hrn. Bürger zu seiner Lenore. Welche Kunst in der Behandlung eines solchen Gegenstandes! Eine beständige Mischung des Comischen und des Gräßlichen, ohne daß sie beleidigt! Am Putztisch und am Spinnrocken auswendig gelernt, und vom Kenner bewundert! Ein Gespenstermährchen, und ein Meisterstück der Poesie! “

Der vollständige Beitrag in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1774

Wieland, Christoph Martin. Der Teutsche Merkur. Des Siebenten Bandes Erstes Stück. Julius 1774.
Digitalisiert von Google.

“[S. 191] Herr Bürger hat nach manchen Versuchen in der sanftern und feinern Poesie endlich seinen Namen durch die Ballade Lenore allgemein bekannt gemacht.”

 

1774

Stolberg, Christian zu. Brief vom 26. Juli 1774 an Bürger. In: Briefe von und an Gottfried August Bürger. Hg. Adolf Strodtmann, Berlin 1874.

“[S. 208] Ich kann Ihnen nicht beschreiben, wie sehr ihre Leonore hier bewundert wird, hier da man gar nichts, weniger als nichts aus Gedichten macht. Alle Menschen sogar vornehme Männer und Weiber lasen sie, und lernten Stellen davon auswendig. Ich bin mehr wie einmal Zeuge gewesen, daß beim Spieltisch die Damen den Almanach aus der Tasche gekriegt, und die Leonore laut gelesen haben. Die Karten wurden bei Seite gelegt und von anderen Spieltischen stand man auf und horchte zu. Das ist so unerhöret als – als – als wenn Sie in der ersten Nacht nicht ihre Pflichten ausgeübt hätten. “

 

1775

Mo. Rezension Musenalmanach 1774. Göttingen. In: Allgemeine deutsche Bibliothek. Des fünt und zwanzigsten Bandes erstes Stück. 1775. Digitalisiert von Google.

“[S. 216] Die poetische Blumenlese des diesjährigen Almanachs ist wiederum mit vielem Geschmack gesammelt, und enthält verschiedne sehr schätzbare Stücke. Sie sind nunmehr schon zu allgemein bekannt, auch schon so häufig angepriesen, daß wir in allem Betrachte zu spät kämen, wenn wir die schönsten Gedichte dieser Sammlung auszeichnen, und itzt erst dem Publiko, das zum Theil schon vertraut damit ist, empfehlen wollten. Die hier befindlichen Oden von Klopstock geben ihr die größte Zierde; aber auch eine gute Anzahl sehr gefälliger und glücklich gerathener Kleinigkeiten verdienen Aufmerksamteit, und sind vortrefliche Beyträge zu unsrer lyrischen Poesie. Wir gestehen aufrichtig, daß, uns, im Ganzen genommen, die Stücke von der leichtern Art hier besser gefallen haben, als die von der erhabner Gattung. In diesen letztern, aber freylich auch selbst in einigen Kleinigkeiten, wo es noch unschicklicher ist, haben wir einen gewissen Neologismus bemerkt, vor welchem wir unsre jungen Dichter nicht genug warnen können, weil dabey nichts geringers als der wahre Charakter und das Wesen der Poesie, vorzüglich aber die Reinigkeit unsrer Sprache aufs Spiel kömmt. Es ist alles mal sichrer, sich der Korrecktheit, als einer oft sehr armseligen Neucheit zu befleißigen, hätte sie auch den Anschein der ächten altdeutschen Manier, wie hier einige Nachahmungen der Minnesänger, worunter besonders die S. 203. [Minnelied von S.=Voß] unleidlich ist.”

 

1776

Anonym. Rezension Musenalmanach für das Jahr 1776. In: Der Teutsche Merkur vom Jahr 1776. Erstes Vierteljahr. Digitalisiert von Google.

“[S. 88] Von Bürgern ist eine ältere Romanze, der Raubgraf. Was seine Art in einzelnen Stücken verschiedentlich charakterisirt, ist hier beysammen. Hohe reine Herzens-Jovialität, und schauerliches magisches Gefühl, woraus ein ganz originales Mittelding entsteht. Nur wünschten wir, daß diese Romanze nach einer Abschrift, die uns ehemals vorgelesen worden, gedruckt worden wäre. Bürgern hat gewiß nicht sein Herz, sondern Gefälligkeit gegen seine Freunde und deren Ideen von moraliscehr und poetischer Schicklichkeit, zu denen Veränderungen bewogen, die uns aufgefallen sind. Es ist unbegreiflich, wie man einem Dichter zureden mag, seine warme Composition und treffenden Ausdruck ins Unbedeutende abzustimmen; und das blos aus dem politisch-litterarischen Mißverstand, weil das Publikum oft gegen die Sachen zu deklamiren pflegt, die es am meisten unterhalten. Lasse man eine Seele wie Bürgers nur ungeplagt und ungemeistert ! so viel Genie führt Geschmack, und zwar den wahren Geschmack in gleichem Grade mit sich; so wenig das den Geschmäcklern einwill, die sich doch mit ihrem unabzustreitenden guten Einfluß über Köpfe niederer Gattung begnügen sollten . [Hervorhebung K.D.] ”

Die vollständige Rezension in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1776

Anonym. Rezension Musenalmanach. 1776. Göttingen, bei Dieterich. In: Auserlesene Bibliothek der neuesten deutschen Litteratur. Neunter Band.  Digitalisiert von Google.

“[S. 297] Unter den übrigen Verfassern zeichnen sich vorzüglich aus: Göthe ; Bürger; man sehe vorzüglich das Spinnerlied S. 77. Von dieser Art wünschten wir ein ganzes Bändchen von diesem Verfasser für alle Classen des gemeinen Volks. Mit so simpeln, angemessenen Melodien, wie dieses, begleitet, würden sie mehr, als irgend etwas anders zur Besserung und Verfeinerung des gemeinen Volks beitragen, wenn man sie unter demselben gemein machen könte. Ferner den Raubgraf S. 113, dessen burlesker treffender Ton sich so sehr vor dem gewöhnlichen faden Leierton unsrer Romanzen auszeichnet.

[S. 299] Von Bürgern finden wir unter andern ein Ständchen S. 155, ganz ln der Manier und von der Güte des oben angeführten Spinnerliedes, dem wir auch eine Melodie beigefügt zu sehen wünschten. Die Ballade von Schink, S. 85, ist der vortreflichst Pendant zu Bürgers Leonore, die ganz Deutschland auswendig weis.”

 

1776

Anonym. Rezension Musenalmanach (Göttingen) für 1776. In: Schwäbisches Magazin von gelehrten Sachen auf das Jahr 1776.  Digitalisiert von Google.

“[S. 40] Hingegen sind der guten Ritterromanzen mehrere, die das Publikum jezo so sehr liebt. Die vornehmste darunter ist unstreitig von Hrn. Schinck, welcher den Ton von Bürgers Lenore recht gut kopirt hat.[...] Hr. Bürger hat hieher seine minder gearbeiteten Stücke gegeben, aber sie sind doch alle wahre Lieder des Teutschen, vornemlich das: Trallyrum larum höre mich.”

 

1776

Anonym. Ueber Bürgers Homer. In: Beyträge in das Archiv des deutschen Parnasses, Zweites Stück (Sammlung Helmut Scherer)

“[S. 383] Mein Herr, Was ich von Bürgers Versuch einer Uebersezung Homers, im 1. Th. des deutschen Musäum, halte? – Bürgers – nicht den griechischen Homer, dünkt mich, werden wir bekommen, für die Kleinheit unsers Publikums zugerichtet; anstatt des im epischen Verse frey und gravitätisch fortschreitenden in ein kürzeres Verschen gepreßt und eingekerkert. Sein melitos glvkioon audy ist vertrocknet; die Kraft des Adlers ist Schweere des Kopfes; die Einfalt der Daube ist Grobheit oder Lustigkeit geworden. Haingebirg, Himmelsjägerin, Kettenpanzer Stralenrüstung, Schlachtgefahr u. d. g. sollen Machtwörter seyn, und sind steife, contrakte Glieder; daß Geschoß, daß ins Gesäß zwischen Blase und Huftbein durchgeht, ist in Peraults Manier.
   Kurz wenn ich meine Stimme auch zu geben habe (und Bürger hat ins Publikum angefragt, ob er mit seiner Arbeit fortfahren solle) so wollte ich für mich und einige meines Geschmacks, seyn es nun viel oder wenig, seine Uebersezung verbetten haben; oder vielmehr erklären, daß wir eine solche nicht lesen werden, um uns Aergerniß und Kränkung über den geschändeten guten Herrn Homer zu ersparen.
   Glaube er immerhin (es ist für ihn das bequemste) denen, die ihm sagen, daß Fehler von der Art des gerügten, deren noch mehrere vorkommen, Kleineleyen sind, worüber sich Genien nicht aufhalten, viel weniger sich zurechtweisen lassen. Verachte er die Scholien, wenn ihm das Genie Notiz historischer Dinge eingeistet, und hüte sich an solchen kalten Scholien sein Feuer zu verlieren, wenn Homers Gedanken, durch dieselben am sichersten beleuchtet, nicht im Stand sind, es allenfals wieder anzuzünden. – Leben Sie wohl! “

 

1777

Anonym. Rezension Balladen vom Maler Müller. 1776. In: Nürnbergische Gelehrte Zeitung auf das Jahr 1777. Erstes Quartal.  Digitalisiert von Google.

“[S. 54] 5) Amors Schlafstunde, eine Feen- und Elfenballade. - Noch müssen wir eine Erinnerung hinzusetzen. - Balladen sind, nach unserer Meinung alte singbare Gedichte, durch welche eine heroische oder wunderbare Landessage unter dem Volke erhalten worden. Ob es für den Geschmack, für die Kenntniß des Nationalcharakters, auch selbst der Nationalgeschichte vortheilhaft sey, solche Reliquien, wie der Engländer Percy in seinen Reliquies of ancient english Poetry, zu sammlen, braucht keine Entscheidung. Auch neuere Dichter, die im eigentlichen Verstande fürs Volk singen wollen, thun wohl, wenn sie sich die fast unnachahmliche Einfalt der Sitten und des Ausdrucks, die in diesen allen Balladen herrscht, zum Muster nehmen und uns mehr solche Meisterstücke, als Bürgers Leonore liefern. Aber noch besser thäten sie, wenn sie, wie Meister Bürger, in einer unsern Zeiten und unsrem gemeinen Volke verständlichen Sprache sängen, und nicht glaubten, daß das Einfalt und Natur wäge, wenn sie hie und da ein altes Wort hineinflickten, und ein Teutsch redeten, daß kein Sprachkenner, geschweige der gemeine Mann, verstehen kann. Es wäre Schade, wenn Herr Müller seinen Gedichten mit Vorsatz diejenige Zierde raubte, die dem Genie gewiß nie Schande gemacht hat.”
 

1777

Anonym. Rezension Poetische Blumenlese für das Jahr 1777 (J.H.Voß). In: Nürnbergische Gelehrte Zeitung auf das Jahr 1777. Erstes Quartal. Digitalisiert von Google.

“[S. 93] Die Weiber von Weinsberg von Bürger S.73. in seinem guten Volksliederton.
  Wer sagt mir an, wo Weinsberg liegt?
  Soll seyn ein wackres Städtchen.
Abendphantasie von eben demselben S.86. Wie viel Phantasirer ohne Herz und Feuer der Einbildungskraft läßt er weit hinter sich zurücke! ”
 

1777

Dz. Rezension Musenalmanach. In: Allgemeine Deutsche Bibliothek. Des dreyßigsten Bandes erstes Stück. 1777.  Digitalisiert von Google.

Rez. Musenalmanach für das Jahr 1776 Hg. Voß.
“[S. 514] Gefallen haben uns vorzüglich: das Frühlingslied eines Fräuleins, S.. 36; der Raubgraf, von Bürger, S. 113; [...]

Rez. Musenalmanach MDCCLXXVI Hg. Goeckingk.
[S. 515] Von den Herren Bürger, Gleim, Hensler, dem jüngern, Kästner, Fr. Karschinn, Hrn. Pfeffel, Schmidt, und andern, kommen hier gleichfalls beyfallswürdige Stücke vor, die unter manchen entbehrlichen, affektirten und verunglückten Geburten kleiner Dichterlinge desto mehr hervorstechen und [...].”

 

1777

Anonym an Herausgeber Goeckingk. 1777. In: A. Strodtmanns “Briefe von und an Gottfried August Bürger” Berlin 1874. Brief 314

“[S.55] 10) Nun komme ich endlich an das unverschämteste Lied unter allen, an das Lied, welches Bürger gemacht hat, mit der Überschrift: Das Mädel, das ich meine.[...]
   Da Gottes Reich, auch in so fern wir Menschen es kennen, so weitläuftig ist, daß es viele 1000 unanstößige Gegenstände giebt, die uns Gelegenheit, ein Lied zum Preise des Höchsten zu machen, geben können, sollen wir denn mit Fleiß, einen anstößigen Inhalt zu solchem Liede wählen? Ist das Ehrfurcht gegen Gott? Ist das Bestrebung Gott unsern Nebenmenschen, als höchst verehrungswürdig vorzustellen?
   Sind die Menschen so tugendhaft, daß sie bey der Bemusterung eines schönen Mädchens nach allen Theilen, die zwischen Kopf und Füßen sitzen, mit der ehrfurchtsvollen Gemüthsfaßung an Gott denken können, mit welcher sie an ihn denken sollen? Und wenn sie es nicht sind, ist es denn der Klugheit, der Ehrbarkeit, der Ehrfurcht gegen Gott gemäß, unter dem Vorwande, den Schöpfer zu preisen, ein Lied zu machen, welches die Phantasie mit 1000 unreinen Bildern anfüllen kann, welche zu 1000 Ausschweifungen verleiten, die weder Gott noch rechtschaffenen Menschen gefallen können?”

 

1777

B. Von Aehnlichkeit der mittlern engl. und deutschen Dichtkunst. In: Deutsches Museum. Zweyter Band. Julius bis Dezember Digitalisiert von Google.

“[S. 431] Wenn Bürger, der die Sprache und das Herz dieser Volksrührung tief kennet, uns einst einen deutschen Helden- oder Thatengesang voll aller Kraft und alles Ganges dieser kleinen Lieder gäbe: ihr Deutsche, wer würde nicht zulaufen, horchen und staunen? Und er kann ihn geben; seine Romanzen, Lieder, selbst sein verdeutschter Homer ist voll diesetr Akzente, und bey allen Völkern ist Epopee und selbst Drama nur aus Volkserzählung, Romanze und Lied worden. - Ja wären wir nicht auch weiter, wenn selbst unsre Geschichte und Beredsamkeit den simpeln, starken, nicht übereilten, aber zum Ziel strebenden Gang des deutschen Geistes in That und Rede genommen oder vielmehr behalten hätte: denn in den alten Chroniken, Reden und Schriften ist er schon da. Die liebe Moral und die feine pragmatische Philosophie würde sich jeder Machiavell doch selbst heraus finden können. Ja endlich wäre selbst unsre Erziehung deutscher, an Materialien dieser Art reicher, stärker und einfältiger in Rührung der Sinne und Beschäftigung der lebendsten Kräfte, mich dünkt, unsre Vorfahren in ihren Gräbern würden sich deß erfreuen und eine neue Welt ihrer wahreren Söhne segnen.”

 

1777

Wieland, Christoph Martin. Der Teutsche Merkur. October 1777.  Digitalisiert von Google.

“[S. 182] Herr Justiz-Amtmann Bürger hat mitten unter seinen Bauren recht schauerliche Romanzen-Erscheinungen und glückliche Augenblicke der muthwilligsten Laune. [Musen-Almanach für das Jahr 1778]”

 

1778

Schink, Johann Friedrich. Der Staupbesen. Eine dramatische Fantasei. In: Marionettentheater.  Digitalisiert von Google.

“[S. 118] Doch komt, ich mus Euch ein neues Stük
       Vorlesen, aus der Stechbahn´schen Fabrik,
       Es ist der klein fein Almanach, [Eyn feyner kleyner ALMANACH von Friedrich Nicolai]
       Wo Euch der Verfasser in der Vorrede vermessen,
       Herrn Bürger zu schinden nicht hat vergessen,
       Und viele andere Männer gros,
       Als wie die Buben skandalisirt.

[S. 144] Apollo.
 Aber alle Wetter, Hans Räsonnör, was soll ich denn machen? Soll ich mich von den Schuften des Genies bespeien, zerkrazen und zerknuffen lassen? Die Bestien spielen einem ja ärger mit, als die Bullenbeisser. Meine Leier haben sie mir schon ein Paarmal in tausend millionen kleine Stükke zertrümmert. Und´s war so´n herlich Instrument lauter Wolklang und Silberton. Darfst nur die Gesänge anhören, die KlopstokGerstenberg, Ramler, Uz und Gleim drauf gespielt haben, und wirst hören, wie's einem so gewaltig in's Herz strömt, daß man seine Flügel in die Morgenröte tauchen, und das ganze All um sich her mit Wonnegefül umfassen möchte. Kan ich dafür, daß sie die grossen Männer jezt liegen lassen, und nun die Trosbuben drüber kommen, und sie so verstimmen, daß sie ärger schnart, wie ´ne Bierfiddel. Haben die Schlingel nicht den ganzen Resonanzboden zerschmettert? Da hat Bürger vor ein Paar Jahren sein herliches Stük die Lenore drauf gespielt, nu kommen die Hunde und wollen's ihm nachmachen, klimpern allerlei Rabengekrächz und Pageschrei drauf, und nennen's Balladen.”

 

1778

Kaestner, Abraham Gotthelf. Rezension Bürgers Gedichte von 1778. In: Göttingische Anzeigen von gelehrten Sachen. 132. Stück.

“[S. 1066]
  Wenn zur Erntezeit der Saaten
  Da das Korn geworfelt wird,
  Ausgestreuter Edelthaten
  Reine Frucht im Siebe schwirrt.
Das vortreffliche Gedicht, darinn dieß steht, 72.S. [An Agathe], ist das einzige seiner Art in dieser Sammlung. Auch werden sich manche Leser mit Lenoren und dem Raubgrafen unterhalten, die nicht im Stande sind, sich zur Agathe zu erheben. Von den Versen über die halb griechische, halb auch französische Donne, Mamsell la Regle, ist der letzte
  Was thuts, ob wir mal stolpern oder stürzen,
eine grosse Bosheit, nicht gegen die Tochter des Aristoteles, sondern gegen die Kunstjüngerlein, die Hr.B. dadurch verführt, ihm nachzupurzeln und ihre jungen Hälse zu brechen; Er selbst wird sich wohl verhalten, wie der Seiltänzer, der herabfällt, und am Fusse hängend sich wieder aufzuschwingen weiß. Der Rec. erinnert sich, später als von seinen Knabenjahren her, Günthers, eines Volksdichters, so sehr es einer seyn kann; Seine Leonore ward so sehr gesungen, als irgend eine andere; Bodmer setzte ihn neben Hallern; Jezo ist er so gut als gänzlich vergessen; Nur, weil er zu oft stolpert und stürzt.”

Die vollständige Rezension in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1778

Bürger, Gottfried August. Wieland, Martin. Vermischte Anzeigen [Ankündigung der Herausgabe des Gö. Musenalmanachs]. In: Der teutsche Merkur. Digitalisiert von Google.

“[S. 95, Bürger] Ich bin bewogen worde, die Herausgabe des Dieterichschen Musenalmanachs, der wie bisher fortdauern soll, nach Abgang des Herrn Goeckingk zu übernehmen. [...] Das hängt nicht von mir, sondern von den Beyträgen ab. Sind diese hübsch - ey ! so wollen wir auch schon ein hübsches Almanächle komponiren. Aber - ex nihilo nil fit ! Die Bogen müssen voll werden. Ueber das Wie? wasche ich meine Hände in Unschuld. [...]

[S. 95, Wieland] Was ist am Ende so schlecht, widerlich, lumpicht, faul und stinkend, was die Natur oder die Kunst nicht zu etwas brauchbarem zu verarbeiten wüßte! Sollte z.Ex. poetischer Mist in seiner Art nicht eben sowohl als Dünger benutzt werden können, wie andrer Mist in der seinigen?”

Der vollständige Beitrag in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1778

Anonym. Rezension Musenalmanach auf das Jahr 1778. Göttingen bei Dietrich. In: Auserlesene Bibliothek der neuesten deutschen Litteratur. Dreizehnter Band.  Digitalisiert von Google.

“[S. 665] Von Bürgern sind hier vier Lieder, alle nicht ganz so schön als man sie sonst von diesem vortreflichen Dichter gewöhnt ist. In dem Liede, die Elemente, paßt der niedrige Ton nicht zur Hoheit des Gegenstandes. So schön als auch Bruder Graurockund die Pilgerin romanziert ist, so ist man von Bürgern doch die Wahl eines interessantern Gegenstandes und eine kräftigere Bearbeitung gewohnt. Die Menagerie der Götter hat viel possierliches, allein wenn man es gelesen hat, so präsentirt es dem Geiste nichts. Das vierte ist an die Nymfe des Negenborns eines Felsenquels, ohnweit des Wohnorts des Dichters, welches uns unter allen am besten gefält. Im andern Almanach hat zwar Bürger nur eine Romanze geliefert, sie übertrift aber alles, was man hier von ihm findet, bei weiten.

[S. 671] Bürgers Lied vom braven Manne ist das einzige, was er dazu gegeben hat. Es ist aber vortreflich. Das Süjet ist die schöne That, die ein Bauer verrichtete, als der angeschwolne Adigeflus eine Brücke bei Verona einris. Solche Süjets, so bearbeitet, sind wahre Wohlthaten für die Menschheit, und freilich nüzlicher und besser als das so vortreflich dargestellte Süjet der Lenore. Wlr meinen hiemit gar nicht die Auswahl de leztern an Bürgern zu tadeln. Dichten ist nicht Predigen, das wissen wir so gut wie einer. Wir wissen auch, daß das Genie seine Launen hat, und wenn ein Gegenstand es erfült hat, so bearbeitet es ihn und keinen andern. Ist er denn nur poetisch gut gewählt und dabei poetisch schön gearbeitet, so erhält der Dichter den verdienten Kranz, wonach er gerungen. Wir sagen dies auch nur wegen des Heers der Nachahmer, die, wenn sie sehen, daß ein Werk des Genies Beifal findet, dasjenige, was es besonders hat, es sei Gegenstand, oder Ton, oder Versbau, ergreifen und sich zueignen, vermuthlich weil sie nicht einsehen, daß dieSache nicht durch das besondre, sondern durch die damit verwebten Schönheiten gefält. [...] damit man aber recht sehe, wie das Genie und wie der Nachahmer wählt, darf man nur diesen Udo mit Lenoren zusammen halten. Bürger nimt die Liebesgeschichte eines gemeinen Mädchen, das gegen Gott mmurret, und dafür gestraft wird. Er erzählt sie in dem affektvollen Ton eines Bänkelsängers, so daß es läst, als sei die Romanze bestimt, dem Volke zur Lehre vorgesungen zu werden. Hiedurch machen Süjet, Ton, samt dem angeblichen Zwek, ein Ganzes aus, wodurch Interesse und gleichsam poetische Wahrscheinlichkeit hinein versezt wird. Hier aber ist der Held ein Bischof, der den Lüften de Fleisches nachhängt [...]”

 

1778

Qu. Rezension Neue weltliche hochteutsche Reime [...]. In: Allgemeine deutsche Bibliothek. Des fünf und dreyßigsten Bandes erstes Stück. 1778. Digitalisiert von Google.

“[S. 161] Wir haben dieses kleine Gedicht zwar von faden Bewunderern jedes Products eines bekannten Dichters erheben hören; aber wir können keinen Grund finden, auch nicht einen, in dieses Lob einzustimmen. Nicht durch Naivetät, noch durch Lächerlichkeit zeichnet sich das Ding aus, und das wären doch wohl die Eigenschaften, wodurch sich ein solches Ding auszelchnen müßte. Die Petulanz des Dichters in Gedanken und Ausdrücken ist zwar sehr groß; aber wenn denn dabey nicht große Lächerlichkeit ist, so wird sie unangenehm. Den Jupiter Homers im Schlafrock, Toffeln, Hose, vorzustellen, der des Morgens acht Tassen Kaffee ausschlürft, und denn vor langer Weile mit einer Pfeife Knaster im Munde zum Himmelsfenster hinauskuckt - wir können es nicht erträglich finden. Man wird uns zwar sagen, daß in solches Gedicht nur aus einem gewissen Gesichtspuncte angesehen werden müsse: aber wir werden wohl nicht irren, wenn wir für den rechten Gesichtspunct nehmen, daß eine solche Schnurre gefallen müsse; und das thut sie uns wenigstens nicht. Am besten gefällt uns fast die 52 Stanze, wo der Verfasser, statt zu erzählen, was mit der entführten Europa vorgieng, sagt:
  Drum weg mit Schäckereyn !
  Von süßkandirten Zoten
  Wird vollends nichts geboten,
  Hilarius hält fein
  Auf Ehrbarkeit und More
  Ihr Herren Auditores.
Interessantes hat die ganze Erzählung nichts, und keine einzelne hervorstechende Stellen sind auch nicht da; wir wollen aber darum nicht sagen, daß das Mechanische der Verse sich nicht über das Mittelmäßige erhebe; doch aber macht beydes einem guten Verfasser keine Ehre. Die letzte Stanze ist noch drollicht genug:
  Nun dank, o frommer Christ,
  Im Nahmen aller Weiber,
  Daß dieser Heyd und Räuber
  Bereits gestorben ist;
  Zwar - fehlts auch zum Verführen
  Nicht an getauften Stieren.”

 

1778

Anonym. Rezension Poetische Blumenlese 1779. In: Nürnbergische gelehrte Zeitung auf das Jahr 1778. Digitalisiert von Google.

“[S. 840] Fortunens Pranger von Bürger zieht freilich wegen seiner kräftigen und populairen Manier, auch raschen und lebhafren Sprache vornehmlich die Augen auf sich. So viel schon über die Fortuna geleiert worden ist: so findet man hier viele neue dichterische Idee.

[S. 841] B. hat gute, leichte Lieder gegeben.”

Die vollständige Rezension in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1778

Cs. Rezension Beyträge zur Vertheidigung und Erläuterung des Canons der heil Schrift und der christlichen Religion überhaupt. Allgemeine deutsche Bibliothek. Des drey und dreyßigsten Bandes erstes Stück. 1778. Digitalisiert von Google.

“[S. 414] [...], daß diejenigen, so Christum gekreuzigt und Johannem den Täufer enthauptet haben, Westphälinger gewesen, dle Berlinischen Zeitungen, Rheinischer Most, Göthens Puppenspiel, (daraus der Schattenspielmann orgelum orgeley, dudel dum dey, ach wie sie usw. hier von Anfang bis zu Ende den gnädigen und hochgebietenden Herren von Ihro Hochwürden vorgeleget wird,) Allmanach der Grazien, der Rennicottische Unfug, Wieland, Jacobi, Bürgers Leonore, die Minnelieder, Laidion, diese werden alle als Muster und Proben des verderblichen Unkrautes angegeben.

[S. 614] Herr Claudius in Wandsbeck will den zweyten Theil seiner sämtlichen Werke, oder Amus omnia secum portans, und Herr Bürger in Wölmershausen seine sämtlichen Gedichte mit Kupfern von Chodowicky gezieret, auf Subscription drucken lassen. Beyde sollen in der Ostermesse 1778 herauskommen.”

 

1778

Wieland, Christoph Martin. Rezension von Bürgers Gedichten 1778 In: Der Teutsche Merkur, 1778,

„[S.93] Wer, in kurzem, wird nicht Bürgers Gedichte auswendig wissen ? In welchem Hause, in welchem Winkel Teutschlands werden sie nicht gesungen werden ? – Ich wenigstens kenne in keiner Sprache etwas Vollkommeneres, in dieser Art; nichts das dem Kenner und Nichtkenner, dem Jüngling und dem Manne, dem Volk und der Klerisei, jedem nach seiner Empfänglichkeit, so gleich angemessen, genießbar, lieb und Wert sein müsse als Bürgers Gedichte.[...] Die meisten scheinen, so lebendig und rein und ganz wie sie da stehen, auf einmal aus dem Wesen des Dichters hervorgekommen zu seyn, wie Minerva aus Jupiters Kopfe - Wahre Volkspoesie - und doch alles, was nicht blos Ausguß der Burlesk-komischen Laune eines Augenblicks ist, so schön, so poliert, so vollendet! und bey allem denn doch so leicht, so wie durch einen Hauch hingeblasen! und bey aller dieser Leichtigkeit und Grazie, doch so lebendig und markicht, so voll Saft und Kraft! Leib und Geist, Bild und Sache, Gedanke und Ausdruck, innere Musik und äussere Melodie der Versification, immer Alles so Ein Ganzes! “ 

Die vollständige Rezension in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1778

Anonym. Götingen. In: Gothaische gelehrte Zeitungen. Zwey und neunzigstes Stück, den achtzehnten November. Digitalisiert von Google

“[S. 755] Dieterich hat den in seinem Verlag herauskommenden Mussenalmanach, nachdem Herr Goeckingk die Direktion darüber niedergelegt, auf das Jahr 1779 durch Herrn Bürger fortsetze lassen. Er enthält 172 Seiten in 16 und acht musikalische Kompositionen. (16Gr.) In der Vorrede rechtfertigt sich H. Bürger wegen der Wahl, die er bey dieser Sammlung beobachtet hat, und der Weglassung dieses oder jenes Gedichts, das eben nicht unter das ´Schofelzeug´ gehörte. Zu vielen fehlte der Raum. Denn es waren so viele Beyträge eingelaufen, daß man einen ziemlichen Folianten in gespaltenen Kolumnen, mit Perlschrift davon hätte voll drucken lassen können. Von Dichtern haben sich genannt: Bürger, Deurer, Dreßler, Philippine Gatterer, Hensler, Hindenburg, J. G. Jacobi, Kästner, Knorre, Laur, Meißner, Pfeffel, Schönfeld, Freyherr von Senkendorff, Zander. Der Gedichte sind in allen 121.“

 

1778

Anonym. Göttingen. Gedichte von Gottfried August Bürger. In: Gothaische gelehrte Zeitungen, Siebenzigstes Stück, den zweyten September. Digitalisiert von Google

“[S. 569] Seitdem H. Bürger seine berühmte Romanze Lenore verfertiget hat, hat man allenthalben in Teutschland angefangen ächten teutschen Volksgenius mit der Dichtkunst zu vereinbaren, Gedichte zu verfertigen, die dem Verständnisse jeder Klasse von Lesern angemessen, und dem Innhalte sowohl als der Dichtart nach, aus der Sphäre teutscher Sinnesart, Volkssitte und Tradition genommen sind. Gegenwärtige Gedichte tragen größtentheils diesen unterscheidenden Karakter an sich, und erwerben sich dadurch das Prädikat, national zu seyn und einzig dem Volke zu gehören, aus dem sie gekommen sind. Und in der That, welche Vorschrift sollte den Dichtern heiliger seyn als diese, nicht für fremde Ohren zu singen, nicht aus entfernten Jahrhunderten und Ländern hervorzutönen; durch Empfindung Empfindung zu wecken, und nicht fremden Kram alter Mythologie, Geschichte und sonstiger Kenntnisse, die man aus Büchern und in der Schule gelernt hat, in abgemessene Zeilen zusammen zu leimen. Sie sollen das Joch der gelehrten Erziehung ablegen und nicht Gegenstände aus den Zeiten Homers, Virgils und Ossians, Pindars und Horaz darum Heldengedichten und Oden wählen, weil diese Dichter die nemlichen Gegenstände eben auf die Art besungen haben. Es verräth Sklaverey, Nachahmungssucht und Armuth des Geistes und Herzens, zu glauben in teutscher Geschichte, teutschem Bürger und Menschen sey nichts mehr zu finden, das der Dichtkunst würdig wäre. [...]
   Zum Vergnügen unserer Leser schreiben wir aus den 66 Gedichten, die diese Sammlung enthält, das aus, mit der Ueberschrift: Das Mädel das ich meine. “

 

1779

Gr. Rezension Poetische Blumenlese auf das Jahr 1779. Göttingen. In: Algemeine deutsche Bibliothek. Des sieben und dreyßigsten Bandes erstes Stück. 1779. Digitalisiert von Google.

“[S. 475] Herr Bürger, der mit diesem Jahre den zweyten, Göttingischen, Almanach zuerst herausgiebt, versichert in der Vorrede desselben, eine so ungeheure Menge von Beyträgen erhalten zu haben, daß sich ein ziemlicher Foliant in gespaltenen Kolumnen, mit Perlschrift davon voll drucken ließe. Nicht alles, aber vieles darunter, war Schofel, wie er sich gar euphemistisch ausdrückt. Was er hier daraus gewählt hat, erkennt er selbst nicht alles für meisterhaft und für vollendet; und jeder Leser von Geschmack wird darin völlig mit ihm einstimmen. Das Vorzüglichste ist, wie man leicht vermuthen wird, von dem Herausgeber selbst; nur wird man auf ihn unwillig seyn, daß er uns dießmal nicht mehr als zwey Stücke von seiner Arbeit geliefert hat.”

 

1779

Anonym. Rezension Bürgers Gedichte 1778. In: Litteratur- und Theater-Zeitung. Des Zweyten Jahrganges Erster Theil.

“[S. 90] Eines der wenigen Genies, die ihre Flügel in den Musenalmanachen zuerst versucht haben. Aber, wer nur Augen zu sehn hatte, erkannte beym ersten Fluge den jungen, herrlichen Adler, der hinaufschaut zur Sonne. Siehe! nun steht er da, der treffliche, Deutsche Mann, allein und einzig in seinem Vermögen, und fodert den witzelnden Gallier, den launigten Britten und den lieblichen Welschen zum Wettkampf. - Aber er verbindet Witz und Laune und Lieblichkeit mit Deutscher Kraft: Wer wiill´s mit ihm aufnehmen? Wem das Schwärmerey dünkt, wer kalte Aufzählung der Vorzüge dieses Dichters vom Rez. verlangt, ist wahrlich der Mann nicht, der Bürger´n zu würdigen weiß. Ihm würde auch jene frostige Aufzählung nicht helfen. Dem bescheidnen Vernünftler aber, der doch gern wissen möchte, wodurch B. so hoch hervorragt, dienet zur Nachricht, daß es tiefe anschauende Kenntniß des Menschen ist, und dessen, was auf ihn wirkt; dann scharfer, geübter Blick, der alle Seiten des Gegenstandes umfaßt; dann schnelles Gefühl, dessen, was am wirksamsten eben jetzt, eben hier, seyn müsse; dann endlich das Vermögen, das Entdeckte, das von allen Seiten Beschaute - darzustellen. Hierzu kommt noch tiefe Kunde der Sprache von ihrer Wiege an, und die daraus entspringende Gewalt über sie. Warlich! ein solcher Dichter, oder keiner, ist über Zeitungslob und Zeitungstadel erhaben, und nur aus der Hand eines Wieland ´s kann der dargereichte Bardenkranz ihm annehmungswerth seyn. Rez. unterdrückt in dieser Rücksicht manches, was er aus vollem Herzen so gern noch von seinem Lieblingsdichter, dem gegen seine ersten Zierden oft zu frostigen Deutschen Publikum, sagen möchte. Die meisten dieser Volkslieder kennt es freylich schon, als die herrlichsten Knospen seiner Blumenlesen. Doch sind einige treffliche neue hinzugekommen. Besonders war B. Muse im Jänner vorigen Jahrs ungemein fruchtbar. Ich führe nur drey davon an; das Zechlied, das an origineller Drolligkeit das lateinische auch sehr drolligte Lied, aus dem mehr der Inhalt, als die Verse genommen sind, weit zurückläßt; der Liebeszauber, der durch die neue schäkernde Wendung einer zwar nicht neuen aber gewiß noch nie in dieses Licht gestellten Idee überrascht; und endlich das an erhabner Einfalt und unwiderstehlicher Deutscher Kraft alles übertreffende Gedicht, das die Aufschrift hat: Männerkeuschheit. Ich kann mich nicht enthalten, aus dem letztern einige Strophen abzuschreiben, da sie die wahreste Schilderung des Dichters selbst darstellen. 
  Die Götterkraft, die ihn durchfleußt,
  beflügelt seinen Feuergeist;
  [...]
  und stelt es dar in Red´ und Sang,
  voll Harmonie, wie Himmelsklang.
Die Kupfer sind schön, und sowohl Chodowiecki´s als des Dichters, dessen Gemälde sie dem Auge darstellen, vollkommen würdig. Noch ein Wort in Liebe an den Rezensenten in den Göttingischen Anzeigen. Sollte wohl eine Parallele zwischen Bürger und Günther statt finden? Anlage zum Volksdichter hatte vielleicht Günther, blühende Phantasie, Feuer, Leichtigkeit und Wortfluß, auch einige Menschenkenntniß - aber welcher Klasse von Menschen? - ist ihm nicht abzusprechen. Aber hatte er wol Darstellungsvermögen, tiefe Kenntniß des Edeln und Kräftigen unsrer Sprache, Umgang mit dem bessern Theile des Volkes genug, um sein Dichter zu werden? und sollte es nicht mehr der Mangel dieser Vorzüge als Verachtung der Regeln gewesen seyn, was diesen bedauernswürdigen Jüngling, der mit der Zeit vielleicht den wahren Lorbeer errungen hätte, schon setzt der Vergessenheit Preis giebt!”

 

1779

Wieland, Christoph Martin. Brief (Weimar, den 20. November 1779) an J.H. Merck. In: Briefe an Johann Heinrich Merck von Göthe, Herder, Wieland. 1835. Digitalisiert von Google.

“[S. 193] Ich werde nun nächstens mit dem X. Gesang fertig seyn, und dann hab ich noch ungefähr 180 bis 200 Stanzen zu machen, so ist´s Matthä am letzten damit, mit dem Volksdichter Bürger zu sprechen.”

 

1779

Anonym. Rezension Homers Ilias verdeutscht durch Friederich Leopold, Graf zu Stolberg. Erster Band. 1778. In: Auserlesene Bibliothek der neuesten deutschen Litteratur. Fünfzehnter Band.  Digitalisiert von Google.

“[S. 491] Mich dünkt; die Stolbergische Uebersetzung, die zwar den Hexameter, aber freilich nicht allemal den Homerischen, hat, und durch die griechische Nomenklatur mehr griechisches Kolorit, wenigstens dem ersten Anblik nach, erhält, steht der Bürgerschen in dem Antiken der deutschen Sprache nach, durch welches Bürger seiner Uebersetzung das Verhältnis, das Homers Sprache gegen die Sprache zu den Zeiten des Perikles hat, mehr zu geben wuste. Lezterer hat auch wol mehrere griechisch Sprachkentnis, und seinen Autor länger studiert - denn es sind ungefähr zwei Olympiaden, seitdem es nur bekant ist, daß H.B, den H. dolmetscht.”

 

1779

Zimmermann, Johann Georg. Brief an Boie vom 1. Mai 1779. In: Bodemann, Eduard. Johann Georg Zimmermann. Sein Leben und bisher ungedruckte Briefe an denselben. 1878. (Sammlung Helmut Scherer)

“[S. 100] Als Bürger an Boie sein Gedicht "Frau Schnips" einsandte und dieser dasselbe Zimmermann mitgetheilt hatte, schrieb dieser darüber an Boie am 1. Mai 1779: "Boye! - das wußte ich wohl - als ich Ihnen gestern so viele Erinnerungen gegen ""Frau Schnips"" machte, daß dieses Stück von Bürger ist! Darum sage ich eben alles das. Gern glaub ich Ihnen, daß die Griechen auch ihre Teniers hatten. Aber spricht man von diesen, wenn man von griechischer Anmuth, von Atticismus, von ausschließendem Geschmack am Schönen und Guten spricht? - Verzeihen Sie einem Layen die Frage. Hängt Bürgern nicht noch ein wenig hie und da der Student an? das ist: hat er in seiner maniére d´étre nicht noch vieles von Göttingischer Urbanität? - ""Aber es ist doch Weisheit und Wahrheit in diesem Küchenstück"",sagen Sie - ""und die Moral ist gut."" - Ich schätze Sie zu sehr, liebster Boye, um Ihnen nicht Ehrfurcht gegen die Religion zuzutrauen. Also frage ich: würden Sie, würde jeder andere Weise, Moralist, den Weltheiland in einem Küchenstücke aufführen? Sie sehen, liebster Boye, daß ich blos frage - und Sie wissen, daß ich lenksam und bildsam bin. - Bürger wäre der erste Mann seiner Zeit geworden, wenn er in der besten Gesellschaft von England und Frankreich und Italien häufiger gelebt hätte, als in den einzigen Göttingischen Gesellschaften, wo nicht Jeder ein Boye war. - Der Preis der Blonden hat nicht Johann Peter Krafts Wildheit; verzeihen Sie, bester Boye, Johann Peter Krafts Derbheit ist darin nicht. - Ich umarme Sie und beschwöre Sie, nicht böse zu werden, daß ich es einmal gewagt habe, Ihnen so - in das Herz zu greifen."

 

1779

Schummel, Johann Gottlieb. In: Spitzbart eine komi-tragische Geschichte für unser pädagogisches Jahrhundert. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 374] Schreyen um Hülfe: Wer hätte das hören können, oder wenns auch die Frau Direktorn und Fiekchen gehört hätten, wie konnten die helfen? Es war also mit unserm Helden Matthä am Letzten und es blieb ihm nichts übrig, als sich in Geduld zu fassen und fein stillzuhalten, bis die Lungen der Leute erschöpft wären und sie von selbst ihrer Wege giengen!
    Doch wenns Matthä am Letzten ist,
    Trotz Rathen, Thun und Beten:
    So rettet oft noch Weiberlist
    Aus Aengsten und aus Nöthen. “

 

1780

Anonym. Rezension Poetische Blumenlese auf das Jahr 1780. Göttingen. In: Auserlesene Bibliothek der neuesten deutschen Litteratur, Band 18.  Digitalisiert von Google.

“[S. 282] Nur diejenigen Stücke will ich hier auszeichnen, die mir gefielen - den Werth der übrigen, wie billig, dadurch unbeschadet! [...] Muttertändelei, von D.M.Bürger, geb. Leonhart. [...] Der große Mann, von Bürger - sind Zierden dieser Blumenlese. Nur sind die Postscripte bei dem leztern Gedichte S. 150. 151. meiner Empfindung ganz widerlich. Die Seele hob sich mit der Schilderung des wirklich großen Mann, verweilte so gerne bei dem Gedanken:
  Doch ringt sich aus der Menschheit Schoos
  Jahrhundertlang kaum einer los.
und sol sich gleich darauf zur Satire herab lassen, und zwar nur, um noch etwas zu hören, das schon bekant ist, daß nämlöich mancher gros genent wird, ohne es zu seyn.So hätte der Verf. noch zehn Postscripte anhängen können -nach Lessings großem Manne. Mich dünkt also, sie zerrütten die ganze Wirkung des ersteren Lieds. - Und im Vorbeigehen noch eins ! Der Verf. redt von einem Schulsultan. Ich seh es nicht gerne, wenn unsere Dichter, oder ander gute Köpfe der Schulmänner spotten, und sie habens zu verantworten, wenn sie das ihrige noch dazu beitragen, daß dieser Stand nicht überal diejenige Achtung erhält, ohne welche selbst Sokrates nichts Gutes stiften kan.

[S. 283] Die Rose dieses Blumenstraußes ist: Untreue über alles S. 155. Der natürlichste Gedankengang ist mit den schönsten Empfindungen verwebt, und durch die passendste Versifikatlon dargestelt. Nichts mehr hätte ich gewünscht, als es von einer Melodie begleitet zu sehen, die es eher verdient hätte, als die Abendphantasien eines Hessen in Amerika - um es mit meinem Mädchen gleich anstimmen zu können; und dies wünschten vielleicht neun und neunzig Leser von hunderten.”

 

1780

Gr. Rezension Poetische Blumenlese auf das Jahr 1780. Göttingen . In: Allgemeine deutsche Bibliothek. Des drey und vierzigsten Bandes erstes Stück. 1780.  Digitalisiert von Google.

“[S. 141] Wie bekannt, veranstaltet itzt Hr. Bürger diesen göttingischen Almanach, der zwar im Ganzen dem Hamburgischen an Güte nicht gleich kömmt, aber doch auch manche schätzbare Poesien enthält, und dadurch ein würdiges Gesellschaftsstück von jenem wird. Die eignen Beyträge des Herausgebers sind ohne Zweifel immer das erste, worauf die Neugier des Lesers bey dieser Blumenlese fällt; und seine Erwartung wird auch diesmal nicht getäuscht; denn, außer einigen anders bezeichneten, aber mit Bürgers Stempel zu sichtlich geprägten Stücken, sind die beyden von ihm anerkannten, besonders das Lied: Untreue über alles, ungemein schön. Eben so ist auch die Muttertändeley seiner Gattin in schöne poetische Frucht, sie mag nun von Hrn. B. nur gezeugt, oder auch gebohren seyn.”
 

1780

Of.Rezension Gil Blas von Santillane, neu übersetzt. In: Allgemeine deutsche Bibliothek. Des zwey und vierzigsten Bandes erstes Stück. 1780.  Digitalisiert von Google.

“[S. 107] Noch bemerken wir, daß sich der Übersetzer, der, vom Herrn Bürger in Vorschlag gebrachten Orthographie hier bedienet hat, jedoch nur crescendo, so daß er von Band zu Band, wie er sagt, zu Schonung für das Auge des Lesers, in derselben fort gerückt ist. Ist denn diese Rechtschreibung so blendend, daß das Auge diesen Glanz auf einmal nicht verträgt; oder so befremdend, daß der Verf. solches dadurch zu beleidigen glaubt? “

 

1780

Müller, Johannes von. Brief vom 9. Sept. 1780. In: Lebensgeschichte, von ihm selbst beschrieben. S. 18.1806.  Digitalisiert von Google.

“Melde mir, was Gutes in Deutschland erscheint. Ich habe die Gedichte der Grafen von Stolberg zum Theil mit großem
Vergnügen gelesen; aber der verdammte Bürger mit seiner Lenore hat mein ganzes Nervensystem eine Nacht hindurch
erschüttert, und dem Bonstetten ist, als er um die Mitternachtsstunde las und plötzlich die Thür aufsprang, das Buch aus der
Hand gefallen und alle Haare sind ihm gen Berg gestiegen.”

 

1780

Anonym. Rez. Gedichte von Gottfried August Bürger. Mit 5 Kupfern von Chodowieki. Göttingen 1778.   In: Anhang zu dem fünf und zwanzigsten bis sechs und dreißigsten Bande der allgemeinen deutschen Bibliothek. Zweyte Abtheilung. Berlin und Stettin 1780. Digitalisiert von Google

“[S. 784] Da haben wir nun einmal wieder eine Sammlung von Gedichten, so wahr, so stark, so männlich, so original, wie sie selten in unserm lieben deutschen Vaterlande erscheinen. Die meisten Stücke haben in den Musenalmanachen und andern periodischen Schriften gestanden, und schon damals den allgemeinsten Beyfall erhalten, den sie mit so vielem Recht verdienen. Der V. hat sie hier mit einigen neuen vermehrt, die eben so schön sind. Auch die alten sind sehr verändert, ob allemal verbessert, das ist wider eine andre Frage. Man vergleiche z. B. das Lied an die Hoffnung, wo es in der ersten Ausgabe so hieß:
  ´Das hat mein Herz erfahren,
  Schon lange wäre wohl
  Von meinen Trauerjahren
  Die kleine Summe voll;
  Wenn Gram mich würgen würde,
  Gram den mir Liebe schuf,
  So minderst du die Bürde
  Durch deinen Schmeichelruf.
Hier heissen die letzten Zeilen nun so:
  ´Dem Kummer hingegeben
   Brach mir bereits der Blick.
   Du loktest mich ins Leben
   Mit Schmeicheley zurück.
Das letztere scheint härter und künstlicher, zu geschweigen, daß der erste Eindruck immer der stärkste ist, wie der Rec. besonders aus der Erfahrung weiß, die er mit Lesern angestellt hat die dies Stück auswendig wußten. Freylich war das ´würgen würde´ nun auch nicht so ganz richtig gesagt. So ist auch das Lied an Agathe sehr verändert und größtentheils verschönert. So hieß es da z. B. vorher:
  ´Wenn von falschen Attestaten,
  Flittergolde nicht umschwirrt,
  Ein Gefolg von Edelthaten
  Deinen Werth bezeugen wird.
Und itzt:
  Und zur Erndtezeit der Saaten
  Da das Korn geworfelt wird,
  Ausgestreuter Edelthaten
  Reine Frucht im Siebe schwirrt.
Wie viel schöner und richtiger ist dies letztere Bild, und so sieht man überall, mit welchem Fleiß und Sorgfalt der Dichter die Feile gebraucht hat, und wie korrekt er geworden ist. Von den übrigen Meisterstücken, darunter Lenore wohl den ersten Rang einnimmt, brauchen wir desto weniger zu sagen, da sie ganz Deutschland liest und singt, und sie im eigentlichsten Verstand Volkslieder sind. Das Lied vom braven Manne sollte billig in allen Schulen gesungen werden, so wie St. Stephan, Männerkeuschheit und andere, die so ganz fürs Volk gehören. Der V. äussert in der Vorrede den Grundsatz: ´Alle darstellende Bildnerei kann und soll volksmäßig seyn. Denn das ist dasSiegel ihrer Volkommenheit´ aber was heißt denn nun volksmäßig? Es ist seit einiger Zeit, wie so viele andere, ein Modewort geworden, und so oft gemißbraucht, daß es einen fast anekelt. Wie sehr wäre es zu wünschen, daß der V. der größte Dichter dieser Gattung, uns selbst hierüber bestimmte Begriffe hätte mittheilen wollen, und zwar recht bestimmt und ausführlich. Denn so wie der Satz da steht, läßt sich sehr viel gegen ihn einwenden. Wenn nur das wahre Poesie ist, was für ein Volk im Ganzen genommen gehört, was jedermann der Gelehrte so gut wie der Ungelehrte versteht, liest, singt, wo bleiben denn die höhern Dichtungsarten, die lyrische Ode, die Epopee? Was würde aus Klopstoks Messias und Oden werden, die so wenige recht verstehen und lesen? Der V. verwechselt hier die Wirkung der Poesie mit ihrer Beschaffenheit. Denn ein anders ist, ob nicht ein Volkslied größeren allgemeinern Eindruck macht, als sonst irgend ein poetisches Stück; ob nicht der Volksdichter derjenige ist, der auf sein Zeitalter am meisten wirkt — obgleich auch hier der geistliche Liederdichter mit in Betrachtung kommt — ein anders, ob alle Poesie, alle ihre Arten und Gattungen, volksmäßig seyn sollen, ob sie es seyn können. Und das kann niemand behanpten. Und wenn sie auch volksmäßig behandelt werden könnten, so müßte es doch nicht so ausschliessungsweise seyn, so alleinig, daß man nun durchaus gar keine andere Darsstellungsart leiden wollte. “

 

1780

Gadebusch, Friederich Konrad. Livländische Jahrbücher. Erster Theil. Riga. Digitalisiert von Google

“[S. 671] Es ist mir eine nichtswürdige Recension meiner livländischen Bibliothek, von ohngefehr, in die Hände gerathen, welche Aufruhr, Leichtfertigkeit, Grobheit, Unbesonnenheit, Skurilität und Unerheblichkeit athmet. Eben hatte ich Bürgers Fabel: der Hund aus der Pfenningschenke, gelesen, welche sich also schließt:
     Dies Fabelchen führt Gold im Munde:
     Weicht aus, dem Rezensentenhunde! “

 

1781

Gr. Rezension Poetische Blumenlese auf das Jahr 1781. Göttingen. In: Allgemeine deutsche Bibliothek. Des acht und vierzigsten Bandes erstes Stück. 1781. Digitalisiert von Google.

“[S. 134] Merklich armer an vorzüglichen Gedichten, als in den vorigen Jahren. Fast scheint es, Hr. Bürger besorge diese Blumenlese nicht mehr, die eine Menge von Mittelmäßigkeiten, und, ausser den kleinen Beyträgen von Kästner und Pfeffel, wenig sonderliches enthält.”

 

1781

Kuetner, Karl August. Gottfried August Bürger. In: Charaktere teutscher Dichter und Prosaisten. 1781

"[S. 544] So ganz frey von Nachahmung, als Bürger, sind nur wenige Dichter unsers Jahrhunderts. Weder die Griechen, noch Horaz, noch die französischen Liedersänger waren seine Führer und Muster; nur in seinen Romanzen blickt Studium der alten englischen Balladen durch. Er ist ein Mann von teutschem Geist und teutschem Herzen, originell in seinen Erfindungen und im Ausdrucke populär und erhaben. Seine kleinsten Lieder sind voller Geist und Grazie, warm und markigt, und von unbeschreiblicher Lieblichkeit. Er singt Liebe, Freundschaft und Freude mit eigenthümlicher Züchtigkeit und Naivetät, er lehrt Tugend und teutschen Biedersinn mit einnehmender Ueberredung. Bald rührt er die Leyer zum Preise der holdseligen Mutter Natur, oder ihres Meisterstücks, der weiblichen Schönheit, bald erweckt er Empfindungen, die jede Nerve des Gefühls erschüttern. Unsrer Sprache ist er ganz mächtig; er hat Worte von altem Schrot und Korn und viele burleske Wendungen, ächten Witz und überfließende Laune."

Kuetners G.A. Bürger in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1781

Anonym. Rezension Poetische Blumenlese auf 1782. In: Göttingische Anzeigen von gelehrten Sachen. 125. Stück. Digitalisiert von Google.

“[S. 1001] Die poetische Blumenlese auf 1782 [...] enthält viel Stücke für Witz und Herz. Des Pfarrers Tochter von Taubenhain und Rosinde, verdienen jungen Frauenzimmern empfohlen zu werden [...]

[S. 1002] Frau Schnips,nach einer alten Englischen Ballade, enthält allerdings gute Moral, in Leichtsinn verkleidet. (In ältern Dichtern, an deren guten Gesinnungen für die Religion niemand zweifelt, z.E. im Hanns Sachs, findet man häufig solche Erzählungen, die damahls selbst erbaulich schienen.) [...] Hrn. Bürgers Nachrede enthält viel Lehrreiches für Musenalmanachsdichter, zulezt, den so gerechten Wunsch, andere Gegenstände, als die Liebe, zu wählen.”

Die vollständige Rezension in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1782

Kästner, Abraham Gotthelf. Abraham Gotthelf Kästners neueste großentheils noch ungedruckte Sinngedichte und Einfälle.  Digitalisiert von Google.

“[S. 124] An Herrn Amtmann Bürger.

       Wie unsre Dramen zu Ende gehn,
       Das kanst du gleich am Anfang sehn;
       So giebt dir der Anfang mehr Bericht,
       Als oft der hatte, der´s Drama gedicht´t.

[S. 41]  Gelehrsamkeit unserer Jahre.

       Lernt das, Verächter unsrer Zeit
       Der Scaliger und der Salmase Streit,
       Wer vom Homer die Meinung richtig traf?
       Den streiten jezt ein Amtmann *) und ein
                      Graf. **)
*) Bürger.
**) von Stollberga”

 

1782

Schulz, Joachim Christoph Friedrich; Erbstein, Karl Friedrich Wilhelm. Almanach der Belletristen und Bellettristinnen für´s Jahr 1782.  Digitalisiert von Google.

“[S. 23] Gottfried August Bürger.
Unser Volksdichter! Wol keiner unsrer Dichter kan sich rühmen, so von Klein und Gros, von Hohen und Niedern, von Jung und Alt, gelesen zu werden! Und er verdient auch den Beifal, den er überal hat. Er ist, dünkt uns, aus dem Halberstädtischen gebürtig; studirte erst in Halle - und wie komt es doch, daß die grossen Geister mehrentheils einen kleinen Hang zum Lokkern haben? Zwar Kloz hatte um die Zeit noch sein Wesen dort - doch last uns darüber hinwegeilen! - Von Halle ging er nach Göttingen, wo er anfing, mit dem grösten Eifer, die Rechte zu studiren. Dabei trieb er die Dichtkunst, hielt es aber ganz geheim. Nur dann und wann zeigte er seinen vertrautesten Freunden etwas von seinen Arbeiten, und sie sahn gleich, was in ihm stekte! Deutliche Spuren von seiner kräftigen Einbildungskraft, von seiner männlichen Sprache sc. kurz Alles, was ihn in der Folge so berühmt machte, lagen schon klar vor Augen. Er kam in Bekantschaft mir Hölty, Voß, Miller, den beiden Stolbergs sc. und fing an, zu glänzen. Seine Stükke, die er hier und dort in die Blumenlesen und Almanache einrükken lies, machten Aufsehn, theils durch den Schwung seines Dichtergenies, theils durch die sichtbare Politur, deren Stempel all´ seine Werke an sich trugen! Lenore entschied seinen Ruf ganz. Wer las, wer deklamirte, lernte sie nicht beinah auswendig! Und wenn man sie hundertmal gelesen hat, ist sie immer noch anziehend, hat immer wieder neuen Reiz! Unser Lob, wird keinen Deut zu seinem einmal erschwungnen Ruhm zusezen; er sizt auf dem Gipfel des schroffen Felsen und lächelt der Unsterblichkeit entgegen! Er, der Einzige unsrer neusten Dichter! Und seine Bescheidenheit, wie löblich und rühmlich ist die! Von dem unumschränkten Beifal, den er unter unserm Volke hat, zeigt das Pränumerantenverzeichnis vor seinen Gedichten! - Eine seiner ältsten Arbeiten ist Anthia und Abrokamas, ein Roman aus dem Griechischen des Xenophon von Efesus, der sich sehr gut lesen läst. Wer lies´t Bürger´s Prose nicht gern; sie ist ja eine der besten unsrer jeztlebenden Bellettristen! Auch den Homer wolt´ er übersezen; aber Leop. Fr. Graf zu Stolberg kam dazwischen. Hätt´ er ihn doch nicht liegen lassen! Der Weteifer wäre Stolberg's Uebersezung zu manchen Dingen nüz gewesen!”

 

1782

Pezzl, Johann. Briefe aus dem Novizziat. Drittes u. leztes Bändgen.

“[S. 90] Parallelstellen.
 Benedikt sagt in seinem XL. Kapitel vom Maaß des Getränks:
  Unusquique proprium habet donum ex
  Deo, alius sic, alius vero sic.
Qualterus de Mapes, Diakonus von Oxford, sang im eilften Jahrhundert:
  Suum cuique oroprium dat natura munus:
  Ego nunquam potui scribere jejunus,
  Me jejunum vincere posset pucr unus,
  Sitim & jejunium odi tanquam funus.
 In dem praktischen Kommentar unsrer Mönche über dieses Kapitel Benedikts, heißt es, wie dort bey Bürger;
   Jedermann hat von Natur
   Seine sondre Weise,
   Mir gelinget jedes Werk
   Nur nach Trank und Speise.
   Wiz und Weisheit dunsten auf
   Aus gefüllter Wampe:
   Bas glükt Kirch- und Chorgesang
   wann ich brav schlampampe.“

 

1782

Degen, Johann Friederich. Anakreons Lieder. Anspach

“[S. 28] Der unsterbliche Sulzer [Allgemeine Theorie der Schönen Künste,Erster Theil.1771] scheint mehr im Geiste des ernsten Philosophen als in dem hieher gehörigen Gefühl den Dichter beurtheitt zu haben. Das Vorzüglichste in seinem Räsonnement ist ohngefehr dieses: Der Inhalt seiner [Anakreons] Lieder ist durchgehends die Frölichkeit, die den Genuß der Liebe und des Weines begleitet. Sie bezeichnen den Karakter eines feinen Wohllüstlings, der sein ganzes Leben dem Bakchus und der Venus gewidmet hat, dabei aber immer scherzhaft und vergnügt geblieben ist. Sollte der fürtrefliche Philosoph hier nicht zuviel vorausgesezt und als wahr angenommen haben, was erst zu erweisen ist? Kann man wol aus einigen Liedern eines Dichters sogleich auf seine Denkungsart ü berhaubt schließen? Hängen seine Empfindungen nicht von der iedesmaligen Laune und dem Zustand ab, in welchem er seine Leier nimmt? Man rechnet bisweilen den Dichtern ihre unschuldigen Scherze zu hoch an. So sang Horaz im süssen Taumel der Frölichkeit einige Lieder und verschiedene Kritiker schrieen ihn sogleich als einen Epikuräer aus. Wozu würde der finstre Moralist einen Gleim machen können, einen frommen Hölty, wenn er singt
   Gebet Harm und Grillenfang
   Gebet sie den Winden;
   Ruht bei hellem Becherklang
   Unter grünen Linden!

   Schmeckt so lang es Gott erlaubt
   Kuß und süsse Trauben!

 und einen geliebten Bürger, wenn er sein meisterhaftes Zechlied anstimmt? Wozu noch andere grose Dichter? -
  Man muß also, sagt Sulzer weiter, seine Lieder blos als artige Kleinigkeiten ansehen, die zum Absingen in Gesellschaften gemacht worden, wo die sinnliche Lust durch feinen Witz sollte gewürzt werden. - Dieß ist nun wol gewiß die Absicht des Dichters nicht allein gewesen. Er sang eben, wie die Dichter überhaubt, für Freude und Vergnügen, ohne sich deßwegen auf den Gebrauch einzuschränken, den man von seinen Liedern machen würde. “

 

1782

Brun, Sophie Christiane Friederike geb. Münter. Tagebuch meiner ersten Reise, Kopenhagen 1782

[S.36] Den 13ten machte ich eine Bekanntschaft, die ich lange zu machen gewünscht hatte, die des Amtmanns von Wölmershausen B****r, eines offnen freundschaftlichen Mannes. Er sieht sehr kränklich aus; hat in seinen Augen sehr viel Geist, der aber durch seine Kränklichkeit gemildert wird; in seinem ganzen Gesicht einen rührenden Zug von Güte. Auf unsere Bitte las er uns eine freye Uebersetzung vom Makbeth vor, und es braucht wohl keiner Versicherung, wie schön! Wir spazierten den Abend und es wurden Gespensterge- schichten erzählt, die fürchterlichsten, die ich je gehört habe. Wir giengen bey Sonnenuntergang aus; es ward Abend, der Mond stand am Himmel, und die Sterne mit ihm; wir gingen noch immer, und erzählten, und wurden nicht müde zu erzählen; endlich rief die tiefe Stille uns nach Hause.

Der Tagebuchausschnitt in der ONLINE-Bibliothek

 

1782

Meidinger, Franz Sebastian. Dritter Abschnitt. In: Perioden der Litteratur und Industrie kritisch betrachtet. München. Digitalisiert von Google

“[S. 64] Im ganzen Homer ist keine Stelle, die die ganze Hoheit der menschlichen Idee so sehr anspannt, als der tiefe Schmerz des Vaters der guten Plandine. Und die einzelnen kleinen Schattierungen desselben Gedichtes würden Reichthümer für einen Raphael seyn, seit unsern lieben Mengs Tod, Scenen dieser Art auf die Leinwat zu bringen: es sind die kleinsten Erzehlungen, wenn Bürger selben Vortrag besorgt, uns die intressantesten Geschichten. Und Cervantes hatte die Laune auf keinen höhern Grad der feinen lachenden Poesie stimmen können, als die delikaten Rythmen im Raubgrafen, in der Leonore, und mit euer Erlaubniße ihre Herren! die ihr die Bücher mit der Nase beurtheilt, der Raub der Prinzeßinn Europa hinaufgestimt sind.
   Ich lasse allen epischen, moralischen, und wie sie sich selbst zum liebsten hören, ernsten Dichtern ihren Werth; allein! die Welt wird es ehender müde werden, mythologische Erzehlungen in polternden Hexametern zu lesen, als man es müde wird, den originalen Scherz eines Minnesängers zu bewundern; denn wir haben nicht nur einen Kopf, den wir, wenn wir uns ja zum Lesen entschliessen, etwas zu gute thun wollen; sondern auch ein Herz, das wir erbauen, ein Blut, so wir verdünnern, ein Milz, so wir erschüttern wollen. “

 

1782

Kotzebue, August von. Dem Herrn Professor Musäu gewidmet. In:  Erzählungen. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 10] Du lehrtest mich den ersten Grundakkord
      Der ganzen Dichterharmonie;
      Und Deine Lehren, Freund! was wär ich ohne sie?
      Du gabst mir Wielands, Bürgers Schriften:
      Ich sah, wie unbegreiflich leicht
      Der Dichtkunst Klippen sie behend vorüberschifften,
      Wie stets ein Vers den andern zeugt,
      Und Wieland hier, und Bürger dort,
      Den Helikon, als wärs ein Stockwerk hoch, ersteigt.
      Unwiderstehlich riß michs fort! “

 

1783

Fr. Rezension Macbeth von G.A. Bürger, Göttingen 1783. In: Allgemeine deutsche Bibliothek, Des sechs und füntzigsten Bandes erstes Stück. 1783.

“[S. 456] Herr Bürger ward vor fünf Jahren durch den Schauspieler Schröder, der den Macbeth auf die Bühne bringen wollte, zur Bearbeitung der Hexenscenen aufgefodert; und glücklicher konnte die Wahl eines dazu geschickten deutschen Dichters wohl nicht
getroffen werden. Hernach trug er ihm auch die Verarbeitung des ganzen Stücks auf, wozu er ihm nicht nur mit einer neuen Anordnung der Scenen, sondern mit der beynahe vollendeten Ausführung des Ganzen behülftich war, wobey er größtentheils die Wielandisch-Eschenburgische Uebersetzung zum Grunde gelegt hatte. Hr. B. folgte ihm darin oft, aber nicht überall; er ließ manches weg, und setzte manches hinzu, wovon er nur wünscht, daß es keine Bettlerflicken auf dem Shakspearischen Purpurmantel seyn mögen. Sein größtes Verdienst bey dieser Umarbeitung bleiben allemal die Hexenscenen, die ihm vortrefflich gelungen sind. Wenn indeß Hr. B. glaubt, diese Scenen müssen auf jedes Zeitalter, auf jede Klasse von Zuhörern gleich stark wirken, und sich über Dr. Johnson und andre ihm, so genannte ästhetische Philosophunkeln von der Art, die das nicht glauben, lustig macht, so fürchten wir sehr, daß die Erfahrung seiner Zuversicht widersprechen werde. Und so zweifeln wir auch, daß die hier vermehrte Anzahl dieser Scenen, die Sh. vielleicht aus weiser Sparsamkeit nicht vermehrte, zur Wirkung des Ganzen, die freylich an sich schon stark genug ist, etwas beytragen werde; wenn wir gleich zugeben, daß ihr Zusammenhang mit dem Stücke selbst durch ihre öftre Wiederkehr sichtbarer geworden ist, und daß Hrn. B. Antheil vielleicht manchem, der das Original nicht kennt, kaum kennbar seyn werde; so trefflich hat er sich in den Geist dieser Scenen hinein zu denken - und der ganzen Shakspearischen Manier in denselben zu bemächtigen gewußt.”

 

1783

Dm. Rezension Lyrisches Theater der Deutschen. 1782. Erster Band. In: Allgemeine deutsche Bibliothek. Des drey und funfzigsten Bandes erstes Stück. 1783. Digitalisiert von Google.

“[S. 411] Die Apotheke von Engel und die sämtlichen Opern des vertorbenen Michaelis sind viel zu bekannt, als daß es nöthig sein
sollte, hier weiter etwas von ihnen zu sagen. Ausser diesen Stücken enthält das lyrische Theater noch folgende: [...] 2) Laura Rosetti von d´ Arien. Aus der empfindsamen Klasse. Einzelne Arien und einzelne Scenen sind gut gerathen. Das Ganze scheint auch darum weniger zu gefallen, weil der Charakter einer eifersüchtigen Italienerin seit den Zeiten der Lessingschen Orsina gar zu oft auf die Bühne gebracht worden. Wie kommen Ausländer dazu, Bürger Leonore singen zu wollen? Es ist nichts Unmögliches, aber von Italienern nicht wahrscheinlich.”

 

1783

Anonym. Rezension Poetische Blumenlese auf das Jahr 1782. In: Allgemeine deutsche Bibliothek. Des drey und funfzigsten Bandes erstes Stück. 1783. Digitalisiert von Google.

“[S. 142] Auch diese Sammlung enthält dießmal einige Gedichte von ausgezeichneten Werth, von denen wir nur folgende nennen wollen: Bürgers Ballade, des Pfarrers Tochter von Taubenheim, ein würdiges Gesellschaftsstück seiner Leonore, und fast noch schauerlicher, als diese, weil es weniger romantisch ist; verschiedne Sinngedichte von Kästner; ein Lied an den Wind von Klinguth; Sankt Alberich, eine Legende, von Oe=y; fünf epigrammatische Fabeln von Pfeffel u.s.f. Das auffallendste Gedicht unter allen ist wohl die Ballade, Frau Schnips, deren Verfasser sich unter dem Namen M. Jocosus Serius nur wenigen versteckt haben wird. Es ist eine Nachahmung der englischen Ballade, The wanton Wife of Bath, die Dr. Percy - der aber nicht Doktor der Theologie, sondern der Rechte ist - in seine Reliques of anc. Engl. Poetry aufnahm, und Addison im Spectator eine vortrefliche Ballade nannte. Sowohl diese, als andere Entschuldigungen werden im Register für die Einrückung dieser Ballade angeführt. Der beygefügten musikalischen Stücke sind nur zwey; eins von einem Ungenannten, und das andere von D. Weiß.”

 

1784

S. Rezension Poetische Blumenlese aus Jahr 1785. In: Gothaische gelehrte Zeitungen Hundert und zweytes Stück. 22.December. (Sammlung Helmut Scherer)

“[S. 835] Unsre neuesten Dichter scheinen nach einer Poetik zu arbeiten, die platte Wahrheit, in jedem Falle, der Schönheit vorzieht, und worin Geschmack, Beurtheilungskraft und feines Gefühl, nicht etwa als wesentliche Eigenschaften eines guten Dichters, sondern als leere oder wohl gar schädliche Grillen betrachtet werden. Den Anlaß zu dieser Muthmassung können unsre Leser in den eben nahmhaft gemachten - der Himmel weiß, wie sauer hier dem Recensent dies Wort niederzuschreiben wird, - poetischen Almanachen finden. Nr. 1. Was sollte Hrn. Bürger abhalten, von seinen Dichterlingen, die jede dem Publikum schuldige Achtung aus den Augen setzen, alles, wie es auch sey, aufzunehmen da die ärgste Platitüde in dieser Sammlung gerade von ihm ist? Ohne Zweifel hat er gute Ursachen, auf gewisse Leute verdrüßlich zu seyn; berechtigt das aber einen Bürger, seinen vornehmen Pöbel so zu behandeln, wie z.B. S. 88.[Schnick und Schnack] geschiehet:
  Das Pack, -
  Es gleicht dem Galgenrabenvieh:
  Es schnüffelt nur nach Luder. [diese Lesart nicht in Häntzschels Bürger-Werkausgabe von 1987]
Einige artige Gedichte von Pfeffel, eins von Bürger S. 191. [Volkers Schwanenlied] eins von Kästner S. 48. und zwey von Ungenannten S. 35 und 132. verdienen gerühmt zu werden [...].”

 

1784

Staats-Relation Derer neuesten Europäischen Nachrichten und Begebenheiten. 17. November. Regensburg. Digitalisiert von Google

“In der Montagischen Buchhandlung allhier ist zu haben: [...] 2) Göttinger Taschenkalender auf das Jahr 1785 mit Chodowiekischen Kupfern, theils Coeffüren und neueste Kleidungstrachten, theils auch die merkwürdigsten Scenen aus Shakespears Macbeth, von Bürgern umgearbeitet, und Zeichnungen der vorzüglichsten Köpfe aus Hogarths Leben des Liederlichen vorstellend, 12. Göttingen gebunden im Futteral mit vergoldten Schnitt, französisch oder deutsch, á 1 fl. 24 kr.3) Blumenlese, poetische, aufs Jahr 1785 von Bürger, mit Musik, 16. Göttingen, 54 kr.“

 

1784

Cramer, Carl Friedrich. Magazin der Musik, Band 2.

“[S. 696] Einige Gedichte vou G.A. Bürger, in Music gesezt von E.J.B. Lang“

 

1784

Bk. Rezension Poetische Blumenlese auf das Jahr 1784. Göttingen. In: Allgemeine deutsche Bibliothek, Des acht und funfzigsten Bandes erstes Stück. 1784. Digitalisiert von Google.

“[S. 110] Warum wir uns bey dieser Blumenlese alles Lobes, Tadels und Auszeichnens begeben, davon ist die Ursache beym vorigen Jahrgange angeführt. Es bleibet den Lesern überlassen, die grünlichen Früchte wegzuwerfen, und die reifern auszusondern. Mit seinem Namen hat der Herausgeber, Herr Bürger, nur folgende kleine Erzählung bezeichnet, die zugleich eine gar bescheidne Rechtfertigung über die Einzelnheit dieses Beytrages enthält:
   Die beyden Maler
   Sie loben mich oft recht mit Pracht,
   Und freun sich dessen, was ich dichte:
   "Nur schade, heißts, mit Runzeln im Gesichte,
   Daß er so langsam ist, so wenig macht!"

   Zum Zeuxis prahlt´ einst Agatarch, in kleiner,
   Fixfingriger, behender Pinselmann:
   "So schnell, wie ich, malt wohl so leicht nicht Einer!" -
   "Und ich, hub Zeuxis ruhig an,
   Ich rühme mich, daß ich so langsam malen kan!"
   Den Fingerfix nennt jetzt fast keiner;
   Den Zeuxis noch fast Jedermann.
Doch, auch die am Schluß befindliche Dusch-Cantate, auf dem obersten Altane abzupauken, eigentlich freylich auf Paucken gesetzt; es geht aber auch auf Gießkannen, ist wohl ohne Zweifel von ihm; vielleicht sind es auch zwey mit G.A.B. bezeichnete Sinngedichte, deren eins, auf einen Erzcujon, gar fein und witzig ist:
 O wüßt´ ers nur, der Erzcujon,
 Der nun so manches Unheil schon
 Mir an zu cujoniren dachte,
 Wie kalt und tief ich ihn verachte,
 O fühlt ers nur, der Erzcujon;
 Die Schwerenoth kriegt´ er davon! ”

 

1784

Wekhrlin, Wilhelm Ludwig. Das graue Ungeheur, Erster Band.  Digitalisiert von Google

“[S. 72] Ohne weiter, zur Sache. Sie sagen, daß unser Jahrhundert den Ehrentitel des philosophischen verdiene. Wenn sie solches vom Auszug der guten Köpfe, der Quintessenz (oder, wie es Bürger verteutscht, von dem Fünftelsaft) des denkenden Theils von Europa, oder wenigstens uusers lieben teutschen Vaterlands verstehen, dann habe ich nichts dagegen; [...] “

 

1784

Anonym. Augsburg. In: Gothaische gelehrte Zeitungen, Neun und funfzigstes Stück, den vier und zwanzigsten Julius. Digitalisiert von Google

“[S. 490] Lenardo und Blandine, ein Melodram, nach Bürger, in 160 leidenschaftlichen Entwürfen erfunden, gezeichnet, geätzt, und mit Anmerkungen begleitet, von J. F. v. Göz 1783. Der Gedanke, der mannichfachen Pantomime, deren ein ganzes Drama fähig ist, nachzuforschen, und solche systematisch zu behandeln, ist neu, und für den Künstler, besonders aber Schauspieler, von grossem Nutzen. Hr. v. Göz (selbst Verf. des Melodrams) hat ihn mit eben so viel Geschmack in der Erfindung, als Stärke im Ausdruck, ausgeführt, und seine Arbeit dadurch noch lehrreicher gemacht, daß er nicht allein jedes vorliegende Bild, sondern auch die Ursache, warum er sich dasselbe so, und nicht anders gedacht, mit kritischen Anmerkungen erläutert hat, die viel Gutes über körperliche Beredtsamkeit enthalten. Sehr interessant scheinen uns diejenigen Reihefolgen von Blättern, auf denen er die Modificationen, mittelst deren ein Bild in das andere überfließt, so anschaulich darstellt, daß er diese transitorischen Bewegungen gleichsam zu erhaschen und zu fixiren weiß. Der Schauspieler, der in diesem Werke nicht bloß, wie in einem andern Bilderbuche, blättern, sondern studiren will, kann mit Wenigem Viel ausdrücken, und den Aufwand oft widersinniger und einander gerade entgegen laufender Bilder vermeiden lernen. Nur muß er sich zugleich hüten, nicht daraus den allgemeinen Schluß ziehen zu wollen, daß man jeden kleinen Perioden mit einer eignen Attitüde und besondern Geberde begleiten müsse. In Stellen der Ruhe und Betäubung zum Exempel, thut der Zauber der Declamation, von der einfachsten Stellung unterstützt, oft mehr Würkung, als die herrlichste Pantomime. “

 

1784

S. Rez. Poetische Blumenlese aufs Jahr 1785, Göttingen. In: Gothaische gelehrte Zeitungen, Hundert und zweytes Stück, den zwey und zwanzigsten December. Digitalisiert von Google

“ [S. 835] Unsre neuesten Dichter scheinen nach einer Poetik zu arbeiten, die platte Wahrheit, in jedem Falle, der Schönheit vorzieht, und worin Geschmack, Beurtheilungskraft und feines Gefühl, nicht etwa als wesentliche Eigenschaften eines guten Dichters, sondern als leere oder wohl gar schädliche Grillen betrachtet werden. Den Anlaß zu dieser Muthmassung können unsre Leser in den eben nahmhaft gemachten - der Himmel weiß, wie sauer hier dem Recensent dies Wort niederzuschreiben wird, - poetischen Almanachen finden. Nr. 1. Was sollte Hrn. Bürger abhalten, von seinen Dichterlingen, die jede dem Publikum schuldige Achtung aus den Augen setzen, alles, wie es auch sey, aufzunehmen, da die ärgste Platitüde in dieser Sammlung gerade von ihm ist? Ohne Zweifel hat er gute Ursachen, auf gewisse Leute verdrüßlich zu seyn; berechtigt das aber einen Bürger, seinen vornehmen Pöbel so zu behandeln, wie z. B. S. 88. geschiehet:
   Das Pack, -
   Es gleicht dem Galgenrabenvieh:
   Es schnüffelt nur nach Luder. “

 

1785

Cs. Rezension von Musenalmanach 1785 Göttingen. In: Allgemeine deutsche Bibliothek. Des zwey und sechzigsten Bandes erstes Stück. 1785.  Digitalisiert von Google.

“[S. 397] Sonst enthält diese Sammlung manche gute Stücke von Bürger, Gleim, Hök, Kästner, Lichtenberg, Pfeffel, u.a.m. Auch unter den mit bloßen Anfangsbuchstaben bezeichneten Gedichten verdienen manche Aufmerksamkeit und Beyfall, besonders einige Sinngedichte. Der Schwank von Langbein, S.40, hätte doch, seiner Derbheit wegen, wohl wegbleiben mögen. Aber der Herausgeber dieses Almanachs, Hr. Bürger, scheint noch immer an einer recht derben, oder vielmehr plumpen Sprache sein Wohlbehagen zu finden, und seiner Lesewelt eben diesen Kraftgeschmack zuzutrauen. Man sehe z.B. seine Fabel, Prometheus, S.39, und folgenden Schluß seines Gedichts, Schnick und Schnack, S.38:
 Das Pack borgt dann die List vom Fuchs;
 Vom Spürhund seine Nasen;
 Die glühen Augen von dem Luchs;
 Die Ohren von dem Hasen;

 Und spürt und schnackt und schonet mir,
 Seys Schwester oder Bruder;
 Und gleicht dem Galgenrabenvieh;
 Es schnüffelt nur nach Luder.”

 

1785

Fk. Rezension Versuch einer zahlreichen Folge leidenschaftlicher Entwürfe [...] von J.F. von Göz. In: Allgemeine deutsche Bibliothek. Des sechzigsten Bandes erstes Stück. 1785. Digitalisiert von Google.

“[S. 419] Ein Zufall veranlaßte den Verf. auf einmal, an die Ausführung seines Versuchs zu gehen. Bey seinem Aufenthalte in München fiel seine Phantasie während eines einsamen Spazierganges auf Bürgers bekannte Ballade, Lenardo und Blandine, und er sah eine ganze Reihe von Handlungen, die bey dieser Begebenheit sich vor oder nach ereignen konnten, sich gleichsam im Geiste vorschweben. Von diesen Bildern versuchte er hernach einige mit Feder und Kreide zu entwerfen. Kunstfreunde ermunterten ihn fortzufahren; und so ward nach und nach dieser Stof in dramatische Scenen eingeleitet, und von Punkt zu Punkt so niedergezeichnet, daß die hier gelieferten, und von dem Verf. selbst radirten, 160 Blätter daraus entstanden. [Damit entstand 1783 der erste Comic weltweit: Text von Gottfried August Bürger, Zeichnungen von J.F. von Göz - K.D.] ”

 

1785

Anonym. Etwas zur Dresdner Scharfrichter-Geschichte. In: Magazin der Sächsischen Geschichte. Zweiter Theil. Dresden. Digitalisiert von Google

“[S. 66] In einer solchen melancholischen Stunde kam ich einst auf den A nnenkirchhof, und befand mich unvermerkt bei den Gräbern der Scharfrichter. Schauder iiberfiel mich und ich zitierte, mich in der Gesellschaft solcher Personen zu wissen, die, nach dem allgemeinem Wahne, Vertraute der Geister, Eingeweihte der geheimsten Magie sind. Meine Phantasie sah Geister, Räder, Galgen, Richtschwerd und das ganze luftige Gesindel, was Bürger in seiner Leonore ums Hochgericht tanzen läßt.“

 

1786

Fr. Rezension Musenalmanach aufs Jahr 1786. Göttingen. In: Allgemeine deutsche Bibliothek. Des siebenzigsten Bandes erstes Stück. Digitalisiert von Google.

“[S. 98] Unter allen diesjährigen Stücken erregt vielleicht des Herausgebers, Herrn Bürgers, Ballade, der wilde Jäger, die größte Aufmerksamkeit, worin er den Stof einer alten Volkssage mit der ihm gewöhnlichen meisterhaften Vergegenwärtigung aller Gegenstände bearbeitet hat.”

 

1786

Schulz, Joachim Christoph Friedrich. Neun und dreyßigster Brief, Göttingen. In: Litterarische Reise durch Deutschland. Viertes Heft. Leipzig 1786

“[S. 10] Diese [Lenore] drang, wie jene [Blumauers Aeneis], so plötzlich und mit solcher Gewalt, in die Köpfe der deutschen Leser, daß sie von Jung und Alt nicht gelesen, sondern verschlungen, auswendig gelernt, und überall, wo es nur seyn konnte, recitirt, deklamirt und gesungen ward.

[S.78] Gottfried August Bürger, seit kurzem Magister der freyen Künste auf der hiesigen Universität. Man weiß schon in was für einem Fache der Dichtkunst dieser Mann Beyfall gesucht, und in vollem Maaße gefunden hat. Das höchste Ideal der Poesie ist ihm Volkspoesie, und ich gestehe, daß sie unter seinen Händen einen grossen Grad von Schönheit und Vollkommenheit erreicht hat; aber desto ekelhafter und geschmackloser ist sie unter den ungeübtern Händen seiner Nachahmer geworden.[...] Die rasche und feste Manier, mit welcher er seine Charaktere malt; die kurzen, ausdrucksvollen Züge, mit welchen er grosse Leidenschaften darstellt; die eigene grosse Kunst dem Leser mit zwei oder drey Blicken die ganze Seele seiner Helden zu öffnen, und dadurch Theilnehmung und Bedauern, Haß oder Abscheu im Nu zu bewirken; sein Sinn für Politur; seine reine, männliche, allgemein verständliche Sprache; seine genaue Beobachtung der Costüme, durch welche er uns unwillkürlich in die Zeiten zurückziehet, wo seine Geschichten spielen - sind so viel Attribute, die seiner erzählenden Poesie ganz eigenthümlich zu seyn scheinen.
       Aber auch seine kleinen Werke der lyrischen Gattung im engern Verstande, haben eben so viel Eigenes und Empfehlendes. Einige seiner Lieder sind so süß, so einschmeichelnd, fliessen so gefällig, harmonisch und sanft durch die Seele des Lesers, daß er von den himmlischen Tönen der Sänger aus dem paradiesischen Italien eingewiegt zu seyn glaubt. Erinnere Sich an seinen Schwanengesang, an die Gedanken eines Liebenden u.v.a.
      Nur diejenigen seiner Gedichte, worin er launigt spricht, nicht minder seine prosaischen Aufsätze, beleidigen hie und da das feinere Ohr. Sein Witz ist derb, rauh und voll Stoß- und Hornkraft. Seine Satyre hauet mit Schlachtmessern auf ihre Gegenstände, und züchtigt mit Skorpionen, wo ein feiner Nadelriß eben die, und noch größere Wirkung thun würde. Hier verwechselt er oft Kraft mit Ungezogenheit, erlaubtes Selbstgefühl mit Störrigkeit, und Einwendungen, und bescheidene Gegengründe, mit rechthaberischer Unfehlbarkeit. Hier wird es sichtbar, nach welchen Mustern er sich gebildet hat.”

Litterarische Reise von Schulz in der ONLINE-Bibliothek.

 

1786

Moritz, Karl Philipp. Anton Reiser. Ein psychologischer Romn, Band 3-4. Digitalisiert von Google.

”[S. 99] Der dißjährige Musenalmanach enthielt vorzüglich vortreffliche Gedichte von Bürger, Hölty, Voß u.s.w. Die beiden Balladen Leonore von Bürger, und Adelstan von Hölty, lernte Reiser sogleich auswendig, wie er sie laß - und diese beiden auswendig gelernten Balladen sind ihm nachher auf seinen Wanderungen oft sehr zu statten gekommen. Schon damals versammlete er öfters in der Dämmerung des Abends, entweder bei seinem Wirth zu Hause, oder bei seinem Vetter, dem Perukenmacher, einen Cirkel um sich her, und deklamirte Leonore oder Adelstan und Rößchen - und theilte auf die Weise mit den Verfassern das Vergnügen des Genusses von dem Beifall, den ihre Werke erhielten - denn so gut war er gesinnt, daß er diesen Beifall immer in ihrer Seele fühlte, und sie sich in denselben Zirkel wünschte.

 

1786

Binder von Kriegelstein, Johann Fr. Freiherr von. Gegenstück zu Bürgers Ständchen. In: Pfalzbaierisches Museum. Dritter Band. Mannheim. Digitalisiert von Google

“[S. 314] Holla, thu auf dein Fensterlein,
     Ich bin es, liebe Traute!
     Dicht an der Lind im Lampenschein,
     Ich mit der lieben Laute.
     Die Saiten, horch! durchseufzt gelind,
    Vom Felde her ein Abendwind.

    Spät komm´ ich her, früh brach ich auf
    schon mit dem Abendsterne;
    schnell gieng durch dick und dünn mein Lauf
    beim Schein der Mondlaterne.

    Denn träumend bei dem Hirsche liegt
    das Reh auf Moos am Hügel;
    beim Weiblein hockt der Fink vergnügt,
    das Köpfchen unterm Flügel.

    Allein, kaum daß der Himmel glüht
    von Phöbens Morgenscheine,
    flieht Thier, und Fink und Taube flieht
    vom Mann in Feld und Haine.
    Das Weiberherz ist einerley,
    o Mädchen, bleibst du mir auch treu?

     Schleuß wieder zu dein Fensterlein,
     hier schweigen ich und Laute.
     Heim kehr ich nun im Mondenschein.
     Adje, schlaf wohl, du Traute!
     Schleuß zu, kalt saußt, nicht mehr gelind,
    durch Laub und Haar der Abendwind. “

 

1787

Anonym. Rez. erste Münchhausen-Ausgabe von 1686. In: Allgemeine Deutsche Bibliothek 75. Band 1787

“[S. 142] Eine Sammlung von Lügen, die von dem Baron M. lange erzählt sind; zum Theil aber von dem ungenannten Verf. dieser elenden Schrift wohl selbst erfunden seyn mögen.Sein Windhund läuft die Beine so weit ab, bis ein Taxhund aus ihm wird. Ein Kutscher läßt in seinem Bart das englische Wappen graviren. Aus dem Himmel kömmt eine Stimme: hol´ mich der Teufel Münchhausen, die gute Handlung soll dir vergolten werden. Sein Ueberrock wird von einem tollen Hunde gebissen, und wird wüthend, u. dgl. m. Die Uebersetzung ist überaus schlecht, und die ganze Schrift unausstehlich gedehnt.Wer nichts, wie den Eulenspiegel gelesen hat, mag vielleicht Unterhaltung darinn finden, und wenn dieß ist, werden neue Auflagen und Nachdrucke davon erscheinen. “

 

1787

Meyer, Friedrich Ludwig Wilhelm. Rezension Ueber Anweisung [...]. In Göttingische Anzeigen von gelehrten Sachen. 206. Stück. 1787.  Digitalisiert von Google.

“[S. 2057] Unser Hr. Magister Bürger hat als Einladungsblatt zu seinen Vorlesungen: über Anweisung zur deutschen Sprache und
Schreibart auf Universitäten, 48 Seiten in Octav drucken lassen. Seinen Zweck bestimmt er bescheiden, als Wiederholung nützlicher, zwar bekannter aber verkannter Wahrheiten, ohne auf Neuheit oder Tiefsinn Anspruch zu machen. Leichtlich aber gelingt es dem, der seines Gegenstandes voll und demselben gewachsen ist, auch die Aufmerksamkeit des Lesers zu erhalten, dessen Ueberzeugung er nicht erst auf seine Seite zu lenken hat.”

 

1787

Lenz, C.G. Brief an Schlichtegroll 1787. In: Kluckhohn, August. Archiv für Litteraturgeschichte. 1884. S.83.

„Bürger hat ein einladungsprogramm zu seinen vorlesungen geschrieben, worin er vom deutschen stil handelt. Es ist noch nicht zu haben, sonst hätt ich dirs gleich überschickt; denn es lohnt sich der Mühe, es zu lesen. Mit männlicher beredsamkeit und beißender satire rügt er die unverzeihliche nachlässigkeit der deutschen schriftsteller im stil, verbreitet sich besonders über den zustand des kanzleystils und pholosophirt überhaupt über den einfluß der sprache auf kultur. Tausend interessante bemerkungen trifft man darin an über schönen stil, über eintheilung der wissenschaften und künste, in höhere und schöne, über den begriff eines schönen geistes etc. Kant wird der erste philosoph auf erde genannt“.

 

1787

Anonym. Wien, vom 30. August. In: Bayreuther Zeitungen, 6. Sept. Bayreuth. Digitalisiert von Google

“Ein gewisser Herr Geiger aus Bayern, kündigte mit Spanischer Grandezze in dem kleinen Saal des Augartens ein Leseconcert an, das er für Geld und gute Worte zu geben gedenkt, um unsere arme Wiener empfinden zu lehren. Der Tag erschien, und er las so hinreißend schön, daß kein Mensch vier zusammenhängende Worte verstehen konnte. Darauf entschuldigte er sich mit dem Gebot des Doctors nicht zu lange zu lesen, strich sein Geld ein, und invitirte die Zuhörer auf ein andermal, wo er Bürgers Leonore fühlbar zu machen versprach, wobey Gott unsern Ohren gnädig seyn wolle.“

 

1787

Haschka, Lorenz Leopold. Zuruf an Deutschlands Dichter. In: Neue Litteratur und Völkerkunde. Erster Band. Dessau und Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 81] O zersprengt, ihr Barden! zersprengt das Silber,
   welches das Lob eurer Fürstcn getönt!
    und schmettert in Trümmer den Buchas,
     dessen Wölbung mit erschollen!

   Denn die Thronen Deutschlands verschmähn Gesänge.
    Pfeifengequick, Paucken-Trommelgeroll,
     der Ketten, der Peitschen Getös,
       und das Brüllen der Gepeitschten

   ist den Landesvätern allein Music. Zwar
     neigen sie auch, Glücklichmachens nun müd,
      ihr hohes Paar Ohren herab,
       zu den Trillern der Entmannten,

   zu der fingerhabenden Stimme fremder
      Dirnen, geschickt in der Zunge des Pabstes,
        neunfältigen Unsinn mit Art
          herzugurgeln, herzugaukeln!

   Viel zu dumpf, ein ewiges Lied zu schätzen,
      regnen sie Gunst, Gold und Ehr´ auf das schnell ver-
        hallende Künstchen, die Luft
          mit der Kehle zu erschüttern!

   Muß nicht Ramlers, Bürgers Talent schulmeistern,
      nur daß es eß? Ach, der Karschin! sie darbt!
        und Klopstock, daß der nicht auch darbt,
           hat der Däne groß gesorget!

    Doch der Deutscht größer: denn ein Herzogthum
       hat sich erkauft Kasparelle; gebaut
         Quadagni sich einen Pallast.
           Jabrieli und die Mara

    in Juwelen ein sich genäht! Und solche
       preißt ihr denn doch, Barden! solche denn doch?
         und spannet die Segel des Liedes
            an den Wimpel bis empor auf ?

    Weder Maro strich, noch Horaz des Schmeichels
       Saiten so grob: ob August und Mäcen
         die Dichter gleich anders geehrt,
           als ein heutger Cancelist euch!

    O so fühlet, fühlet doch die Schmach als Männer,
       hat gleich die Noth euch den Künstler gestümpft! 
         Schreibt Noten, schreibt Noten! nur, o!
           Midas Enkel nicht mehr singen!  “

 

1788

Anonym. Rezension Ueber Anweisung zur deutschen Sprache [...]. In: Allgemeine Literaturzeitung Julius 1788. 

“[S. 175] Die vornehmsten Gedanken, welche hier ausgeführt werden, sind: 1) dass vorzüglich in Deutschland die Vollkommenheit in Sprache und Stil vernachlässiget wird, [...]. 2) Der Grund davon liegt darin, dass die Sprache, als jedem von Kindheit auf bekannt vorausgesetzet [...], daher 3) der Jüngling meistens nur nebenzu nach seiner Bestimmung das nöthige davon bey Theologen oder Juristen mit lernen will. [...] 4) Es sollten also vielmehr jene Kenntnisse auch auf hohen Schulen mit Eifer und unter
Anführung eigner rechter Meister darin getrieben werden, [...]. Diese richtigen und leider nur zu oft verkannten Grundsätze nun trägt Hr. B. mit der ihm eigenen Kraft deutlich, bestimmt, lebhaft und angenehm vor, und seine Bemühungen im Unterricht zu Göttingen, "wenn er da bleiben und leben kann" (so sagt er selbst, es wäre aber ungerecht, daran zu zweifeln) werden gewiss viel beytragen, eine heilsame Besserung zu bewirken. Insonderheit aber ist von ihm das beste für die Reinigkeit, Kürze und Rundung des Geschäftsstils zu hoffen. Denn davon hat das Publicum bey Gelegenheit der Niederlegung seines Amts in öffentlichen Blättern schon rühmliche Proben gesehen, die ihn fast mehr empfehlen, als diese Einladungsschrift selbst. Denn in Absicht des Ausdrucks möchte ein strenger Richter hier doch manches zu tadeln finden. Nicht selten zeigt sich nemlich wie in der ersten Periode bey aller unvergleichlichen nur einem solchen Kopf erreichbaren Schönheit eine gewisse Uebertreibung des Schwunges, Haschen nach zu viel Blumen, Schmuck und Inversionen, und zwischen durch doch auch wieder die sonderbar gegen jene abstechende Weitschweifigkeit des Geschäftsmannes in leeren Beywörtern, Zusätzen und Verbindungen, und die fast zu sehr ans niedrige gränzende Derbheit des Volksdichters.”

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1788

B. Rezension Göttingischer Musenalmanach auf das Jahr 1788. In: Kritische Uebersicht der neusten schönen Litteratur der Deutschen. Ersten Bandes zweites Stück. Digitalisiert von Google.

“[S. 113] Indeß, da die Sammler solcher Almanache insgemein keinen Mangel an eingesendeten Gedichten leiden; so versteht sich von selbst, daß sie nur die bessern darin aufnehmen werden; und soll nun ja eins und das andere mittelmäßige oder schlechte mit unter laufen, so muß es doch so beschaffen seyn, daß selbst aus dem Schlechten eine Dichterfähigkeit hervorschimmert, die wahrscheinlicher Weise in Zukunft etwas Besseres erwarten läßt. Ein einsichtsvoller Redacteur muß dieses allerdings zu beurtheilen wissen, und einen solchen finden wir am Herrn Bürger. Wir haben schon vor einem Jahre die Göttingische Sammlung mit Vergnügen gelesen, und es war heuer nicht geringer. Einige der darin befindlichen Gedichte sind meisterhaft, vortrefflich. Dahin gehören: der Gesang am heiligen Vorabend des funfzijährigen Jubelfestes der Georgia Augusta, (S.168) und die darauf folgende Ode bey der Jubelfeyer (S.177) beide vom Herrn Bürger. So schön diese beiden in Ansehung des Erhabenen sind; eben so schön ist (S. 149) Molly's Abschied in Ansehung des Zärtlichen, auch vom Herrn Bürger. S. 83. An Amalien auf ein Stammbuchsblatt von eben demselben ist Molly's Abschied in Ansehung des Tons ziemlich ähnlich, der Güte nach aber etwas geringer. In der zweiten Strophe hat uns ein Gedanke nicht gefallen. Wir wollen die zwey ersten Strophen, des Zusammenhang wegen, hersetzen.
 Schön wie du, o Huldin, blüht der Garten,
 Den des Dichters Phantasie dir schafft;
 Sein als Gärtner treu und hold zu warten,
 Sehnet sich des Herzens ganze Kraft.

 Hundert Wünsche, ächte Leibessprossen
Dieses Gärtners, schwärmen froh hinaus,
 Und durchziehn die Beete unverdrossen,
 Blumen anszuspähn, zum Busenstraus.

 In wie fern Wünsche, ächte Leibessprossen des Gärtners, oder vielmehr Geisteskinder des Dichters, von welchem hier die Rede ist, können genannt werden, begreifen wir nicht ganz. Denn es giebt ja wohl noch mehr ächte Geisteskinder des Dichters, als bloße Wünsche! Bey einem Gelegenheitspoeten mögen sie wohl unrer die ächten Kinder seiner Muse gehören, aber nicht bey Herrn Bürger ! Die meisten übrigen in dieser Sammlung befindlichen Gedichte sind ebenfalls wohl gerathen.”

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1788

Anonym. Belohnung. In: Allgemeine Literatur-Zeitung, Jena. 8. Februar. Digitalisiert von Google

“[Sp. 367] Der König von Preussen hat dem Kapellmeister Reichardt zum Zeichen seiner Zufriedenheit mit der Composition der Oper, Andromeda,
eine jährlichc Gehaltszulage von 800 Rthlr. ertheilt.— Vor kurzem ward auch auf dem National - Theater Macbeth nach Bürger´s Uebersetzung, aufgeführt, wozu Hr. Reichardt die Hexenchöre componirt hat. Dies Trauerspiel kann wohl schwerlich auf irgend einem Deutschen Theater so gut und mit dem Pomp als hier noch gegebeu worden seyn. A. B. d. d. Berlin d. 21 Jan. 1788. “

 

1788

Güntherode, Karl "von". Korrespondenz der Heiligen aus dem Mittelalter; und Briefe der Narren aus den neueren Zeiten. Drittes Paket.  Digitalisiert von Google.

“[S. 3] Es ward daher gar löblich und weise veranstaltet worden, den auf dem Hochaltare stehenden Georgen-Hengst zu kastriren, um dadurch den jungfräulichen Augen das Objekt des Skandals und der Obscönität aus den Augen zu räumen. Da nun hierdurch dem Uebel dennoch nicht gänzlich geholfen zu seyn scheinet, und sich hie und da unerwartete Jungferschafts-Fälle ereignen, so muß es vermuthlich noch andere Hengste geben, welche leicht zu errathen wären, wenn man den Worten des Dichters Bürger glaubet, da er bey Gelegenheit der Prinzessin Europa behauptet, daß es dem gesammten Europa nicht an getauften Stieren oder Hengsten mangelt.”

 

1788

Schubart, Christian Friedrich Daniel. Notizen vom Parnassus. Aus dem 44. Stück, 30. Mai der Vaterlandschronik von 1788. In: Schubarts Werke in einem Band. Volksverlag Weimar 1962.

“Bürgers Einladungsblatt über deutschen Stil und Sprache ist gar köstlich. Er tritt hier selbst als Muster in der Sache auf, die er behandelt. Sein Vortrag strotzt, wie ein gesunder Körper, von Kraft und Sehnenschwung, und der Stil ist lauter wie Ätherluft. Mit Recht jammert der Edle über die unter uns noch immer fortdaurende und gegen andre große Völker so sehr abstechende Vernachlässigung unserer Heldensprache, er zeigt die Notwendigkeit und den allumfassenden Nutzen dieses Studiums, geußt dann den Schwefelregen seiner Laun und seines Witzes auf die Verächter der Musen und der schönen Wissenschaften herab. Er wird mehrere solche Blätter zum Behuf seiner Vorlesungen herausgeben. - Über dies Thema sowohl als über die Kantische Philosophie, die er mit Herakles' Kraft an die Brust gedrückt hat, liest er jetzt in Göttingen mit dem zugedrängtesten Beifall.”

 

1788

C. Rezension Ueber Anweisung der deutschen Sprache [...] Göttingen 1787. In: Kritische Uebersicht der neuesten schönen Litteratur der Deutschen. Zweiten Bandes erstes Stück. 1788. Digitalisiert von Google.

“[S. 13] Man erwarte in diesen Blättern, welche nur ein Programm zu Herrn Bürgers Vorlesungen über den deutschen Styl ausmachen, nicht neues; denn der Leser, dem man schreibt, heist selbst das vorgesetzte Motto, bestimmt des Autors Pflicht; aber die Nothwendigkeit, mehr als bisher gewöhnlich war, die Muttersprache zu erlernen, ist den jungen Studirenden mit so viel Wahrheitsgefühl, mit so viel Wärme und Nachdruck ans Herz gelegt, daß wir recht sehr wünschen, diese kleine Schrift möge allgemein gelesen, und was noch mehr ist, eben so allgemein beherziget werden. [...] Er drückt sich hin und wieder etwas stark darüber aus, und das mit allem Vorbedachte, denn "wenn Umstände sagt er (S. 7.) und Verhältnisse erfordern, daß die Geissel der Kritik rasch und derb auf fühllose Rücken falle, so muß der Pedant nicht die sanfte wellenförmige Schwungbewegung der Grazien verlangen, "der Leser dem man schreibt, bestimmt des Autors Pflicht." Er hat Recht; denn es wird auf allen Universitäten Deutschland's noch lange dauern, ehe die studirende Jugend die Erlernung ihrer Muttersprache, für etwas mehr ansieht, als für eine Art von Galanterie, mit welcher es jeder halten könne, wie er wolle.

[S. 19] Die andere Ursache, warum die Muttersprache noch so vernachlässiget wird, giebt Herr Bürger kurz, aber treffend genug an, und unter diesen ist, die Verachtung der Muttersprache bey den Facultätsgelehrten - die Philosophen ausgenommen - gewiß nicht die Kleinste. Besonders verfährt hier Herr Bürger mit der hochlöblichen Juristenfacultät, wie sie's verdient; denn in den dahin einschlagenden Werken oder schriftlichen Ausarbeitungen herrscht bekanntermaßen noch alle die Barbarey des Vortrags, die nur ein menschlicher Kopf auszudenken vermag.

[S. 22] Was übrigens Herr Bürger in dieser Schrift weiter ausführt, wie er z.B. die gelehrten Pedanten geiselt, welche einen Gelehrten, dessen Schreibart korrekt, zierlich, lebhaft u.s. ist, mit dem Ehrennamen des schönen Geistes belegen, wie er ferner die Nothwendigkeit seine Muttersprache gut zu studiren einleichtend macht, ist alles sehr gut und für nicht wenige Individuen empfelenswerth, wenn anders zu hoffen ist, daß sie nicht unheilbar sind. Wir schließen diese Anzeige mit dem Wunsche, daß die Vorlesungen des Herrn Verfassers über die deutsche Schreibart, die er ohne Zweifel auch künftig halten wird, fleissiger mögen besucht werden, als es insgemein von der studirenden Jugend auf Akademien zu geschehen pflegt. Nicht bloß die Juristen, sondern auch die Herrn Theologen mögen sich solche bestens empfolen seyn lassen; denn es zeigt doch von einer auffallenden Unverschämtheit, alle acht Tage und noch öfter in öffentlicher Versammlung zu reden, und seine Muttersprache nicht gelernt zu haben.”

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1789

Qw. Rezension zweite Münchhausen-Ausgabe von 1788. In: Allgemeine deutsche Bibliothek. 89.Bd 

“[S. 598] Wunderbare Reisen zu Wasser und zu Lande, Feldzüge und lustige Abentheuer des Freyherrn von Münchhausen, wie er dieselben bey der Flasche im Zirkel seiner Freunde selbst zu erzählen pflegt. Aus dem Englischen nach der neuesten Ausgabe übersetzt, hier und da erweitert, und mit noch mehr Kupfern geziert. Zweyte vermehrte Ausgabe. London, 1788. 11 Bogen, 8.

“In der That, sagt der deutsche Uebersetzer, ist es eine etwas sonderbare Erscheinung, die folgenden Erzählungen, die aus deutschem Grund und Boden erzeugt sind, und in mannichfaltiger Gestalt und Tracht ihr Vaterland durchwandert haben, endlich im Auslande gesammelt, und durch den Druck bekannt gemacht zu sehen." So sonderbar eben nicht. Denn so sehr auch der Troß unserer Skribenten auf alles Jagd macht, was ihm gangbare Waare zu seyn dünkt, so war es doch begreiflich, daß sie mit einer Sammlung von Schwänken kein Glück zu machen hoffen durften, die fast allgemein bekannt, in allen öffentlichen Häusern erzählt und wiedererzählt, ja sogar bis zum untersten Pöbel herabgekommen waren. Ehe sie mit Anstand in die Lesewelt eingeführt werden, und da sich eine günstige Aufnahme versprechen konnten, mußten sie vorher von einem englischen litterarischen Freybeuter aufgestöbert, übersetzt und von dem Londner Publikum, das freylich auch nicht aus lauter Leuten von Geschmack besteht, so begierig gelesen werden, daß in kurzer Zeit fünf Auflagen vergriffen wurden. Nunmehr fanden sie mit dieser Empfehlung auch in Deutschland Eingang, so daß hier bereits die zweyte Auflage erscheint; ehe wir noch Zeit hatten, die erste anzuzeigen. Der englische Uebersetzer meint, die Absicht des Herrn von Münchhausen sey gewesen, durch seine zügellosen Einfälle und ungeheuern Uebertreibungen, Lügner von Profession zu beschämen, und zum Schweigen zu bringen, und räth ein ähnliches Verfahren auch seinen Lesern als probat an. Wir zweifeln aber, daß viel gesetzte und verständige Leute von diesem Mittel Gebrauch zu machen Lust haben möchten.“

 

1789

Heyne, Christian Gottlob. Rezension Bürgers Gedichte 1789. In: Göttingische Anzeigen von gelehrten Sachen. 109. Stück.

“[S. 1090] In den alten Stücken findet man Veränderungen; sie betreffen aber selten das Wesentliche, sind fast nie Umschmelzungen des Gedankens, sondern zeugen nur von dem unermüdeten Streben des Dichters nach Correctheit, und von seiner tiefen Kenntniß der Sprache. [...] Indessen scheint der Dichter zuweilen zu vergessen, daß er den aus der lebendigsten Mundsprache aufgegriffenen Ausdruck selbst für den besten hält, indem er größere Energie einer vielleicht nur im Kopfe manches Sprachforschers existirenden Regel aufopfert. Eine merkwürdige Erscheinung in dieser Sammlung ist eine Anzahl Sonnetten, unter denen ein Paar eine Idee des Petrarca zum Grunde haben, die meisten aber dem Dichter ganz gehören. Wir können sie nicht kürzer und nachdrücklicher würdigen, als wenn wir sagen, daß die Forderungen, der der Dichter an ein vollkommnes Sonnet macht, und die selbst in den meisten Sonnetten des Petrarca nicht erfüllt sind, darin fast immer in dem Grade erreicht sind, wie es in unserer Sprache möglich ist.

[S. 1091] Aber allen Zauber der Kunst, Pracht von Bildern und Symbolen, Schätze der Sprache, Musik des Versbaues und was mehr ist, die ganze Fülle und Tiefe seiner Empfindungen hat der Dichter in dem hohen Liede von der Einzigen aufgeboten. Es ist, nach des Rec. Gefühl, das erhabenste und vollendetste in der lyrischen Poesie, was unsere Sprache aufzuweisen hat.

[S. 1092] Unter den Balladen sind die trefflichsten Stücke beynahe die, welche in der ersten Ausgabe noch nicht erschienen sind, und doch haben sie lange nicht so viele Sensation gemacht, als die älteren. So lassen z.B. der wilde Jäger und des Pfarrers Tochter zu Taubenhayn, die in eben dem Geiste geschrieben sind, als die berühmte Lenore, diese gewiß an Kunst und Stärke der Darstellung weit hinter sich. So ist Untreue über alles sehr wenig bekannt, ob es gleich in seiner kindlichen Einfalt einem unverdorbenen Herzen wunderbar schmeichelt.”

Die vollständige Rezension in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1789

Anonym. Ankündigung. Allgemeine deutsche Bibliothek. Des neunzigsten Bandes erstes Stück. 1789. Digitalisiert von Google.

“[S. 303] Herr Bürger kündigt eine Ausgabe seiner Gedichte an, in zwey Bänden Medianoktav, auf schönem geglättetem Schweizerpapier mit schöner lateinischer Didotischer Schrift, und mit Kupferverzierungen, wofern sich bis zu Ende dieses Jahres eine hinlängliche Anzahl Subscribenten finden, die auf jedes Exemplar einen Louisdo´rr subscribiren. Er wird die Namen der Beförderer dieser Ausgabe vordrucken lassen: >>Zur Ehrenrettung eine Zeitalters, in welchem von höchsten allgemeinen deutschen Regiments wegen, der vaterländische Schriftsteller nicht einmal durch gerechte Vertilgung, des von allen Weisen und Edlen tief verworfenen Nachdruckerhandwerk geehrt und belohnt wird.>> ”

 

1789

Schiller, Friedrich. Brief vom 30. April 1789. In: Schillers Leben, verfaßt aus Erinnerungen der Familie, seinen eignen Briefen und den Nachrichten seines Freundes Körner. Erster Theil. (Hg. Caroline von Wolzogen) 1830. Digitalisiert von Google.

“[S. 399] Sie erwarten Göckingk; unterdessen habe ich Bürger kennen lernen. Bürger war vor einigen Tagen hier, und ich habe die wenige Zeit, die er da war, in seiner Gesellschaft zugebracht. Er hat gar nichts Auszeichnendes in seinem Aeußern und in seinem Umgang - aber ein gerader, guter Mensch scheint er zu seyn. Der Charakter von Popularität, der in seinen Gedichten herrscht, verläugnet sich auch nicht in seinem persönlichen Umgang, und hier, wie dort, verliert er sich zuweilen in das Platte. Das Feuer der Begeisterung scheint in ihm zu einer ruhigen Arbeitslampe herabgekommen zu seyn. Der Frühling seines Geistes ist vorüber, und es ist leider bekannt genug, daß Dichter am frühesten verblühen. Wir haben uns vorgenommen, einen kleinen Wettkampf, der Kunst zu Gefallen, mit einander einzugehen. Er soll darin bestehen, das wir beide das nämliche Stück aus Virgils Aeneide, jeder in einer andern Versart übersetzen. Ich habe mir Stanzen gewählt.
       Bürger sagt mir, daß er noch mehr Aufsätze in Manuscript gelesen habe, die für die Götter Griechenlands gegen Stolberg Partei nehmen und noch gedruckt werden würden. Er macht sich herzlich über Stolbergs Schwachsinnigkeit lustig, und kämpft für sein gutes Herz, das Einzige, was sich allenfalls noch retten läßt.”

 

1789

Hottinger, Johann Jakob. Versuch einer Vergleichung der deutschen Dichter mit den Griechen und Römern. 1789.

“[S. 227] Die Rückseite von Götz ist Bürger. So wie jener ein Dichter für die feine Welt, so ist dieser Dichter für das Volk. So wie er, hat noch kaum Einer seine Leyer herabgestimmt, ohne sie ganz zu verstimmen. Für alle Klassen von Lesern ist er geniesbar. Alle werden ihn verstehen, und fühlen: aber auch beinahe ein jeder wird wähnen, ihn mehr als alle zu verstehen, und zu fühlen. Empfindung für Empfindung, Gedanke für Gedanke wird jeder glauben, das Seinige zurückzuempfangen, und auf jedem kleinen Zuge seinen Stempel zu erkennen. Es wird uns wol thun, einen Mann gefunden zu haben, der unsere Gefühle so trefflich zu sagen weiß, und wir werden uns geschmeichelt finden, einen Schaz von Empfindung, Geist, und Laune in uns selbst zu entdecken, der uns bis dahin verborgen geblieben war.

[S.228] Bürgers Lied scheint von der Hand weg zu entstehen, und zwar aus unserer Seele, wie von einem Knaul sich loszuwinden. Keine Lücken und Sprünge verrathen uns die Mühe des Dichters. Die Reihe der Gedanken und Empfindungen fügt sich so natürlich, daß man jede derselben, noch ehe sie gesagt war, dunkel empfunden zu haben glaubt. Alles ist mit dem sichersten Griffe aus dem Mittelpunkte gehoben: alles, nicht gut, sondern einzig gedacht, empfunden, und gesagt. Der Ausdruck scheint dem Gedanken, nicht angepaßt, sondern angeschaffen. Was in dem ersten Augenblicke uns als Eigensinn, oder als Nothbehelf vorkömmt, das wird der zweite und dritte uns als die glückliche Kühnheit eines Mannes empfehlen, der mit seiner Sprache zu wuchern versteht.

[S. 229] Fast durchgehend ist sein Gesang nichts, als ein loses, muthwilliges Spiel. Er scheint beinahe immer nur zu präludiren, bald, um uns fühlen zu lassen, was er könnte, und bald, um des fruchtlosen Schweisses mancher seiner Konsorten zu spotten. Diese Empfindung drängt sich mir allemal auf, so oft ich sein meisterhaftes Lied an den lieben Mond lese. Sollte man nicht glauben, daß der Dichter die Dichterlinge herausfodere? Mir wenigstens deucht, daß ich eine wahre Satire auf die abgeschmackten Liebeleien lese, welche unsere poetischen Kinder mit dem lieben Monde so oft getrieben haben. Er hält darin durchaus, wenn ich so reden darf, den Schritt des Fußgängers: und doch ist darin so viel Poesie, so viel wahre, ungekünstelte Empfindung, mit so viel drolliger Laune vermischt, daß man nicht weiß, von welcher Seite man den Dichter am meisten bewundern soll.
     Alle die Züge, welche sonst in einzelnen Liedern zerstreut vorkommen, findet man in diesem, und in verschiedenen andern beisammen. Diese Vermischung des Gefühlvollen und Zärtlichen mit loser Schalkheit, und Muthwillen, und Schnurrigkeit, kleidet Bürgern, unter allen deutschen Dichtern allein, und kleidet ihn gut: denn sie trägt das ächte, unverfälschte Gepräg seines Geistes. Solche Charaktere finden sich äusserst selten, aber doch finden sie sich.
     Was Shakspear dem Drama, ebendasselbe ist in dieser Rücksicht Bürger dem Liede.

[S.231] Etwas anders ist ein Dichter für das Volk; etwas anders ein Dichter für den Pöbel. Viele haben den Volkston von Bürger anzustimmen versucht, und sind unausstehlich geworden. Um dem Volke verständlich und geniesbar zu werden, haben sie die niedrige Denkungsart des Pöbels, seine abgeschmackten Irrthümer und Vorurtheile angenommen, und eine Sprache geredet, welche man sonst nur von Trödelweibern und Handwerksgesellen zu hören gewohnt war. Sie haben recht einfältig gethan, um desto feiner zu scheinen, und haben nicht gewußt, daß diese Larve nur demjenigen gut steht, der in der That nichts weniger als einfältig ist, und daß ein Narr eckelhaft wird, wenn er uns das für eine Larve geben will, was sein Gesicht ist. Bürger hat in seinem Minnesinger, einem der vortrefflichsten Lieder, und in verschiedenen andern, die auffallendsten Beweise gegeben, daß der wahre Volkston mit Delikatesse der Empfindung und des Ausdruckes sich sehr wol verträgt.
 

[S.232] So sehr ich zum Beispiel, seine Lenore als ein Meisterstück von Poesie schätze, so sehr ich die Zaubermacht seines Genius, und die Kraft der lebendigen Darstellung bewundere, welche die Seele mit Schauer erfüllen, und vor unserm Blicke Himmel und Erde schwindelnd herumdrehen, so sicher wird meinem Verstande allemal, und ich hoffe nicht dem meinigen allein, dieses ganze Stück als ein abgeschmacktes Ding erscheinen. Von einem so vortrefflichen Kopfe erwarte ich übrigens in der neuen, angekündigten Ausgabe Veränderungen, welche von reifem Geschmack und Urtheile zeugen, und auch eine Vorrede, welche weniger jugendlich klingt.”

Hottingers Vergleichung in der ONLINE-Bibliothek.

 

1789

Baggesen, Jens. Die Postverzweiflung, Göttingen, den 13.Juli 1789 in: Das Labyrinth oder Reise durch Deutschland in die Schweiz 1789.

“[S212] Bürger ist ein Mann von etwa vierzig Jahren, mit einem einfachen Äußeren, das jedoch mit der Zeit gewinnt, er ist weder groß noch klein, ziemlich untersetzt, mit eher schmelzendem als feurigem Blick und von einem leichten, natürlichen, ich möchte sagen - gemächlichen Wesen. In seinem ganzen Betragen, Aussehen, Verhalten war nicht das geringste, was mir den Dichter verriet, wohl aber den Freund der Dichter. Er schien die Musen mehr zu lieben, als mit ihnen umzugehen. Insgesamt hatte seine Person denselben Ton wie seine Arbeiten. Ich erzählte ihm, daß ich seine Ballade “Lenardo und Blandine” übersetzt hätte, was ihn sehr zu vergnügen schien [...]
Lieder, Romanzen und vornehmlich Balladen sind seine Lieblingsdichtungen; von dieser, wie er sie nannte, eigentlichen Poesie, seiner Lieblingssache, sprach er mit besonderer Wärme [...]
Wir sprachen [...] über Göttingen, wo er so gut wie unbekannt im Hintergrund lebte, wie er sagte -, über jene Barbarei, die in den schönen Wissenschaften hier im Schwange ist, weil Politik und Jurisprudenz alles verschlingen, was da sprechen und hören, schreiben und lesen kann [...]

Baggesens Postverzweiflung in der ONLINE-Bibliothek.

 

1789

Novalis. Band I Das dichterische Werk,Tagebücher und Briefe,WBG Darmstadt 1999.

[S.43] An Bürgern den Sänger der Deutschen [1789]    

Trotz der Jugend, die um meine Wangen
Kaum noch erst den Pflaum des Jünglings schlang,
Fühlt ich doch oft der Empfindung Drang
Und der Ehrfurcht schimmerndes Verlangen
Meinen Busen hehr und hold umfangen,
Hörte früher Wollust Zaubersang;
Doch der Musen süßer Lautenklang
Ließ die Pfeile nicht zu mir gelangen,
Die Verführung auf mich abgeschnellt;
Und darum will ich auch nimmer fliehen,
Will mich süße Musenlust entglühen,
Wenn Apollo meinen Busen schwellt,
Will den Berg mich zu erklimmen mühen,
Den herunter Bürgers Quelle fällt.


[S. 497]Novalis an Gottfried August Bürger in Langendorf (Entwurf)
                        [Weißenfels,c.10.Mai 1789]
Verehrungswürdigster Herr Amtmann,
Mit Recht werden Sie sich wundern, daß sich ein ihnen völlig Unbekannter und dazu noch ein unbärtiger Jüng

ling die Freyheit nimmt Ihnen zu schreiben. Doch Sie wissen gewiß, daß eine ganze Menge deutsche Jünglinge die nur etwas warmes Gefühl haben, Ihre unbekannten Freunde sind und Sie durch Ihre Schriftlein so innig verehren und lieben, als ob sie jahrelang Sie gesehen hätten und unter Ihrer Anzahl bin ich. Wenn Sie mir meine Bitte gewähren, daß ich Sie in dieser Woche zu Langendorf besuchen darf, so werde ich Gelegenheit haben, Ihnen meine Hochachtung deutlicher zu erkennen zu geben. Ich verharre mit der größten Hochachtung
Dero gehorsamster Diener
Fridrich von Hardenberg.

Novalis an Friedrich Schiller in Jena
                 Weißenfels: am 7ten Oktober. 1791. [Freitag]
[S.517] Bey Gelegenheit der Lektüre des Don Karlos habe ich noch einmal die Rezension von Bürgers Gedichten gelesen und sie ist mir beynah in der Stimmung, worein Sie mich versetzt hatten, noch zu gelind vorgekommen.

 

1789

Anonym. Gedichte von G.A. Bürger. 1. Teil der Rezension in: Neue Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste.  Digitalisiert von Google.

“[S. 181] So viel also vermögen Jahre, Liebe zur göttlichsten aller Künste, und ein Geist, der, unbekümmert um der Kurzsichtigen Lob und Tadel, das Ziel der Vollkommenheit zwar als erreichbar, aber nicht als leicht zu erreichen denket. Man verzeihe uns diesen etwas ungewöhnlichen Anfang. Es ist die Aeußerung eines Gefühls, das sich uns so natürlich bey der Erinnerung an alles, was Hr. Bürger vor nun zehn Jahren von seiner Dichtungsart rühmte, in Vergleichung mit seinem itzigen Geständnisse aufdrängt, es ist ein Ausruf, den uns die Freude, ein Menge schiefer Urtheile über den Werth und die Vorzüge seiner Manier durch ihn selber berichtigt, ein Heer blinder Nachahmer durch seinen eignen Ausspruch beschämt, und über die Eigenschaften wahrer Volkspoesie belehrt zu sehn, auspreßt. So wenig es in der Natur ist, den Genuß einer einladenden Frucht über der Geschichte ihrer Erziehung und Pflege zu vergessen, so wenig, fürchten wir, wird man es uns verübeln, wenn wir dießmal, der gewöhnlichen Sitte entgegen, bey einer Vorrede verweilen, die so viel Wahres und Gedachtes, so viele für den Kritiker merkwürdige Winke und Erläuterungen enthält.

[S. 185] Räumt er dem erstern den Vorrang vor dem letztern ein, in so fern es jenem wegen seiner allgemeinern Faßlichkeit möglich ist, auf einen größern Zirkel zu wirken, Mehrern zu gefallen, so treten wir ganz auf seine Seite. Hält er aber diesen Grund für hinreichend, um jede nicht volksmäßige Poesie, z. B. die Meisterstücke eines Ramlers und seiner wenigen glücklichen Nachahmer, als unächte Ware zu verwerfen, so irrt er in doppelter Rücksicht. Einmal, worauf gründet sich denn der Canon, daß ein Dichter Allen Alles seyn müsse? Wie? wenn es ihm nun um kein zahlreiches, aber um ein desto gewählteres Auditorium zu tun wäre? Wie? wenn er nun auf keinen andern, als auf den Beyfall der höhern und gebildetern Volksklasse rechnete? Sollen wir ihm, weil er bloß für wenige und Eingeweihte schreibt, des Dichterkranzes unwürdig halten? Welche Behauptung! Das wäre gerade so viel, als wenn man den beschreibenden, oder den didaktischen Dichter vom Zutritt auf den Parnaß ausschließen wollte, weil er weniger Dichter ist und es der Natur der Sache nach weniger seyn kann, als der lyrische und pragmatische.

[S. 186] Selbst die allgemeine Sensation, die Hrn. B. Gedichten gefolgt ist, und vorzüglich die Stimme, die ihm Männer von Talent und Einsicht schenken, die nicht bloß von verworrenen, unsichern Empfindungen abhängt, gehört, wie er gewiß ohne Neid bekennen wird, nicht allein und ausschließend ihm und seiner Manier, sondern zum Theil den Sängern, die vor ihm gespielt und Ohr und Herz für jeden Reiz der Musen empfänglich gemacht haben.

[S. 189] Wahr und artig gesagt, ausgenommen, daß uns der didaktische Stoff für das Sonnett, das Kind der Phantasie, selten, oder nie so gut, wie der lyrische Stoff, zu passen scheint. Aber möchte es doch Hrn. B. gefallen haben, zur Warnung für unerfahrne Dichter, hinzuzusetzen, daß man vielleicht nirgends mehr, als im Sonnette, Gefahr laufe, Wohlklang für Empfindung, und Reime für Ideen zu haschen, daß die Täuschung, eine alltägliche Wendung für eine neue, und schaale Tändeleyen für wahres Gefühl zu halten, nirgends öfter eintreten könne, als hier, daß es endlich überhaupt so leicht nicht sey, einen Gedanken, der sich in die Fesseln des Sonnetts schmiege, zu finden, einen Gedanken, der, weder zu reichhaltig, noch zu leer, sich bis zu einem festgesetzten Ziele fortführen läßt, mit dem Fortschreiten der Strophen steiget und, wo er endet, am stärksten leuchtet. [...] Wie weit glücklicher unser Dichter die sich selbst gegebnen Gesetze ausgeübt hat, hoffen wir unsern Lesern, die gewiß, des langen Commentars über die Vorrede müde, gern mit uns zu den Gedichten fortgehen werden, an mehr denn Einem Beispiele zu zeigen.

[S. 192] Auf mehr als Einem verweilt Geist und Herz mit Vergnügen, aber nirgends länger und wohlgefälliger, als auf dem der Einzigen geweihten Gesange.

[S. 197] Wir bemerken den Einklang der Reime, aber keinen Zusammenklang der Gedanken und Bilder, den Hr. B. gleichwohl für eine so nothwendige Eigenschaft wahrer Poesie anerkennt. Möchte es Ihm doch überhaupt gefallen, diesem an Schönheiten aller Art so vorzüglich reichen Gedichte, in Absicht auf die Bilder, mehr Beständigkeit und Einheit zu geben, die Uebergänge von einer Idee zur andern, die zuweilen so abgebrochen und rauh sind, geschmeidiger und sanfter zu machen, endlich dem Ganzen selbst mehr innern Zusammenhang zu erteilen. Wir sind überzeugt, daß schon das Wegschneiden einiger Strophen und das Zusammenziehn anderer ihm manche dieser Vollkommenheiten gewähren, und es noch außerdem von vielen üppigen Auswüchsen und Tautologien befreien würde; allein wir wissen gar wohl, daß die Nothwendigkeit einer so bittern Kur oft spät erst einleuchtet, und das Glück derselben nur zu sehr von Zeit und Umständen abhängt.

[S. 199] Zunächst an das Lied der Einzigen reicht, wenn wir auf die Dauer der Empfindung sehn, die Elegie, als Molly sich losreißen wollte aber wir möchten doch nicht sagen, daß dies Gedicht die Leiden der schmachtenden Liebe so treu und wahr singe, als jenes das Glück der belohnten lebhaft und feurig schildre. Was gefällt, ist mehr der überhaupt elegische Gang des Stückes, dieser Kampf zwischen Furcht und Hoffnung, Muth und Verzweiflung, Pflicht und Leidenschaft, als die Vollkommenheit der Details und der Darstellung. Ungeachtet der Charakter dieser Dichtungsart auch zuweilen eine höhere Diction verträgt, so empfiehlt sie sich doch hauptsächlich durch eine klare, natürliche und gemäßigte Sprache, so gefällt sie doch vorzüglich durch die Beobachtung jener glücklichen Mittelstraße, die sich gleich weit vom Erhabenen und Prosaischen entfernt, so ist doch gewiß hier besondre Aufmerksamkeit nöthig, um nicht den simpeln Ausdruck bald durch ein niedriges, bald durch ein zu starkes und pomphaftes Wort zu verfälschen, und uns dünkt, diese Klippen hat Hr. B. nicht immer vermieden.

[S. 203] Aber fast möchten wir wieder zurück nehmen, was wir oben von dem Liede der Einzigen rühmten, daß Geist und Herz nirgends mit so viel Wohlgefallen verweile, fast möchten wir es wieder zurücknehmen, indem der wir den Eindruck, den das Blümchen Wunderhold nach nochmaligem Lesen auf uns gemacht hat, mit jenem vergleichen. Welch eine treffliche, gedankenreiche Allegorie!

[S. 206] Molly´s Werth überrascht nicht durch hervorstechende Empfindungen, aber es gefällt durch liebliche Bilder und süße Versification. Sanfte Schwermuth athmet aus Volkers Schwanenlied und Mollys Abschied. Der glücklich getroffene Ton und das mit ihm so harmonische Sylbenmaaß helfen schon hie und da eine Kleinigkeit verdecken. Den niedlichsten Tändeleyen der Franzosen verdienen das Lied und die Warnung an die Bienen an die Seite gesetzt zu werden. Sollten sie, wie uns fast dünkt, dem Dichter nicht ganz als Eigenthum zugehören, so erhebt sie die Geschmeidigkeit der Nachbildung zu dem Werthe wirklicher Originale. Aber was soll man über die Menschengesichter und Fortunens Pranger sagen! Beide sind ein Beweis, daß der Gedanke eines Gedichts sehr wahr, und das Gedicht gleichwohl sehr mittelmäßig, und mehr als dieß, daß es niedrig und abgeschmackt seyn könne; kurz, daß Wahrheit so wenig die einzig poetische Tugend sey, als sie die einzige des guten Styls überhaupt ist.”

Der erste Teil der anonymen Rezension in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1789

P.L.L. Rezension Bürgers Gedichte von 1789. In: Oberdeutsche allgemeine Litteraturzeitung. (Sammlung Heinrich Tuitje)

“[S. 395] Die alte Vorrede, die sich hauptsächlich mit der Rechtschreibung beschäftigt, ist ganz weggelassen, da Hr. Bürger von jenen Sonderbarkeiten lange zurückgekehrt, sich nun fast durchgängig nach Adelungschen Grundsätzen richtet; [...]

[Sp. 396] Die Reimenfabrikanten, die durch ein hurre, hurre, hop, hop, hop! zweyte Bürgers zu seyn glauben, haben schon ihre Lection oft genug von ihren Recensenten empfangen; folglich hätte Hr. Bürger, dem von ihm so meisterhaft besungenen Blümlein Wunderhold, sage, Bescheidenheit zu Lieb´, immer davon schweigen können. Das übrige der Vorrede besteht aus einer Vertheidigung des beinahe ganz in Vergessenheit, wenigstens in Verachtung versunkenen Sonnetts. Wie viele unserer Dichterlinge werden sich nun ihre Flügel an dieser neu aufgesteckten Fackel wieder verbrennen! Indessen muß Rec. gestehen, daß er Herrn Bürger, so sehr er seine übrigen Dichtertalente verehrt, eben nicht für den glücklichsten Sonnettendichter hält. Wenigstens scheint ihm das in der Vorrede eingeschaltete Schlegelsche Sonnett alle Bürgerschen zu übertreffen; [...]
   Die meisten Verbesserungen hat die voranstehende Nachtfeyer der Venus erhalten. Ein Meisterstück, wie dieses, verdiente auch eine vorzügliche Aufmerksamkeit des Künstlers. Fast durchgänging hat auch Hr. Bürger nach meinem Urtheil ungemein glücklich verändert.

[Sp. 398] Ganz haben mein Herz folgende Gedichte gewonnen: An die Menschengesichter, Elegie, als Molly sich losreissen wollte, Fortunens Pranger (ganz in Blumauers Manier), das hohe Lied von der Einzigen. (Ein Stück im höchsten lyrischen Schwung, das durch 42 zehnzeilige Strophen fast immer gleiche, wo nicht gar steigende Begeisterung hält.

[Sp. 399] Die Frau Schnips hätte, Trotz der angehängten Apologie, wegbleiben können. Nicht klaußnerische Muckerey veranlassen dieses Urtheil; sondern die Ueberzeugung, daß dergleichen Farcen bey leichtsinnigen Menschen böses stiften; und hoffentlich wird Hr. Bürger nicht auf lauter gesetzte Leser gezählt haben, da er mit unserm Publicum so bekannt ist. Die darein gewebten Moralia, deren er sich in der Apologie rühmt, möchten von vielen nicht gehörig herausgezogen werden; und überhaupt ist mir der Schauplatz, auf welchem er seine Figuren auftreten läßt, durch die Posse entweiht.

[Sp. 400] Verschiedene Epigramme sind Ausfälle gegen Neider und Feinde - wahrscheinlich durch besondere eigene Verhältnisse erzeugt. In dieser Rücksicht möchten sie Herzenserleichterungen seyn; werden aber das Böse führwahr nicht besser gemacht haben. [...]
  Alles, was ich bisher anführte, sind kleine Flecken, die sich in den hohen Sommerglanz des übrigen Schönen verlieren; und stolz darf unser Vaterland auf einen Volksdichter seyn, der alle in einem so hohen Grade in sich vereinigt. Wenn die meisten seiner poetischen Zeitgenossen in dem Meere der Zeit ertrunken seyn werden, wird Bürger noch oben schwimmen; denn das Siegel der Unsterblichkeit ist den meisten seiner Werke unverkennbar auf die Stirne gedruckt.”

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1789

Fr. Rezension. Musen-Almanach aufs Jahr 1788 Göttingen, Musen-Almanach, aufs Jahr 1789. In: Allgemeine deutsche Bibliothek, Des neun und achtzigsten Bandes erstes Stück. Digitalisiert von Google.

“[S. 412] In dem ersten dieser beiden Jahrgänge empfiehlt sich gleich das erste Stück, mit der Aufschrift: Was schwindet und was
 bleibt, von Kosegarten, der auch noch einige andre Beiträge geliefert hat. Auch unter den übrigen von Becker, Bouterweck, von Einem, Ziseke und Langbein ist viel Gutes. Am meisten aber zeichnen sich die Gedichte des Herausgebers, Hrn. Bürger´s, aus, und unter ihnen am meisten die beiden mit edler Begeisterung geschriebenen auf die Göttingische Jubelfeier. In seinen Epigrammen herrscht wieder ein gewisser Unmuth, durch welchen der Ausdruck fast bis zum Anstößigen nachdrücklich geworden ist. Noch gedenken wir der Beiträge von Kästner, Heydenreich, v.Halem, und der vier schönen Fabeln von Pfeffel. Wer der Dietrich Menschenschreck sey, läßt sich aus dem Tone leicht errathen.
     Fast noch besser ist die neueste Bürgerische Blumenlese für das jetzige Jahr ausgefallen, wozu die meisten vorigen Dichter, und noch einige andre, beigetragen haben. Ihre größte Zierde ist wohl das meisterhafte Lied von Treue, von dem Herausgeber. Dem obengedachten Dietrich Menschenschreck, der wieder ein halbes Dutzend Sinngedichte in seiner Schreckmanier geliefert hat, gesellt sich hier ein Dietrich Schofelschreck zu, ein Dichter gleichen Schlages. Die Stücke von Kästner, Pfeffel, und A.W. Schlegel, besonders der Adonis des letztern, empfehlen sich von selbst.”

 

1789

Lengefeld, Charlotte von. Brief an Friedrich Schiller, Lauchstädt den 18ten Juli 1789. In: Schiller und Lotte. 1788. 1789.  Stuttgart und Augsburg 1856. Digitalisiert von Google

"[S. 344] Guten Morgen! Ich habe schon viel vorgenommen heute früh; das Bad scheint mir ganz wohl zu bekommen; aber Luft und Erde sind heute nicht freundlich; so kalt, so feucht, und ich kann mir die gehörige Bewegung nicht machen, sonst würde es mir doch leichter sein. — Unser Weg nach Eisleben war gar traurig; so öde kahle Berge, und so viel Morast. So viel, wie es die Stöße erlaubten, lasen wir in Bürger. Ich habe seiner Sprache nicht so viel Kraft zugetraut, wie ich in dem Lied an die Einzige fand; sie ist sehr wohlklingend, und eine Wärme darin, die hinreißt; es hat viele schöne Stellen. Und man fühlt, daß er diese Empfindungen wirklich hatte, da er's hinschrieb. In dem Gedicht an Molly sind auch schöne Stellen und es hat mir gefallen. Seine Balladen haben mich gefreut; Leonore habe ich auch gar gern und lese sie oft wieder. Bürger hat doch viele Vorzüge in Vergleichung mit den Dichtern seiner Zeit, die mit ihm zugleich sich hervor thaten, Göckingk zum Beispiel; auch hat er mehr Einfaches und wahres Gefühl als Stolberg."

 

1790

Beneke. Einheimische Litteraturproducte [...]. In: Annalen der Braunschweig-Lüneburgischen Churlande. Vierter Jahrgang. Drittes Stück.  Digitalisiert von Google.

“[S. 574] Bey der einmal erregten Aufmerksamkeit auf die Kantische Philosophie, konnte es demungeachtet nicht fehlen, daß sie nicht bald auch hier Eroberungen gemacht hätte. Schwierigkeiten reizten nur mehr; unbefrledigtes Forschen in andern Systemen trieb nach dem Neuen. Herr Professor Bürger verließ alle seine poetischen Beschäftigungen auf eine Zeit, um sich ganz in die relativen Mysterien dieser Philosophie einweihen zu lassen, die an ihm einen warmen, beredten und scharfsinnigen Apostel fand. Sein Vorlesungen über die Hauptpunkte der Kantischen Critik im Jahre 1787. wurden von einer ausserordentlich großen Anzahl von Zuhörern, worunter selbst mehrere graduirte Personen und die königlichen Prinzenhofmeister waren, besucht. Er wendete die Grundsätze der Critik auch auf die Aesthetik an, über die er Vorlesungen hielt.”

 

1790

Schatz, Georg. Rezension Bürgers Gedichte 1789. In: Allgemeine deutsche Bibliothek. Des sechs und neunzigsten Bandes erstes Stück. Digitalisiert von Google.

“[S. 97] Das Vergnügen, das Rec. bey der Lektüre dieser neuen verbesserten und vermehrten Auflage der vortrefflichen Bürgerischen Gedichte empfand, wurde nur durch die getäuschte Erwartung etwas vermindert, verschiedene Stücke in derselben zu finden, von deren Daseyn er aus glaubwürdigen Nachrichten überzeugt war, und die er selbst aus einigen kleinen, aber herrlichen Proben kannte.

[S. 99] Er vergleicht den Dichter mit einem Schuhmacher, der mit einer großen Anzahl zum voraus verfertigten Schuhe zu Markte zieht. Er weiß sehr wohl, daß seine Schuhe nicht auf alle Füße passen werden; deshalb aber ist doch sein allgemeiner Maasstab, wonach er sich richtet, kein Unding; und ob mir, dem gewöhnlichen Manne, gleich nicht alle seine hundert oder tausend Schuhe wie angegossen passen, so könnte ich doch wohl, wenn es darauf ankäme, in allen hundert oder tausend Paaren ganz leidlich einhergehn. Wenig Nutzen würde hingegen ihm sowohl, als dem Publikum seine Bude gewähren, wenn er nur Zwerg- oder Riesenschuhe zu Markte gebracht hätte.
[...] Unter den neuen Stücken des ersten Buchs zeichnen sich unserm Gefühl nach (ohne daß wir den übrigen dadurch ihren Werth streitig zu machen gedenken) das hohe Lied von der Einzigen, das Blümchen Wunderhold, und die Sonette vorzüglich aus. Höchste Pracht des lyrischen Ausdrucks, große, kühne, neue Bilder, Sonnenflug der Phantasie, ein zauberischer Wohlklang, der sich über ein mit großer Kunst ausgerechnetes Sylbenmaß, und doch ohne den mindesten Schein von Zwang und Künsteley ergießt, machen das hohe Lied zu einem Meisterstück in seiner Art. Und was würde es dann erst seyn, wenn ihm der Dichter im gleichen Grade Empfindung, und eben so viel Wärme, als Licht, Glanz und Schimmer gegeben hätte!  

[S. 1102] Nicht so blendend durch poetische Farben, aber einschmeichelnder noch in Geist und Herz durch Wahrheit, Simplizität, triftigen Sinn, Klarheit und Anmut ist das Blümchen Wunderhold. Vielleicht findet sich in keiner Sprache ein vortrefflicheres Lob der Bescheidenheit, und eine glücklichere Empfehlung dieser Tugend, als dies meisterhafte Lied ist. Der epigrammatische Zuschnitt tut die beste Wirkung: die Erwartung wird auf das höchste gespannt, und auf das vollkommenste befriedigt. - Die Sonette unsers Dichters gehören unter die glücklichen Versuche, eine ganz aus der Mode gekommene Dichtungsart wieder in den Gang zu bringen. Man betrachtete das Sonett als eine poetische Spielerei; daß es aber mehr und Was es auch im Deutschen sein könne, hat Hr. B. in einigen trefflichen Beispielen gezeigt.

[S. 1103] Nicht genug zu rühmen ist die Sorgfalt, mit der er auch kleine grammatische Unrichtigkeiten hinweggeschafft hat. Auch die Eigenheiten in der Rechtschreibung hat er meistens aufgegeben. Eben so, sind wir überzeugt, wird in der nächsten Auflage in der Vorrede die ganze lange Tirade gegen die Nachdrucker und die Käufer von Nachdrucken wegfallen. Hrn. B. Klagen sind vollkommen gegründet; allein wie läßt sich hoffen, daß sie einige Wirkung hervorbringen werden? und dann - erregt es immer eine höchst unangenehme Empfindung, einen Dichter, den man bewundert und verehrt, für seine unschätzbaren Lieder etwas anders, als Ruhm und Achtung fodern zu hören. Nein, er wird diesen Ausbruch von Empfindlichkeit nicht auf die Nachwelt kommen lassen.”

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1790

Heyne, Christian Gottlob. Rezension Akademie der schönen Redekünste. In: Göttingische Anzeigen von gelehrten Sachen. 156. Stück. 1790. 

“[S. 1561] Eine auch nur flüchtige Einsicht muß bald zeigen, wie sehr sich diese periodische Schrift unter andern ihren Zeitgenossen auszeichnet. Die in diesem ersten Stück enthaltenen Aufsätze sind: Gebet der Weihe, von Hrn. Prof. Bürger; kann allenfalls statt eines prologi galeati dienen; [...].”

 

1790

Eschenburg, Johann Joachim. Lyrische Gedichte - Bürger. In: Beispielsammlung zur Theorie und Literatur der schönen Wissenschaften. Fünfter Band. Digitalisiert von Google.

“[S. 115] Bürger.
Giebt es irgend eine Dichtart, die noch jetzt ähnliche Wirkungen auf das Gefühl und die Gesinnungen der Menschen hervorbringen kann, wie sie die ursprüngliche Poesie, als sie noch keine Schriftstellerei, sondern lauter lebendiger Vortrag war, so mächtig und sichtbar hervorbrachte; so ist es die populäre Liedergattung. Und besitzt irgend einer von unsern Dichtern das Talent, so zu wirken, in seinem ganzen Umfange, so ist es dieser. Eins seiner Meisterstücke ist folgendes Lied; und gar sehr würde es zur Verbreitung und Belebung des Pflichtgefühls beitragen, wenn dieß Mittel zu dessen Erweckung öfter und mit ähnlicher Kraft benutzt würde. [Männerkeuschheit]

[S. 200] Ohne Zweifel gebührt ihm unter allen deutschen Balladendichtern der vorzüglichste Rang; denn keiner übertrifft ihn an lebendiger Darstellungsgabe, an Wahrheit und Natur der Gemählde, an Stärkee und Eindringlichkeit aller, auch noch so kleinen Züge, und an Schicklichkeit und Popularität des Vortrages. Seine Lenore ist in aller Munde und Gedächtniß; jedermann kennt und liebt seinen Raubgrafen, die Weiber von Weinsberg, Lenardo und Blandine, das Lied vom braven Manne und die Entführung, welche letztere Hr. Engel in seinen Anfangsgründen so schön und lehrreich kommentirt hat.”

 

1790

Rs. Rezension Akademie der schönen Redekünste. Ersten Bandes erstes Stück. In: Allgemeine deutsche Bibliothek. Des sieben und neunzigsten Bandes erstes Stück. Digitalisiert von Google.

“[S. 404] Wenn ein Mann, wie Herr Bürger, Herausgeber einer Zeitschrift wird, so hat das Publikum Recht, etwas mehr, als gewöhnliches, zu erwarten. Zum wenigsten hofft es, daß es nicht ein nur zu gewöhnlicher Fall, der allgemeine Handelsplatz werden dürfe, wo Anfänger, welche noch nicht unter eigner Firma handeln können, ihre Waaren an den Mann zu bringen wissen. Da andere periodische Schriften sich gemeiniglich dadurch schaden, daß sie einen zu weitläuftigen Umkreis sich vorzeichnen; so hat der H. dasGegentheil gethan. Man muß sich dahero desto mehr auf seinen und seiner Mitarbeiter Reichthum verlassen. Den Anfang macht ein Gebet der Weihe von Burger, ein Gedicht in der Manier des Verf.

[S. 405] Wir wünschen dem Herausgeber Glück zu dem Verdienste, das lesende Publikum, in Rücksicht auf die Ideen der wahren
Schönheit, immer mehr aufmerksam zu machen und aufzuklären.”

 

1790

Dm. Rezension Ueber Anweisung zur deutschen Sprache und Schreibart auf Universitäten. In: Allgemeine deutsche Bibliothek. Des fünf und neunzigsten Bandes zweytes Stück. 1790. Digitalisiert von Google.

“[S. 451] Gleich Anfangs wird in ziemlich derben Ausdrücken, die dadurch, daß sie mitten unter poetischen Bildern von der Lade des Herrn, den Cherubim, der Weihe, dem Heiligthum u. dgl. stehen, desto greller abstechen, wider die Verächter des Schönen, die Brodstudenten, den Hans Hagel des Vorhofs, die Butter- und Brodbeflissenen, u.s.f. geeifert, weil sie die Schönheit für kein so wichtiges Erforderniß ihres Studiums halten, als die Wahrheit.

[S. 452] Und so gar übertrieben ist es auch wohl nicht, wenn er S. 16 behauptet, daß mehr als Ein Dutzend hochberühmter Professoren durch ganz Germanien eben so wenig grammatisch richtig schreiben könne, als vielleicht neunzig unter hundert Studenten. Daher geht denn im Ganzen, alles seinen barbarischen Schlendrian fort! - Die Eigenheiten und das Brauchbare des Kanzleistyls in manchen Fällen verkennt der Verf. nicht; aber er eifert nur wider die Greuel des Ausdrucks, welche hier unter dem Vorwande der Unentbehrlichkeit [...]. Am Ende ergiebt sich aus allem, daß sich von Juristen und Geschäftsmännern keine Vollkommenheit in der Schreibart lernen lasse, sondern daß es hiezu eines besondern Unterrichts bedürfe. Und dieser ist nicht etwa bloß für die Schulen, sondern, in seiner ganzen Fruchtbarkeit und Zweckmäßigkeit, auch noch für Universitäten.”

Die vollständige Rezension in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1790

Anonym. Beförderungen. 1789. In: Allgemeine deutsche Bibliothek. Des ein und neunzigsten Bandes zweites Stück 1790. Digitlisiert von Google.

“[S. 626] Der berühmte Herr Gottfried August Bürger ist zum außerordentlichen Professor der schönen Wissenschaften in
Göttingen, mit einem Gehalt von 300 Thalern, ernannt worden.”

 

1790

Halem, Gerhard Anton von. Zweyter Brief, Göttingen 10.Juli [1790] in: “Blicke auf einen Theil Deutschlands, der Schweiz und Frankreichs bey einer Reise vom Jahre 1790”

“[S.10-11] Meinen Freund Bürger hab´ ich in dem ästhetischen Collegium besucht. Es freute mich, ihn unter einer ziemlichen Anzahl Zuhörer zu finden. Illusion war sein Thema und manche schöne Idee sprudelte, als zeugte sie der Augenblick, hervor. Auch declamirte er mit wahrer Empfindung und ohne Uebertreibung die schöne Stelle von Rahels Auferstehung aus dem II. Gesange des Messias und Ramlers Ino. - Volksmäßigkeit, dacht ich bey mir, wäre das Siegel der Vollkommenheit eines poetischen Werks? Das mag wahr seyn lieber Bürger! aber für Deutschland ist der Begriff noch zur Zeit schimärisch, oder der Begriff von dem was Volk ist müsste gewaltig zusammen schrumpfen.”

 

1791

Stäudlin, Gotthold Friedrich. Gedichte.  Zweiter Band.  Digitalisiert von Google.

“[S. 319] An Bürger
       bei seinem Abschied, von Stuttgart im Herbst 1790.

Schön ist die Beute, so du von hinnen nimmst,
Die Liebe vieler Edeln! und ehrenvoll
   Die Thräne, die so manchem schönen
     Herzen entschlüpfte bei deinem Scheiden !

In Weihestunden lehrte die gütige
Natur den Liedersänger das magische
   Geheimniss, Seelen zu gewinnen !
     Wie sie es lehrte die Charitinnen !

Auch dir, der Muse glüklicher Liebling, ward
Einst vollen Maasses dieses Geheimniss ! Tief
   Empfanden wir's, als dich in unsre
     Mitte die mächtige Liebe führte !

Als deines Blikes stille Begeisterung,
Der Stirne yveiser Ernst und die Grazie
   Der Lippe Adonidens Sänger
     Und den Vertrauten Homers verriethen !
 
Wie drängten da die Mädchen, die Jünglinge,
Die Männer um den Herzenerob´rer sich !
   Wie dufteten die Blumenkränze
     Lohnenden Beifalls dir rings entgegen !

Wie labten nicht die Augen der Fühlenden
Am süssen Anblik deines Verdienstes sich
   Des reiner Glanz so mild hervorbrach
     Durch der Bescheidenheit feinen Schleier; 

Der Göttin, die so reizend dein Genius
Uns malte ! O wie lehrte dein Wandel uns
   Die grosse Wahrheit: Der Natur gleich,
     Lauter und einfach sei wahre Grösse !

Wie huldigten die Herzen dir immer mehr,
AIs du die Hand der suevischen Biederkeit
   So bieder reichtest, dir entströmten
     Edle Gefühle der Dichterseele !

Als du die Kinder deiner Begeisterung
Nicht, karg, uns bargest und dich im Freundeskreis
   So herzlich an Elisens Seite
     Freutest auf Wirtembergs Traubenhügeln.

Geneuss, so rufen viele der Redlichen
Dir nach, in i h r e m Arme der Freuden nun,
   Geneuss der reinen Freuden lange,
     Einst dir geraubt von des Schiksals Tüke !

Begeistert von zwo mächtigen Göttinnen,
Der Zärtlichkeit und Muse - die Stirn´ getrübt
   Von keiner Sorge, singe deinem
     Volke noch viele der Hochgesänge !

Vollende muthig, achtend des Schweisses nicht
Die Meisterwerke, denn der Gedank ist gross:
   So lange Menschenherzen fühlen,
     Ewig mit Klopstok und Wieland leben !”

 

1791

Schwarz, Sophie, geb. Becker. Briefe einer Curländerinn. Auf einer Reise durch Deutschland. 1791

“[S. 141-142] G. [Goeckingk] schickte sogleich nach seinem Freund, Bürger, und ich war bey seiner Erscheinung ziemlich betreten, statt eines pedantischen Männchens in schwarzer Perrucke, wie ich ihn mir immer gedacht hatte, einen ganz unpedantischen Mann mit frisirtem Haar und wohlgemachtem Kleide zu erblicken. Woher müssen sich doch in unserer Seele bey gewissen Nahmen solche besondere Begriffe festsetzen? Da wir noch einen vollen Tag in Göttingen blieben, so haben wir das Vergnügen gehabt, die meisten von den dasigen Professoren persönlich kennen zu lernen, und sind auch bey Kästner auf seinem Observatorio gewesen.
Als Andenken unsers Göttingischen Besuchs will ich Ihnenn hier ein Paar
Bouts-rimés hersetzen, welche auf Verlangen einer geschlossenen Gesellschaft zwischen mir und Bürgern gewechselt wurden. Diese Art von Spielwerk ist zum gesellschaftlichen Zeitvertreibe eines der angenehmsten, und wenn der Geschmack daran nicht übertrieben wird, scheint es mir für junge Leute auch ganz nützlich, den Ausdruck zu bilden. Bürger bekam zuerst den Auftrag in gegebenen Endreimen an mich eine Liebes-Erklärung zu thun, und bald darauf überreichte er mir folgendes: [...].”

Briefe einer Curländerinn in der ONLINE-Bibliothek.

 

1791

Anonym. Gedichte von G.A. Bürger. 2. Teil der Rezension in: Neue Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste.  Digitalisiert von Google.

“[S. 286] Unstreitig ist die Romanze unter allen poetischen Gattungen diejenige, die das meiste in sich vereinigt, um auf die niedre Volksklasse zu wirken. Abgerechnet, daß die Form der Erzählung, bey dem ungebildeten Menschen, immer am geschwindesten Eingang findet, und die Anmuth derselben hier noch durch das lyrische Sylbenmaaß vortheilhaft unterstützt wird, so liegt selbst in dem Inhalte und Gegenstande dieser Dichtungen ungemein viel schmeichelhaftes und anlockendes für den ungeübten Verstand: denn nichts entzückt und interessirt den großen Haufen so sehr, als Geschichten, die entweder aus seiner Welt ausgehoben, oder aus der Fabel und Sagenzeit herübergeholt sind.

[S. 288] Man bemerkt bald, daß es eben kein leichtes Problem ist, den Romanzenstoff so zu bearbeiten, daß er beydes dem rohen und dem aufgeklärten Geschmack gefalle, und darauf sollte doch eigentlich Jeder, der ein Volksdichter zu heißen wünscht, hinarbeiten.

[S. 289] Es thut uns leid, daß wir grade Hrn. Bürger dieser Fehler anklagen müssen: aber in der That, wir kennen unter allen angesehenen neuern Dichtern keinen, der von der Seite wider das Gesetz der Einheit und des guten Geschmacks häufiger verstoßen hätte, als eben er. Wenn man seine Romanzen unpartheyisch betrachtet, so kann man allerdings nicht umhin, ihn wegen der glücklichen Benutzung mancher Süjets zu bewundern.

[S. 290] Und wie wäre denn die Sensation, die die Bürgerischen Stücke erregt haben, begreiflich, wenn der Dichter den Verstand und das Herz unbeschäftigt ließe? Allein bekanntlich kann ein Gedicht von Seiten der Erfindung und Anlage untadelhaft, und gleichwohl von der Vollkommenheit noch weit entfernt seyn. Wir verlangen, daß es nicht blos bewegen, sondern auf die angenehmste Weise bewegen, daß sein Genuß nicht bloß nähren, sondern erquicken, daß seine Schönheiten kein gemischtes, sondern ein reines Wohlgefallen erzeugen sollen.

[S. 291] Zwar in den ersten unter den neuen Stücken - was kann, was soll man in Frau Schnips scheiden und absondern? Wir begreifen recht gut, wIe man in einem Anfalle frivoler Laune so etwas schreiben und in einem lustigen Zirkel vertrauter Freunde dem Gelächter preisgeben kann: aber wie man eine solche poetische Ungezogenheit vor einem ganzen ehrsamen Publikum zur öffentlichen Schau ausstellen mag, übersteigt noch bis jetzt unsre Vorstellung.

[S. 297] Einen ganz eigenen Flug nimmt die Phantasie des Dichters in Untreue über alles. Wir müssen indes frey bekennen, daß uns unter allen Bürgerischen Liebesliedern keins weniger behagt hat, als dieses,

[S. 300] Die Pfarrerstochter von Taubenhain ist von Seiten der Darstellung nicht ohne Verdienst. Der Charakter der Unschuld, die ein Raub ihrer Einfalt und Unerfahrenheit wird, erregt eine schnelle und innige Theilnahme; die Sprache der Verführung ist gut getroffen und die Wuth der Verzweiflung mit ungemeiner Stärke geschildert. Allein um ganz zu gefallen müßten die Farben allerdings hie und da noch etwas gemildert, die leeren Ausdrücke mit bedeutendern vertauscht und manche Cheville ausgemerzt werden.

[S. 303] Für uns wenigstens hat das Dörfchen nichts von jener Süßigkeit verloren, durch die es uns gleich das erstemal anzog; vielmehr ist es unter allen Gedichten, die in dieser Manier und Versart versucht worden sind, in Absicht auf Leichtigkeit und Geschmeidigkeit, nach unserm Gefühle, noch immer das einzige. Man möchte sagen, daß das Sylbenmaaß um des Inhalts, und der Inhalt um des Silbenmaßes willen erfunden worden sey: so anmuthig und gefällig ist jener, so tändelnd und lieblich dieses, so harmonisch beyde.

[S. 305] Wir haben alles, was wir bey der Durchlesung des zweyten Theils der Bürgerischen Gedichte empfanden, in dieser Anzeige frey und unverholen bekannt, so wenig wir auch auf die Beystimmung des größern Theils des Publikums rechnen dürfen. Wenn poetische Versuche durch gewisse außerordentliche Vorzüge ins Auge fallen, wenn Phantasie, Sprache und Wohllaut sich in ihnen vereinigen, wenn überdieß der Dichter in dem Maaße wie Hr. Bürger, zu interessieren weiß, so fangen bey gewöhnlichen Lesern alle Mängel und Unvollkommenheiten allmählig an, zu verschwinden, oder sich wohl gar in Schönheiten zu verwandeln, und der Kunstrichter hat dann nichts anders zu erwarten, als Widerspruch und Mißtrauen in seine Einsicht. Aber diese Voraussehung kann ihn weder beunruhigen, noch abschrecken, sobald er seines Verhältnisses eingedenk und von PartheyIichkeit und Bekehrungssucht entfernt ist.”

Der zweite Teil der anonymen Rezension in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1791

Eberhard, Johann August. Versuch eines Plans zu einer praktischen Aesthetik. In: Philosophisches Magazin. Dritter Band. Digitalisiert von Google.

“[S. 15] Diese Sehnsucht nach Emotionen treibt die Menge zu den schrecklichen Schauspielen, die auf den Richtplätzen vorgestellet werden, zu den Schauspielen, die Voltaire die Tragödie des Pöbels, la tragédie de la canaille nennt, denen aber auch wohl bisweilen der Gebildetere zusieht, wenn seine Nerven nicht zu schwach, oder sein Mitgefühl zu scharf ist. Eben diese Sehnsucht macht alle Mordgeschichte, alle Erzählungen von Erscheinungen und Gespenstern so anziehend; die erblaßten Zuhörer, um ihren Heerd versammlet, hangen in der schwarzen Mitternachtsstunde, mit ihrer ganzen Aufmerksamkeit an dem Munde des Erzählers, die Furcht erlaubt ihnen nicht sich umzusehen, die Erzählung wird ihnen immer desto anziehender, je grauenvoller sie wird. Der mehmliche Trieb wird endlich diesen Geschichten noch immer auch für den Ungläubigsten einen Reitz geben, er wird sich gern durch das Gefühl des Grausens fesseln lassen; und, wenn ihm auch vor den gemeinen Gespenstergeschichten eckelt, so wird er doch noch gern bey Bürgers vortreflicher Lenore erblassen.”

 

1791

Pk. Rezension Münchhausen-Ausgabe. In: Allgemeine deutsche Bibliothek. 98.Bd. 

“[S. 613] Nachtrag zu den wunderbaren Reisen zu Wasser und zu Lande, und lustige Abentheuer des Freyherrn von Münchhausen, wie er dieselben bey der Flasche Wein im Zirkel seiner Freunde selbst zu erzählen pflegt. Mit Kupfern. Koppenhagen. 1789. 8. 8 Bogen.
Wär es an der ersten Sammlung dieser Possen nicht genug gewesen? O gewiß mehr, als genug, und für den Leser von einigem Geschmack schon zu viel. Indeß diese Fortsetzung ist einmal da, und wird, das sind wir überzeugt, schon ihr Fortkommen unter den Leuten finden. Das Glück der bösen Fürsten und der schlechten Schriftsteller wird so lange blühen, als bey weitem der größeste Theil der Menschen in Trägheit und im Ungefühl seiner eignen Kräfte schmachten wird. Thäten diese Dinge nicht, wie ließe es sich denken, daß jemand Geld für Romane, Gedichte u. dergl. ausgeben sollte, die er im Nothfall eben so gut, vielleicht noch besser selbst machen könnte. Wo sollten z. B. die neuen Originalromane (bis heut dato 38 Bände!) und ihre ganze Sippschaft, deren Name Legio ist, Leser finden, wenn diese sammt und sonders zu der so simpeln Einsicht gelangten, daß der einfäiltigste unter ihnen klug genug wäre, mit der leichtesten Mühe eben solche Begebenheiten und Charactere selbst zu erfinden, und zu schildern: wenn sie es nicht bequemer fänden, in ihren Lehnstühlen odcr Kanapees zur Beförderung der Verdauung, schlechte Romane zu lesen, als zu schreiben? Eben so würde es diesen Münchhausischen Reisen gehn. Welcher auch noch so mittelmäßige und beschränkte Kopf hat nicht Witz übrig, wenn er nur wollte, solche Abentheuer, wie sie hier aufgetischt werden, zu erdenken? Abentheuer und Fiktionen ohne die mindeste Spur von Sinn, Zweck und Wahrscheinlichkeit, Uebertreibungen, die weniger durch Zügellosigkeit überraschen, als durch Einförmigkeit ermüden: als da sind: "wie dem Reisenden sein Jagdhund, weil er Rebhühner in seinem Magen wittert, ihm im Schlafe die Rebhühner mit sammt demMagen herausfrißt, wofür er sich einen Schweinsmagen einnähen läßt; wie er aus einen Wallfisch reitet, mit einem Hayfisch kämpft und ihn besiegt, wie er drey Kanonenkugeln von 24 Pf. mit der Hand auffängt, einen Löwen zerreißt, auf einem Strauß in den Mond reitet u. s. w. Die in der Vorrede, Dedikation und sonst hie und da vorkommenden Anspielungen und Spöttereyen, zum Theil auf hohe Personen, müßten, um verzeihlicher zu werden, wenigstens feiner seyn. “

 

1791

Mackensen, Wilhelm Friedrich August. Letztes Wort über Göttingen und seine Lehrer. Leipzig 1791

“[S.71] B. thäte wol, wenn er sich jetzt von der Dichtkunst ganz lossagte. Für seinen Hannoveraner ist so was zu gut, dieser will nur Abhandlungen von der Stallfütterung und vom Kartoffelanbau. Lyrische Dichtkunst ist aus der Mode gekommen, unser Zeitalter ist auf Kantische Kategorien erpicht. Da Herr Bürger diese so gut kennt, so sollte er mehr davon Gebrauch machen, und von der Mode profitiren.[...]
Es ist Ihnen bekannt, daß er sich eine Frau angesungen - - diese Frau ist auch Belletristin, und soll sich in jeder Gesellschaft nur gar zu sehr als solche zeigen. Sie spricht immer in dem gesuchtesten Deutsch und in den geründetsten Perioden. Für junge schwatzhafte Mädchen, die es mit der Grammatik so genau nicht nehmen, oder wol gar an den Unterschied zwischen mir und mich nicht glauben können, ist sie ein fürchterlicher Gegenstand. Sie soll sogar Sprachunrichtigkeiten öffentlich aufnutzen, und sie corrigiren. Herr B., als Haupt, sollte billig dieser Pedanterie seiner Molly oder Laura ernstlich steuren.”

Mackensens letztes Wort über Göttingen und seine Lehrer in der ONLINE-Bibliothek.

 

1791

Schiller, Friedrich. Rezension von Bürgers Gedichten. In: Allgemeine Literatur-Zeitung Numero 13. und 14.

“[S. 98] Es ist also nicht genug, Empfindung mit erhöhten Farben zu schildern; man muß auch erhöht empfinden. Begeisterung allein ist nicht genug; man fodert die Begeisterung eines gebildeten Geistes. Alles, was der Dichter uns geben kann, ist seine Individualität. Diese muß es also werth seyn, vor Welt und Nachwelt ausgestellt zu werden. Diese seine Individualität so sehr als möglich zu veredeln, zur reinsten herrlichsten Menschheit hinaufzuläutern, ist sein erstes und wichtigstes Geschäft, ehe er es unternehmen darf, die Vortreflichen zu rühren. Der höchste Werth seines Gedichtes kann kein andrer seyn, als daß es der reine vollendete Abdruck einer interessanten Gemüthslage eines interessanten vollendeten Geistes ist. Nur ein solcher Geist soll sich uns in Kunstwerken ausprägen; er wird uns in seiner kleinsten Aeußerung kenntlich seyn, und umsonst wird, der es nicht ist, diesen wesentlichen Mangel durch Kunst zu verstecken suchen. Vom ästhetischen gilt eben das, was vom sittlichen; wie es hier der moralisch vortrefliche Charakter eines Menschen allein ist, der einer seiner einzelnen Handlungen den Stempel moralischer Güte aufdrücken kann; so ist es dort nur der reife, der vollkommene Geist, von dem das reife, das vollkommene ausfließt. Kein noch so großes Talent kann dem einzelnen Kunstwerk verleihen, was dem Schöpfer desselben gebricht, und Mängel, die aus dieser Quelle entspringen, kann selbst die Feile nicht wegnehmen.

[S. 99] Ein Volksdichter für unsre Zeiten hätte also bloß zwischen dem allerleichtesten und dem allerschweresten die Wahl; entweder sich ausschließend der Fassungskraft des großen Haufens zu bequemen und auf den Beyfall der gebildeten Klasse Verzicht zu thun, – oder den ungeheuern Abstand, der zwischen beiden sich befindet, durch die Größe seiner Kunst aufzuheben, und beide Zwecke vereinigt zu verfolgen. Es fehlt uns nicht an Dichtern, die in der ersten Gattung glücklich gewesen sind, und sich bey ihrem Publicum Dank verdient haben; aber nimmermehr kann ein Dichter von Hn. Bürgers Genie die Kunst und sein Talent so tief herabgesetzt haben, um nach einem so gemeinen Ziele zu streben. Popularität ist ihm, weit entfernt, dem Dichter die Arbeit zu erleichtern oder mittelmäßige Talente zu bedecken, eine Schwierigkeit mehr, und fürwahr eine so schwere Aufgabe, daß ihre glückliche Auflösung der höchste Triumph des Genies genannt werden kann. Welch Unternehmen, dem ekeln Geschmack des Kenners Genüge zu leisten, ohne dadurch dem großen Haufen ungenießbar zu seyn – ohne der Kunst etwas von ihrer Würde zu vergeben, sich an den Kinderverstand des Volks anzuschmiegen.

[S. 101] Und hier müssen wir gestehen, daß uns die Bürgerischen Gedichte noch sehr viel zu wünschen übrig gelassen haben, daß wir in dem größten Theil derselben den milden, sich immer gleichen, immer hellen, männlichen Geist vermissen, der, eingeweiht in die Mysterien des Schönen, Edeln und Wahren, zu dem Volke bildend herniedersteigt, aber auch in der vertrautsten Gemeinschaft mit demselben nie seine himmlische Abkunft verläugnet. Hr. B. vermischt sich nicht selten, mit dem Volk, zu dem er sich nur herablassen sollte, und anstatt es scherzend und spielend zu sich hinaufzuziehen, gefällt es ihm oft, sich ihm gleich zu machen. Das Volk, für das er dichtet, ist leider nicht immer dasjenige, welches er unter diesem Nahmen gedacht wissen will. Nimmermehr sind es dieselben Leser, für welche er seine Nachtfeyer der Venus, seine Lenore, sein Lied an die Hoffnung, die Elemente, die göttingische Jubelfeyer, Männerkeuschheit, Vorgefühl der Gesundheit u.a.m. und eine Frau Schnips, Fortunens Pranger, Menagerie der Götter, an die Menschengesichter und ähnliche niederschrieb. Wenn wir anders aber einen Volksdichter richtig schätzen, so besteht sein Verdienst nicht darinn, jede Volksklasse mit irgend einem, ihr besonders genießbaren, Liede zu versorgen, sondern in jedem einzelnen Liede jeder Volksklasse genug zu thun.
  Wir wollen uns aber nicht bey Fehlern verweilen, die eine unglückliche Stunde entschuldigen, und denen durch eine strengere Auswahl unter seinen Gedichten abgeholfen werden kann. Aber daß sich diese Ungleichheit des Geschmacks sehr oft in demselben Gedichte findet, dürfte eben so schwer zu verbessern, als zu entschuldigen seyn. Rec. muß gestehen, daß er unter allen bürgerischen Gedichten (die Rede ist von denen, welche er am reichlichsten aussteuerte) beynahe keines zu nennen weiß, das ihm einen durchaus reinen, durch gar kein Mißfallen erkauften, Genuß gewährt hätte. War es entweder die vermißte Uebereinstimmung des Bildes mit dem Gedanken, oder die beleidigte Würde des Inhalts, oder eine zu geistlose Einkleidung, war es auch nur ein unedles die Schönheit der Gedanken entstellendes, Bild, ein ins platte fallender Ausdruck, ein unnützer Wörterprunk, ein (was doch am seltensten ihm begegnet) unächter Reim oder harter Vers, was die harmonische Wirkung des Ganzen störte; so war uns diese Störung bey so vollem Genuß um so widriger, weil sie uns das Urtheil ahnöthigte, daß der Geist, der sich in diesen Gedichten darstellte, kein gereifter, kein vollendeter Geist sey; daß seinen Producten nur deßwegen die letzte Hand fehlen möchte, weil sie – ihm selbst fehlte.

[S. 105] Alle Ideale, die er auf diese Art im Einzelnen bildet, sind gleichsam nur Ausflüsse eines innern Ideals von Vollkommenheit, das in der Seele des Dichters wohnt. Zu je größerer Reinheit und Fülle er dieses innere allgemeine Ideal ausgebildet hat; desto mehr werden auch jene einzelnen sich der höchsten Vollkommenheit nähern. Diese Idealisirkunst vermissen wir bey Hn. Bürger. Außerdem, daß uns seine Muse überhaupt einen zu sinnlichen, oft gemeinsinnlichen Charakter zu tragen scheint, daß ihm Liebe selten etwas anders, als Genuß oder sinnliche Augenweide, Schönheit oft nur Jugend, Gesundheit, Glückseligkeit nur Wohlleben ist, möchten wir die Gemälde, die er uns aufstellt, mehr einen Zusammenwurf von Bildern, eine Compilation von Zügen, eine Art Mosaik, als Ideale nennen.

[S. 106] Wir führen diese Strophe nicht an, als glaubten wir, daß sie das Gedicht, worinn sie vorkömmt, eben verunstalte, sondern weil sie uns das passendste Beyspiel zu seyn scheint, wie ungefähr Hr. B. idealisirt. Es kann nicht fehlen, daß dieser üppige Farbenwechsel auf den ersten Anblick hinreißt und blendet; Leser besonders, die nur für das Sinnliche empfänglich sind, und, den Kindern gleich, nur das Bunte bewundern. Aber wie wenig sagen Gemälde dieser Art dem verfeinertern Kunstsinn, den nie der Reichthum, sondern die weise Oekonomie; nie die Materie, nur die Schönheit der Form; nie die Ingredienzien, nur die Feinheit der Mischung befriedigt! Wir wollen nicht untersuchen, wie viel oder wenig Kunst erfodert wird, in dieser Manier zu erfinden; aber wir entdecken bey dieser Gelegenheit an uns selbst, wie wenig dergleichen Matadorstücke der Jugend die Prüfung eines männlichen Geschmacks aushalten. Es konnte uns eben darum auch nicht sehr angenehm überraschen, als wir in dieser Gedichtsammlung, einem Unternehmen reiferer Jahre, sowohl ganze Gedichte, als einzelne Stellen und Ausdrücke wieder fanden, (das Klinglingling, Hopp hopp hopp, Huhu, Sasa, Trallyrum larum, u. dgl. m. nicht zu vergessen,) welche nur die poetische Kindheit ihres Verfassers entschuldigen, und der zweydeutige Beyfall des großen Haufens so lange durchbringen konnte. [...] Am meisten vermißt man die Idealisirkunst bey Hn. B., wenn er Empfindung schildert; dieser Vorwurf trifft besonders die neuern Gedichte, großentheils an Molly gerichtet, womit er diese Ausgabe bereichert hat. So unnachahmlich schön in den meisten Diction und Versbau ist, so poetisch sie gesungen sind, so unpoetisch scheinen sie uns empfunden.

[S. 108] Das längst entschiedne einstimmige Urtheil des Publicums überhebt uns, von seinen Balladen zu reden, in welcher Dichtungsart es nicht leicht ein deutscher Dichter Hn. B. zuvorthun wird. Bey seinen Sonneten, Mustern ihrer Art, die sich auf den Lippen des Declamateurs in Gesang verwandeln, wünschen wir mit ihm, daß sie keinen Nachahmer finden möchten, der nicht gleich ihm und seinem vortreflichen Freund, Schlegel, die Leyer des pythischen Gottes spielen kann. Gerne hätten wir alle bloß witzigen Stücke, die Sinngedichte vor allen, in dieser Sammlung entbehrt, so wie wir überhaupt Hn. B. die leichte scherzende Gattung möchten verlassen sehn, die seiner starken nervigten Manier nicht zusagt.

[S. 109] Wenn indessen irgend einer von unsern Dichtern es werth ist, sich selbst zu vollenden, um etwas vollendetes zu leisten, so ist es Hr. Bürger. Diese Fülle poetischer Mahlerey, diese glühende energische Herzenssprache, dieser bald prächtig wogende, bald lieblich flötende, Poesiestrom, der seine Producte so hervorragend unterscheidet, endlich dieses biedre Herz, das, man möchte sagen, aus jeder Zeile spricht, ist es werth, sich mit immer gleicher ästhetischer und sittlicher Grazie, mit männlicher Würde, mit Gedankengehalt, mit hoher und stiller Größe zu gatten, und so die höchste Krone der Classizität zu erringen.”

Schillers Kritik in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1791

Hardenberg, Friedrich von (Novalis). Brief an Schiller vom 7. Oktober 1791. In: Novalis, Band 1, Darmstadt, 1978

“[S.515] Bey Gelegenheit der Lektüre des Don Karlos habe ich noch einmal die Rezension von Bürgers Gedichten gelesen und sie ist mir beynah in der Stimmung, worein Sie mich versezt hatten, noch zu gelind vorgekommen; Da wenigstens der Maaßstab, den Sie darinn nicht, wie viele gethan haben, von der Erfahrung mehrerer Jahrhunderte abstrahirten, sondern ihn apriori aus einem den Gesetzen der Sittlichkeit correspondirenden Gesetze aufstellten und dadurch der Wissenschaft zu einem einzigen Gesichtspunkt verhalfen, der ihr bis dahin mangelte, ihr eine Anwendung und Grenze zeigten, wodurch unfehlbar alles dazu nicht gehörende und falsch angemaaßte getrennt und ihr ein Ziel gesezt wird,  das im innersten Heiligthume der Schönheit und Wahrheit steht und unendliche Sonnenwege dem forschenden Auge des Genius eröffnet, und dadurch so viel für sie thaten, wie Prometheus der Lichträuber, für die Sterblichen, da wenigstens der Maaßstab, sag ich, sich zu den meisten von Bürgers Gedichten nicht harmonisch verhält. O! ich lerne immer mehr einsehn, daß nur moralische Schönheit, je absichtsloser sie bewürkt zu seyn scheint, den einzig unabhängig, wahren Werth eines jedweden Werks des dichterischen Genies ausmacht: daß nur sie denselben den Stempel der Unsterblichkeit aufdrücken kann und sie mit dem Siegel der Klassizitaet bezeichnet.“

 

1791

Baggesen, Jens. Brief an Reinhold vom 26.11.1791. In: Aus Jens Baggesen's Briefwechsel mit Karl Leonhard Reinhold und Friedrich Heinrich Jacobi. Erster Theil, Leipzig

“[S. 106] Aber welche Recension in der Welt übertrifft die von Bürger´s Gedichten in der Literaturzeitung, und die Antwort, die edle, feine, würdevolle, über tausend aufeinandergethürmte Bürgergeister erhabene Antwort auf seine verlegenen Unverschämtheiten. Daß Schiller der Verfasser sei, hat für mich keinen Zweifel. Lieber Reinhold, kann man nicht mit aller Philosophie, ohne ihr im Geringsten nahe zu treten, und mit aller Religion, ohne verketzert zu werden, diesen Riesengeist unseres seligen Decenniums, diese herrliche Morgensonne der Geschichte, diesen echt philosophischen Dichter, diesen unaussprechlich bezaubernden Schiller anbeten? “

 

1791

Eschenburg, Johann Joachim. Beispielsammlung zur Theorie und Literatur der schönen Wissenschaften. Sechster Band. Digitalisiert von Google.

“[S. 424] Bürger.
Es trug nicht wenig zum Glanze des im J. 1787 gefeierten fünfzigjährigen Jubelfestes der Göttingischen Universität bei, daß ein Dichter zu der dabei aufzuführenden feierlichen Musik den Text entwarf, dem nicht leicht ein andrer in der Fülle der Phantasie, der edeln Darstellung, und der Erregung innigen Mitgefühls, den Rang würde streitig gemacht haben. Und dieß Mitgefühl muß auch, ausser der nächste Beziehung, jeden beleben, der diese schöne Kantate liest, und die großen. nicht übertriebenen, Vorzüge ihres Gegenstandes kennt, und in Gedanken hat.”

 

1791

Schaumann, Johann Christian Gottlieb. Dreyzehnte Unterhaltung. Ueber die Verschiedenheiten des Stolzes in Rücksicht seiner Aeßerungen . In: Psyche oder Unterhaltungen über die Seele. Halle. Digitalisiert von Google

“ “[S. 461] Der Stolz, welcher sich auf eine grobe und dumme Art äußert, wird Bauernstolz genannt, weil man,, mit Recht oder Unrecht, dem Bauerstande diese beyden Prädikate vorzugsweise beyzulegen pflegt.
   Bauernstolz zeigte Dejoces, der, als er König von Medien wurde, keinen vor sich lassen wollte, und bey strenger Strafe verbot, in seiner Gegenwart auszuwerfen oder zu lachen.
   Bauernstolz hat Herr von Gänsewitz in Bürgers Epigramm: ´Herr von Gänsewitz zum Kammerdiener:´
   ´Befehlt doch draußen, still zu bleiben!
    Ich muß itzt meinen Namen schreiben.

 

1791

Hamann, Johann Michael. An Theophila. In: Poetische Versuche. Libau. Digitalisiert von Google

“[S. 58] Sonnett.
  Preis und Lob will ich so lang dir singen,
  Als noch Geist und Athem in mir lebt;
  Auf der Harfe soll dein Nahme klingen,
  Bis der Laute letzter ihr entbebt;
  Wird mir zwar kein hohes Lied gelingen,
  Wie's nur Bürger einer Molly webt,
  Will ich doch ein Lobgedicht dir bringen,
  Das die Fluth der Zeiten nicht begräbt.
  Muse! schenke mir den Zauberpinsel,
  Der Malvina´n uns auf Mala's Insel,
  Ida´n uns so meisterhaft gemahlt.
  Traun! dann will ich dir ein Werk vollenden,
  Das, so lang sich Erden um die Sonne wenden,
  Ewig frisch wie Guidos Farbe strahlt. “

 

1792

Becker, Rodolph Zacharias. Vorlesungen über die Pflichten und Rechte des Menschen. Zweyter Theil.  Digitalisiert von Google.

“[S. 238] Blümchen Wunderhold (Wer solte dieses Lied von Bürger nicht kennen?) fehle daher niemahls in dem Kranze der Anmuth, der die Tugend zieren muß, wenn ihr Besitzer die ganze Fülle ihres Segens genießen will. Denn, Wieland hat Recht, daß die Weisheit und die Tugend der Sterblichen das Uebertriebene und Aufgedunsene, das Herbe, Steife und Eckigte, welches eben so viele Fehler sind, wodurch sie, nach dem moralischen Schönheitsmaaß der Weisen aufhört, Weisheit und Tugend zu seyn, nur unter den Händen der Grazie verlieret.”

 

1792

Schlegel, August Wilhelm. An einen Kunstrichter. In: [Göttinger] Musenalmanach (Sammlung Helmut Scherer)

“An einen Kunstrichter

Ward Kraft und Genius dir angeboren,
Und modelst doch an dir mit Müh und Qual?
Aus deinem Innern nimm dein Ideal,
Sonst geht dein Selbst an einen Traum verloren.
Den Geist des Dichters adelt die Natur.
Bist du´s, so hemme nichts, was in dir wogt und lodert;
Stell´s dar, und wandle frey auf nie betretner Spur!-
Doch wenn die Kunst Vollendung fordert,
So gib sie auf! Die ziemt den Göttern nur.
Natur ist Eins und Alles. Du erkennst
Die Himmlische nur träumend; darum wähnt
Dein grübelnder Verstand, daß du ihr Werk verschönt
Im Werke deines Hirnes spiegeln könntest.
Durchforsch´ in stiller Einfalt dieses All;
Durchforsche, meistere nicht! Und faß in deinen Busen
Der Dinge reines Bild! Die göttlichste der Musen
Ist Wahrheit. Ohne sie ist dein Gedicht nur Schall.
Die Rede gab uns eine weise Güte
Zum Bande der Liebe; Mittheilung im Schmerz
Und Mittheilung in Wonne heischt das Herz,
Und Dichtkunst ist der Rede Duft und Blüthe.
Wer tiefes, eignes Leben in sich trägt,
Der atm´es aus und frage keinen Richter,
Und wisse dann, er sey´s, nicht der sey Dichter,
Deß weiser Kopf Gefühle mißt und wägt.”

Der Beitrag im Musenalmanach in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1792

Rs. Rezension Akademie der schönen Redekünste. In: Allgemeine deutsche Bibliothek. Des hundert und achten Bandes erstes Stück. 1792. Digitalisiert von Google.

“[S. 457] Akademie der schönen Redekünste. Herausgegeben von G.A. Bürger. Ersten Bandes drittes Stück.
Diese periodische Schrift erhält sich in ihrem Werthe und schon mit Recht erhaltnen Beyfall. Den Anfang macht ein Gedicht, Bellien, eine Erzählung, welch Hr. Bürger nach dem Ariosto in seiner bekannten Manier vorgetragen hat. Obgleich es in einigen Stellen etwas gedehnt ist, so läßt es sich doch überaus gut lesen. Man findet hier ganz die so bekannte und beliebte Bürgerische Laune, welcher nicht vergißt, auch hin und wieder bey Gelegenheit einen Seitenhieb anzubringen. Ein Beweis unter andern hiervon ist die 24te Stanze:
  Der Poesie spricht zwar Herr Heinrich Campe,
  Der Rathpapa, nicht allzu viel zu gut;
  Beleuchtet sie mit der bewußten Lampe
  Der Aufklärung, und warnt sein junge Blut.
  Ihm gilt es mehr, was etwa Heinrich Hampe,
  Der Collecteur, der Welt zum Besten thut,
  Des Nahrungesfleiß in Briefen unfrankiret
  Die halbe Welt mit Loosen bombardiret.
[...] Wenn diese Akademie, wle man hoffen darf, sich gleich bleibt, so kann sie dazu dienen, durch ihre gesunde Nahrung den Geschmack des Publikums in etwas wieder herzustellen, welcher durch die nahrungslosen Speisen, welche ihm in so vielen neuen periodischen Schriften aufgetischt werden, von Tage zu Tage mehr verdorben wird.”

 

1792

Anonym. Zersteute Kompositionen für Gesang und Klavier, von Friedr. Ludwig Aemilius Kunzen. In: Musikalische
Korrespondenz, 29. Febr. Speyer. Digitalisiert von Google

“[Sp. 66] hierauf folgt das Fischerlied und Hirtenlied aus Hermanns Tode, und eine Sinfonie; 2 französische und 2 deutsche Volkslieder, und zum Beschluß Bürgers Leonore durchaus komponirt. Der Herr Verf. hat sich schon durch die Herausgabe seiner geistlichen Lieder von einer rühmlichen Seite bekannt gemacht, und auch diese zerstreuten Kompositionen sind mit großer Einsicht und Beurtheilungskraft verfertiget; insonderheit hat die Komposition der Lenore, die theils in Deklamation, theils in Ariösem Vortrag bestehet, unläugbare Vorzüge vor der Andreischen Komposition, und zwar nicht blos in Rüksicht der reinen Harmonie: sondern auch in Ansehung der Wahrheit im Ausdruk. “

 

1792

Hoffmann, Leopold Alois (Hg.). Wiener Zeitschrift. Wien. Digitalisiert von Google

“[S. 264] Die übrigen Anti-Wahrheiten, Anti-Höflichkeiten, Anti-Bescheidenheiten, Anti-Klugheiten u.s.w. des Anti-Hoffmann verdienen nicht, daß ein vernünftiger Mann ein Wort darüber verliehrt. Ich erinnre mich in Bürgers Gedichten einer guten Lehre:
      ´Es gieng, was Ernstes zu bestellen
       Ein Wandrer seinen stillen Gang,
       Als auf ihn los ein Hund, mit Bellen,
       Und Rasseln vieler Halsband s chellen
       Aus einer Pfennigschenke sprang.
       Er, ohne Stok und Stein zu heben,
       N och sonst sich mit ihm a bzugeben,
       Hub ruhig weiter Fuß und Stab,
       Und Klifklaf ließ von Lärmen ab.

       Dies Fabelchen führt Gold im Munde.
       Weicht aus dem Rezensentenhunde!´ “

 

1793

Giesecke, Johann Christian. Handbuch für Dichter und Litteratoren oder möglichst vollständige Uebersicht der deutschen Poesie seit 1780. Erster Theil A-C.  Digitalisiert von Google.

“[S. 282] Wer ließt den größten Theil seiner Gedichte, deren ich einige hieher setze, nicht mit Vergnügen? empfehlen sie sich nicht, im ganzen genommen, durch eine klare, natürliche Sprache, welche sich gleich weit vom Erhabenen und Prosaischen entfernt? ist nicht Reichhaltigkeit der Ideen, sind nicht charakteristische Schilderungen, treffende und bedeutende Züge, gewählte und vielsagende Bilder die Zierde seiner meisten Gedichte? Weis er uns nicht alles so anschaulich darzustellen? die interreßantesten Erwartungen zu erregen? den Aufschluß glücklich zu wenden? kann man nicht aus manchem seiner Gedichte lernen, was poetischer Rhytmus und Fülle sey? und machen diese mannigfaltigen Schönheiten nicht die Fehler verzeihlich, welche der denkende und gebildete Leser hier oder dort nicht übersehen kann?”

G.A. Bürger in Gieseckes Handbuch in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1793

Hr. Rezension poetische Blumenlese aufs Jahr 1793. In: Neue Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste.  Digitalisiert von Google.

“[S. 93] Den gegenwartigen Jahrgang eröffnet ein neues Meisterstück des Herausgebers Heloisens Brief an Abälard frey nach Pope bearbeitet. Es war ein schweres Unternehmen mit dem Originale zu ringen, welches der Vf. vor Augen hatte; aber dieses Unternehmen ist ihm gelungen, wie ihm alles gelingt, wenn sich sein Geist ermannt und seine Kräfte sich frey, von äußern Einflüssen ungefesselt, regen. Die Fülle des Ausdrucks, der Wohlklang der Versification, der rasche Gang durch die mannichfaltigsten Empfindungen erheben diese Heroide zu der Klasse der besten Werke dieses Dichters und so mit zu dem Vorzüglichsten, was unsre Sprache in dieser Gattung besitzt. Was kann feuriger, gedankenreicher, inniger seyn, als folgende Stelle:
 - Werfe sich der ganzen Welt Gebieter
  Huldigend zu meinen Füßen hin;
  Stolz verschmäh´ ich ihn und alle Güter,
  Wenn ich nur des Liebsten Holdinn bin.

[S. 94] Wir können uns nicht enthalten, noch eine Stelle anzuführen, welche zu den vollendetsten dieses Gedichtes gehört, und, als eine der kräftigsten Darstellungen der unbegränz ten, hoffnungslosen Liebe, einen rühmlichen Platz neben der bekannten Ode der Sappho einnimmt:
  Was für Herz entweihende Gebilde
  Stellen sich mir allenthalben dar!
  Ich mag betend wandeln im Gefilde,
  Ich mag kniend beten am Altar.

[S. 95] Diese Epistel ausgenommen, hat Hr. B. diesem Almanach noch ein Dutzend Gedichte einverleibt, von denen sich keines in seiner Art zu der Vollkommenheit des ersten erhebt. In dem Gedichte die Tode wird der Schönheitssinn durch einige wilde Kraftausdrücke zurückgescheucht; das Sonnet, Erscheinung betitelt, ist im Ganzen dunkel und gegen das Ende zu matt; auch das Straftied an die Gallier ist für das was es seyn soll, und was man von der Energie des Verfassers erwarten durfte, nicht kraftig genug.

[S. 103] Zum Beschluß müssen wir noch der Gedichte des Herrn Menschenschreck Erwähnung thun. Es ist so öffentlich gesagt und geschrieben worden, daß diese Gedichte dem Herausgeber des Almanachs zugehören, und ihr Verfasser ist selbst so wenig bemüht gewesen, sich vor den Augen des Publikums zu verbergen, daß es kindische Ziererey von uns seyn würde, in diesem Punkt die Unwissenden spielen zu wollen. Diese Gedichte haben sämmtlich - dieß zeigt ihr ganzes Gepräge - eine individuelle Beziehung. Sie werden für den größten Theil der Leser - nemlich alle diejenigen, welche die besondere Lage, Verhältnisse und Schicksale ihres Verfassers nicht kennen - weder Sinn noch Interesse haben; und der kleinere Theil derjenigen, welche so glücklich sind, in diese Geheimnisse ein geweiht zu seyn, werden sie zwar als einen Beytrag zur Kenntniß des menschlichen Herzens nicht für unwichtig halten, aber schwerlich wird eines derselben einem unbefangenen Leser den Genuß verschaffen, welchen ein Produkt der schönen Kunst zu verschaffen beabsichtigt.
   Fünf oder sechs dieser Gedichte sind gegen die Rezensenten des Verfassers gerichtet, und er schlägt auf diese, in seinen Augen so verabscheuungswürdige Menschenart mit einem so blinden Ungestüm los, daß er die Peitsche über jeden schwingt, den er von dem schändlichen Laster, seine Meinung über Werke des Geistes sagen zu wollen, angesteckt glaubt.

[S. 104] In der Fabel vom Vogel Urselbst hat sich die Kritik, für die Verachtung, mit welcher ihr der Dichter begegnet, augenscheinlich gerächt. So scharf er seinen Bogen spannt und so gut er sein Ziel gefaßt zu haben glaubt, so gehn seine Pfeile dennoch in den leeren Raum, denn das Ziel, auf das er sie richtet, ist ein Phantom seiner Einbildungskraft.

[S. 108] In diesem Elende fleht er zu seinem Genius empor. Der Genius liest ihm, wie recht und billig, die Moral, warnt ihn vor den Regelbuden, und gibt ihm endlich seine Flügel wieder, unter der Bedingung, sich an seine vorigen Rathgeber nie mehr zu kehren.
  Mit dieser glücklich erfundenen, wohl zusammenhängenden Fabel glaubt Hr. Bürger seine Rezensenten ad absurdum gebracht zu haben!!! ”

Die vollständige Rezension in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1793

Anonym. Neu-Franken und Belgier. Fortsetzung. In: Minerva. Ein Journal historischen und politischen Inhalts, herausgegeben von J.W.v. Archenholz. Fünfter Band, Januar. Februar. März. 1793.

„[S.257] Die Liebhaber der redenden Künste erinnern sich gewiß noch einer Recension über Bürgers Gedichte in der allgemeinen Litteraturzeitung, die das Publicum seinem Lieblinge Schiller zugeschrieben hat. Diese Recension ist das lebendigste Beyspiel von den Widersprüchen und ungereimten Foderungen, worinn die hochgespannte Theorie verfällt, wenn sie von Menschenwerken Götterkraft, von individueller Wahrheit Ideal verlangt. Seit dem Erzgrübler Lessing aber, der, wie ein schwedisches Sprichwort sagt: Scheidewasser auf alles goß, sind unsere Kunstrichter so witzig und subtil geworden, daß sie von den guten Geisteswerken zuerst das Gute abschaben, und dann eine Glasur von sublimirten Phantasien darüber giessen, um zu zeigen, daß ein Ding darum nicht gut sey, weil es nicht ein anderes Ding, nicht das ist, was es unter ganz andern Umständen seyn könnte. Wenn Bürger, im Drange seiner Schicksale, in dem Ausdruck seiner individuellen Empfindung, einer Molly Gedanken und Gefühle vorsingt, die für keine Daphne oder Cidli gepaßt hätten, so will der Idealisirer nicht damit zufrieden seyn, daß er nicht lieber einer Daphne oder Cidli etwas vorsinge, was sich für keine Molly geschickt hätte.“

 

1793

Schubart, Christian Friedrich Daniel. Schubart´s Leben und Gesinnungen. Zweiter Theil. Hg. Ludwig Schubart. 1793.  Digitalisiert von Google.

“[S. 111] Der Geschmack der Deutschen an der Operette ist seitdem noch weit allgemeiner geworden. Noch immer aber nimmt man es mit dem Text so wenig genau, daß man dem Dichter die unverzeihlichsten Schnizer, die anstösigsten Zoten vergibt, wenn nur der Tonsezer den undankbaren Stof zu beleben - oder auch nur das Ohr der Hörer zu kizeln wußte. Wann werden wir Deutsche einen Metastasio erhalten? So sehr sich unsre Sprache gegen diese zarte weiche gelenkvolle Dichtungsart zu sträuben scheint; so laut fordert der Geschmak des Zeitalters einen solchen Mann; und so auffallend hat es Meister Bürger durch seine Sonnette bewiesen, daß die Sprache Luthers - die wiederhallt im Felsengebirge - doch auch der zartesten Biegsamkeit, der lieblichsten Melodie fähig sei.”

 

1793

Lambrecht, Matthias Georg. Hirngespinste. Ein Lustspiel in vier Aufzügen. o.O. Digitalisiert von Google

“[S. 8] Clementine: So ist der Romanenheld, der Innbegriff aller Vollkommenheiten fix und fertig! - Wüßte ich doch, wo der Phönix lebte, ich entschlösse mich zur zweyten Ehe. - Apropos: weißt du nicht, ob Bürger schon Nachricht erhielt, wo Weinsberg liegt? “

 

1793

Löbel, Renatus Gotthelf. Über Bürgers Ballade Die Entführung. In: Grundsätze der Kunst zu übersetzen, ein Versuch; aus dem Englischen; mit Rücksicht auf teutsche Muster bearbeitet. Leipzig

“[S. 93] Ueberhaupt je mehr ein Werk vortrefflich, original und einzig in seiner Art ist, desto weniger Freiheit darf sich der Uebersetzer im Verschönern desselben erlauben. Ein solches Werk wollen wir ganz getreu dargestellt sehen; selbst die kleinen Flecken desselben haben einen gewissen Reiz für uns, wie das Grübchen in der Wange des Mädchens für ihren begeisterten Liebhaber.
   Alles dieses bezieht sich jedoch blos auf Uebersetzungen, im eigentlichen Sinne des Wortes, aber nicht auf freie Bearbeitungen, bei welchen Verbesserungen, die bei Uebersetzungen meistentheils fehlerhaft sind, dem Urheber derselben zum Lobe gereichen. Ein vortreffliches Muster der letztern Gattung ist die Bürgerische Bearbeitung der englischen Romanze: The child of Elle. So viele Schönheiten auch das englische Original besitzt, so ist es doch erst unter den Händen des deutschen Dichters, das vortreffliche Muster von poetischer Handlung worden, aus welchem Engel die Gesetze für diesen Zweig der Dichtkunst entwickeln konnte, so wie es unter demselben ungemein an Lebhaftigkeit der Darstellung und an poetischem Ausdruck gewonnen hat. Es kann dem Leser nicht anders als angenehm seyn, die deutsche Ballade in dieser Rücksicht mit der englischen zu vergleichen; ich habe daher beide neben einander gestellt, und einige Bemerkungen hinzu gefügt, welche ein jeder mit eigenen zu vermehren Stof gnug finden wird.

[S. 117] Anmerkungen.

1) Im Deutschen ist der Anfang dieser Romanze weit lebhafter und dichterischer, als im Englischen. Statt, wie der englische Dichter, mit der Beschreibung der Wohnsitze der beiden Liebenden anzufangen, versetzt uns der deutsche sogleich mitten in die Handlung, und zeigt uns den jungen feurigen Ritter, wie er von traurigen Ahndungen befallen, sein Pferd satteln läßt, um im Freien sich Luft zu machen. Daß das Schloß des Ritters dem Schlosse des Vaters seiner Geliebten gegenüber gelegen habe, (s. den 1. Vers des englischen Originals) dieses verschweigt uns der deutsche Dichter; allein, so vortrefflich es auch ist, daß er seine Erzählung nicht mit dieser Beschreibung anfängt, so glaube ich doch auch, daß diese Nachricht nicht ganz hätte übergangen werden sollen. Es kommen in der Romanze selbst zu viele Umstände vor, welche blos durch die Nachbarschaft beider Wohnsitze erklärt werden können, und es wäre daher vielleicht, für die Deutlichkeit des Ganzen, besser gewesen, diese Nachbarschaft anzuzeigen, als sie blos errathen zu lassen. - Die Unruhe und Besorgnis des Ritters, im ersten Verse der deutschen Ballade, ist ein glücklicher Zusatz des deutschen Dichters. Um uns den Empfindungen, welche in einem Gedicht herrschen, ganz und ungestört zu überlassen, wird eine gewisse diesen Empfindungen analoge Stimmung der Seele erfordert; in diese Stimmung muß uns der Dichter, welcher auf uns wirken will, so früh als möglich zu versetzen suchen. Herr Prof. Bürger thut dieses mit vieler Einsicht, indem er den Ritter, und mit demselben zugleich den Leser in die Ahndung einer trüben Zukunft versetzt, und uns auf diese Art auf die folgenden Ereignisse vorbereitet.

2) Daß der Vater der Geliebten des Ritters in der deutschen Bearbeitung redend e ingeführt wird, (im Englischen werden seine Drohungen gegen die Fräulein blos erzählt) erhöht unstreitig die Lebhaftigkeit der Erzählung; nur scheint der Verstand, daß eine redend eingeführte Person wieder eine andere redend einführt, dem Leser, welcher die deutsche Ballade zum erstenmal liest, in eine kleine Verwirrung und Ungewißheit zu versetzen; er geräth bei den Worten: Mord! - flucht er laut usw. leicht auf den Gedanken, daß der Ritter der Zofe ins Wort falle.

3) Der englische Dichter macht uns gleich anfangs mit der Ursache bekannt, warum sich der Vater des Fräuleins so sehr wider ihre Verbindung mit dem Ritter sträubte:
     And aye she laments the deadlye feude
     Betweene her house and thine.
Der deutsche hingegen verschiebt dieses bis zu Ende der Entwicklung. Ich finde in diesem Aufschub wahre Weisheit, und eine trefliche Bestätigung der Horazischen Verse:
    cui lecta potenter erit res,
    Nec facundia deseret hunc, nec lucidus
              ordo
    Ordinis haec virtus erit et venus, aut ego fallor,
    Ut iam nunc dicat, iam nunc debentia dici
    Pleraque differat et praesens in tempus omittat.
Es verstärkt unsre Theilnahme an dem Schicksale und den Gefahren der beiden Liebenden, besonders der Fräulein, ungemein, wenn wir den Vater der Fräulein, bis ans Ende der Entwicklung, blos als einen harten unbiegsamen Mann kennen lernen, und seinen unglücklichen Starrsinn durch nichts zu entschuldigen wissen. Es ist der sehnlichste Wunsch jedes Vaters, seine Verbindungen durch seine Kinder gleichsam fortgesetzt zu sehen; und Familienhaß ist gewiß eine große Entschuldigung für einen Vater, um sich der Verbindung seiner Tochter mit der gehaßten Familie zu widersetzen. - Am Ende der Entwicklung hingegen, wo sich der Vater der Fräulein mit uns aussöhnt, und bis wohin Herr Prof. Bürger diesen Zug verspart hat, thut er vortrefliche Wirkung, um diese Aussöhnung zu beschleunigen, und desto herzlicher zu machen.
  
3) Diese Entbietung der Vasallen ist ein Zusatz des deutschen Dichters. In der englischen Ballade erscheinen die Vasallen am Ende auch auf das Blasen des Ritters, aber der Leser wird auf diese Szene im geringsten nicht vorbereitet. Die Erscheinung derselben hat daher in dem englischen Original etwas Auffallendes und Unwahrscheinliches, welches durch die frühzeitige Erwähnung der Nachbarschaft beider Schlösser höchstens gemildert, aber nicht getilgt wird. Es bedurfte erst dieser Vorbereitung des deutschen Dichters, um der Einmischung der Vasallen den Grad von Schönheit zu ertheilen, welche Herr Engel, in einer nachher anzuführenden Stelle, in derselben auseinander setzt.

4) Irr ich nicht, so ist in der deutschen Romanze die Beschreibung des Zustandes der Fräulein vor der Erscheinung des Ritters, ihrer Lage angemessener, als in der Englischen.

5) Horch, Liebchen, Horch! - u.f.f. diese Vorbereitung auf das Folgende, wo die Flucht der beiden Liebenden verrathen wird, gehört ebenfalls dem deutschen Dichter. Und wenn es nicht geleugnet werden kann, was Diderot behauptet, daß jede Szene doppelt würke, wenn sie vorher gehörig vorbereitet worden, so hat Herr Bürger sein Original unstreitig verschönert.

6) Welch ein meisterhaftes Gemälde ist in dieser Strophe enthalten! Im Englische steht blos:
     Wher she was aware of her father men
     Come galopping over she downe.
Diese Erweiterung ist über dieses noch deßwegen schön, weil sie eine ähnliche Vorbereitung enthält, wie diejenige, auf welche ich den Leser in der vorigen Anmerkung aufmerksam gemacht habe.

7) A knight me gott, and a lady me bore,
  So never did none by thee.
Diese beiden Verse sind in der deutschen Beabeitung weggelassen worden, und, wie ich glaube, mit Recht. Sie enthalten gewissermaaßen eine Rechtfertigung, welche sich der erzürnte Ritter gegen seinen Nebenbuhler wohl schwerlich erlaubt haben möchte. Nur dem Vater seiner Geliebten kann er Rechenschaft von seiner Familie schuldig zu seyn glauben, und diesem legt er sie auch nachher ab.
   ´Eins aber [...] sehr angenehme Art und Erwartung.´ Engels Anfangsgründe einer Theorie der Dichtungsarten, !. Theil, S. 264.

[S. 125]
8) Nur eins ist es, was mein Gefühl in der deutschn Romanze beleidigt: dieses Bild von der Feueresse. Ich leugne hiermit nicht, daß dieses Bild oft sehr glücklich gebraucht werden könne, allein für den Vater der Fräulein, welcher sich alsbald unsre Hochachtung und Liebe erwirbt, scheint es nicht edel genug zu seyn. Auch läßt der deutsche Dichter den Alten blos von Zorn aufglühen; im Englischen hingegen empfindet er zugleich auch Schmerz, ein Gefühl, das ein solcher Vater in einer solchen Lage unmöglich verläugnen kann.

9) Wer an einem Beispiele sehen will, was es heißt, Poesie in Poesie zu übersetzen, der vergleicht diesen und den folgenden Vers mit dem englischen Originale.

10) So wie die deutsche Romanze in Rück[?] auf die Lebhaftigkeit der Darstellung überhaupt vor der englischen den Vorzug verdient, so verdient sie ihn auch in Rücksicht auf die Lebhaftigkeit des Sylbenmaaßes. Das Sylbenmaaß in der englischen ist zu eintönig, um die Empfindungen, welche in diesem Gedicht herrschen, gehörig auszudrücken.“

Löbels vollständiger Beitrag mit dem englischen und dem deutschen Text in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1793

Ramdohr, Friedrich Wilhelm Basilius von. Charis oder Ueber das Schöne und die Schönheit in den nachbildenden Künsten . Erster Theil. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 281] Wer mit der Geberde eines Erschrockenen plötzlich vor mich hintritt, der macht gleich; er überzeugt mich von dem würklichen Daseyn eines Erschrockenen, ja! er schaft nützlich: ich nehme wahren Antheil an seiner Lage, ich suche ihm zu helfen. Wer mir hingegen zu erkennen giebt, daß er die Geberde nur so annehme, der ahmt nach. Wer mir die Veranlassung zu diesem Schrecken als ein würkliche Begebenheit erzählt, und mich dadurch zur Theilnahme auffordert, der macht gleich, und schaft nützlich. Wer mir aber Bürgers Leonore mit dumpfer holer Stimme vordeclamirt, und schreckhafte Bilder in meiner Seele erweckt, der rechnet darauf, daß ich um der Erkenntniß gewisser sinnlichen Merkmahle der Zweckmäßigkeit, und um der gleichen Wirkung willen, die er auf mein wollendes Wesen hervorbringt, ihm das würkliche Daseyn und die würkliche Brauchbarkeit der Folgen dieser Wirkung schenken werde, der schaft nach. “

 

1794

Wk. Rezension Einige Hexenscenen aus Shakespear´s Macbeth, nach Bürgers Verdeutschung in Musik gesetzt und fürs Clavier ausgezogen von Johann Friedrich Reichardt. In: Allgemeine deutsche Bibliothek. Des hundert und siebzehnten Bandes erstes Stück. 1794. Digitalisiert von Google.

“[S. 70] Die rufende Stimme hinter dem Theater - wie schrecklich, und wie eingreifend!! Das Allegretto der Altfrau, mit immer zunehmender schnellern Bewegung, zeugt ebenfalls von dem großen Genie des Componisten. Zuletzt ein Allegro di molto, worin die nachstehenden, von Bürger meisterhaft in das Deutsche übersetzten Worte beynahe mehr gesprochen, als eigentlich gesungen werden:
 Erste Hexe.   Dreymal hat der Kater miaut!
 Zweyte Hexe.  Dreymal schrie das Leichhuhn laut!
 Dritte Hexe.   Dreymal hat der Frosch gekäkert,
             Und der schwarze Bock gemeckert!
             Urian ruft: ´s ist Zeit jetzunder!
 Erste Hexe.   Trippelt, trappelt, Tritt und Trott
             Rund um unsern Zauberpott!
             Werft hinein den Hexenplunder!
-----------------------------------------------------
 Alle drey.     Lodre, brodle, daß sich's modle!
            Lodre, Lohe! Kessel, brodle! ”

 

1794

Anonym. Rezension Musenalmanach Göttingen 1794. In: Neue Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste. Zwey und funfzigsten Bandes Erstes Stück.

“[S. 116] Gewiß ist allen unser Lesern die Königinn von Golconde, wenigstens dem Namen nach. und den mehresten auch wohl aus der Erzählung des Ritter Boufflers bekannt. Die reizende Prose dieses liebenswürdigen Schriftstellers ist hier von Hrn. Bürger in fließende Verse verwandelt.
    Wenn wir diese Arbeit als ein für sich bestehendes Werk, ohne Rücksicht auf die Vergleichung mit dem Originale betrachten, so finden wir, ausser dem Reize der Erfindung, im Ganzen Leichtigkeit und Laune; im Einzelnen, viele ausnehmend runde und glückliche Verse. Der Ausdruck ist an vielen Stellen natürlich und ungesucht; er ist es ganz vorzüglich da, wo er diese Eigenschaften am schwersten behauptet, in der Erzählung geringfügiger Umstände. Es würde uns schwer fallen, unter den den glücklichen Versen eine Auswahl zu treffen, und wir überlassen es dem Geschmacke unsrer Leser, sie aufzusuchen. - Auf der andern Seite aber fällt in einzelnen Stellen eine gewisse Weitschweifigkeit in Gedanken und Worten auf. Der Dichter scheint seinen Gedanken bisweilen herbeyzuziehn; er verabsäumt es nicht nur, den Ueberfluß zu beschneiden, sondern er läßt ihn, um dem wirklich Zweckmäßigen einen Platz zu verschaffen, entstehn; und bey diesem Fortspinnen durch Reime und müßige Verse, drängt sich dem Leser die Ahndung von Zwang und Fesseln auf, welche das Original dem Uebersetzer angelegt habe.

[S. 119] Bey einer Vergleichung mit dem Originale, zu welcher man in dem gegenwärtigen Falle um desto mehr veranlaßt wird, je genauer sich Herr B. an die Gedanken und Worte desselben angeschmiegt hat, erscheint der deutsche Dichter in einer sehr weiten Entfernung hinter dem französischen Prosaisten. Wenn der letztere in dem anständigen, immer gleichgehaltnen, muntern Tone eines Mannes von Welt und erprobten Geschmack, mit eben so viel Witz als Gefühl erzählt, kein Wort zu viel oder zu wenig sagt, und sich von aller Prätension so vollkommen frey zeigt, als der gute Gesellschafter seyn muß, wenn er gefallen will; so herrscht in der Erzählung des erstern dagegen eine auffallend Ungleichförmigkeit, bisweilen ein Mangel an Anstand und Feinheit, bisweilen ein ton goguenard, bisweilen eine allzugroße Nachläßigkeit, bisweilen ein allzusichtbares Bestreben, munter und unterhaltend zu seyn. Die Anmuth des Originals ist in der Uebersetzung verschwunden, so wie manche glückliche Wendung übergangen ist.”

Die vollständige Rezension in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1794

Lichtenberg, Georg Christoph 

„Herrn Amtmann Bürgers Ballade Frau Schnips ist eine der besten, die ich in meinem Leben gelesen habe. Allein mit dem Bekanntmachen, das ist nun so eine Sache, und mit dem nicht Bekanntmachen auch…. Und doch, hols der Henker! Darf man so etwas nicht ungedruckt lassen, das uns allen Ehre machen kann…. Nur das mußt Du dem Herrn Amtmann sagen, in meinem Namen, dass, wenn er sie bekannt macht, er wahrlich lieber die Zeiten ändern soll als eine Zeile darin!“

„Ich habe sein Begräbnis durch das Perspektiv mit angesehen…. Das Abnehmen vom Wagen konnte ich unmöglich mit ansehen, und ich musste mich entfernen. Es begleitete ihn niemand als Prof. Althof mit farbigem Kleide, Dr. Jäger und des Verstorbenen armer Knabe. Ich hätte nicht gedacht, dass das, was mich in den drei oder vier letzten Jahren so oft an Bürgern geärgert hat, bei dem soeben beschriebenen Auftritt kein geringer Trost für mich werden könnte: nämlich, dass er größtenteils an seinem Unglück selbst schuld war; vielleicht ganz allein.“

 

1794

Hartmann, Carl Ludwig (Hg.). Gedichte von G. A. Bürger (Rec. in d. allg. Lit. Zeit. Nr. 13 u. 14. 1791.) In: Revision kritischer Journale und Zeitungen. Berlin. Digitalisiert von Google

“[S. 77] Manche Sünde gegen den gereinigten Geschmack erlaubte sich Bürger allerdings, und der Rec. hat ganz Recht, wenn er ihm dies vorwirft. Dagegen aber sind auch manche Behauptungen des Rec. entweder ganz oder zum Theil unrichtig, oder - wenn sie richtig sind - doch wenigstens so schwankend und unbestimmt ausgedrückt, daß man ihren Sinn nur errathen kann. Nirgends aber ist die größte Präcision nöthiger, als in einer Recension.
     Gleich im Eingange, der von der Dichtkunst überhaupt handelt, findet man hingeworfne Gedanken, die höchstens halb wahr sind. ´Bei der Vereinzelung und getrennten Wirksamkeit unserer Geisteskräfte, die der erweiterte Kreis des Wissens und die Absonderung der Berufsgeschäfte nothwendig macht, ist es die Dichtkunst beinahe allein (?), welche die getrennten Kräfte der Seele wieder in Vereinigung bringt, - welche gleichsam den ganzen Menschen in uns wiederherstellt. Sie allein (??) kann das Schicksal abwenden, das traurigste, das dem philosophirenden Verstande wiederfahren kann, über dem Fleiß des Forschens den Preis seiner Anstrengungen zu verlieren, und in einer abgezognen Vernunftwelt für die Freuden der wirklichen zu ersterben.´
    Wir überlassen es dem Leser, was er von der Bestimmtheit einer Recension, die mit solchen Sätzen anhebt, erwarten wolle.
    Von ähnlicher Unbestimmtheit sind auch die vorkommenden Uebertreibungen. Nach S. 101 nöthigte die Lesung der Bürg. Gedichte dem Rec. das Urtheil ab: daß der Geist, der sich in diesen Gedichten darstellt, kein gereifter, kein vollendeter Geist sey, daß seinen Producten nur deshalb die letzte Hand fehlen möchte, weil sie ihm selbst fehlte. Und S. 98: ´Der höchste Werth eines Gedichts kann kein andrer seyn, als daß es der reine vollendete Abdruck einer intressanten Gemüthslage eines intressanten vollendeten Geistes ist. Nur ein solcher Geist soll sich uns in Kunstwerken ausprägen.´ Der Rec. verlangt also, daß der Geist eines Dichters oder anderer Virtuosen in einer schönen Kunst ein vollendeter Geist seyn soll. Alsdann darf sich kein Sterblicher unterfangen, irgend ein Werk der schönen Künste produciren zu wollen. Denn ein endlicher Geist kann nie ein vollendeter seyn. Wir wissen es wohl, daß sich das, was der Rec. sagen will, entschuldigen läßt, wenn man es mit den Worten so genau nicht nimmt; die Rede ist aber von dem, was er wirklich sagt. 

[S. 79] Diesen Begriff [Idealisirkunst] vorausgesetzt, ist es unläugbar, was der Rec. S. 105 sagt: daß sich ohne Idealisirkunst kein Dichter denken läßt. Wer aber kann es dann zusammen reimen, wenn derselbe Rec. S.105 diese (von ihm beschriebene) Idealisirkunst bei Bürger vermißt, und ihn dann doch einen Dichter nennt, mit dem alle jetztlebenden vergeblich um den lyrischen Lorbeerkranz ringen (S. 109), von dessen Gedichten sich unendlich viel Schönes sagen läßt, und dessen Produkte zum Theil einen unerreichbaren Werth haben (S. 109, 107)!

[S. 80] In den andern Vorwurf aber, welcher die von Bürger dargestellten Gemüthsbewegungen häufig zu individuel findet, und verlangt, daß sie allgemeiner seyn sollen, können wir nicht mit einstimmen. Denn a) [...] b) [...] c) [...] d) [...].

[S. 88] Aus dem allen ist einigermaßen begreiflich, wie die Vollkommenheit eines lyrischen Gedichts dadurch vermehrt werden kann, daß der Dichter die Leidenschaft selbst empfindet, die er besingen und darstellen will. Ursprünglich waren auch die lyrischen Gedichte gewiß nichts anders, als Ergießungen einer wirklich vorhandenen Leidenschaft; so wie man noch täglich wahrnehmen kann, daß manche Gemüthsbewegungen den Söhnen der Natur eine hinreißende Beredtsamkeit geben; ingleichen, daß auch vortreffliche lyrische Dichter bei den sogenannten Gelegenheitsgedichten oft matt und frostig sind, weil sie, zumal wenn sie im Namen eines andern reden, oft die Leidenschaft nicht empfinden, die
das Gedicht ausdrücken soll. Daher sagt man auch ganz recht, der lyrische Dichter müsse sich wenigstens in die Leidenschaft zu versetzen wissen, die er besingen will. “

Der vollständige Beitrag in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1794

Anonym. Die Wundernächte. In: Scherflein zur Menschenkunde. Frankfurt. Digitalisiert von Google

“[S. 59] Nun war ich allein und meinen Phantasien überlassen. Jenny war wieder mein erster Gedanke: Vielleicht ist sie dennoch auf den Gottesacker gekommen, wie ich mich schon von Furcht und Kälte hatte vertreiben lassen; was mußte ich nun in ihren Augen scheinen; mein einziger Wunsch war, sie nur allein zu sprechen. Ich wollte ihr schreiben; aber nichts war dazu vorhanden. Unwillkührlich stand ich am Klavier und hatte mich im Phantasieren in Bürgers Leonore verirrt. “

 

1794

Beil, David. Liebe um Laune. In: Sämmtliche Schauspiele, Zweyter Band. Zürich und Leipzig. Digitalisiert von Google

“[S. 121] Fräulein. Man weiß auch, wies bey der sogenannten großen Welt hergeht. Ist darum alles wahr?
       Dales. Nu, ich hoff es nicht zu erleben.
       Fräulein (singt in der Zerstreuung). Durch Nacht und Dunkel komm´ ich her, zur Stunde der Gespenster -
       Dales (ärgerlich). Immer Gespensterhistörchen oder Mordgeschichten! “

 

1795

Haschka, Lorenz Leopold. An die Nachtigall. In: Magazin der Kunst und Litteratur. Juli, August, September.

“An die Nachtigall.
Im Julius, 1795.

     Tale tuum carmen nobis, diuine Poeta !
             Virgilius

Willkomm, willkommen, liebliche Sängerinn !
Verließt du darum deiner Gespielen Hain,
  Und bautest dich in dieser Aesche
   Wipfel zunächst hier bey meinem Fenster;

Daß du mit deiner zaubrischen Kehle mir
Das Ohr ergötztest, und mein zerrißnes Herz
  Durch deinen Flötenton erlabtest ?
   Ach, von den Zungen der Stadt zerrissen!

Dein schmelzend Lied hallt fort: und sie gehen zu
Die Wunden meines Herzens; sie schließen sich.
  Ihr bösen Zungen, ich vergeb´ euch:
   Friede mit jedem, so mich beleidigt !

Dank dir, und Preis dem, der dich geschaffen hat
Aus einem Hauche seiner vergnügten Brust,
  Da er den Himmel und die Erde
   Machte, und sah, daß es alles gut sey !

Wie ? oder bist du eine Verwandlung nur,
Wie mit der goldnen Hüft´ einst der Mann *) gelehrt ?
  Bist du die Seele eines Menschen,
   Eines, der schmachtet´, und nun erlöst ist ?

Bist du die Seele Bürger´s, der sanft und stark
Mit seiner Leyer wider das Schicksal stritt ?
  Ein ehern Schicksal, das den edeln
   Streiter doch endlich zu Boden drückte !

Bewundert, wo er nicht war; gequälet, wo
Er war; an Brod´ und Ehre gekränkt; ja, selbst
  Vom Weibe seines Betts verrathen,
   Sogen ihm Kummer und Noth das Mark aus !

Griff eines kleinen, hämischen Meisterers
Verwegne Krallen-Pfote doch neulich erst
  Nach seinem schwer verdienten Lorbeer-
   Kranze **), dem einzigen Gut des Armen !

Den eine ganze, mächtige Nation
Einmüthig seiner Kunst um die Schläfe wand !
  Denn sagt, (dich frag´ ich nicht, du schnöder
   Meisterer !) aber, ihr Kenner, saget !

Wo ward ein Dichter jemahls so allgemein
Gefeyert, wie es Bürger uns Deutschen ward ?
  Homer nicht, Flaccus nicht, nicht Milton
   Wurden im Leben so hoch geachtet !

Und dennoch schrie oft laut die Verzweifelung
Aus ihm in bitterm, grimmigem Scherz´ heraus,
  Beschlossen hab´ er, aus der Welt sich,
   Eh´ er dann bettle, hinaus zu hungern !

Doch Göttin Febris ***) wahrte ****) sein Vaterland
Vor diesem Brandmahl: weinend sie selber, brach
  Und legte sie den stolzen Baum, voll
   Früchte, in Mitte der Reife nieder !

Verstummt ist also unsers Volks Liedermund;
Ersticket seines Herzens stets rege Gluth;
  Schon schwelgt der Wurm an seinem Haupte,
   Welches von Welten und Welten strotzte !

Nun da sein Glanz die Schieler nicht weiter brennt,
Nun klimpern sie im Reiche die Hällerchen
  Zusammen, durch ein gleißend Steinchen
   Seiner noch unter der Erd´ zu spotten;

Und ihrer Selbstsucht Kinderkopf über ihn
Vier Fuß hoch aufzurecken zur Ewigkeit. . .
  O Nachtigall, o Nachtigall, mir
   Beben vor Zorn in der Hand die Saiten !

          Lorenz Leopold Haschka


**) Dieses extra-feine Meisterstück einer weisen und edeln Kritik war vor ein Paar Jahren in der allgem. Jenaer-Litteratur-Zeitung zu lesen. [die restlichen Anmerkungen im Faksimile in der ONLINE-BIBLIOTHEK]”

Haschkas An die Nachtigall in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1795

Anonym. Geheime Geschichte des Verschwörungs-Systems der Jakobiner in den österreichischen Staaten.

“[S. 35] Die heimlichen Ruhestörer unterliessen auch nicht, schon seit mehrern Jahren Gedichte und Zettel auszustreuen, die theils offenbar aufrührerisch waren, theils nur dazu dienen sollten, die öffentliche Stimmung für ihr Unwesen empfänglich zu machen. Zu Tausenden wurden solche saubere Blätter verbreitet. In allen Authoren suchten sie nach, um etwas zu finden, das in ihren Kram taugte. Von den ganz groben und tollen dieser im Dunkeln fliegenden Papiere will ich keins anführen. Nur zwey Gedichte will ich erwähnen, um zu beweisen, welchen ausserordentlichen Schaden das Genie anstiften kann, wenn es durch falsche Schwärmerey, oder durch Bosheit verleitet wird, seine Schwungkraft zum Giftmischen anzuwenden. Das erste ist von Schubart, dem ältern [Der Aderlaß]; [...].

[S. 38] Das zweyte Gedicht ist von einem der ersten und beliebtesten Dichter unserer Nation. Es ist im höchsten Grade boshaft und ein wahrer Triumph des Jakobinismus, oder wenn ihr es so nennen wollt, der herrschsüchtigen Ruhestörer, die im Verborgenen schleichen. Freylich vermißt man ihre bekannte Freyheit darinn; das Ende ist im Gegentheil so plump als möglich, allein diese Plumpheit ist mit genugsamen Talent ausgeschmückt, um Aufmerksamkeit zu erregen. Im Jahre 1793, gerade als das deutsche Waffenglück am höchsten stieg, ward es in Wien ausgestreut.
     Die Todte
     Für Tugend Menschenrecht und Menschenfreyheit sterben
     Ist höchst erhabener Muth ist Welterlösers Tod!
     [...]
     Wo so ein Held erliegt, da werde Rad und Galgen
     Für Strassenräuber und für Mörder aufgestellt.

Dieses Gedicht ist von dem bekannten **, der jetzt Professor in Göttingen ist, und mit dem ich noch etwas zu reden habe.

[S. 40] Höre Mensch, der da diese Verse schriebst, du bist entweder sehr unwissend, oder sehr boshaft, oder unwissend und boshaft zugleich, welches wohl am wahrscheinlichstn.

[S. 41] o wenn du dergleichen gesehen und gehört hättest, so hoffe ich zu deinem Herzen, du würdest gern mit deinem Blute austilgen, was du da geschrieben hast, und würdest dich überzeugen, daß unsere braven Krieger, die du in deinem schmutzigen Bücherneste, vielleicht bey einer Pfeiffe Taback frevelvoll schmächst und lästerst, nicht aus Hundemuth, sondern für etwas anderes als für blanke Majestät, wie du dich auszudrücken beliebst, bluten, und fern von ihrer Heymath und ihren väterlichen Fluren, jeder Beschwerlichkeit, jeder Gefahr feindlicher Uebermacht trotzen, und jeder Annehmlichkeit des Lebens entsagen.

[S. 42] Du hast Genie; du hast Gedichte geschrieben, die obgleich meistens durch irgend eine Plumpheit verunreinigt, dennoch durch einen gefalligen Versbau und durch lebendige Darstellung den Beyfall des grösten Theils unserer Nation erhielten. Dadurch wurdest du unnennbar eitel und stolz. Es ärgerte dich, daß du nicht auch über Deutschlands Schicksal sprechen und bestimmen kannst, da du doch, gewohnt dich selbst zu vergöttern, zu den ersten Geistern Deutschlands dich zählst.

[S. 43] Willst du meinen Namen wissen? Er ist: zweymal hundert fünfzig tausend Menschen, die du gerne verschmähen, deren Muth und Standhaftigkeit du gern herunter würdigen möchtest, wenn du es könntest.”

 

1795

Heinzmann, Johann Georg. Ueber die Pest der deutschen Literatur.  Digitalisiert von Google

“[S. 448] Mir schaudert, wenn ich eine Tochter mit einem Romane in der Hand erblicke - da sie arbeiten sollte. Die ihre besten Stunden des Tages mit der Leseläden Lektür tödtet; die zwecklos alles liest, was nur immer modisch-neues erscheint, die damit buhlt, und in ihrem Herzen mehr als einmal die Schamhaftigkeit tödtet, und die sittlichen Gefühle alle zum Schweigen bringt; die sich nach und nach gewöhnt, Wohlgefallen an den recht schmutzigen Schilderungen zu finden; die einen Bürger, einen Musenalmanachsdichter [Hervorhebung K.D.] mit geiler Lust auswendig lernt, und laut hersagt, was ein gesittetes Frauenzimmer ehemals weder hören noch lesen wollte. - Auch geschieht es ganz gewöhnlich nun heut zu Tage, daß die Männer, die solche Weibchen heyrathen, Hörnerträger werden, wie es so manchem Schriftsteller schon selbst geschehen ist . - Wenn er nun in Praxi an seiner Gattin übergehen siehet, was er so unschädlich im Buchstaben glaubte!”

 

1795

Anonym. Verschiedene Nachrichten. In: Hoch-Obrigkeitlich bewilligtes Donnstags-Blatt. No. 18, Zürich, den 30. April  Digitalisiert von Google.

“[S. 212] Bey Hs Georg Nägeli an der Augustinergaß sind folgende neue Musikalien zu haben: [...]
Hartung, Frau Schnips, Ballade von Bürger. 1 fl. 36 kr.”

 

1795

Bothe, Friedrich Heinrich. Volkslieder, nebst untermischten andern Stücken. Digitalisiert von Google.

“[S. 47] 6. Der Ritter von Elle.
[...] Percy fand diese rührende Ballade in seinem Folio-Manuskript; aber beinahe nur als Fragment. Was er indeß fand, gefiel ihm so sehr, daß er die Lücken ausfüllte, und das Ganze vollendete. Solchem anspruchlosen Bemühen des vortreflichen Mannes verdanken wir also, wie Vieles andre auch, diesen schätzbaren Ueberrest des Brittischen Alterthums. Er bewundert mit Recht die ungeschminkte Herzlichkeit, die durchaus in dieser Ballade herrscht, und sein Herz wußte sich so glücklich an dieselbe anzuschmiegen, daß man seine Zusätze und Ergänzungen nicht leicht herausfindet.
Bürgers Ballade: Ritter Karl von Eichenhorst, oder die Entführung, ist mehr als Nachahmung dieses schönen Stücks, das an liebenswürdiger Einfalt diese Kopie noch übertrift.

[S. 199] 14. Graf Walter.
[...] Diese Uebersetzung einer altenglischen Ballade, bei Percy überschrieben:
Child (Knight) Waters, die von Bürger herrührt, ist nicht so frei, als manche andern seiner Uebersetzungen brittischer Gedichte. Ich hatte nur die wenigen Spuren von der Verlegung der Szene nach Deutschland, und einige, nicht unbedeutende, Unrichtigkeiten zu vertilgen: um das Ganze als eine treue und geschmackvolle Nachbildung jener Ballade hier ausstellen zu können. So umgebildet, und ich wage es zu sagen, verbessert kann das Stück immer für neu gelten.
    Uebrigens gehört diese Ballade, nach Farbe und Stil, und besonders nach ihren äusserst rauhen Sitten und Karakteren zu urtheilen, unter die ältesten, die das brittische Alterthum aufweisen kann.

[S. 349] Der Mönch und die Pilgerin.
[...] Verstreut durch Shakespears Stücke sind unzählig viel kleine Fragmente alter Balladen, deren vollständige Abschriften nicht zu erhalten waren. Die pathetische Einfalt, die in vielen dieser Fragmente herrscht, reizte den Bischof Percy, einige von ihnen auszulesen, und sie, mit Hülfe weniger Ergänzungen, zu dieser kleinen Erzählung zu verbinden. Ein kleines Bruchstück nahm er aus Beaumont und Fletcher.
 Dies schöne Original der Bürgerschen Ballade: "Ein Pilgermädel jung und fein," verdient in vieler Rücksicht, neben der zwar schönen aber untreuen Kopie, seinen eigenen Platz.”

Ausschnitt aus Bothes Volkslieder in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1795

Anonym. Rez. Musenalmanach fürs Jahr 1795 Hg. J. H. Voß. In: Gothaische gelehrte Zeitungen, Acht und siebenzigstes Stück, den 26ten September. Digitalisiert von Google

“[S. 695] Nur ein Hr. Lr. erregt Aufmerksamkeit. Wenn das Gedicht an das Podagra ein sehr entbehrlicher Beytrag seyn möchte, so sind dagegen andere
Gedichte dieses Verf. desto schätzbarer, wie z. B. die Grabschrift auf Bürger, S. 243.
    Hier ruht Bürger, des Volks erkorner Liebling,
    Und Romanzenerzähler ohne Gleichen.
    Ihn las bänglich die Fürstenbraut am Putztisch,
    Ihn die ländliche Schönheit an der Spindel.
    Um so lieblicher Leserinnen willen
    Schon´, o Kritika, den du oft erzürnt hast,
    Und wirf sühnende Blumen auf sein Grab hin! “

 

1795

Lauenstein, Friedrich. Auf Bürgers Tod. In: Der Genius der Zeit. Zehntes Stück. October. Altona. Digitalisiert von Google

“[S. 129] Rinne nur herab, o Zähre,
   Auf des grossen Sängers Grab!
   Unter diesem Hügel haben
   Meinen Bürger sie begraben,
   Drum, o Zähre, rinne nur herab!

   Dank Dir, Harfner, für die Lieder,
   Für den ächten Deutschen Sang!
   Ach, wie lauscht´ ich mir Vergnügen,
   Wünschte kühn Dir nachzufliegen,
   Wenn Dein hohes Saitenspiel erklang!

    Edler Sänger, ach! auf immer
    Schweiget nun Dein holder Mund!
    Wer wird nun in süssen Weisen,
    So wie Du, den Biedren preisen,
    Und der treuen Liebe festen Bund?

    Du bist nun entflohn den Leiden,
    Bist entflohen allem Harm;
    Hast der Erde Dich entschwungen,
    Des Verdienstes Kranz errungen,
    Ruhest nun in Mollys Schwanenarm.

    Lange wird die Muse klagen,
    Die zum Liebling Dich erkohr.
    Immer wird Dein Lob erschallen,
    Und dein Nahme nie verhallen
    In der Deutschen edlem Bardenchor.
         Friedrich Lauenstein “

 

1796

Vetterlein, Christian Friedrich Rudolf. III. Romanzen. (5.) Die Entführung. In: Chrestomathie deutscher Gedichte. Erster Band.

“[S. 384] Der Stoff ist aus einer alten englischen Ballade genommen, die sich unter der Aufschrift The child of Elle in Percys Sammlung alter englischer Volkslieder, Reliques of ancient english poetry, Vol. I. p. 109. findet. Schon dieses alte Volkslied beweist durch seinen guten Plan, seine glückliche Zeichnung der Charaktere, und den klaren, angemessenen und populären Ausdruck, daß es einen wirklich poetischen Kopf zum Urheber habe; aber wie sehr hat es doch unter der Meisterhand eines Bürger gewonnen! Durch ihn ist die Skizze zum wahren. lebendigen Gemälde geworden. Er hat den Plan des Ganzen etwas erweitert; einzelne schon vorhandene Teile, die nur schwach angedeutet waren, mit neuen Zügen ausgeführt; die Motive der handelnden Personen mit tiefer Einsicht in das menschliche Herz entwickelt; die Charaktere schärfer und genauer gekennzeichnet und besser gruppirt; und diesen Stoff durch den lebendigsten Ausdruck dargestellt. - Auch dadurch ist die Geschichte dem deutschen Leser interessanter geworden, daß die Scene der Begebenheit auf deutschen Boden verlegt, und die englischen gegen deutsche Namen vertauscht sind.
  Der Dichter hat den alten Stoff so zu behandeln gewußt, daß er bis ans Ende interessirt, und das Interesse mit dem Fortgange der Begebenheit nicht sinkt, sondern steigt.

[S. 385] Die wahre und bestimmte Zeichnung der Charaktere, die der Dichter den handelnden Personen beilegt, ist ein Hauptmittel,
 diese Unterhaltung zu bewirken.

[S. 387] Doch durch das alles würde dieses Gedicht noch nicht so vortrefflich geworden sein, wie es ist, wenn nicht Sprache und Dikzion dem Inhalte so angemessen wären. Insbesonderheit sind Klarheit und Deutlichkeit des Ausdrucks, und sodenn jenes Volksmäßige, das den guten Geschmack durch nichts niedriges und pöbelhaftes beleidigt, besondere und fast eigne Tugenden der
bürgerischen Muse. Die Klarheit des Styls erreicht er durch eine kluge Befolgung des Sprachgebrauchs und des eigenthümlichen Ausdrucks; doch so daß er die üblichen Redensarten nach Erfordern, verändert, verkürzt und veredelt; auch unter mehrern gleich bekannten Ausdrücken die sinnlichern, die minder abstrakten und bestimmtern wählt; wobei ihm besonders seine Bekanntschaft mit der Sprache des gemeinen Lebens zu statten kömmt; denn er nimmt daraus zuweilen Worte und Redensarten auf, die bis dahin in der Schriftsprache nicht sehr üblich waren. - So ist z.B. bis daß er nieder dich gemacht, sinnlicher und energischer als das gemeine, bis daß er dich umgebracht, wie wirklich der Engländer statt dessen sagt: Till he had slain thee; - ausflimmern, st. verlöschen; - sich tummeln, st. eilen. Wo er aber nicht für gut findet, sich genau an den Sprachgebrauch zu halten, da ist sein Ausdruck neu, ohne affektiert, nachdrücklich, ohne schwülstig, kurz, ohne undeutlich zu sein. Z.B. er donnerte durch Hof und Haus, st. er machte darinn Lärm; er ließ die Lanze vorbei sausen, st. er schoß sie vorbei. - Doch das meiste trägt zu dieser Deutlichkeit die rechte Stellung und Ordnung der Begriffe und der successive Zusammenhang der Bilder bei, mit deren Hilfe er sie uns anschaulich macht.

[S. 389] Von dieser Klarheit des Styls, die Bürgers Gedichten eigen ist, läßt sich noch der wahre Volkston und Balladenstyl unterscheiden, der insonderheit seine Romanzen charakterisirt. Sein Ausdruck bekömmt aber, wenn ich nicht irre, diesen zweckmäßigen Anstrich von Popularität dadurch, 1) daß er sich mancher Idiotismen des Volkes bedient, die in der Büchersprache
nicht gebräuchlich, aber doch nicht unedel sind; z.B. vergeben und vergessen, Gottslohn; wenns Matthä am letzten ist sc. 2) durch Anspielung auf Sprichwörter, Sentenzen und Lieblingsphrasen des gemeinen Mannes, wodurch oft in der Kürze eine Menge Ideen erweckt wird; z.B. Es schien ihn so zu plagen, als hätt´ er wen erschlagen. 3) Durch den mäßigen Gebrauch der Onomatopöie oder solcher Wörter und Laute, die durch ihren Klang die Sache bezeichnen, ohne eben in der Schriftsprache zu Bezeichnung klarer Begriffe üblich zu sein; z.B. da hophop! trarah! und durch die Aufnahme von Interjektionen oder Empfindungstönen (hoho! huy!) aus der Sprache des gemeinen Lebens, woran bekanntlich unsre Schriftsprache gar zu arm ist. 4) Durch alte Wörter; denn die versetzen den Zuhörer in alte Zeiten; 5) durch Ellipsen, und eine, wo nicht grammatisch, doch logisch richtige Folge der Worte, wie sie uns wohl im Strome der mündlichen Rede entfährt; z.B. Sie da! Gertrudens Zofe, sc. kam; - und: Vor Zorn der Freiherr heiß und roth, glich einer Feueresse, statt: Vor Zorn heiß und roth, glich der Freiherr sc. - und endlich 6) durch Vermeidung alles Schweren, Gesuchten, Studirten und Gelehrten in Ansehung der Sprache, der Bilder, der Sachen. Denn was einen hohen Grad von Kultur, von Kentnissen oder Nachdenken voraussetzt, das kann nicht populär heißen, nicht allgemein verständlich sein.

[S. 394] 10) nachgeschmissen, in das Verließ nehmlich. Diese Drohung ist freilich barbarisch, und der Ausdruck hart und gräßlich; allein die Roheit der Zeiten, die Heftigkeit des alten Ritters, seine Rachbegierde gegen Karls Familie, die sein höchstes Gut, seine Ehre gekränkt hatte, rechtfertigen den Dichter über die Wildheit dieser Drohung hinlänglich. - Da der Widerstand des Vaters das eigentliche Hindernis ist, das den Liebenden entgegensteht, und da die Situazion um desto rührernder werden muß, je mehr sie Kraft nöthig macht, um es aus dem Wege zu räumen, so thut der Dichter wohl, daß er sich den Alten so stark als möglich gegen ihre Liebe erklären läßt. Der alte englische Balladendichter hat hier nur zwei matte Zeilen:
   And wihin three days she must him wedde,
   Or he vowes, he will her slaye.
(binnen drei Tagen soll sie ihn heirathen, oder er schwört, sie umzubringen.)

[S. 404] 48) Herzenskind. Trefflich, um das englische Darling auszudrücken. Liebling wäre vielleicht genauer, wenigstens feiner; aber lange nicht so volksmäßig. Das: du Trost in alten Tagen ist ein glücklicher Zusatz, und mußte um so eher Eindruck auf den Alten machen, weil es eben jetzt darauf ankam, ob er sich dieses längstgewünschte Glück, Freude an seiner Tochter zu erleben, durch seine Härte rauben, oder durch seine Gelindigkeit verschaffen wollte.”

 

1796

Bouterwek, Friedrich. Rezension englischer Übersetzungen der Lenore. In: Göttingische Anzeigen von gelehrten Sachen. 158. Stück.

“[S. 1577] Das hätte Bürger, als ihm noch kurz vor seinem Tode die Kritik einiger Deutschen so böse Tage machte, wohl nicht gedacht, daß sein Gedicht, Lenore, die Schwelle zum Tempel seines Dichterruhmes, in Einem Jahre von einem talentvollen jungen Manne aus einer Lords-Familie, Hrn. Spencer, einem gekrönten Hof-Poeten, Hrn. Pye, und einem Mitgliede der Londoner königl. Gesellschaft der Wissenschaften, Hrn. Stanley, ins Englische übertragen und mit typographischem Luxus zum Druck befördert werden würde. [...] Das Englische Publicum scheint sich also wenigstens nicht schwächer, als das Deutsche, wenn gleich mit mehrerer Besonnenheit, als dieses vor zwanzig Jahren, für die Lenore zu interessieren.

[S. 1578] Drey Uebersetzungen, die ihren Verfassern Ehre machen; und in keiner von allen dreyen der Geist, der im Originale lebt. [...] Welch ein ganz anderes Ding wird doch ein Gedicht, wenn es auf eine Vorstellungsart wirkt, deren Organ eine ganz andere Sprache ist!

[S. 1579] Aber sollen wir uns deßwegen gefallen lassen, daß man die Bürgerischen von uns so genannten Balladen in die Classe versificirter Mährchen (denn das heißt doch Tale in diesem Sinne), oder, wer weiß, wo sonst? einordnen? Soll ihr Charakter altdeutscher Treuherzigkeit, der doch wahrlich nicht zur Natur des Mährchens gehört, nicht in Betracht kommen?

[S. 1580] Was man doch Neues lernt, wenn man sich von dem Nachbar erzählen läßt, wie es in unserm Hause sieht!

[S. 1581] Als Rec. diese merkwürdige Amplificirung (nicht ohne Erstaunen) entdeckte, erinnerte er sich, daß ihm Bürger einmahl erzählte, er sey öfter gefragt worden, ob denn der zweyte Theil der Lenore nicht bald herauskommen würde. Dieser zweyte Theil der Lenore ist also jetzt wirklich herausgekommen.

[S. 1583] Beygefügt ist eine gut gerathene Copie des bekannten, zur Lenore gehörigen, Kupfers von unserm Chodowiecki, aber mit einem Anglicismus, Die Reiterinn hat sich in dieser Copie entschließen müssen, der Engl. Decenz zu Gefallen ihr rechtes Bein mit dem linken auf Eine Seite des Pferdes zu bringen. [...] Auch hätte Hr. Spencer wohl nicht nöthig gehabt, seinen Landsleuten zu Gefallen Bürger´s Nahmen Bürgher und hernach Burgher zu schreiben.”

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1796

Bouterwek, Friedrich. Rezension Bürgers Gedichte I. und II. Hg. Karl Reinhard. In: Göttingische Anzeigen von gelehrten Sachen. 107. Stück. 4. Julius.  .

“[S. 1065] Wenn es wahr ist - und es scheint nur zu wahr zu seyn - daß die schöne Litteratur der Deutschen sich zu ihrem Untergange neigt, so werden gewiß die Leser dieser Blätter an der Freude des Rec. Theil nehmen, der noch einmahl ein Werk des Deutschen Geistes aus derjenigen Periode anzeigen kann, die, mag denn auch der Deutsche Geschmack überhaupt in Verhältniß zu dem antiken und ausländischen seyn, was er will, künftig das goldene Zeitalter der Deutschen Kunst heißen wird. Als diese Gedichte nach und nach zuerst erschienen, nahm sie das Publicum bekanntlich mit fast ungestümem Enthusiasmus auf, und noch jetzt, da die Flamme des Enthusiasmus für das ästhetisch Merkwürdige in Deutschland so ziemlich erloschen ist, nimmt ein großer und kein verächtlicher Theil des Publicums eben diese Gedichte gegen eine Kritik in Schutz, die ihrer Seite vielleicht selbst einer Kritik bedürfte. Wie es gewöhnlich geht, wenn man des Guten zu viel thun will, so möchten auch hier wohl Enthusiasten und Kritiker den richtigen Maaßstab verfehlt haben, mit welchem Bürger's Gedichte gemessen werden müssen. Beiden, wenn sie sich unsere Vermittelung gefallen lassen wollen - was freylich viel verlangt ist -, einen friedlichen Vergleich zu erleichtern, kann diese neue Ausgabe der Bürgerischen Schriften wie ein neues Aktenstück dienen.

[S. 1067] Wenn man nun fragt: Ist denn dieser Bürger in seiner letzten Gestalt ein anderer, als der erst vergötterte, und dann wie ein Schulknabe zurecht gewiesene Bürger? so ist es zum Theil die Antwort auf diese Frage, was das Publicum mit einer strengen, aber nicht eiteln, Kritik versöhne muß. Alle Bürgerische Gedichte tragen das Gepräge einer lebendigen, nicht durch Ideen erhitzten, sondern durch den Eindruck der Natur erwärmten Phantasie. Wenn eine solche Phantasie Sprünge macht, die der Verstand nicht billigen kann, wenn sie z.B. von einer reinen Höhe sich auf einmahl in eine sehr unreine Tiefe wirft, so ist das leicht bemerkt und leicht getadelt. Aber das Bestreben, alle Fehler dieser Art zu vermeiden, den rastlosen und fast micrologischen Fleiß, den der Dichter auf jede Zeile, auf jedes Wort wandte, um seinem Gedanken Wahrheit und Reitz des Ausdrucks zu geben, blieb denen unbemerkt, die von Bürger's kritischer Strenge gegen sich selbst, seiner Bereitwilligkeit, sich belehren zu lassen, und seiner vorurtheilsfreyen Hochschätzung irgend einer andern, der seinen nicht verwandten, Manier nichts wußten. Von dieser Seite lernt man ihn durch diese neue Ausgabe eigentlich erst kennen; und jetzt erst kann man ihm auch, wenn ein Recensent sich sowas erlauben darf, den rechten Platz unter den Künstlern seines Vaterlandes anweisen. Wenn man fragt, was eigentlich denn das für ein Zaubermittel war, wodurch Bürger der Dichter alle Stände und Menschenclassen an sich zog, so entdeckt man außer dem Dichtungsgeiste, ohne den er überall kein Dichter hätte seyn können, und außer der Popularität, in der er auch nicht der einzige Meister war, in allen seinen Werken ein Studium, das unsern Rhapsoden gewöhnlich viel zu geringfügig scheint, als daß sie sich dabey aufhalten sollten, ein tiefes Studium des Geistes seiner Sprache. Eine eigenthümliche Gefülsart bahnte vermuthlich diesem Studium den Weg, und auch als Studium blieb es vielleicht für Bürger mehr Sache des reflectirenden Gefühls, als des eindringenden Verstandes. So wie in jeder Kunst und Wissenschaft nur derjenige etwas Eigenes und Großes hervorbringen kann, wer die Dinge von einer neuen Seite ansieht, so gelang es Bürger´n, der Schöpfer der Deutschen Ballade zu werden, weil er in der Sprache seiner Väter die vor ihm verborgene Fähigkeit derselben zur schönsten Darstellung des Wunderbaren und Ungewöhnlichen im Costume der alten ritterlichen Treuherzigkeit entdeckte. Was vor ihm Aehnliches in dieser Gattung da war, und Romanze hieß, war nur der Form nach dieselbe Dichtungsart. Mit dem Hurre, hurre, und Hop, hop, hop, über dessen poetischen Werth wir jetzt nicht streiten wollen, erwachte in Bürger's Seele eine ganz neue und doch dem Geist der Deutschen Sprache völlig gemäße Darstellung. Durch diese von ihm erfundene Darstellung, die sich mit allen ihren Eigenheiten in der Lenore am deutlichsten zeigt, hat er sich als Balladendichter ein Verdienst erworben, auf welches nicht jeder, übrigens schätzbare, Dichter Anspruch machen kann. Seine Poesie ist ihrem innersten Wesen nach Deutsch, wie Ariost's Poesie Italiänisch ist. Man übersetze beide, so gut man will; sie sind nicht mehr, so bald sie eine andere Sprache reden. Nimmt man dazu, daß in den Bürgerischen Balladen die Diction, sehr wenige Fehler abgerechnet, so correct ist, daß auch ein Grammatiker fast nichts dagegen zu erinnern haben kann, so wird ein gerechte Kritik Bürger´n, dem Balladendichter, den Rang eines Deutschen Classikers nicht versagen. Aber Bürger, der Oden- und Liederdichter, wird sich freylich mit einer mäßigern Ehre begnügen müssen.

[S. 1070] Das Lied: Die Holde, die ich meine, ehemahls Das Mädel, das ich meine, erscheint nun freylich nicht mehr als Volkslied,
 aber dafür als ein so vollendetes Ganzes von Bildern der Lieblichkeit, daß es unter den Deutschen Gedichten dieser Art für eben das gelten kann, was die Mediceische Venus unter den weiblichen Statuen ist.”

Die Rezension in den Göttingischen Anzeigen in der ONLINE-BIBLIOTHEK.
 

1796

Eschke. Kleine Beobachtungen über Taubstumme. In: Berlinische Monatsschrift. Achtundzwanzigster Band: Julius bis Dezember. Dessau. Digitalisiert von Google

“[S. 129] Was man mir vorwarf, daß ich kein ernster Lehrer, sondern ein spaßhafter sei: dies, glaube ich, ist die Ursache warum es mir bei den mehresten Taubstummen glückt. Lustigkeit macht Kindern alle wissenschaftliche Felder zu Zuckerfeldern, und der größte Taubstumme ist ohne Unterricht ein kleines Kind. Daß es auf den Spatziergängen mit meinen Taubstummen lustiger zugeht, als wenn ich wie Mamsell La Regle (in Bürgers Gedichten) einen Trupp hörender Kinder vorsichtiglich führte, ist wohl natürlich. “

 

1796

Stäudlin, Gotthold Friedrich. Ankündigung. In: Oekonomische Hefte. Sechster Band. Leipzig. Digitalisiert von Google

“[o.S.] Ich nenne von diesen g rößern Gedichten, die meine Leser zu erwarten haben, einstweilen eine Ballade unter dem Titel: Der Junker von Falkenstein, als Seitenstück zu Bürgers Pfarrers Tochter zu Taubenhain; eine den Name meines Vaters gewidmete Elegie; zween lyrische Stücke: Der politische Fanatismus und: Zu Bürgers Gedächtnisse; Die Verächter der Dichtkunst, eine ernste Satire und: Die Weinlese, eine schwäbische Idylle u. s. w. “

 

1797

Bouterwek, Friedrich. Rezension G.A. Bürger´s sämmtliche Schriften, 3. Band, Hg. Reinhard.

„[S. 940] Dieser Band enthält nichts, als Bürger´s Verdienste um den Homer. Man darf hier wohl von Verdiensten reden. Denn ist gleich Alles, was Bürger für den Homer gethan hat, nur Fragment, so zeigt sich doch in diesen Fragmenten eine solche beharrliche Liebe zu dem alten Griechischen Barden - wirklich bey einem Deutschen Dichter schon etwas Verdienstliches - ein solches Hinanstreben nach der Vollkommenheit dichterischer Uebersetzungen, eine so richtige Beurtheilung des Homerischen Geistes, und ein so tiefes Studium der Deutschen Dichtersprache im Verhältnisse zu der Homerischen, daß schon deßwegen dieser Band Bürgerischer Schriften die günstigste Aufnahme im Publicum verdient.

[S. 942] Bey dem Allen verdiente dieser Versuch einer jambischen Uebersetzung Homer´s aufbewahret zu werden, als ein merkwürdiger Beytrag zur Geschichte unserer Litteratur. - Aber mehr als Versuch ist die nachher von Bürger angefangene Uebersetzung in Hexametern, wovon die drey ersten Gesänge zuerst im Göckingischen Journal von und für Deutschland abgedruckt wurden, und in diesen vermischten Schriften nach handschriftlichen Verbesserungen wieder erscheinen. Angehängt ist noch der zwey und zwanzigste Gesang, ganz nach der Handschrift. Auch gegen diese Uebersetzung mag der Critiker, den sein griechischer Homer verwöhnt hat, Manches mit Grunde erinnern. Aber daß keine andere Nation, so viel dem Rec. bekannt ist, sich einer so Homerischen Uebersetzung Homer´s rühmen kann, ist wohl nicht zu bezweifeln.

[S. 944] In Bürger´s Versen regt sich leider! nur zu oft ein gewisser Cynismus; aber in seinen Critiken - auch in den mündlichen, wie Jeder, der ihn gekannt hat, sich erinnern wird - trat er so leise zu, als ob er bey jeder Aeusserung befürchtete, einem Menschen Unrecht zu thun, der doch auch seine Verdienste hatte.“

Die vollständige Rezension in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1797

Anonym. Ueber Pygmalion, Gegen eine Aeußerung des Archivs. In: Berlinisches Archiv der Zeit und ihres Geschmacks. Berlin.  Digitalisiert von Google

“[S. 414] Bürger erinnerte durch seine Verse, mehr als Göckingk, an Pope, diesen großen Meister in der Verskunst, der, was Fleiß und beurtheilende glückliche Sorgfalt betrift, noch von Wenigen erreicht und schwerlich von Einem übertroffen ist.
   Bürger übertraf Pope, wiewohl nicht seine Verse. Bürgers Gedichte haben Empfindung; Popens Verse belebet der Witz. — Pygmalion! — Um die Seele war es ja dem am meisten zu thun; was der Meißel vermögte, hatte er durch geschickte Handfertigkeit lange versucht. [...]
  Wird sich nicht mancher Deutsche der mehr als einmal lieset, noch dankbar an Bürger erinnern? Und, wenn es erlaubt ist, was ihm tiefsinnig und wahr, über Ideale und Idealisiren gesagt ward (wie ein Dilettante vermag) in alltäglichen Ausdrücken zu sagen: manchen von Bürgers Gedichten wäre mehr Schönheit der Empfindung zu wünschen; aber Empfindung ist doch in seinen schönen Versen. Für diese Sinnlichkeit hier möchte ich nicht gern ein Beiwort suchen; welches es seyn müßte, ergeben nur gar zu deutlich in der folgenden Strophe die zwei Verse:
  Hingeschmiegt an einen zarten Leib
  Würde dennoch Sehnsucht ihn verzehren.
Wir hören alle gern die Liebe besingen, auch wer wenig davon empfindet; aber wenn die Begierde besungen wird: müßte die nicht etwas verschönert werden? “

 

1797

Jenisch, Daniel. Ueber die hervorstechendsten Eigenthümlichkeiten von Meisters Lehrjahren; [...]. Berlin, 1797. Digitalisiert von Google

“[S. 211] Ein Genie und ein großer Geist sind wesentlich verschieden. Einen Klopstock, einen Lessing, einen Wieland, einen Göthe, Schiller u.s.w. nennen wir mit Recht große Geister der teutschen Nation. Aber warum diesen erhabenen Namen auch einem Uz, einem Bürger, einem Dichter Jacobi beylegen? Genies in der Dichtkunst mögen sie seyn: dawider hab ich nichts. Aber man hat sehr irrige Begriffe von dem, was ein großer Geist ist, wenn man den Verfasser einer Ode, einer Elegie, eines Liebesgedichts, für einen großen Geist hält. Er kann es seyn: er kann Anlagen dazu haben: aber er ist es nicht durch seine Sammlung von Oden, Elegien, Epigrammen und Liebesliedern.“

 

1797

Cramer, Carl Friedrich. Cramer der Kraemer. oder Annalen der französischen Litteratur und Kunst. Erstes Stück.  Digitalisiert von Google.

“[S. 22] Der Dichter Bürger, nicht ohne Ursach mit Schwabacher gedruckt, [...] ,(viel von Natur wissend,) da die Andern das Vielwissen durch den Fleis zwingen. Wirklich gabs damals unter allen den grundgelehrten Doctoribus Germanicae jener Pflanzschule;( zum Beweise dass Vielwissen und Vielerkennen Zweyerley ist,) - in sofern sie sich wenigstens öffentlich äusserten, - keinen Einzigen dort, der nicht über die mächtigen Fortschritte, mit denen das wiedergebohrene Frankreich einem neuen Menschenglückseligkeitssysteme entgegeneilte, deraisonirt hätte; keinen Einzigen, der so gesund über Despotismus dachte, als der Dichter Bürger, in seinem Liede des Bauern an den Fürsten; [...].”

 

1797

Gräter, F. D.. Ueber Bürgers Quellen und deren Benutzung. In: Der neue Teutsche Merkur. 10. Stück  Digitalisiert von Google.

“[S. 143] Von dem Stoffe der Leonore ist mir in denjenigen Sammlungen Englischer und Schottischer Lieder, die ich durchblättert habe, nie was vorgekommen. Aber wenn auch die Engländer wirklich etwas ähnliches aufgefunden haben, so fürchte ich, möchte ihr Nationalstolz wenig dabey gewinnen. Ein Beyspiel, wie Bürger alte Stoffe zu benutzen pflegt, wird hinreichend seyn, es ins Klare zu setzen, um wie viel die Engländer sich mehr auf ihren hergegebenen Stoff, als wir Teutsche uns auf die Bürgerische Bearbeitung und Ausbildung desselben zu gute thun dürfen.

[S. 152] Wie gesagt, der englische Literator beherzige dieses Bürgerische Selbstbekenntniß, vergleiche im Stillen die Lenore mit seinem vermeynten Fund noch einmal, und ziehe sich dann beschämt oder bescheiden mit diesem seinem Fund zurück.“

Der vollständige Beitrag in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1797

Schubart, Ludwig. Englische Blätter. Siebenter Band. Erlangen. Digitalisiert von Google

“[S. ] Ellenore, a Ballad, originally written in German by G. A. Bürger in 4. (2 s.) in Fol. (4 s.) Johnson 1796.

Dies ist der Zeit nach die erste von den 4 oder 5 Uebersezzungen, welche im vorigen Jahre England von B. Leonore erschienen sind. Mehrere Engländer haben zu beweisen gesucht, daß Bürger den Stoff zu dieser Ballade aus einem alten engl. Volksgesange genommen habe; aber wie es auch seyn mag, so scheint uns doch, man thue so wohl mehrern alten als neuern Dichtern unrecht, daß man sie auf das Zusammentreffen eines ähnlichen Gedankens mit einem ältern Dichter, gleich der Nachahmung beschuldige. Es liessen sich leicht mehrere psychologische Gründe anführen, warum Dichter in ihren Darstellungen oft zusammentreffen. - Diese Uebersezzung verdient alles Lob, und sie steht den Andern an Werthe nicht nach. Sie hat überdies darin einen Vorzug, daß der Uebers. in der Versart die Balladenform gewählt hat. Er hat die Szene aus Deutschland ach England in die Zeit des Kreutzzuges des Königs Richard gelegt. “

 

1797

Heusinger, J. H. G. Von dem didaktisch-lyrischen Gedichte. In: Handbuch der Aesthetik, Zweiter Theil. Gotha. Digitalisiert von Google

“[S. 184] Nach diesen Vorbereitungen hoffe ist nun desto kürzer angeben zu können, was ich unter einem didaktisch-lyrischen Gedichte verstehe. Es ist ein Gedicht, welches einen Gedanken (Satz, Wahrheit, Einfall - das ist hier alles einerlei) nicht nur lebhaft und geistvoll vorträgt - denn das thut jedes didaktische Gedicht - sondern, mit Empfindung vorträgt. Hier ist ein Beispiel.
        An Agathe.
 Nach einem Gespräche über ihre irdischen Leiden und Aussichten in die Ewigkeit.
   Mit dem naßgeweinten Schleier
   Wisch ich meine Thränen ab,
   Und mein Auge schauet freier
   Durch das Leben, bis ans Grab.
            [...]
   Mich begleite jede Wahrheit,
   Die du schmeichelnd mir vermählt
   Zu dem Urquell aller Klarheit,
   Wo kein Reiz sich mehr verhehlt!
Wer wird wohl leugnen, daß dieses schöne Gedicht etwas didaktisches an sich habe, da es von einer so interessanten Wahrheit so umständlich handelt? Ist es aber bloß didaktisch? daran zweifle ich. Diese Gedanken hätten sehr schön, (geistreich, lebhaft, glänzend) ausgeführt werden können, ohne daß darum das herzliche, das wehmüthige, das liebevolle in das Gedicht gekommen wäre, das jetzt in demselben herrscht. Die Ueberschrift, und die, späterhin vorkommende Anrede an die geliebte Fromme erklärt uns aber das lyrische, das empfindungsvolle in dem Gedichte hinlänglich, und wir sehen deutlich, daß der Dichter nicht bloß Wahrheiten sagen, sondern daß er einer von ihm geliebten Dulderin Wahrheiten sagen wollte. Er lies also nicht bloß seinen Verstand, er lies auch sein Herz sprechen, und das Gedicht wurde lyrisch-didaktisch. “

 

1798

Althof, Ludwig Christoph. Einige Nachrichten von den vornehmsten Lebensumständen Gottfried August Bürger`s, nebst einem Beitrage zur Charakteristik desselben. Göttingen 1798.

[S.88] Was Bürger´n, als Menschen betrachtet, am meisten auszeichnete, das war ein ungemein hoher Grad von Herzensgüte und Wohlwollen gegen alle Geschöpfe. [...] Diese Herzensgüte und dieses Wohlwollen gegen Andere zeigten sich nicht bloss durch wörtlich geäusserte Theilnahme an fremdem Unglücke; sondern er pflegte es auf die thätigste Art zu beweisen, wie innig und aufrichtig seine Theilnahme war.

[S.91] Aber Weichheit des Herzens und Empfänglichkeit für Mitleid, selbst mit Menschen, die es um ihn so wenig
verdient hatten, war nicht der einzige rühmliche Zug in Bürger´s Charakter. Sein moralischer Sinn war eben so fein und zart, als sein ästhetischer, und seine Grundsätze waren gewiss nicht verwerflich, wenn er gleich zuweilen, oder vielmehr oft, verleitet wurde, ihrer zu vergessen.

[S.92] Aber bei der grossen Redlichkeit und Biderkeit seines eigenen Herzens wurde es ihm gewöhnlich sehr schwer, Andern in einem hohen Grade schlechte Handlungen zuzutrauen. Sein fester Glaube an Menschenwürde und Menschenadel sträubte sich immer dagegen, ob er selbst gleich oft und auf mannigfache Weise ein Opfer dieses Glaubens geworden war.

[S.93] Zu den liebenswürdigsten Eigenschaften seines Charakters gehört seine grosse Bescheidenheit. Man würde ihm in der That sehr unrecht thun, wenn man ihm diese Tugend, wegen mancher etwas lebhaft ausgedruckten Äusserungen eines gewissen Selbstgefühls, streitig machen wollte. Bürger bewies durch sein Beispiel, dass man auch bei einem sehr lebhaften Gefühle dessen, wodurch man sich vor tausend Andern auf eine rühmliche Art auszeichnet, dennoch sehr bescheiden seyn könne.

[S.98] Überhaupt kann man von Bürger´n gar nicht sagen, dass er Mühe und Arbeit gescheut hätte; nur musste der Zweck der Arbeit Interesse für ihn haben.

[S.102] Gerechter gegen fremde Verdienste kann man nicht seyn, als Bürger es war. Ich getraue mir, zu behaupten, dass er nie in seinem Leben das Verdienst eines andern Dichters vorsätzlich verkannt, oder gar herabgesetzet habe.

[S.111] Er hatte viele von den besten Schriftstellern in verschiedenen Sprachen gelesen: denn er verstand, ausser der Griechischen und Lateinischen, die Englische, Französische, Italienische und Spanische sehr gut, und lernte, wie ich bereits angeführt habe, noch spät die Schwedische. Die Plattdeutsche liebte er vorzüglich, und war geneigt, ihr, wegen ihres Wohlklanges und ihrer Regelmässigkeit, den Vorzug vor der Hochdeutschen einzuräumen.  

[S.115] Durch seine moralischen Fehler hat mein Freund mehr sich selbst, als Andern geschadet. Den meisten und für ihn nachtheiligsten Einfluss auf seine Handlungen hatte wohl die ihm eigene grosse Lebhaftigkeit der Phantasie, welche freilich der Vernuft zuweilen den Zügel entriss. So wenig Bürger bei einer weniger feurigen Einbildungskraft und bei kälterem Blute Bürger gewesen seyn würde: so gewiss wäre es doch für ihn und seine äusseren Verhältnisse besser gewesen, wenn die Phantasie weniger Herrschaft über ihn gehabt, und sich nicht so oft gegen die Vernunft aufgelehnt hätte.

[S.116] Zu seinen Fehlern rechne ich ferner einen Mangel an Beharrlichkeit in der Ausführung guter Entschlüsse. Hätte er nur die Hälfte von dem wirklich gethan, was er zu thun sich oft sehr fest vornahm: so würde er in seinem Leben manchen Verdruss weniger und manchen frohen Genuss mehr gehabt haben.

[S.117] Eine gewisse Nachlässigkeit in Geschäften, die ihm zuwider waren, habe ich oben schon eingeräumt.”

Althofs Nachrichten in der ONLINE-Bibliothek.

 

1798

Schiller, Friedrich. Brief an Wilhelm von Humboldt vom 27. Juni 1798. In: Briefwechsel zwischen Schiller und W.v. Humboldt 1830.

“[S. 444] Ich sagte oben, daß ich in diesem Fehler meinen Einfluß zu erkennen glaube. Wirklich hat uns beide unser gemeinschaftliches Streben nach Elementar-Begriffen in ästhetischen Dingen dahin geführt, daß wir die Methaphvsik der Kunst zu unmittelbar auf die Gegenstände anwenden, und sie als ein praktisches Werkzeug, wozu sie doch nicht genug geschickt ist, handhaben. Mir ist dieß vis á vis von Bürger und Matthisson, besonders aber in den Horen-aufsätzen öfters begegnet.”

 

1798

Koch, Erduin Julius. Grundriss einer Geschichte der Sprache und Literatur der Deutschen. Zweiter Band. 1798.  Digitalisiert von Google.

“[S. 143] 4. Sonnett
       (Klinggedicht.)
[...] G.A. Bürger; in seinen Gedichten stehen unstreitig die schönsten Sonnette, welche bis jetzt in Deutscher Sprache geliefert worden sind.”

 

1798

Schütze. Die Nachahmer. In: Deutsches Magazin, Sechzehnter Band. Altona. Digitalisiert von Google

“[S. 480] Liebt denn die ganze lebende Natur? Erinnert euch doch nur der Arbeitsbienen! *)

*) Die Arbeitsbienen haben bekanntlich kein Geschlecht: Hiernach ist Bürgers Ausruf einzuschränken:
       Hast du nicht Liebe zugemessen
       Dem Leben j eder Kreatur;
       Warum bin ich allein vergessen:
       Auch meine Mutter, du Natur? “

 

1799

Anonym. Rezension Lenore von G.A.Bürger, in Musik gesetzt von I.R. Zumsteeg. In: Allgemeine Musikalische Zeitung. 3.Oct. 1798 bis 25.Sept. 1799.

„[S. 536] Die Compositionen der Balladen, so wie sie itzt von Männern bearbeitet werden, die mit dem Studium der tonwissenschaftlichen Theorie zugleich einen geläuterten Geschmack verbinden, darf man in jeder Rücksicht mit eben dem Rechte als eine neue Acquisition im Fache der Tonkunst ansehen, mit welchem man behauptet, dass diese Gattung von Gedichten durch den unsterblichen Volksdichter Bürger ihre glänzendste Epoche erreicht habe, und man sollte sich beynahe verwundern, dass seit den ersten Versuchen der Andréschen Muse dieses so interessante Feld bisher grösstentheils brach gelegen, da bekanntlich das servum imitatorum pecus das im Gebiete der schönen Künste nicht minder zu spucken pflegt, als im Reiche der Literatur überhaupt, selten einer solchen Erscheinung die Ehre ihres Daseyns allein gegönnet hat.

[S. 539] Schon bey der ökonomischen Einrichtung dieses Tonstücks, die bekanntlich sein Vorgänger Herr André ganz vernachlässigte, zeigte Herr Z. eine nicht gemeine Einsicht. So lang auch das Gedicht ist, so geschickt wusste es derselbe durch seine unterlegte schöne Klavierbegleitung einzurichten, dass weder der Vortrag der Singparthie dem Sämnger zu mühsam, noch aber durch jene eine Ausdehnung erhielt, die den Zuhörer etwa ermüden könnte. Man findet darin nicht eine einzige überflüssige Wiederholung des Textes, nicht ein Ritornell, das blos in fugam vacui auf dem Notenblatte stände oder dem text nicht anpassend wäre.”

Die vollständige Rezension in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

1799

Laukhard, Friedrich Christian: Zuchtspiegel für Fürsten und Hofleute. Digitalisiert von Google

“[S. 96] Sezt Gott uns solche Brut zu Königen auf Erden:
      So kann der Teufel auch noch sein Gesalbter werden.

Man sehe die 2te Abtheilung des 4ten Packs meiner Briefe über den Feldzug des Herzogs von Braunschweig, S. 478. - Daß übrigens Bürgers Bauer auch noch heutzutage für einige Gegenden nicht zu viel sage, beweisen die Aktenstücke zu der Hodenbergischen Jagdsache, in den Annalen der leidenden Menschheit von S. 124 - 149. “

Der vollständige Beitrag in der ONLINE-BIBLIOTHEK

 

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